Bürgermeister a.D. Rudi Tonn

Ein Freund ist tot und lebt in den Herzen weiter Rudi Tonn im September 2004 © Udo Beißel / Kölner Stadt-Anzeiger éNur jemand, den man vergißt, ist wirklich tot' lautet sinngemäß ein treffender Spruch, angeblich aus dem Zen-Buddhismus. In diesem Sinne wird Rudi Tonn leben, solange es Menschen gibt, die ihn kannten. Wer seine Herzens-Intelligenz erlebt hat, wird ihn nie vergessen. Mit seiner Menschlichkeit hat er Spuren hinterlassen, die noch lange - sehr lange! - wirken werden.

Die Redakteurin Birgit Lehmann vom Kölner Stadt-Anzeiger schrieb, daß "die Stimme desjenigen, der von ihm sprach, einen ganz besonderen, warmen Klang" bekam. Richtig, es konnte eigentlich gar nicht anders sein, denn Rudi machte Politik für seine Mitmenschen in einer unnachahmlichen Weise. Er wußte ganz genau, was er wollte und wie das Ziel am besten zu erreichen war, doch das heute in der Politik fast schon obligatorische Über-Leichen-gehen war ihm völlig fremd. Politische Gegner kannte er wohl nur an den radikalen Rändern, ansonsten gab es für ihn Mit-Politiker, die in bester demokratischer Kultur einbezogen werden mußten. So sprechen auch Konkurrenten aus anderen Parteien mit hohem Respekt von ihm. Dabei war er Sozialdemokrat im eigentlichen Sinne des Wortes durch und durch.

Rudi Tonn wurde als Sohn eines Handwerkes am 25. Dezember 1923 in Pommern geboren und siedelte nach einer Ausbildung zum Industriekaufmann in Berlin mit seiner Frau Christel, die er 1946 geheiratet hatte, 1962 ins Rheinland über. Der SPD war er 1956 beigetreten. 1969 wurde er in den Hürther Stadtrat und dort - als Fußball- und FC-Fan - zum Vorsitzenden des Sportausschusses gewählt. 1975 wurde er stellvertretender, 1979 erster Bürgermeister. Er blieb dies 20 Jahre lang. Noch bis Herbst 2004 saß er für die SPD im Kreistag des Rhein-Erftkreises. Er war Mitglied zahlreicher Vereine und engagierte sich insbesondere für die Arbeiterwohlfahrt.

1986 hat er das Bundesverdienstkreuz, 1991 den Ehrenring der Stadt Hürth und 2000 die Ehrenbürgerrechte seiner Wahl-Heimatstadt Hürth erhalten.

In seiner Zeit als Bürgermeister, in der wir uns kennenlernten - ich war damals zunächst Lokaljournalist -, hat er die Stadt Hürth geprägt. Die Einwohner seiner Kommune nannten ihn respekt- und liebevoll "Mister Hürth", widmeten ihm gar, als er abdankte, eine große Veranstaltung unter dem Motto "Danke, Rudi!" - Für mich, der ich Anfang / Mitte der achtziger Jahre über die Politik in zahlreichen Städten und Gemeinden in der Region berichtete, wurde Rudi Tonn der Inbegriff des Bürgermeisters schlechthin. Zu einem seiner späteren Geburtstage schrieb ich ihm, daß jeder Bürgermeister, mit dem ich jemals zu tun haben würde, sich bei mir an ihm messen lassen müsse.

Von 1980 bis 1990 war ich selbst Mitglied der SPD und engagierte mich, nachdem ich den Kölner Stadt-Anzeiger - da hatte ich mich natürlich parteipolitisch neutral zu verhalten - verlassen hatte, auch in verschiedenen Gremien, in manchen gemeinsam mit Rudi Tonn. Doch aufgrund eines Streits im Frechener Ortsverein verließ ich die Partei. Hätte es in dieser mehr Menschen vom Schlage eines Rudi Tonn gegeben, wäre ich wohl geblieben. Doch mein Austritt war nie ein Thema zwischen uns, unser freundschaftliches Verhältnis blieb davon völlig unberührt.

Rudi Tonn hat mich mit seinen Ratschlägen und Hinweisen immer wieder ermutigt, unsere gemeinsamen Auffassungen von Politik und Journalismus in der Praxis umzusetzen. Ich bin ihm sehr dankbar dafür, denn schließlich hatte ich mit ihm einen wirklich großen Politiker kennengelernt. Hätten wir mehr davon, wäre die Welt eine bessere.

Sein tief verwurzelter Humanismus, seine Weisheit, sein Gespür im Umgang mit Menschen sowie seine so selbstverständliche Herzlichkeit machten ihn zu einem ganz besonderen Menschen. Eben einem, den man nie vergißt. Und an dem man sich ein Beispiel nehmen sollte, gleich, was man macht. Immer hat er auch die Liebe zu seiner Frau Christel, mit der er einen Sohn hat, hervorgehoben.

Von einem Schlaganfall im Jahr 2002 hat er sich nicht mehr richtig erholen können. Dennoch engagierte er sich auch im Sommer 2004 noch im Wahlkampf für seinen Nachfolger Walther Boecker. Doch die Nachwirkungen eines Herzinfarktes überstand Rudi Tonn nicht mehr. Er starb am 20. Dezember 2004 im Frechener Krankenhaus.

Danke für alles, was Du getan hast, Rudi! - In meinem und den Herzen vieler anderer Menschen wirst Du weiterleben. Ich bin glücklich, daß ich Dich kennenlernen durfte und Du mein Freund bist.

Dein

Jürgen

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