Live dabei
Erinnerungen eines Journalisten
Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach, 2001
ISBN 3-7857-2070-X
DM 39,80


Ein Buch, das nicht nur für Fernsehzuschauer, die mehr über "ihren" Korrespondeten und Nachrichten-Moderator erfahren wollen, ausgesprochen interessant ist. Live dabei - Erinnerungen eines Journalisten ist neben vielem anderem eine toll geschriebene Autobiographie. Und eine Hymne auf seriösen Journalismus, den Wolf von Lojewski nachvollziehbar als den "schönsten und interessantesten aller Berufe" beschreibt.

Von Lojewski gibt viel Persönliches preis, ohne daß der Eindruck von Aufdringlichkeit entsteht, und viel Berufliches auf eine Art und Weise, die den Leser an Starallüren gar nicht erst denken läßt. Nach der Lektüre seines Buches ist man sicher, ihn als Menschen und Journalisten zu verstehen. Wenn er auf der vorletzten der 297 Seiten schreibt, "Doch immer noch fehlt mir der Mut zu behaupten, die Welt sei durch meine Berichte und Moderationen besser geworden", dann ist das bescheiden, aber nicht ganz richtig. Durch Journalisten wie Wolf von Lojewski verstehen viele Menschen besser, was auf der Welt vor sich geht - eine unabdingbare Voraussetzung für Erhalt des Guten oder Wandlung hin zum Besseren, letztlich für Demokratie.

Live dabei - der Titel hätte nicht besser gewählt sein können. Und zwar nicht nur bezogen auf die Passagen, während derer von Lojewski beschreibt, wie er als Korrespondent irgendwo auf dem Globus live fürs deutsche Fernsehpublikum dabei war. Live dabei fühlt man sich auch, wenn er beschreibt, wie er als kleiner Junge auf der Flucht aus dem heimatlichen Ostpreußen in Danzig beinahe verlorengegangen und allein in einen Zug gestiegen wäre, von dem er dachte, er brächte ihn nach Hause. Doch was wäre aus ihm geworden, wenn seine Mutter ihn nicht im letzten Augenblick wiedergefunden hätte?

Live dabei fühlt der Leser sich, wenn von Lojewski das ärmliche Leben unmittelbar nach dem Krieg in Schleswig-Holstein, seine Politisierung, sein Studium, das Kennenlernen seiner Frau Ute und seine ersten journalistischen Schritte bei den Kieler Nachrichten und seinen Aufstieg in die erste Liga der deutschen Journalisten beschreibt. Aber eben auch, wenn er Maggie Thatcher, Helmut Kohl, dem Dalai Lama oder den US-Präsidenten Richard Nixon und Ronald Reagan begegnete. Ob es um die Watergate-Affäre oder den Falkland-Krieg geht - Wolf von Lojewskis nun in Live dabei veröffentlichte persönlichen Eindrücke beleuchten die Geschehnisse in einem ganz eigenen Licht; einem Licht neben den Spots der Kamera- und Studioscheinwerfer.

Zudem erfährt der Leser viel über die persönlichen Entbehrungen und Einschnitte, die ein journalistisches Vagabundenleben, wie das, das er geführt hat, mit sich bringt. Da ist es ganz verständlich und auch angenehm zu lesen, bei welchen Gelegenheiten Wolf von Lojewski Skat gespielt hat und daß er, als er von Winzern aus der Nähe des Mainzer (ZDF-)Lerchenberges um einen Vortrag zur Vorstellung eines neuen Weines gebeten worden ist, über Flensburger Pilsener referiert hat.

Der Heute-Journal-Chef, Jahrgang 1937, will nun, kurz vor der Pensionierung, ein wenig seßhafter und Rheinländer werden bzw. bleiben. Doch sehne er sich auch für das ein oder andere journalistische Abenteuer wieder hinaus in die Welt, in der er sich beinahe überall heimisch fühlt.

Die Vorstellung, daß es auch künftig Fernsehbeiträge von Wolf von Lojewski gibt, aber eben auch zu Hause am Schreibtisch verfaßte Bücher von der Qualität seiner Autobiographie, ist sehr gut.


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