Aus der Welt der Medien

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Hier finden Sie – ständig aktualisiert – Nachrichten aus der Welt der Medien und Links zum Weiterlesen. Dazu gehören hier ausdrücklich auch Informationen aus den Branchen Bücher, Film und Musik, da sie ebenso wie die traditionellen Medien, das Internet und die sozialen Medien Inhalte transportieren.


In der Wahrheit stirbt der Krieg.

Friedrich Küppersbusch in der „Heute Show“ des ZDF am 25. März 2022


Siegerfoto des World Press Photo Award 2022: Kamloops Residential School, Canada 2021. Foto: Amber Bracken

Kanadierin Amber Bracken gewinnt World Press Photo Award 2022

Siegerfoto ruft 215 auf dem Gelände der Kamloops Residential School ins Gedächtnis

Die Fotografin Amber Bracken

Die aus Edmonton in der kanadischen Provinz Alberta stammende Amber Bracken ist die Gewinnerin des World Press Photo Award 2022. Unter 65.000 Einsendungen von 4.000 Fotografen aus 130 Ländern entschied die Jury, ihr Bild „Kamloops Residential School“ mit dem wichtigsten Preis der Welt für Pressefotografie auszuzeichnen.

Das Foto zeigt mit Kleidungsstücken behangene Holzkreuze entlang eines Weges an der Kamloops Residentional School. Auf dem Gelände der katholischen Internatsschule waren 2021 die sterblichen Überreste von 215 indigenen Kindern gefunden worden, weshalb der Regenbogen im Hintergrund dem Bild eine besondere Symbolik verleiht. Kamloops befindet sich in der westkanadischen Provinz British Columbis inmitten der Rocky Mountains.

Die 1984 geborene Amber Bracken arbeitete bei der Edmonton Sun, bevor sie sich als freie Fotojournalistin selbständig machte. Sie beliefert u. a. National Geographic, die New York Times, BuzzFeed, das Wall Street Journal und Canadian Geographic. Einer ihrer Themenschwerpunkte ist die indigene Bevölkerung Nordamerikas.

Die 1955 in Amsterdam gegründete World Press Photo Foundation vergibt den gleichnamigen Preis jährlich in zehn Kategorien, wobei ein Bild als Hauptsieger besonders hervorgehoben wird. Eine jeweils anschließende Wanderausstellung der Siegerfotos in 80 Städten wird von insgesamt über einer Million Menschen besucht. Ebenso erscheint ein Jahrbuch mit den Siegerfotos.


Interessanter Beitrag über Kriegsfotografie

Einen interessanten Artikel mit zahlreichen weiterführen Links über Bilder aus Kriegsgebieten und den Umgang damit, der nicht nur aufgrund der aktuellen Geschehnisse in der Ukraine sehr lesenswert ist, hat die Kölner Journalistik-Professorin Marlis Prinzing im Branchenportal „MEEDIA“ veröffentlicht. Sie finden ihn hier: „Ukraine-Krieg: Bilder, die wir sehen müssen“. Marlis Prinzing lehrt auf dem Campus Köln der Hochschule Macromedia und hat als freie Journalistin für „Die Zeit“, die „Financial Times Deutschland“ und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ gearbeitet.

Prof. Dr. Marlis Prinzing, Köln.

Nicht in unserem Namen!

Im deutschen PEN-Club ist ein Antrag zur Abwahl des Präsidenten und weiterer Mitglieder des Präsidiums in der fast 100-jährigen Geschichte noch nicht vorgekommen. Doch nach nicht einmal einem halben Jahr im Amt sehen wir diesen als einzige Möglichkeit, um weiteren Schaden vom PEN abzuwenden. Die Gründe dafür sind folgende:

– Natürlich darf Deniz Yücel als Privatperson seine Meinung frei äußern. Wenn er jedoch als PEN-Präsident zu einer Veranstaltung eingeladen wird, dann repräsentiert er dort den PEN und ist dessen Charta verpflichtet. Die Charta ist das Herzstück des PEN, in ihr sind unsere Werte und Überzeugungen niedergeschrieben. Wie jedes Mitglied weltweit hat Deniz Yücel die Charta unterschrieben, als er in den PEN aufgenommen wurde. Die Charta formuliert eindeutig den Anspruch, sich mit aller Kraft für ein friedliches Zusammenleben aller Menschen auf dieser Welt einzusetzen. Wenn Deniz Yücel als PEN-Präsident den Eintritt der Nato in den Ukraine-Krieg fordert und leichtfertig das Risiko eines dritten Weltkriegs in Kauf nimmt, dann verstößt er ganz klar gegen die Charta.

– Dem Auftritt auf der lit.Cologne gingen Enthüllungen voran, die Mobbing seitens Deniz Yücel und seiner Mitstreiter gegen den Generalsekretär Heinrich Peuckmann und die Vizepräsidentin Astrid Vehstedt bekannt machten. Ein Mailwechsel, in dem eine Strategie besprochen wurde, die beiden loszuwerden, der von Bösartigkeiten, widerwärtigen Beleidigungen, Diskriminierungen und falschen Anschuldigungen nur so strotzte, schockierte viele PEN-Mitglieder zutiefst. Wir sind der festen Überzeugung, dass man in einem Vorstand – zumal eines Vereins mit hohen Ansprüchen – respektvoll und partnerschaftlich miteinander umgehen und Konflikte offen und fair austragen muss. Stattdessen pflegt Deniz Yücel einen autoritären Führungsstil, der ins 19. Jahrhundert, aber nicht in eine heutige Menschenrechtsorganisation im Zeitalter flacher Hierarchien passt. Er maßt sich an, seinen Präsidiumskollegen oftmals absurde Anweisungen und Verbote zu erteilen und zusammen mit dem Schatzmeister Joachim Helfer sowie dem Writers-in-Prison-Beauftragten Ralf Nestmeyer fortwährend in die Kompetenzen des Generalsekretärs und Geschäftsführers des PEN, Heinrich Peuckmann, sowie die Aufgaben und Kompetenzen der Writers-in-Exile-Beauftragten Astrid Vehstedt hineinzuregieren. Yücel, Helfer und Nestmeyer betreiben damit nachhaltigen Amtsmissbrauch zum Schaden des PEN, was beweist, dass sie bis heute die ihnen nur verliehenen Ämter nicht nur nicht verstanden haben, sondern dass sie damit auch ungeeignet sind, diese weiterhin auszuüben. 

