Lyrik, die mir etwas bedeutet Im Frühsommer 1985 schlug Cornelia Durrant von Greenpeace für ein paar Tage, während derer wir in Bonn arbeiteten, ihr Lager bei mir auf. Eines Morgens, kurz bevor wir in die Hauptstadt aufbrachen, um Politiker von unseren Abrüstungsvorschlägen überzeugen zu wollen, hörten wir im Radio, daß der neue Generalsekretär der sowjetischen KPdSU, Michail Gorbatschow, einseitig die Atomwaffentests ausgesetzt habe. Wir konnten es kaum glauben. Käthe Kyrion kannte ich damals noch nicht. Hier ein Gedicht von ihr:


Glasnost und Perestroika

Da flattern sie hin
meine zerstreuten Sorgen
meine hoffnungsvollen Gedanken

Im Auftrieb
zaghafter
Zuversicht

Taumelnden Vögeln gleich
unter stärksten Fallwinden
dem noch so dünnen
Sonnenstrahl
entgegen


Cornelia Durrant wurde später Präsidentin von Greenpeace International, Michail Gorbatschow zu einem der - vielleicht dem rettenden - Politiker des 20. Jahrhunderts. Und Käthe Kyrion meine Lieblingslyrikerin und Brieffreundin.

Denjenigen, die mehr aus der Feder von Käthe Kyrion, die 1999 den Kulturpreis ihrer Heimatstadt Hürth (bei Köln) erhielt, lesen möchten, sei ihr jüngstes Buch Frauen zwischen den Betten empfohlen. Es ist im ferber-verlag Köln erschienen und enthält u.a. viele Gedichte, die Ergebnisse zahlreicher langer Gespräche mit Frauen sind, die Schutz vor ihren brutalen Männern in Frauenhäusern suchten. Wer Käthe Kyrion persönlich kennt, weiß um ihr Engagement bis hin zur Selbstaufgabe für in Schwierigkeiten geratene Menschen.

In diesen Tagen "seit dem 11. September" ist soviel die Rede davon, daß jeder bei sich selbst anfangen müsse, die Welt positiv zu verändern. In ihren Texten - ob hochdeutsche oder mundartliche Gedichte bzw. Prosa - befaßte Käthe Kyrion sich schon lange vor diesem Datum im Spätsommer 2001 damit, wie dies gehen könnte und kann.



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