Juan Luis Cebrían
Im Netz - die hypnotisierte Gesellschaft
Bericht an den Club of Rome
DVA, Stuttgart, 1999


Rezension erschienen in Pro Zukunft, der Zeitschrift der Internationalen Bibliothek für Zukunftsfragen (Robert Jungk-Stiftung), Nr. 2/2000

"Noch ist es zu früh, um uns die fundamentale Frage zu beantworten, nicht aber, um sie zu stellen: Sind wir dank der neuen Technologien wirklich humaner?" Daher versucht Juan Luis Cebrían in seinem Buch auch nicht der Antwort vorzugreifen. Er erörtert statt dessen Chancen und Gefahren der Kommunikationstechnologie.

Cebrían weiß, wovon er schreibt. 1976 war er Gründungsdirektor der Tageszeitung El País und blieb bis 1988 an deren Spitze. Das Blatt spielte eine wesentliche Rolle bei der Demokratisierung Spaniens. Heute ist Cebrían Mitglied im Aufsichtsrat eines großen Medienunternehmens.

Prinzipiell findet er es "ermutigend festzustellen, dass unsere Zukunft sich auf Dialog gründet und nicht auf Konfrontation." Cebrían verweist auf Betrachtungen, denen zufolge die Medien eine "Erweiterung der menschlichen Sinne" (McLuhan) darstellen, womöglich ein "kollektives Nervensystem". Dazu bringt er einen wichtigen Gedanken ein: Beim klassischen Kommunikationsschema "Sender, Überträger, Empfänger" wird bis heute von vielen, die die finanziellen und technischen Möglichkeiten dazu haben, der Schwerpunkt auf Sender und Überträger gelegt. Der Empfänger ist vom Konsum der Informationen abgesehen passiv. In einem globalen Netz ändert sich das jedoch, weil die Empfänger die Informationen, an denen sie interessiert sind, selbständig und zielgerichtet auswählen können.

Das eröffnet große Chancen für die Demokratie, beinhaltet aber auch Missbrauchsgefahren. Im Netz können schließlich Falschinformationen, Halbwahrheiten etc. zu Zwecken der Manipulation weitgehend ungehindert verbreitet werden.

Cebrían selbst setzt durchaus Hoffnungen in die neuen Technologien. Er verweist auf Möglichkeiten wie die, bei komplizierten medizinischen Fällen gleichzeititig Spezialisten verschiedener Disziplinen zu involvieren, die über den Erdball verteilt sind. Und nicht zuletzt könnten "virtuelle Klassenzimmer" zu einem "universalen Bewusstsein" führen. Doch dazu dürfe die Gesellschaft sich eben nicht vom Netz hypnotisieren lassen.


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