In dieses Bild passt auch der Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Geschäftsstelle. Es war stets gute Sitte im PEN, zu diesen ein kollegiales und respektvolles Verhältnis zu pflegen. Schließlich tragen sie die Hauptlast bei der Umsetzung der Aufgaben des PEN. Jetzt bekommen sie nach Gutsherrenart autoritär Anweisungen „von oben“. Und zwar in einem Ton und einem Stil, welche jede Form von Anstand und Höflichkeit vermissen lassen. In der Folge gab es einen Nervenzusammenbruch und Krankschreibungen, und Einige erwägen mittlerweile zu kündigen. Die Akteure aus dem Präsidium übersehen völlig, dass nicht sie der Arbeitgeber sind, sondern dass dies der PEN e.V. ist, dessen Mitglieder ihnen durch ihre Wahl die  Führung des PEN und seines Büros geliehen und anvertraut haben. Dieses Vertrauen haben Deniz Yücel und andere Präsidiumsmitglieder in nie dagewesener Weise enttäuscht.

– Die neueste Entwicklung ist, dass  Teile des Präsidiums (noch fünf Personen) einer Kollegin und einem Kollegen, die die Vorgänge im Präsidium und nicht hinnehmbare Äußerungen des Präsidenten innerhalb des PEN und auf Nachfragen einiger Medien öffentlich gemacht haben, nun – im Namen des PEN und mit Hilfe eines der teuersten Medienanwälte – nicht nur das Wort verbieten lassen wollen, der PEN soll dafür auch noch die Rechnung bezahlen. Das entlarvt, für wen die Freiheit des Wortes aus der Sicht von Deniz Yücel, Joachim Helfer und Ralf Nestmeyer gilt: Für sie immer, für Kritiker nimmer!

Nachdem die für diese desaströse Entwicklung verantwortlichen Mitglieder des PEN-Präsidiums auf die Rücktrittsforderungen etlicher PEN-Mitglieder nicht reagiert haben, blieb uns nur noch der Schritt, einen Abwahlantrag zu stellen (der übrigens bereits am 8. März, eine Woche vor der lit.Cologne, in der Geschäftsstelle des PEN eingegangen ist). Denn ein Vorstand, für den in seiner Mehrheit die PEN-Charta nur ein belangloses Stück Papier ist, der mit Menschen respektlos und diskriminierend anstatt mit kollegialem Anstand umgeht, ein Präsident, der seine Position für die eigene Popularität und Eitelkeit missbraucht, der verrät alle Werte und Überzeugungen, für die der PEN seit knapp 100 Jahren einsteht.

Was dieser Mann sagt und tut, das sagt und tut er

NICHT IN UNSEREM NAMEN!

Erstunterzeichner:

Margit Hähner

Vera Botterbusch

Stefan Gemmel

Gabriele Gillen

Lutz Götze

Michael Landgraf

Gabriele Pommerin-Götze

Petra Reategui

Dorothea Renckhoff

Kurt Roessler

Erich Schmidt-Eenborn

Jürgen Streich

Leander Sukov

Andreas Rumler

Weitere Unterzeichner:

Jürgen Jankofsky

Christa Schuenke

Gerhard Zahner

Eva Weißweiler

Sabine Kebir

Wolfgang Bittner

Anne Linsel

Dorothea Iser

Jörg Becker

Wulf Noll

Fahime Farsaie

Jürgen Heckel

Jürgen Jankofsky

Christoph Nix

Amir Shaheen

Jean-Yves Masson

Werner Rügemer

Gabriele Gillen

Ralf Schock

Matthias Bronisch

Klaus Behringer

Horst Hensel

Manfred Maurenbrecher


Sportkamerad und Journalistenkollege Dieter Gruschwitz gestorben

Die Nachricht im Medien-Branchendienst „kress“ und anderswo war ein Schock: Der langjährige ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz ist tot. Er ist im Alter von 68 Jahren an den Folgen eines tragischen Skiunfalls gestorben.

„Der Deutsche Judo-Bund trauert um einen sympathischen Judoka, der sich in besonderem Maße für die Präsenz des Judo-Sports in den Medien verdient gemacht hat“, hieß es im Judo-Magazin. Dem kann ich, „AUSSICHTEN“-Herausgeber Jürgen Streich, mich nur anschließen.

Ich lernte Dieter Gruschwitz Ende der siebziger Jahre kennen. Dieter gehörte, seit er 1979 auf er Deutschen Meisterschaft in Hamburg Dritter in der Gewichtsklasse bis 60 kg geworden war, der Nationalmannschaft an. Deren Lehrgänge fanden im Bundesleistungszentrum Köln, zu dessen Stammpersonal ich gehörte und daher bei den Vorbereitungen auf internationale Turniere dabei war, statt. Wir begeneten uns dort damals oft und trainierten miteinander. Ich hielt Dieter schnell für einen fairen Sportler und einen sehr angenehmen Menschen.

Einmal standen wir uns in einer offiziellen Begegnung gegenüber. Dieter, der beim JC Neuwied mit dem Judo begonnen hatte, kämpfte zu der Zeit in Mannschaftswettbewerben für den JC Berlin, während ich meine Wettkampfkarriere, als der Leistungssport nicht mehr wirklich mit meinen journalistischen Aktivitäten vereinbar war, beim PSV Düsseldorf ausklingen ließ. Ich erinnere mich noch gut daran, wie es in der Bundesligabegegnung unserer beiden Vereine für mich aus Dieters Kesa-gatama-Haltegriff kein Entrinnen gab.

