Kurz vor der Wahl macht sich Realismus breit

Das Projekt
"Eins Komma acht"

Realitätsverlust ist eine weit verbreitete Krankheit. Besonders stark grassiert sie in Politiker-Kreisen, wo wiederum Mitglieder bestimmter Parteien besonders empfänglich auf das Virus reagieren. Nachdem Helmut Kohl die gesamte CDU angesteckt hat, wollte die FDP nicht nachstehen und den Größenwahn noch toppen. Jürgen Möllemann interpretierte die neun Prozent Stimmanteil, die seine Partei bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen erzielte, dahingehend, daß diese Zahl bei der Bundestagswahl schlicht verdoppelt werden könne. Satte 18 Prozent sollten es werden; der Parteitag folgte ihm tumb bei dieser Zielsetzung. Das ist so ähnlich, als wenn ein tiefklassiger Hochspringer, der normalerweise so um die 1,80 Meter springt, mal 1,90 Meter schafft, daraufhin ankündigt, beim nächsten Wettbewerb um völlig illusorische 3,80 Meter abzuheben, und seine Sportkameraden diesen Schwachsinn auch noch zum höchsten Vereinszweck ausrufen.

Wenn also jemand im Begriff ist, sich selbst zu schädigen, indem er sich lächerlich macht, ist es gut, wenn die Fürsorgepflicht der Mitmenschen greift, diese also den von Realitätsverlust und Größenwahn Befallenen vor sich selbst schützen. Es ist kaum zu glauben, aber wahr: In unserer seit den 16 Jahren CDU/FDP-Koalitionsregierung völlig entsolidarisierten Gesellschaft, in der Raffgier und Eigennutz zur weit verbreiteten Lebensphilosophie geworden sind, gibt es noch solche selbstlosen Menschen. Immer mehr Bürger holen die FDP auf den Boden der Tatsachen zurück. Sie scheuen weder Kosten noch Mühen, die Plakate mit der einzigen Aussage "18" nachzubessern. Zum Schutz vor selbst beschlossener Lächerlichmachung der Umfaller-Partei kleben sie - in der korrekten Farbe, Größe und Typographie - Kommata zwischen die Ziffern 1 und 8. Denn selbstverständlich wird das tatsächliche Wahlergebnis der FDP sehr viel näher an 1,8 statt an 18 Prozent liegen.

Die Bürger, die insbesondere im Rheinland (das nebenstehende Foto eines verbesserten Plakates hat der Herausgeber dieser Internet-Seiten in Frechen-Königsdorf aufgenommen) das von den Gagaisten um Guido Westerwelle angestrebte Wahlergebnis vorausblickend zehnteln, sind zwar letztlich auch ein wenig zu optimistisch. Rein juristisch betrachtet begehen sie eine Sachbeschädigung, sofern das Komma nicht rückstandsfrei wieder abgezogen werden kann. Doch letztlich handeln sie in Notwehr, denn 18 Prozent für die FDP wären eine Katastrophe für unser Land. In dem Zustand, in dem sich die Partei derzeit befindet, sind selbst fünf Prozent noch zuviel. Das Projekt "Eins Komma acht" verdient daher Beachtung. Lieber ein Komma mit einer Eins davor für die FDP, als die gesamte Politik im Koma.

(`Tschuldigung, Hildegard Hamm-Brücher, Burkhard Hirsch, Gerhard Baum und andere aufrechte freie Demokraten, aber so steht´s nunmal in Zeiten der Westerwelles und Möllemänner um Eure Partei!)


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