Kay Löffler
Ermittlungsdienst Chorweiler
Klaus Bielefeld Verlag, Friedland 1999
2. Auflage, Januar 2000
ISBN 3-932325-86-9
DM 16,80

Ermittlungsdienst Chorweiler gehört zu den Büchern, die man schon nach der Lektüre weniger Zeilen nicht mehr aus der Hand legen möchte. Und das, obwohl es darin um triste bis bedrückende Dinge geht: Um Leben und Tod von Menschen im sozialen Brennpunkt Köln-Chorweiler sowie die Arbeit der Beamten, die versuchen, dort so etwas wie Recht und Ordnung aufrecht zu erhalten.

Angeblich handelt es sich um einen Roman. Doch Kay Löffler, der sechs Jahre lang Leiter des Ermittlungsdienstes Chorweiler war, hat darin selbst erlebte Begebenheiten lediglich so verfremdet, daß die beteiligten Personen nicht wiederzuerkennen sind. In seinen literarisch auf eine Woche reduzierten Erfahrungen schildert der Autor die Suche nach Hinweisen auf eventuell vorhandene Angehörige in den Wohnungen von "Fundleichen" von Menschen, deren Tod meist nur per Zufall bemerkt wird, wenn sie schon seit Wochen verwesen. Löffler beschreibt für beide Seiten nervige Verwaltungsakte wie das Stillegen von Autos ebenso spannend wie das Auffinden eines Wohnwagens, in dem Hunde-Welpen im eigenen Dreck vegetieren. Immer wieder sind die Mitarbeiter des Ermittlungsdienstes Chorweiler mit illegal campierenden Zigeunern konfrontiert. Mal werden sie mit Mokka, mal mit scharfen Schußwaffen empfangen.

Kay Löffler gelingt es in Ermittlungsdienst Chorweiler eindrucksvoll, eine Welt, die eigentlich niemand sehen will, so zu schildern, dass man mehr darüber erfahren möchte. Und demnächst vielleicht genauer hinsieht.



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