Dieter, der sein Publizistik-, Slawistik- und Anglistikstudiums in Mainz damals bereits abgeschlossen und beim Sender Freies Berlin als Sportjournalist angefangen hatte, interessierte sich immer auch für meinen journalistischen Weg, den ich gerade erst begonnen hatte. 1988 berichtete er für den SFB von den Olympischen Spielen im südkoreanischen Seoul und von den Fußball-Weltmeisterschaften 1990 in Italien und 1994 in den USA.

1996 wechselte Dieter Gruschwitz zum ZDF und war bei den Fußball-Weltmeisterschaften 1998 in Frankreich und 2002 in Südkorea und Japan Teamchef des Senders. 2005 befand der damalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender, dass der Sportchef Wolf-Dieter Poschmann als „Spielertrainer“ nicht mehr den richtigen Kontakt zu seinen Mitarbeitern hätte, lobte ihn als Chefreporter weg und setzte Dieter als Nachfolger ein. Brender begründete die Auswahl so: Dieter Gruschwitz sei „ein Teamplayer und bietet die besten Voraussetzungen.“ Bis 2017 blieb Dieter Leiter der ZDF-Hauptredaktion Sport und jeweils als Teamleiter bei allen Olympischen Spielen sowie Fußball-Welt- und Europameisterschaften in dieser Zeit dabei.

Für seine Arbeit in dieser Zeit erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, so beispielsweise die Deutschen Fernsehpreise der Jahre 2006 für die beste Berichterstattung von der Fußball-WM in Deutschland, dem „Sommermärchen“, bei dem er sehr erfolgreich das Co-Kommentatoren-Paar Jürgen Klopp und Urs Meier eingesetzt hatte, und drei Jahre später für seine Beiträge von der Leichtathletik-Weltmeisterschaft.

In all den Jahren begleitete er die Olympiasiege der deutschen Judoka Frank Wieneke (1984 in Los Angeles), Udo Quellmalt (1996 in Atlanta) sowie Yvonne Bönisch und Ole Bischof (beide 2008 in Peking) journalistisch. Während dieser Wettbewerbe hatten wir mehrfach E-Mail-Kontakt, weil ich den ein oder anderen Hinweis oder Informationen hatte. Besonders schön fand ich, als 2016 bei den Olympischen Spielen in Rio mit Alexander von der Groeben ein ebenfalls sehr erfolgreicher Judoka aus unserer Zeit im Bundesleistungszentrum Köln als Journalist im Einsatz war und ihn dort über Dieter eine Nachricht von mir erreichte. Auch „Graf“ Alexander wurde für seine Berichterstattung ausgezeichnet.

2017 ging Dieter Gruschwitz in den Ruhestand. Am 24. Februar 2022 kam es bei einer Ski-Abfahrt auf der Streidlalm bei Bad Tölz zu einer Kollision mit einem 15jährigen Jungen. Während dieser dabei nur leicht verletzt wurde, zog Dieter sich sehr schwere Schädelverletzungen zu, denen er schließlich am 29. März 2022 in Bad Tölz erlag. Er wurde nur 68 Jahre alt. ZDF-Chefredakteur Peter Frey würdigte die „Souveränität und Gelassenheit“, mit der Sieter Gruschwitz viele Jahre die Sportberichterstattung des Senders gelenkt habe. „Er stand innerhalb und außerhalb des Hauses für Verlässlichkeit und Fairness in einer Umbruchphase, in der sich der Sportrechtemarkt und die Wahrnehmung des Sports rasant verändert haben. Er war ein allseits geschätzter Kollege, ein feiner Mensch und für viele von uns ein Freund.“


Kremlkritische „Nowaja Gaseta“ erscheint vorerst nicht

Titelseite der ersten Ausgabe der "Nowaja Gaseta" bach dem russischen Angriff auf die Ukraine.
Titelseite der ersten Ausgabe der „Nowaja Gaseta“ nach dem russischen Angriff auf die Ukraine.

Die kremlkritische Zeitung „Nowaja Gaseta“ (dt.: „Neue Zeitung“) erscheint mindestens für die Dauer der „militärischen Sonderoperation“ Russland in der Ukraine nicht. Vor dem Hintergrund, dass Verlag und Redaktion der überregionalen und bisher dreimal wöchentlich erscheinenden Zeitung eine weitere Warnung der staatlichen Kommunikationsaufsichtsbehörde Roskomnadsor erhalten hätten, hieß es in der „Nowaja Gaseta“, gehe das Blatt diesen Weg. Nach einem neuen Gesetz wird die Bezeichnung „Krieg“ für den offiziell „Sonderoperation“ genannten Angriff Russlands auf die Ukraine benutzt, drohen den Verantwortlichen nach einem neuen Gesetz drakonische Strafen.

Die erstmals am 1. April 1993 erschienene „Nowaja Gaseta“ war eines der letzten unabhängigen Medien in Russland. Als der im Jahr 2021 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Journalist Dmitri Muratow das Blatt gemeinsam mit Kollegen einer damaligen sowjetischen Jugend- und heutigen Boulevardzeitung „Komsomolskaja Prawda“ gründete, steuerte der ehemalige Präsident der UdSSR, Michail Gorbatschow das Geld für die ersten 20 IBM-Computer aus der Preissumme seines Friedensnobelpreises bei.

In der Zeit seither wurden fünf Journalisten des Blattes im Zusammenhang mit ihrer Arbeit ermordet. Bereits in den ersten Jahren ihres Erscheinens erreichte die Zeitung die Freilassung von 174 Gefangenen des Tschetschenienkrieges.

Gab es anfangs tägliche Ausgaben, so wurde der Rhythmus 1999 auf zunächst zwei, später auf drei Ausgaben pro Woche geändert. Im Jahr 2006 übernahmen Michail Gorbatschow und der Bankier und ehemalige Dumaabgeordnete der Partei Gerechtes Russland, Alexander Lebedew, zusammen 49 Prozent der Anteile der „Nowaja Gaseta“. Der Erlös des Anteilsverkaufs wurde für die Erweiterung des Blattes verwendet. Zuletzt besaß die Redaktion 76, Alexander Lebedew 14 und Michail Gorbatschow zehn Prozent der Zeitung. Bis zur vorläufigen Einstellung des Blattes am 28. März 2022 wurde dieses von Sergei Sokolow herausgegeben.


