Ken Alibek / Stephen Handelman
Direktorium 15
Rußlands Geheimpläne für den biologischen Krieg
Econ, München, 1999
ISBN 3-430-11013-0
DM 44,90 / EUR 22,95


Auf einer Insel im Aralsee: Hundert Affen sind an Pfähle gebunden, als eine kleine Kugel in die Luft geschossen wird und rotierend zu Boden fällt, wo sie detoniert. Die Affen zerren an ihren Ketten, versuchen ihre Münder, Nasen und Augen zu schützen. Doch sie alle gehen in den nächsten Stunden und Tagen jämmerlich zugrunde: an Milzbrand, Tularämie, Q-Fieber, Brucellose, der Rotzkrankheit oder Pest. "Experimente wie diese habe ich in den achtziger und frühen neunziger Jahre geleitet", gesteht Ken Alibek alias Kanatjan Alibekow gleich zu Beginn seiner erschütternden Enthüllungen ein. Vor seiner Flucht in die USA im Jahr 1992 war er Vize-Direktor von Biopreparat, der Tarnorganisation des sowjetischen bzw. russischen Programmes für Biologische Waffen.

Mit Hilfe des Time Magazine-Kolumnisten Stephen Handelman hat Alibek in Direktorium 15 seinen beruflichen Werdegang beschrieben, den es so eigentlich gar nicht hätte geben dürfen. 1972 hatten zahlreiche Länder, darunter Rußland und die USA, nämlich einen Vertrag über das Verbot Biologischer Waffen geschlossen. Lediglich die Forschung zur Verteidigung gegen B-Waffen-Angriffe blieb noch erlaubt.

Doch Alibeks glaubwürdigem Report zufolge brach die UdSSR bzw. nach deren Zerfall Rußland dieses Abkommen in vollem Umfang. 1988 beispielsweise habe er vom Kreml den Auftrag erhalten, Milzbrand-Erreger in solchen Mengen zu produzieren, daß die Mehrfachsprengköpfe der SS-18-Interkontinentalraketen damit hätten ausgerüstet werden können.

Der Report rührt auch menschlich an. Vom Leben in geheimdienstlichem Umfeld blieb Alibeks Familie nicht verschont. Einmal infizierte er sich mit lebensgefährlichen Krankheitserregern, einer seiner Kollegen starb qualvoll. Die ständigen Impfungen bereiten dem 1950 in Kasachstan geborenen Arzt heute große gesundheitliche Probleme.

Um 1990 wandte sich Alibek seinen Möglichkeiten entsprechend verstärkt der zivilen medizinischen Forschung zu, blieb als Oberst aber hoher Funktionär von Biopreparat. Während einer Reise in die USA, die der Inspektion der amerikanischen B-Waffen-Forschungsstätten galt, gewann Alibek den Eindruck, daß der ideologische Feind sich tatsächlich weitestgehend an den bestehenden B-Waffen-Vertrag hielt. Während des Putsches gegen Gorbatschow im August 1991 trat er aus der Kommunistischen Partei aus und kündigte bei Biopreparat. Und empfand sich in Gefahr. Mit Hilfe amerikanischer Kollegen gelang ihm die Flucht mit Frau und Kindern.

In der neuen Welt packte er über das illegale sowjetisch/russische B-Waffen-Programm aus. Er warnt seither davor, die Gefahr durch Biologische Waffen zu unterschätzen oder gar zu verharmlosen. Ken Alibek weiß wovon er spricht. Und die bakteriologisch hochgradig verseuchte Insel im Aralsee rückt, weil das Gewässer immer weiter austrocknet, dem Festland täglich näher...

Beachten Sie zum Thema B-Waffen auch:

Manuel Kiper, Jürgen Streich, Die geplanten Seuchen. Gifte, Gene und Mikroben gegen Menschen (=> Eigene Bücher)


zurück zur Startseite