Elisabeth Mann Borgese
Mit den Meeren leben
Ein Bericht an den Club of Rome
Ein mare-Buch
Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln, 1999
ISBN 3-462-02868-5
DM 39,90


Rezension erschienen in Pro Zukunft, der Zeitschrift der Internationalen Bibliothek für Zukunftsfragen (Robert Jungk-Stiftung), Nr. 1/2000

Schon in ihrem ersten Bericht an den Club of Rome (Die Zukunft der Weltmeere, erschienen 1985) vertrat Elisabeth Mann Borgese die Ansicht, dass in der internationalen Regelung der Nutzung des maritimen Gemeinerbes die Keimzelle einer zukunftsgerichteten und nachhaltigen Weltwirtschaftsordnung steckt. Vor diesem Hintergrund ist auch der Titel des neuen Berichtes, Mit den Meeren leben, als Plädoyer zu verstehen, die Erfahrungen bei der internationalen Verwaltung der Meere auf andere gemeinsame Ressourcen, etwa die Erdatmosphäre, zu übertragen.

Elisabeth Mann Borgese, jüngste Tochter des Literatur-Nobelpreisträgers Thomas Mann, holt dazu weit aus. Nach Betrachtungten über die faszinierende Physis der Ozeane und deren Rolle in der Kulturgeschichte geht die Autorin auf den Aspekt ein, an dem der Hebel der Veränderung am dringendsten, aber auch am Erfolg versprechendsten anzusetzen ist: die wirtschaftliche Bedeutung der Meere. Die jüngst durch eine Tanker-Katastrophe ausgelöste Ölpest an der bretonischen Küste hat das noch einmal in aller Deutlichkeit vor Augen geführt. Dabei ist Mann Borgeses Ausflug in die Wirtschaftslehre verschiedener Religionen und Philosophien (z.B. die Ghandis) keinesfalls ein Nebenaspekt, sondern ausgesprochen lesenswert.

Die Professorin für Seerecht an der Universität Halifax präsentiert und kommentiert in Mit den Meeren leben positive Ansätze wie die UN-Seerechtskonvention und Beispiele bi- oder multilateraler Verwaltung von Meeresregionen durch die angrenzenden Staaten. Ob diese das Baltikum oder das Seegebiet zwischen Indonesien und Australien betreffen, immer streicht Elisabeth Mann Borgese die Aspekte Friedenssicherung, Umweltschutz sowie gleichberechtigte wirtschaftliche und wissenschaftliche Nutzung als vorrangige Ziele heraus. Bei der Verfolgung dieser Ziele könne die Menschheit für die Lösung weiterer drängender Probleme von den Meeren und ihrer Verwaltung lernen.

Die Wege, die Elisabeth Mann Borgese dazu vorschlägt, sind, da sie auf bereits bestehenden Organisationen und Verträgen wie der Internationalen Meeresbodenbehörde aufbauen, bereits beschritten. In Mit den Meeren leben ruft die Autorin auf der Grundlage einer fundierten Darstellung der Ist-Situation dazu auf, diesen Kurs aufgrund neuer Erfahrungen und Erkenntnisse zwar ständig zu korrigieren, grundsätzlich aber konsequent und energisch weiterzuverfolgen. Mit den Meeren leben, das auch beeindruckende Fotos enthält und ein Nachschlagewerk hinsichtlich der Seerechts-Vertragslage darstellt, ist somit ein Buch, das Hoffnung macht.



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