Spiel mit dem Feuer des PEN-Präsidenten Yücel – scharfe Kritik von Mitgliedern

Erich Schmidt-Eenboom und Jürgen Streich widersprechen öffentlich und fordern Rücktritt

Die PEN-Mitglieder Erich Schmidt-Eenboom (r.) und Jürgen Streich, hier auf dem Podium des „Königsdorfer Literaturforums“ im August 2017, widersprechen PEN-Präsident Deniz Yücel deutlich. Foto: Elisabeth Kann

(22. 3. 2022) Leider hängt im deutschen PEN-Zentrum derzeit der Haussegen mehr als schief. Schon als ein präsidiumsinterner E-Mail-Verkehr, in dem es um eine Intrige gegen den von den Mitgliedern gewählten Generalsekretär Heinrich Peuckmann und ein weiteres Präsidiumsmitglied ging, bekannt geworden ist, krachte es gewaltig. Beteiligt daran ist ausgerechnet der erst im Oktober gewählte Präsident des deutschen PEN, Deniz Yücel. Ein darauffolgendes Demutsschreiben an die Mitglieder wurde von vielen als kaum glaubwürdig aufgenommen. Ein Antrag auf Abwahl des kompletten Präsidiums, aus dem es bereits einen Rücktritt gibt, findet immer mehr Unterstützer, darunter auch der „AUSSICHTEN“-Herausgeber. Vom Team der Geschäftsstelle in Darmstadt ist bereits eine Mitarbeiterin wegen Mobbings krankgeschrieben.

Kaum war diese Affäre nach draußen gedrungen und hatte den Weg in überregionale Medien gefunden, da gab es bereits den nächsten Ärger. Deniz Yücel, der ausdrücklich als PEN-Präsident eingeladen und angekündigt worden war, hatte sich während eines Podiumsgespräches über den Krieg in der Ukraine, mit dem am 15 März 2022 das Literaturfestivals Lit Cologne im Kölner Theater am Tanzbrunnen eröffnet wurde, mächtig für eine Flugverbotszone über der Ukraine ins Zeug gelegt. Das stieß nicht nur den fünf PEN-Ex-Präsidenten Gert Heidenreich, Christoph Hein, Johanno Strasser, Josef Haslinger und Regula Venske sauer auf, sondern auch zahlreichen weiteren Mitgliedern. Schließlich würde nach Ansicht nahezu aller Militärexperten weltweit eine durch die NATO überwachte Flugverbotszone unweigerlich zum Krieg mit Russland mit Eskalationsrisiko bis hin zum Einsatz von Atomwaffen führen. Die Ex-Präsidenten wiesen Yücel auf die internationale PEN-Charta hin, die von den Mitgliedern der Schriftstellervereinigung Einsatz für das friedliche Zusammenleben der Völker verlangt. Doch Deniz Yücel berief sich auf die vom PEN ebenfalls geforderte Freiheit des Wortes und wies jegliche Rücktrittsforderungen von sich.

Mein Journalisten- und Vorstandskollege beim Forschungsinstitut für Friedenspolitik, der renommierte Geheimdienstexperte Erich Schmidt-Eenboom und ich fühlten uns vor diesem Hintergrund geradezu verpflichtet, aufgrund unserer Publikationen und darüber hinausgehenden Arbeit zum Thema Krieg und Frieden dazu vernehmlich Stellung zu beziehen. „AUSSICHTEN“ dokumentiert sie hier:

Offener Brief an die Mitglieder des PEN-Zentrums Deutschland

                                                                                 Weilheim / Frechen, 21. März 2022

Stellungnahme von Erich Schmidt Eenboom und Jürgen Streich zur von Deniz Yücel geforderten Flugverbotszone über der Ukraine

Geschätzte Kolleginnen und Kollegen,

das hanebüchene Antwortschreiben von Deniz Yücel auf die berechtigte Rücktrittsforderung seiner Vorgängerinnen und Vorgänger verlangt nach jener Diskussion darüber, ob die Forderungen Yücels nach einem defacto-Kriegseintritt der NATO mit der Charta des Internationalen PEN vereinbar sind. Er selbst hat die argumentative Auseinandersetzung eingefordert.

Die militärhistorischen Ergüsse Yücels über die Luftwaffe als vernichtendes Mittel der Kriegführung, die er zur Legitimation seiner Position anführt, haben nicht die geringste Beweiskraft. Der Abessinienkrieg Italiens oder der deutsche Luftterror im spanischen Bürgerkrieg fanden ebenso wie die britischen Bombardements im Irak 1917 statt, bevor es Atomwaffen gab. Und auch der Einsatz der US-Luftwaffe zugunsten der Kurden gegen den sogenannten IS stand nicht im Zeichen eines Waffengangs zwischen gegnerischen Nuklearmächten.

Auch das Beispiel der ehemaligen Kommandantin der FSLN-Guerilla Gioconda Gelli taugt nicht für den Ruf nach einer militärstrategischen Aktion der westlichen Militärallianz. Die Ikone der Friedensbewegung, die Schriftstellerin und Theologin Dorothee Sölle hat die Auffassung vertreten, in Europa müsse sie angesichts des atomaren Gleichgewichts des Schreckens bedingungslos glühende Pazifistin sein, lebte sie jedoch in Nicaragua, würde sie sich selbst als alte Frau nicht scheuen, zur Maschinenpistole zu greifen, um die mörderischen Contras zu bekämpfen. So sieht eine differenzierte und wirklichkeitsorientierte Moral aus.

Der Ukraine ganz massive Waffenhilfe der USA und europäischer Staaten zukommen zu lassen, und dabei gleichzeitig auf eine Eskalation durch die Lieferung von MiG-29 oder die Errichtung einer Flugverbotszone zu verzichten, ist ein besonnener Mittelweg. Der amerikanische Präsident Joe Biden steht ja nicht mit seiner Befürchtung allein, dass Putin auf eine Eskalationsdynamik seitens der Russischen Föderation setzt, die den bereits angedrohten Einsatz von Atomwaffen nicht ausschließt. Die große Mehrzahl von Militäranalytikern weltweit teilt diese Einschätzung.

