Fehlschuß in den
Bundesliga-Buchhimmel

Best of 40 Jahre Bundesliga
Auf dem Jahrmarkt der Nation

Eine Buchkritik von Heinz Horst

Wolfgang Overath, Gerd Müller oder Günther Netzer sind nur drei klangvolle Namen aus der 40jährigen Geschichte der Fußball-Bundesliga. Hartgesottene Fans könnten die Spielerliste wohl stundenlang weiterführen. Und dann kämen auch weniger bekannte Namen zum Vorschein. Denn wenn Fußballfans ins Schwärmen oder Fachsimpeln geraten, dann gibt es kein Halten mehr. Allerdings werden dann gerne mal Tatsachen leicht verdreht oder durch die rosarote Vereinsbrille gesehen. Wie gut, daß es reichlich Nachschlagewerke gibt. Und rechtzeitig zum runden Jubiläum hat der Agon Verlag ein neues Buch auf den Markt gebracht.

"Best of 40 Jahre Bundesliga", lautet der Titel. Doch bereits damit haben die Autoren Bürte Hoppe und Lorenz Knieriem zu hoch gegriffen. Es fehlen nämlich viele wirkliche "Best of"-Geschichten. Dabei hatten Hoppe und Knieriem eine gute Idee. Sie haben die Bundesliga mit einem Rummelplatz verglichen. "Saison für Saison hat sich so viel Interessantes, Aufregendes, Spannendes und Kurioses zugetragen, daß die Bundesliga mit Fug und Recht als ein einziger Rummelplatz bezeichnet werden kann, auf dem so ziemlich alles zu finden ist, was einen Besuch auf einem realen Jahrmarkt zu einem niemals langweilig werdenden Vergnügen werden lässt." Warum aber haben dann die Autoren den aufschneidenden Titel "Best of" gewählt und keinen aus dem Rummelplatzmilieu?

Der Einstieg ist recht platt ausgefallen: "Kaum zu glauben, aber wahr: Am ersten Bundesliga-Spieltag gab es gleich eine ganze Reihe von Premieren: Den ersten Anstoß, den ersten Einwurf und die erste falsche Abseitsentscheidung." Wahnsinn, den ersten Anstoß gleich am ersten Spieltag! Gut daß er stattgefunden hat, worüber ließe sich sonst in Kneipen oder auf Feten so trefflich streiten, wie über die Bundesliga. Genauso sorglos wie mit dem Einstieg haben Hoppe und Knieriem dann weitergemacht. Es werden Fotos von ehemaligen Bundesligaspielern und -trainern gezeigt, leider werden aber ihre Namen vergessen. Gut, Beckenbauer, Kahn und Daum wird wohl jeder Fan erkennen. Doch wer ist der Herr mit Hut auf Seite 86? Und wo wir schon bei den Fotos sind: Was hat der ehemalige Tennis-Davis-Cup-Kapitän Wilhelm Bungert mit Best of Bundesliga zu tun? Leider werden die Leser nicht nur hier im Dunkeln gelassen.

Wie ein roter Faden ziehen sich die zahlreichen Leserbriefe aus dem Kicker-Archiv durch das Buch. Eine nette Idee, aber sie werden recht lieblos ins Buch gestellt. Dabei halten die Briefe wenigstens das, was die Autoren im Klappentext versprechen: Erinnerungen zum Schmunzeln. Einige Fans haben recht seltsame Ansichten zur Bundesliga, und das teilen sie per Leserbrief der Nachwelt mit. Um diese aber richtig einordnen zu können, wäre es sehr hilfreich gewesen, auch das Erscheinungsdatum des entsprechenden Leserbriefs an den Rand zu schreiben. Daß ein Leserbrief gleich zweimal ins Buch gerutscht ist, unterstreicht die Oberflächlichkeit, mit der Hoppe und Knieriem scheinbar dieses Buch zusammengestellt haben.

Auf den 128 Seiten gibt es zahlreiche Fotos, einige nette Darstellungen und Karikaturen. Dafür haben die beiden Autoren an Text gespart. Nicht aber an der Satzlänge. Vielleicht haben sie zu viel Thomas Mann gelesen. Die unergiebig langen Sätze ermüden den Leser und oft fragt man sich, was hat das noch mit der Fußball-Bundesliga zu tun?

Trotzdem gibt es auch kleine Überraschungen im Buch zu entdecken. Die Saison 94/95 war spannend bis zum letzten Spieltag, sowohl Werder Bremen als auch Borussia Dortmund konnten noch Meister werden. Und damit die Fans so schnell wie möglich nach dem Finale das Meisterbuch von ihrem Verein in den Händen halten konnten, entschloß sich der Agon Verlag, sowohl ein Buch über den Meister Bremen, als auch eins über den Meister Dortmund zu drucken. Mit dem Resultat, daß das Exemplar Deutscher Meister 1995 - Werder Bremen seitdem in der hintersten Archivecke vor sich hinrottet.... Immerhin ist es nicht aus Versehen auf den Markt gekommen.

Dann ist da noch die gemeinsame Tabelle von Polaroid und Kicker. In der Saison neunzehnhundert... - leider fehlt hier wieder die Jahreszahl -, also in einer früheren Saison wurde die "Tabelle der Tore in Minutenschnelle" ermittelt. Da wurden Punkte vergeben, die sich in den ersten Spielminuten ergaben. Und so gab es am 24. Spieltag eine ganz kuriose Tabelle. Da lag der 1. FC Saarbrücken an der Spitze vor dem 1. FC Köln und Fortuna Düsseldorf. Doch wer am Ende der Saison die Nase vorne hatte, verraten Hoppe und Knieriem leider nicht.

Die Liste der Oberflächlichkeiten läßt sich weiter fortführen. Es gibt eine Seite mit Bundesliga-Stürmern, auf der Gerd Müller fehlt. Statt dessen taucht dort als Erster Karl Allgöwer (129 Tore) auf, als zweiter Dieter Hoeness (immerhin 127 Treffer), gefolgt von Klaus Allofs (immerhin schon 177 Tore). Wie im gesamten Buch, so auch auf dieser Seite, ist keine klare Richtung zu erkennen. Wahrscheinlich handelt es sich bei den Abbildungen um das persönliche Archiv von Bürte Hoppe und Lorenz Knieriem.

Vielleicht kann man den Autoren noch zugute halten, daß es auf der Kirmes oder dem Rummel auch kreuz und quer zugeht. Und auch in der Bundesliga fehlt es oft an gradlinigen Spielzügen. Aber auf dem Rummel oder im Stadion verzeihen wir den Akteuren, in einem Buch über 40 Jahre Bundesliga nicht. Bevor sich Fußball-Fans dieses Buch kaufen, sollten sie lieber in eigenen Erinnerungen schwelgen. Best of 40 Jahre Bundesliga ist ein Preßschlag mit Kerze in den Bücherhimmel.

Best of 40 Jahre Bundesliga von Bürte Hoppe und Lorenz Knieriem ist im Kasseler Agon Verlag erschienen und kostet 12,90.

Heinz Horst, knapp drei Jahre älter als die Bundesliga, studierte Geographie in Köln, bevor er eine journalistische Ausbildung absolvierte und freiberuflich - u.a. im Fußballbereich - für verschiedene private Radiosender arbeitete. Er verfaßte Kabarett-Beiträge und wurde Redakteur vom Dienst bei Radio Erft. Von dort ging er als Wirtschaftsredakteur zum Businessradio der FAZ. Inzwischen arbeitet er als freiberuflicher Journalist.

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