Erich Schöndorf
Von Menschen und Ratten
Über das Scheitern der Justiz im Holzschutzmittel-Skandal
Verlag Die Werkstatt, Göttingen, 1998
ISBN 3-89533-251-8
DM 24,80
Die Risiken des technischen Fortschritts waren lange tabu. Die Inszenierung der Habenseite z.B. Automobile, Wegwerf-Geschirr, Kunstdünger, Insektenspray verstellte den Blick aufs Soll: kranke Menschen und zerstörte Natur.

Doch der Staat bleibt untätig. Und auch die Justiz, für viele ein zentraler Hoffnungsträger, verweigert sich, läßt Betroffene im Stich, während Konzerne ungehindert Profite machen.

Wie das im Detail aussieht und warum das so ist, erzählt Erich Schöndorf, Professor für Umweltrecht, exemplarisch am Holzschutzmittel-Fall, den er als Staatsanwalt mehr als zehn Jahre lang bearbeitet hat. In einer fesselnden Geschichte erfährt der Leser, wie es gelungen ist, die Schädlichkeit der Stoffe nachzuweisen, gekaufte Gutachter zu überführen, manipulierte Grenzwerte zu entlarven und die verantwortlichen Firmenbosse als skrupellose Kriminelle auszuweisen, die von den Zusammenhängen wußten.

Daß es letztlich dennoch nicht gelungen ist, die Täter zu bestrafen und die Opfer zu rehabilitieren, hat nicht allein mit der perfekt organisierten Macht der Konzerne zu tun. Auch und vor allem die Justiz steckt tief im Sumpf von Verantwortlichkeit und Schuld.

Doch nicht nur die Schäden nehmen zu, auch die Bereitschaft der Betroffenen, sich zu wehren, wächst. Erich Schöndorfs Buch ist ein Plädoyer für eine veränderte Justiz, eine dritte Staatsgewalt, die Werte wie Leben, Gesundheit und saubere Umwelt endlich wieder dort einstuft, wo sie hingehören: oberhalb von Wirtschaftsinteressen.

Beachten Sie bitte auch:

Erich Schöndorf, Feine Würze Dioxin (=> Buchempfehlungen)


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