Eine Flugverbotszone über der Ukraine zu errichten, ist übrigens nicht das militärische Allheilmittel, das Yücel herbeiredet, zumal die russischen Luftstreitkräfte keine Luftherrschaft, ja nicht einmal eine Luftüberlegenheit herstellen konnten. Sie hilft nicht gegen Marschflugkörper, Hyperschall- und Boden-Boden-Raketen. Luft-Boden-Raketen und See-Boden-Raketen mittlerer und größerer Reichweite können die Ukraine vom russischen wie gehabt und vom weißrussischen Luftraum erreichen sowie aus dem Schwarzen und dem Asowschen Meer. Dennoch würde Putin es auf Luftkämpfe ankommen lassen, um sein irres Narrativ, die NATO sei der Aggressor, zu untermauern.

„So hart es auch sein mag: Es gibt eine Verantwortung, die über die Ukraine hinausreicht. Sie umfasst die gesamte Menschheit. Und der wäre mit einer Ausweitung des Krieges zu einem Flächenbrand nicht geholfen“, schrieb Markus Feldenkirchen in seinem klugen Kommentar im jüngsten SPIEGEL, der sich auch gegen die Kriegslust von Springerchef Mathias Döpfner richtet.

Das mag ein Allerweltsjournalist wie Yücel anders sehen und als Privatperson steht es ihm natürlich frei, diese Meinung auch frei zu äußern. Es nur eine brandgefährliche Kriegstreiberei zu nennen, wird den apokalyptischen Folgen eines Nuklearkriegs nicht einmal ansatzweise gerecht. Auszureizen, ob ein in Gewaltphantasien taumelnder Putin die nukleare Karte zieht, ist nichts anderes als ein Vabanquespiel mit dem atomaren Inferno. Den PEN dafür in Haftung zu nehmen, ist an Hybris kaum zu überbieten.

Yücel stellt sich damit ja nicht nur in deutlichen Widerspruch zu seinen Vorgängerinnen und Vorgängern sowie zahlreichen PEN-Mitgliedern, sondern er tritt die friedenspolitische Tradition bedeutender Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit Füßen, namentlich etwa Walter Jens oder die Träger von Literaturnobelpreisen wie Luise Rinser und Heinrich Böll.

Der noch amtierende Präsident wirft dem Generalsekretär gekränkte Eitelkeit vor. Ein selbstkritischer Blick auf sein Schreiben vom 18. März müsste ihm vor Augen führen, wie verletzte Eitelkeit tatsächlich aussieht.

Es ist ja kein Geheimnis, dass Yücel nicht wegen herausragender literarischer Leistungen gewählt wurde, sondern von einem Mitleidseffekt für die in türkischer Haft erlittene Unbill ins Amt getragen wurde. Dieser Bonus ist völlig verbraucht. Deniz Yücel wäre gut beraten, die PEN-Präsidentschaft augenblicklich aufzugeben, statt bei der Jahrestagung in Gotha mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt zu werden.

Erich Schmidt-Eenboom, Leiter des Forschungsinstitutes für Friedenspolitik e.V., Weilheim / Obb.

Jürgen Streich, Vorstandsmitglied im Forschungsinstitut für Friedenspolitik e.V., Frechen


PEN-Pressekontakt: PEN-Zentrum Deutschland e.V., Felix Hille, Fiedlerweg 20, 64287 Darmstadt, Tel.: 06151.627 08 23 / mobil: 0157-31382637, E-Mail: f.hille@pen-deutschland.de


Bloomberg

Immer mehr westliche Medien stellen Berichterstattung aus Russland ein

(5. 3. 2022) Aufgrund eines neuen russischen Gesetzes, das die Verbreitung von „Falschinformationen“ unter harte Freiheitsstrafen von bis zu 15 Jahren stellte, wobei natürlich der Kreml definiert, was solche sind, ziehen sich immer mehr ausländische Medien von dort zurück bzw. stellen ihre Arbeit vor Ort ein. So stoppt die US-amerikanische Nachrichtenagentur Bloomberg ihre Berichterstattung aus Russland, der Fernsehsender CNN verzichtet auf Live-Übertragungen aus dem kriegführenden Land. Vor ihnen hatten bereits der britische Sender BBC dessen Kollegen vom kanadischen CBC diesen Schritt vollzogen. Anmerkung der Redaktion / JS: Würde der Kreml die eigene Gesetzgebung umfassend anwenden, wäre eine Selbstanklage wegen zahlreicher und gravierender Fälle die logische Konsequenz.


EU verbietet „Medienmaschienerie des Kreml“

(Brüssel, 27. 2. 2022) „Die staatlichen Unternehmen Russia Today und Sputnik sowie ihre Tochterunternehmen werden nicht länger in der Lage sein, ihre Lügen zu verbreiten, um Putins Krieg zu rechtfertigen“, teilte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit. Hierfür werde die „Medienmaschienerie des Kreml“ EU-weit verboten. Zudem würden Methoden entwickelt, um die „giftige und schädliche Desinformation in Europa zu verbieten.“


Offener Brief von PEN International: Solidarität mit der Ukraine

An unsere Freunde und Kollegen in der Ukraine

Wir, Schriftsteller aus aller Welt, sind entsetzt über die Gewalt, die die russischen Streitkräfte in der Ukraine entfesselt haben, und fordern dringend ein Ende des Blutvergießens.

Wir sind uns einig in der Verurteilung eines sinnlosen Krieges, der von Präsident Putin geführt wird, der sich weigert, das Recht des ukrainischen Volkes zu akzeptieren, ohne Moskaus Einmischung über die künftige Zugehörigkeit und Verklärung der Geschichte der Ukraine zu diskutieren.

