Achim Laude / Wolfgang Bausch
Der Sport-Führer
Die Legende um Carl Diem
Verlag Die Werkstatt, Göttingen, 2000
ISBN 3-89533-295-X
DM 34,-


Wenn es noch weiterer Argumente bedarf, daß Straßen, Sportplätze- und Hallen sowie Auszeichnungen, die nach Carl Diem benannt sind, schleunigst umbenannt werden sollten dieses Buch liefert sie.

Der Absolvent der Sporthochschule Köln (gelegen am Carl-Diem-Weg) Achim Laude und der Journalist Wolfgang Bausch, der u.a. für das ARD-Magazin Monitor arbeitet, zeichnen darin ein detailliertes Bild des Organisators der Olympischen Spiele 1936 in Berlin und Gründers der Deutschen Sporthochschulen in Berlin und Köln.

Sie arbeiten nachvollziehbar heraus, wie Diem den Sport als eine Art soldatische Stählung des "Volkskörpers" in den Dienst des Vaterlandes stellte, gleich ob es sich dabei um das Kaiserreich, die Weimarer Republik oder eben das Nazi-Regime handelte. Die Autoren legen eindrucksvoll dar, wie Diem sportliche Großveranstaltungen als Propagandashows für die Nazis, deren Partei er selbst nie angehörte, plante.

Sie dokumentieren darüber hinaus die intensive Vortragstätigkeit Diems in den verbleibenden Jahren der Nazi-Herrschaft. Dabei forderte er Frontsoldaten immer wieder auf, den Opfertod nicht zu scheuen. Und als der Krieg für Deutschland längst verloren war, rief er sogar noch die auf dem Reichssportfeld in Berlin versammelte Hitlerjugend auf, sich wie das "tapfere Volk von Sparta" zu verhalten und "wie Helden zu sterben, denn es sei schön, für das Vaterland zu sterben."

In der jungen Bundesrepublik arbeitete Diem an der "Korrektur" seiner befleckten Vita. Dabei nahm er es, wie Laude und Bausch belegen, mit der Wahrheit nicht sehr genau. Die selbe Mentalität legte auch seine Frau Liselott, die nach Diems Tod im Jahr 1962 das nach ihm benannte Institut an der Sporthochschule leitete, an den Tag; ebenso der heutige Leiter des aus öffentlichen Mitteln finanzierten Carl und Lieselott Diem-Archivs, Karl Lennartz. Das Archiv sei, betonen seriöse Historiker, aufgrund der zahlreichen Verfälschungen, Auslassungen, Uminterpretationen etc. aus wissenschaftlicher Sicht wertlos.

Das Buch von Achim Laude und Wolfgang Bausch ist Pflichtlektüre für alle, die sich bei der Aufarbeitung des dunkelsten Kapitels deutscher Geschichte auch für die Rolle des Sports und seines damals wichtigsten Funktionärs interessieren.

Beachten Sie zu diesem Thema auch:

Kein Schild mehr für Carl Diem (=> Umbenennung der Carl-Diem-Allee)


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