Kay Löffler
Dorf der Wolkenmacher

Klaus Bielefeld Verlag, Friedland, 2001
ISBN 3-89833-100-8



Marvin ist kein Kind mehr, aber auch noch nicht erwachsen. Er ist Anführer einer Gruppe von Freunden im Jugendlichen- und Kindesalter, die sich auf einer Lichtung eine Hütte gebaut hat und dort ein Pony versteckt hält. Das Tier sollte eingeschläfert werden, weil dessen vorheriger Besitzer in ein Altersheim umziehen mußte. Bald schon stehen Marvin und seine Freunde in der Nähe ihres Idylls vor einem Schild, das den Zutritt zu einem riesigen Areal verbietet. Letztlich erfahren sie durch einen Polizisten, dem Vater eines der Kinder, daß nicht nur ihre geliebte Lichtung, sondern auch ihr Heimatdorf weggebaggert werden und einem Braunkohlentagebau weichen soll.

Mit Hilfe eines "ausgeborgten" Babyphons hören sie eine geheime Gemeinderatssitzung ab und entschließen sich - besser informiert als die restliche Bevölkerung - zum Widerstand. Die Kinder und Jugendlichen lernen schnell die Grenzen zwischen legalem und illegalem Protest kennen, aber auch die zwischen Gleichmut und Unterwürfigkeit einerseits sowie Mut, Hoffnung und Zivilcourage andererseits.

Natürlich stoßen Marvin und seine Freunde auch an ihre Grenzen. Tatsächlich müssen sie wegziehen, teils in unterschiedliche Richtungen. Vanessa liefert das Pony Cherokee unter Tränen in einem Tierheim ab und verspricht Marvin, mit dem sie eine sich anbahnende Jugendliebe verbindet, ihn schon bald zu besuchen.

Und Marvin kratzt am neuen Wohnort, im Dorf der Wolkenmacher, von dem die Wolken der Braunkohle-Verbrennung aufsteigen, mit seinen Freunden das Geld für einen ersten Baum zusammen...

Der Autor Kay Löffler hat mit Dorf der Wolkenmacher einen wichtigen Jugendroman vorgelegt, der - aufgrund seines realistischen Hintergrundes im Rheinischen Braunkohlerevier - auch Pflichtlektüre all der Erwachsenen werden sollte, die in verschiedenen Gremien über die Vernichtung ganzer Regionen entscheiden.

Sollte es tatsächlich so etwas wie eine neue Ernsthaftigkeit in der Publizistik geben, dann kommt Kay Löfflers Buch genau zur richtigen Zeit. Dabei macht es Spaß und Mut, Dorf der Wolkenmacher zu lesen. Es ist ein Buch, dem viel Erfolg zu wünschen ist.


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