Wir sind uns einig in der Unterstützung von Schriftstellern, Journalisten, Künstlern und allen Menschen in der Ukraine, die ihre dunkelsten Stunden durchleben. Wir stehen an Ihrer Seite und fühlen Ihren Schmerz.

Alle Menschen haben ein Recht auf Frieden, freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit. Putins Krieg ist ein Angriff auf Demokratie und Freiheit, nicht nur in der Ukraine, sondern auf der ganzen Welt.

Wir rufen gemeinsam zum Frieden auf und fordern ein Ende der Propaganda, die die Gewalt schürt.

Es kann kein freies und sicheres Europa ohne eine freie und unabhängige Ukraine geben. Der Frieden muss siegen.

25. Februar 2022

Nachtrag am 4. März 2022:

Dieser offene Brief wurde innerhalb der ersten Kriegstage von über 1.000 PEN-Mitgliedern weltweit unterschrieben, darunter Paul Auster, Swetlana Alexijewitsch, Can Dündar, Siri Hustvedt, Margaret Atwood, Joyce Carol Oates, Orhan Pamuk und Salman Rushdie. Der Herausgeber und Redakteur dieser Seiten, Jürgen Streich, darf sich also in bester Gesellschaft fühlen.


Kriegsberichterstattung im Pressekodex regeln

Der Deutsche Journalisten-Verband regt eine Erweiterung des Pressekodex um das Thema Kriegsberichterstattung an.

Frank Überall. Foto: Elisabeth Kann

(22. 2. 2022) Aus Sicht von Deutschlands größter Journalistenorganisation sollte der Pressekodex des Deutschen Presserats Journalistinnen und Journalisten dazu verpflichten, auf unzureichende Recherchemöglichkeiten im Konfliktfall hinzuweisen. „Wenn nur eine von zwei Konfliktparteien die Quelle von Informationen ist, müssen die Leserinnen und Leser das erfahren“, sagt DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall. „Im Krieg gilt: Die Wahrheit stirbt zuerst.“ Gerade bei bewaffneten Auseinandersetzungen sei das Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit besonders groß. „Dieser Verantwortung müssen wir Journalistinnen und Journalisten gerecht werden.“

Der DJV-Vorsitzende erinnert in dem Zusammenhang an den Irak-Krieg, als die US-Truppen mit dem damals neuen Instrument des embedded journalism versucht hätten, die Berichterstattung in ihrem Sinn zu beeinflussen. Überall: „Ob im russisch-ukrainischen Grenzgebiet oder anderswo auf der Welt: Wir dürfen uns nicht zu Propagandagehilfen einer Konfliktpartei machen lassen.“ Eine klarstellende Ergänzung des Pressekodex sei da ein wichtiges Hilfsmittel für Journalistinnen und Journalisten.

Nachtrag (27. 2. 2022):

SPIEGEL.de ergänzt derzeit alle Informationen, die nur von einer Kriegspartei kommen, mit dem Zusatz: „Diese Angaben können nicht unabhängig überprüft werden.“


Vor 50 Jahren erblickte Pink Floyds „Dark Side of the Moon“ das Rampenlicht der Öffentlichkeit

Das legendäre Konzeptalbum wurde eine der erfolgreichsten Platten der Geschichte

Nach knapp einem Monat Verzögerung war es endlich soweit: Am 20. Februar 1972 spielte die Londoner Psychedelic Rock-Band Pink Floyd im Brighton Dome erstmals das gesamte Konzeptalbum „Dark Side of the Moon“ vor Publikum. Das sollte eigentlich bereits am 17. Januar am selben Ort geschehen, doch das Konzert musste nach „Money“ aufgrund technischer Probleme abgebrochen werden. Das Nachholkonzert am 20. Februar 1972 kann also getrost als der Abend betrachtet werden, an dem das legendäre Album das Rampenlicht der Öffentlichkeit erblickte.

Es verging dann noch gut ein Jahr, bis „Dark Side of the Moon“ am 24. März 1973 auf Vinyl veröffentlicht wurde. Sie hielt sich jahrelang in den internationalen Charts, im Jahr 2008 erreichte die Zahl der verkauften Tonträger 50 Millionen. Immer noch werden jährlich circa eine Viertelmillion weitere verkauft.

Die Idee zu dem Album stammt vom Bassisten und Sänger Roger Waters. Ihn inspirierte der dramatische drogenbedingte Verfall des Pink Floyd-Gründungsmitgliedes Syd Barrett und die darauf basierende Frage, was sensible Menschen in den Wahnsinn treiben kann. Er wollte anonyme Machtfaktoren wie Geld und Kriegswahn sowie unabänderliche Dinge wie die Zeit thematisieren. In Wikipedia heißt es dazu: „Auch ernüchternde Erfahrungen mit dem Musikbusiness und der Verlust einer Utopie, an die etwa noch die Hippiegeneration glaubte, färbten auf die Texte ab.“ Heraus kam dem Verfasser mehrerer Gitarren-Lehrbücher Wieland Harms zufolge „ein Tongemälde, das die Pressionen des Alltagslebens und Reaktionen darauf wie Entfremdung, Verdrängung und Schizophrenie darstellte.“ „Dark Side of the Moon“ wurde bis Juli 1975 in voller Länge auf jedem Pink Floyd-Konzert gespielt.

