Hardt, Hohndorf, Morbitzer, Dahlkamp, Grüne, König
Hennes & Co.
Die Geschichte des 1. FC Köln
Verlag Die Werkstatt, Göttingen, 2000
ISBN 3-89533-308-5
DM 39,80


Dieses Buch gehört in die Bücherschränke aller Fußballfans. - Ja, auch dann, wenn ihr Herz für den BVB, HSV, für Bayern oder sonstwen schlägt. Denn am 1. FC Köln kommt ja doch keiner vorbei. Nun gut, zwei Spielzeiten lang ist die gesamte erste Liga an ihm vorbeigekommen. Und noch einige mehr. Man kann halt nicht immer alles haben.

Seit aber der "alte" Kämpfer für Frieden und Gerechtigkeit, der auch auf´m Platz sportliche Recke Ewald Lienen, die kölsche Truppe trainiert, ist dort endlich so etwas wie Disziplin eingekehrt. Präsident Albert Caspers, ehemaliger Ford-Manager, führt den Verein im Gegensatz zu seinen Vorgängern nicht mehr wie einen Karnevalsverein. Und Sportdirektor Hannes Linßen trägt maßgeblich dazu bei, daß wieder Verbundenheit der Spieler mit der Stadt und den Fans zustandekommt. Wenn der FC diese Marschrichtung durchhält, könnte er in der geldverseuchten Sportwelt ein deutliches Zeichen setzen.

Dieser 1. FC Köln, der als einziger Verein von Format mit dem Geißbock Hennes (es amtiert der VII.) ein lebendiges Maskottchen hat, der mehrfach Deutscher Meister und Pokalsieger war, selbst dem FC Liverpool heiße Tänze bereitet hat und der deutschen Nationalmannschaft 1954, 1974 und 1990 Spieler zur Verfügung stellte, ohne die sie niemals Weltmeister geworden wäre, dieser 1. FC Köln wird bei genauem Hinsehen nun 100 Jahre alt. Während es bei anderen Vereinen eine Selbstverständlichkeit ist, das Bestehen der Vorgängerclubs der eigenen Existenz zuzurechnen, ist es in Köln bisher nämlich kaum jemandem aufgefallen, daß der "Kölner Ballspiel-Club", mit dem alles begann, erstmals 1901 gegen Bälle treten ließ.

Bemerkt hat das der in Sport- und speziell Fußballfragen sehr engagierte Göttinger Verlag Die Werkstatt, der seit einigen Jahren gut recherchierte und für die jeweiligen Fans eigentlich unumgängliche Buchporträts deutscher Traditionsvereine herausgibt. Im Kölner Fall hat Die Werkstatt sachkundige Fans drangesetzt. Freaks, von denen manche seit vielen Jahren kein Pflichtspiel des 1. FC Köln mehr verpaßt haben.

Einer - der arme Kerl! - mußte sich mit dem FC in den neunziger Jahren beschäftigen. Die Überschrift der Rubrik: "Durchs Tal der Tränen". Doch die Tränen sind längst getrocknet, in Köln denkt man, wie es die letztlich sympathische lokale Eigenart ist, positiv in die Zukunft. Bald schon wird der 1. FC Köln wieder auf internationalem Parkett antreten. Vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft wieder mal Meister. 2006 wird Köln nicht nur Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaft sein, sondern der Nationalmannschaft auch wieder Spieler liefern, mit denen sie... Ach, man soll nicht zu weit in die Zukunft spekulieren.

Journalisten sollten sich neutral verhalten. Aber wie soll ich das denn machen, wenn es um den 1. FC Köln geht? Den Verein, dessen Spieler der siebziger Jahre - Wolfgang Overath, Wolfgang Weber, Hannes Löhr und viele andere - ich nie vergessen werde. So wie den Trainer Tschik Tschaikowski, der mir als Kind bei der Erfüllung eines Autogrammwunsches über den Kopf strich und sagte: "Ja, mejn Junge, Fußball ist ejn scheener Sport!" Diesen 1. FC Köln, der in mir das Interesse für Sport überhaupt auslöste, wofür ich bis heute dankbar bin. Auch wenn ich später die Fußballschuhe gegen einen Judo-Anzug ausgetauscht habe. Diesen Verein, in dessen Stadion Hooligans nicht gelitten sind, dessen Anhänger stattdessen seit Jahrzehnten eine tolle Freundschaft zu den Fans des sympathischen FC St. Pauli pflegen. Ja, wie soll ich denn eine journalistischen Gepflogenheiten entsprechend neutrale Rezension über ein Buchporträt des 1. FC Köln schreiben? Es gibt Dinge, die gehen einfach nicht.

Trotzdem: Der Verlag Die Werkstatt hat ein tolles Buch über einen eigentlich tollen Verein gemacht. Eigentlich? - Naja, dieser Club raubt seinen Anhängern mitunter den letzten Nerv und müßte eigentlich mit in deren Kranken- und Rentenversicherungen einzahlen. Aber Sport soll ja spannend sein.

Sollte es dem 1. FC Köln gelingen, die jetzt begonnene Entwicklung - eine Identifikation zwischen Spielern, Fans und der Stadt zu etablieren und dabei das Thema Geld wenigstens etwas in den Hintergrund zu drängen - fortzusetzen, dann wird der Verein Spitzenreiter sein. Nicht immer der Tabellen, aber Spitzenreiter dabei, den Sport wieder näher an die Lebenswirklichkeit der Menschen zu bringen. Dann können Geldclubs wie der FC Bayern und Borussia Dortmund ruhig gelegentlich am FC vorbeiziehen. Gelegentlich natürlich nur. Auf lange Sicht aber kommt kein Verein an seinen Fans vorbei. Wenn der 1. FC Köln jetzt Kurs hält, wird er auf seine Weise immer Spitze bleiben.

Also noch einmal der - völlig befangene - Tip: Hennes & Co - Die Geschichte des 1. FC Köln. Ein Buch, das den Werdegang des Großstadtvereins ebenso wie dessen Höhenflüge und Wanderungen durch Täler beschreibt. Männer im Rentenalter sollen bei der Lektüre feuchte Augen bekommen haben.

Aber auch ihre Söhne, Töchter und Enkel. - So ist er halt, der 1. FC Köln.


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