Aufgenommen wurde das Album zwischen Juni 1972 und Januar 1973 in den Londoner Abbey Road Studios. Außer den Band-Mitgliedern Roger Waters (Bass), David Gilmour (Gitarre), Rick Wright (Keyboards) und Nick Mason (Drums) wirkten daran Dick Parry (Saxophon), die Sängerin Doris Troy mit ihrem legendären Vokalsolo im Stück „The Great Gig in the Sky“ sowie Lesley Duncan, Liza Strike und Barry St. John als Background-Chor mit. Außerdem wurden kurze Fragmente aus Interviews, die Roger Waters mit zufällig im Studio anwesenden Personen wie Studiomitarbeitern und Mitgliedern der Gruppe „Wings“ führte, zwischen und in die Stücke geschnitten bzw. in diese integriert. Zwar wurde einerseits kein Zitat von dem ebenfalls interviewten Paul McCartney verwendet, jedoch sprach der Pförtner der Abbey Road Studios das treffende Schlusswort des Albums: „There is no dark side in the moon, really; (as a) matter of facts it’s all dark.“ (dt.: „Es gibt beim Mond keine dunkle Seite; tatsächlich ist er ganz dunkel.“)

2006 in Köln: Jürgen Streich im Gespräch mit Pink Floyd-Schlagzeuger Nick Mason über dessen Buch „Inside Out“, in dem es um die Geschichte der Band geht, die auch in Streichs Leben einen ganz besonderen Platz einnimmt. Foto: Siegfried Offermann

Charakteristisch für „Dark Side of the Moon“ sind außer Rick Wrights Synthesizer-Einsatz in größerem Stil und dem Blues-beeinflussten Gitarrenspiel von David Gilmour alltägliche Geräusche und Klänge. Außer dem Herzschlag gleich zu Beginn sind das das Klingeln einer Registrierkasse am Anfang von „Money“ und die zahlreichen miteinander vermischten Klingeltöne von Weckern und Stundenschläge von Uhren im Intro von „Time“. Beides geht auf Ideen von Alan Parsons, der damals als Toningenieur bei Pink Floyd arbeitete, zurück.

Während der kurze Song „Home“ vertraute Heimeligkeit thematisiert, geht es in „On the Run“ um die Angst vorm Reisen. Da das Stück mit dem Geräusch eines explodierenden Flugzeugs endet, könnte Roger Waters‘ Flugangst die Idee dazu geliefert haben.

Das Cover von „Dark Side of the Moon” ist ein frühes Beispiel für die Maßstäbe setzenden weiteren Cover von Pink Floyd, die mit Ausnahme derer von „The Wall“ und des letzten Albums „The Endless River“ von Storm Thorgerson gestaltet wurden. Dabei hatte bei „Dark Side of the Moon“ Thorgersons Kollege im Hipgnosis-Designstudio, George Hardie, die Vorarbeitet geleistet. Das Motiv geht auf einen Schallplattencover-Klassiker, das Alex Steinweiss im Jahr 1942 für Beethovens 5. Klavierkonzert gestaltet hatte, zurück. Dabei wurde für Pink Floyd Steinweiss‘ Konzertflügel durch das Prisma ersetzt. Der weiße Lichtstrahl, der durch dieses in seine Spektralfarben aufgefächert wird, setzt sich im Innenteil des Covers von „Dark Side of The Moon“ in Form der wie von einem EGK-Gerät aufgezeichneten Herzschläge fort. Das Album erschien 1983 erstmals auf CD und wurde seither mehrfach remastered. Im Juni 2015 wählte das renommierte Musikfachblatt „Rolling Stone“ „Dark Side of the Moon“ auf Platz 1 der 50 besten Progressive-Rock-Alben aller Zeiten.


Effekte-Spezialist und Regisseur Douglas Trumbull ist gestorben

Der Filmeffekte-Spezialist Douglas Trumbull ist am 7. Februar 2022 wenige Wochen vor seinem 80. Geburtstag gestorben. Schon sein Vater hatte im selben Genre gearbeitet und hatte unter anderem an den Effekten in „Alice im Wunderland“ mitgewirkt. Douglas‘ Mutter war Kunstmalerin. Nach einem abgebrochenen Architekturstudium bewarb sich der am 8. April 1942 in Los Angeles geborene Trumbull erfolglos bei zahlreichen Trickfilmfirmen in Hollywood, bevor er eine Anstellung als Hintergrundmaler erhielt und schon nach einem Jahr zum Leiter von deren Background-Abteilung aufstieg. Seinen Durchbruch hatte er mit dem fünfzehnminütigen Film „To the Moon and beyond“, den die Computerfirma IBM 1964 auf der Weltausstellung in New York zeigte.

Später holte Stanley Kubrick Douglas Trumbull in sein Produktionsteam für den 1968 präsentierten Film „2001 – Odysse im Weltraum“. Zunächst sollte er dafür einige Graphiken entwerfen, doch bald schon beförderte Kubrick ihn zum Special Effect Supervisor. Trumbull setzte damals bereits von ihm erfundene Aufnahme- und Tricktechniken ein. Der sehr erfolgreiche Film wurde 1969 mit dem Oscar für „Beste visuelle Effekte“ ausgezeichnet. Legendär ist die lange psychedelische Szene, in der der Astronaut Dr. David „Dave“ Bowman in einer Kapsel aus dem Jupiter-Orbit auf einen unbekannten Ort zurast und dabei wechselnden Farbeindrücken ausgesetzt ist, während er fremdartig wirkende Landschaften über- und futuristisch anmutende geometrische Konstruktionen durchfliegt.

Das Angebot der Mitarbeit an „Krieg der Sterne“ schlug Trumbull aus, vermittelte der Produktion aber seinen früheren Assistenten John Dykstra, der damit seinen Durchbruch in der Branche erreichte. Dykstra holte seinen früheren Chef später zu den Produktionen des ersten „Star Treck“-Films und von „Blade Runner“ hinzu.

Trumbull arbeitete noch an „Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All“ mit, bevor er bei dem ebenfalls 1971 erschienenen Film „Lautlos im Weltraum“ erstmals Regie führte. Doch durch fehlende Werbung war der Film ebenso, wie Trumbulls zweite Regiearbeit „Project Brainstorm“ nicht erfolgreich. „Lautlos im Weltraum“ erlangte dennoch bald den Status eines frühen Öko-Science fiction-Klassikers, während dem 1983 erschienenen Film „Project Brainstorm“ im Rückblick bescheinigt wird, seiner Zeit weit voraus gewesen zu sein.

Dreimal wurde Douglas Trumbull für einen Oscar nominiert, bevor er die Auszeichnung 1993 für sein Lebenswerk erhielt. Im Jahr 2010 wurde er in die Science fiction Hall of Fame aufgenommen. Er starb krebskrank nach einem Schlaganfall.

Ein lesenswerter Artikel über Douglas Trumbull befindet sich auch auf SPIEGEL.de.

Effekte aus dem Film „2001 – Odyssee im Weltraum“ zu Beginn der psychedelischen Reise des Astronauten Dave Bowman.


RT DE ohne Lizenz – Deutsche Welle in Russland verboten

Nachdem der Propagandasender RT Deutsch (Russia Today) aufgrund fehlender Staatsferne in Deutschland keine Lizenz erhalten hat und somit nicht „on air“ gehen kann, verbot die Regierung in Moskau umgehend und ohne jede gerichtliche Prüfung den Sendebetrieb der Deutschen Welle (DW) in Russland. Zudem prüft sie, ob die Mitarbeiter der DW als ausländische Agenten eingestuft werden können.

Nun ist die DW als öffentlich-rechtlicher Sender so ganz und gar nicht mit RT Deutsch zu vergleichen. Daher ist es eine hochgefährliche Entwicklung für die Pressefreiheit und letztlich jegliche auch noch so zarte Entwicklung in Richtung Demokratie, wenn Machthaber autoritärer oder gar totalitärer Regimes ausländischen Medien ohne konkrete Begründung die Arbeit verbieten. Die DW hat eine Klage gegen ihr Verbot angekündigt. Für ein sachgerechtes und faires Verfahren wäre natürlich die Unabhängigkeit des russischen Justizwesens notwendig. Doch so wie RT Deutsch sind auch die Gerichte dort weder staatsfern noch unabhängig.

Einen ausführlichen Artikel zu dieser Auseinandersetzung gibt es im Medienmagazin DWDL.de.

Nachtrag am 4. 3. 2022: RT DE klagt derzeit gegen die Lizenzverweigerung.


Leipziger Buchmesse erneut abgesagt

Die Ausrichter der Leipziger Buchmesse waren zuversichtlich, diese 2022 durchführen zu können, doch aufgrund zahlreicher Absagen von Verlagen entschieden sie sich anders. Ein ausführlicher Artikel zu den Hintergründen ist auf SPIEGEL.de zu lesen.


Sabine Göttel erhält Kurt Sigel-Lyrikpreis des deutschen PEN

Darmstadt, 9. Februar 2022. Der deutsche PEN zeichnet die Autorin Sabine Göttel mit dem diesjährigen Kurt Sigel-Lyrikpreis aus. „Durch ihren poetischen, eigensinnigen Blick und eine beeindruckende, mutige Vielfalt an Formen und lyrischen Spielarten“ überzeugte Göttel schließlich die Jury, der Barbara Krohn, Bernhard Setzwein und Simone Trieder angehören.

„Sabine Göttels Lyrik ist inspiriert von den kleinen Realien des Lebens und zeigt durch immer neue Varianten von Form und Sprache, wie daraus zugleich die große Welt der Poesie erwächst“, heißt es in der Jurybegründung weiterhin.

Sabine Göttel.
Foto: Janko Woltersmann

Als freie Autorin, Dramaturgin, Lektorin und Dozentin für Literatur arbeitet Sabine Göttel derzeit u.a. an der Leibniz Universität Hannover und an ihrer 2009 zusammen mit Christina Rohwetter gegründeten Akademie Literatur&Leben.

Der Preis an Sabine Göttel wird am 12. Mai 2022 im Rahmen der PEN-Jahrestagung in Gotha verliehen. Mit dem Kurt Sigel-Lyrikpreis wurden bislang Daniel Falb (2016) und Dorothea Grünzweig (2018) sowie Claudia Gabler (2020) ausgezeichnet. Neben der aktuellen Preisträgerin wird in Gotha auch Claudia Gabler geehrt.

Stifter des mit 4.000 € dotierten Preises, den der deutsche PEN alle zwei Jahre ausschreibt, ist der Frankfurter Schriftsteller Kurt Sigel, der sich als Autor von Romanen, Erzählungen, Gedichtbänden und von Büchern in hessischer Mundart, teilweise mit eigenen Zeichnungen und Cartoons illustriert, einen Namen gemacht hat.


Telegram sperrt Kanäle von Attila Hildmann

(9. 2. 2022) Der Messengerdienst Telegram, der bei Rechtsradikalen und Verschwörungstheoretikern sehr beliebt ist, weil er nahezu alle auch noch so abstrusen Postings duldet, hat die Kanäle von Attila Hildmann gesperrt. Der Druck aus Politik und Gesellschaft war offenbar zu stark geworden. Hildmann, der zuvor als veganer TV-Koch und Kochbuchautor erfolgreich war, hatte sich seit Beginn der Corona-Pandemie zum rechten Verschwörungstheoretiker gewandelt. Aufgrund zahlreicher strafbarer Äußerungen und Aufrufe in seinen Postings wurde Haftbefehl gegen ihn erlassen, er entzog sich dem Zugriff der Behörden jedoch durch seine Flucht in die Türkei. Weitergehende Informationen sind in diesem Artikel der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung zu lesen.

Telegram sperrt nach Hildmann Dutzende weitere Kanäle

(12. 2. 2022) Nach einem Gespräch zwischen Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) und dem Telegram-Gründer Pavel Durov hat der Messengerdienst über die Kanäle von Attila Hildmann hinaus zahlreiche weitere wegen Aufrufen zu Gewalt gesperrt. Durov, dessen Unternehmen seinen Sitz in Dubai hat, betonte nach dem Treffen mit Faeser, dass beide Seiten weiterhin „in engem Austausch bleiben“ werden. Dass Durov nach dem Gespräch mit der Innenministerin so viel Kreide gefressen zu haben scheint, erweckt den Eindruck, dass Nancy Faeser sehr deutlich geworden ist und durchaus Druckmittel zur Verfügung hatte. Es stellt sich daher die Frage, ob ihr Amtsvorgänger Horst Seehofer (CSU) das Thema Hass und Gewaltverherrlichung im Netzt jahrelang nicht ernst genommen hat. Mehr dazu gibt es in der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung.