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	<title>Sport etwas anders &#8211; AUSSICHTEN &#8211; Informationen aus dem Journalistenb&uuml;ro von J&uuml;rgen Streich</title>
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		<title>Kirsty Coventry zur IOC-Präsidentin gewählt</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Mar 2025 19:14:50 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Kirsty Coventry heißt die neue Präsidentin des Internationalen Olympischen Komitees. Die 41 Jahre alte Sportministerin in Simbabwe und frühere zweifache Olympiasiegerin (2004 u. 2008) im Rückenschwimmen folgt damit auf den Deutschen Thomas Bach, der das Amt 12 Jahre lang innehatte. Der 73-jährige kandidierte nicht wieder für die Position des höchsten Sportfunktionärs weltweit. Coventry soll seine &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/sport-etwas-anders/kirsty-coventry-zur-ioc-praesidentin-gewaehlt/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kirsty Coventry heißt die neue Präsidentin des Internationalen Olympischen Komitees.</strong> Die 41 Jahre alte Sportministerin in Simbabwe und frühere zweifache Olympiasiegerin (2004 u. 2008) im Rückenschwimmen folgt damit auf den Deutschen Thomas Bach, der das Amt 12 Jahre lang innehatte. Der 73-jährige kandidierte nicht wieder für die Position des höchsten Sportfunktionärs weltweit. Coventry soll seine Wunschkandidatin sein. Die Amtsübergabe soll am 24. Juni erfolgen. Coventry, die die erste Frau und erste afrikanische Person als IOC-Präsidentin wird, erhielt mit 49 von 97 abgegebenen Stimmen gleich im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit. Sie konnte sich damit deutlich von den mit favorisierten Kandidaten Juan Antonio Samaranch jun. (28 Stimmen) und Sebastian Coe (8) absetzen. 12 weitere Voten verteilten sich auf vier weitere Kandidaten.</p>
</div>



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<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="677" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/03/Bildschirmfoto-2025-03-20-um-18.47.16-1024x677.jpeg" alt="" class="wp-image-9328" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/03/Bildschirmfoto-2025-03-20-um-18.47.16-1024x677.jpeg 1024w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/03/Bildschirmfoto-2025-03-20-um-18.47.16-300x198.jpeg 300w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/03/Bildschirmfoto-2025-03-20-um-18.47.16-768x508.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/03/Bildschirmfoto-2025-03-20-um-18.47.16-1536x1016.jpeg 1536w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/03/Bildschirmfoto-2025-03-20-um-18.47.16-408x270.jpeg 408w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/03/Bildschirmfoto-2025-03-20-um-18.47.16.jpeg 1580w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
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		<title>Vorwärts immer, rückwärts nimmer oder Go, Infantino, go!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Mar 2023 02:54:45 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Zur Fußball-WM 2026 in Mexiko, USA und Kanada Von Klaus Hansen Fußball ist der Weltsport Nummer eins. Sowohl als Aktiven- als auch als Zuschauersport. Aktive Kicker und fußballverrückte Couchpotatoes gibt es überall auf der Welt. Das Medium, das Fußball überträgt, kann darauf zählen, auf allen Kontinenten großen Zuspruch zu finden. Fußballübertragungen im Fernsehen sind seit &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/sport-etwas-anders/vorwaerts-immer-rueckwaerts-nimmer-oder-go-infantino-go/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
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<h3 class="wp-block-heading">Zur Fußball-WM 2026 in Mexiko, USA und Kanada</h3>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Von Klaus Hansen</p>



<div style="height:14px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Fußball ist der Weltsport Nummer eins. Sowohl als Aktiven- als auch als Zuschauersport. Aktive Kicker und fußballverrückte Couchpotatoes gibt es überall auf der Welt. Das Medium, das Fußball überträgt, kann darauf zählen, auf allen Kontinenten großen Zuspruch zu finden. Fußballübertragungen im Fernsehen sind seit langem der Quotenbringer schlechthin, nicht nur in Europa.</p>
</div>



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<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="767" height="934" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/03/Bildschirmfoto-2023-03-18-um-16.49.19.jpeg" alt="" class="wp-image-6246" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/03/Bildschirmfoto-2023-03-18-um-16.49.19.jpeg 767w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/03/Bildschirmfoto-2023-03-18-um-16.49.19-246x300.jpeg 246w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/03/Bildschirmfoto-2023-03-18-um-16.49.19-222x270.jpeg 222w" sizes="(max-width: 767px) 100vw, 767px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Das Bewerbungslogo von Mexiko, Kanada und den USA um die WM 2026.</p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Das große Produkt, das der Weltfußballverband FIFA zu verkaufen hat, sind Fußball-Weltmeisterschaften. Der Verkauf ihrer Übertragungs-, Marketing- und Lizenzrechte brachte der FIFA bei der WM 2022 in Katar knapp vier Milliarden US-Dollar ein. Bei der kommenden WM 2026 sollen es an die sieben Milliarden werden. Dazu vergrößert man das Teilnehmerfeld von 32 auf 48 Mannschaften und die Turnier-Dauer von 29 auf 40 Tage. Statt 64 sind 104 Spiele zu sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass die FIFA geldgeil ist und ihre Bosse korrupt sind, ist keine Information, denn dafür fehlt der Neuigkeitswert. Für FIFA-Präsident Gianni Infantino hat die Ausweitung des Teilnehmerfeldes freilich nur moralisch astreine Motive: „Auch kleine Fußballländer sollen eine größere Chance bekommen, auf der ganz großen Fußballbühne mit dabei zu sein.“ Aber so weit, dass wir uns auf ein Sechzehntelfinale Vatikan gegen Biafra freuen dürfen, sind wir noch nicht. Denn auch das gibt es: Obwohl die FIFA mehr Mitgliedsverbände (211) als die UNO Mitgliedsstaaten hat (193), gibt es immer noch einige wenige Parias, die nicht zur FIFA gehören, der Vatikan und Biafra zählen dazu, leider. Denn elf Missbrauchspriester in kurzen Hosen wären eine folkloristische Attraktion und politische Provokation in einem. Da käme selbst die Fußballgemeinde auf andere Gedanken.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Was verkauft die FIFA eigentlich, wenn sie Fußballspiele verkauft? Sie verkauft eine besondere Faszination, die von einer eigentümlichen Spannung ausgeht, die es so bei anderen Spielen nicht gibt. (Warum ist der Kunde so spannungsbedürftig, könnte man fragen. Aber das ist eine andere Frage, die man auch den Millionen von täglichen Krimi-Zuschauern stellen kann, die ohne den am Mord- und Totschlag aufgehängten Thrill nicht auszukommen scheinen. Oder kommen sie nur deshalb nicht ohne den Mist aus, weil er ihnen täglich angeboten wird?)</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="623" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/03/Bildschirmfoto-2023-03-18-um-16.26.24-1024x623.jpeg" alt="" class="wp-image-6251" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/03/Bildschirmfoto-2023-03-18-um-16.26.24-1024x623.jpeg 1024w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/03/Bildschirmfoto-2023-03-18-um-16.26.24-300x183.jpeg 300w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/03/Bildschirmfoto-2023-03-18-um-16.26.24-768x467.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/03/Bildschirmfoto-2023-03-18-um-16.26.24-444x270.jpeg 444w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/03/Bildschirmfoto-2023-03-18-um-16.26.24.jpeg 1280w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Der wiedergewählte FIFA-Präsident Gianni Infantino. Foto: technisch24.com</p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Welche Spannung ist es denn, die das Fußballspiel für Abermillionen so anziehend macht?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Leistungsspannung, wie sie die Leichtathletik auszeichnet, ist es nicht. Eine solche Spannung liegt vor, wenn ein Springer, Werfer oder Läufer versucht, einen bestehenden Rekord zu brechen. Die Zuschauer kennen die Marke und sind gespannt, ob der Athlet sie übertreffen kann oder nicht. Aber auch jeder gewöhnliche Wettlauf wird am Ende durch in Sekunden und Zentimetern messbare Leistungsüberlegenheit entschieden, nicht durch Zufall, ein taktisches Foul oder durch einen Maulwurfshügel in der Laufbahn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine hollywoodreife Suspense-Spannung, wie sie Hitchcock meisterhaft zu inszenieren wusste, ist es auch nicht: Man sieht die brennende Lunte, die unter den Tisch führt, an dem viele Menschen sitzen, weiß aber nicht, wann und ob überhaupt etwas passieren wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Dramatik des Fußballspiels beruht auf einer anderen Art von Spannung, der so genannten Zufallsspannung. Unvorhergesehenes und Überraschendes ist jederzeit möglich und nicht berechenbar, weder durch die vorausplanenden Trainer noch durch die agierenden Spieler. Einem Fußballspiel zuzusehen bedeutet, nie zu wissen, bis zum Schlusspfiff nicht, ob der Höhepunkt schon da war oder erst noch kommen wird. Diese Zufallsspannung haben wir auch bei anderen Ballsportarten, aber beim Fußball ist sie am größten, weil er der einzige Sport ist, der die Beherrschung elastischer Kugeln nicht den Händen, sondern den Füßen anvertraut. Füße aber können viel weniger als Hände. Darum misslingen Zuspiele auf engstem Raum, leere Tore werden verfehlt, Elfmeter gehen in den Himmel und statt den Ball zu treffen, tritt man ein Loch in die Luft oder bleibt mit dem Fuß im Boden stecken. Selbst den Meisterspielern unterlaufen solche Böcke. Wetter und Bodenbeschaffenheit tun ein Übriges, um den Fußball unberechenbarer als alle Sportarten zu machen, die auf Parkett, unter Dach und mit der Hand gespielt werden. Zufall, Glück und Pech führen im Fußball ein einzigartiges Eigenleben. Dieses spezifische Spannungspotenzial des Fußballspiels ist sein Alleinstellungsmerkmal und größtes Kapital. Damit macht die FIFA ihre Profite.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="580" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/03/Bildschirmfoto-2023-03-18-um-17.01.30-1024x580.jpeg" alt="" class="wp-image-6254" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/03/Bildschirmfoto-2023-03-18-um-17.01.30-1024x580.jpeg 1024w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/03/Bildschirmfoto-2023-03-18-um-17.01.30-300x170.jpeg 300w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/03/Bildschirmfoto-2023-03-18-um-17.01.30-768x435.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/03/Bildschirmfoto-2023-03-18-um-17.01.30-477x270.jpeg 477w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/03/Bildschirmfoto-2023-03-18-um-17.01.30.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">&#8222;Die Liste der Absurditäten bei der FIFA wird immer länger.&#8220;  </p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Da die Zuschauer aber nicht allein der besonderen Spannung des Fußballspiels verfallen sind, sondern viel mehr noch den Mannschaften, die es spielen, kommt bei Länderspielen und Länderspiel-Turnieren, wie es Europa- und Weltmeisterschaften sind, noch eine chauvinistische Parteilichkeit hinzu – „Steh auf, wenn du Deutscher bist!“ „Husch, husch, ab in den Busch!“ (gegen Nigeria) -, die die Fußballfaszination von der Kriminalfilmfaszination unterscheidet, obwohl beide von der Spannung leben.</p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">2026 steht uns also nichts Gutes bevor. 104 chauvinistische „Tatorte“ an 40 aufeinanderfolgenden Tagen werden eher den Nationalisten in uns befördern als den kosmopolitischen Weltbürger, den die Welt so dringend nötig hätte. Auch ohne Trump, so ist zu befürchten, wird die mittel- und nordamerikanische WM ein Festival des geistigen Trumpismus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und 2026 ist nicht das Ende aller Tage, sondern vier Jahre vor 2030, dem Jubeljahr. Denn vor hundert Jahren, 1930 in Uruguay, hat alles angefangen. Die Kommerzialisierung des Berufsfußballs wird weitergehen. &#8211; Hier drei absehbare Entwicklungen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man wird das langweilige Unentschieden abschaffen und so lange spielen, bis ein Gewinner ermittelt ist. Es soll nur noch Sieger und Verlierer geben, aber keine friedlich-schiedlichen Punkteteiler mehr. Die mentale Militarisierung schreitet fort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man wird die Regel, dass die Zeit das Spiel bestimmt, durch die in den anderen großen Sportarten übliche Regel, dass das Spiel die Zeit bestimmt, ersetzen, um mehr „Nettospielzeit“ zu erwirtschaften.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den jetzt schon auf und neben dem Platz üblichen sieben Regelhütern werden noch drei Zeitrichter hinzukommen, sodass die Schiedsrichter bald eine eigene Elf bilden und jedes Fußballmatch zu einem Spiel wird, das von drei Mannschaften und einem Anarchisten, dem Ball, bestritten wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und irgendwann wird es auch an den Live-Zuschauern im Stadion an den Kragen gehen. Das große Geld kommt nicht von ihnen, sondern von den Fernsehzuschauern. Die Fünfzigausend im Stadion haben gegen die 50 Millionen an den Bildschirmen keine Chance. Live-Zuschauer machen nur Ärger und Kosten. Die gute Stimmung im Stadion, nach der der Fernsehzuschauer verlangt, lässt sich auch durch Bild- und Ton-Konserven herstellen, wie in der Corona-Zeit bewiesen. Auch eine Professionalisierung des Stadion-Zuschauers ist denkbar. Bezahlte Stimmungskomparsen gab es schon in Katar. Dem Profi-Claqueur gehört die Zukunft, nicht dem naiven Kutten-Fan von anno Tobak, der noch glaubte, seine Jungs würden für ihn spielen, für seine Stadt, für sein Land &#8211; und nicht für Geld. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Gianni Infantino hat noch viel Arbeit vor sich!</p>



<div style="height:15px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
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<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="403" height="506" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Klaus_Hansen_Soccer-2-2.jpeg" alt="" class="wp-image-4032" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Klaus_Hansen_Soccer-2-2.jpeg 403w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Klaus_Hansen_Soccer-2-2-239x300.jpeg 239w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Klaus_Hansen_Soccer-2-2-215x270.jpeg 215w" sizes="auto, (max-width: 403px) 100vw, 403px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Foto: J. Streich</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<h2 class="wp-block-heading">Über den Autor</h2>



<div style="height:14px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Klaus Hansens Interessensgebiete reichen von A wie Anarchismus bis Z wie Zivilcourage. Ganz wichtig dazwischen: F wie Fußball. Diese Sportart beleuchtet er in seinem neuen Buch aus allen Richtungen. Dabei zeigen viele seiner Geschichten, Gedichte, Essays und Graphiken, wie sehr Fußball die Gesellschaft und den Zeitgeist abbildet – ob auf dem Platz, auf den Zuschauerrängen, außerhalb der Stadien und auch in den Medien. Bis hinein in die große Politik wirken die Vergaben und Inszenierungen internationaler Turniere.</p>
</div>
</div>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="wp-block-paragraph">Hansen, geboren 1948 in Pronsfeld in der Eifel, studierte Psychologie, Soziologie, Publizistik und Ethnologie an der Universität Münster und wurde 1977 zum Doktor phil. promoviert. Es folgten verschiedene Dozententätigkeiten, von 1992 bis 1996 war er Regierungsdirektor im Bundesministerium des Inneren. Anschließend übernahm er eine Professur für Politische Wissenschaften und Politische Bildung an der Hochschule Niederrhein Krefeld / Mönchengladbach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klaus Hansen wurde 2013 emeritiert und arbeitet seither ausschließlich als Publizist. 2017 erschien im Kölner Roland Reischl Verlag sein Buch „Soccer – Stories, Lyrics, Essays“ als eine von zahlreichen Veröffentlichungen.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="722" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1-722x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-3839" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1-722x1024.jpeg 722w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1-212x300.jpeg 212w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1-768x1089.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1-190x270.jpeg 190w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1.jpeg 903w" sizes="auto, (max-width: 722px) 100vw, 722px" /></figure>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Hansen, geboren 1948 in Pronsfeld in der Eifel, studierte Psychologie, Soziologie, Publizistik und Ethnologie an der Universität Münster und wurde 1977 zum Doktor phil. promoviert. Es folgten verschiedene Dozententätigkeiten, von 1992 bis 1996 war er Regierungsdirektor im Bundesministerium des Inneren. Anschließend übernahm er eine Professur für Politische Wissenschaften und Politische Bildung an der Hochschule Niederrhein Krefeld / Mönchengladbach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klaus Hansen wurde 2013 emeritiert und arbeitet seither ausschließlich als Publizist. 2017 erschien im Kölner Roland Reischl Verlag sein Buch „Soccer – Stories, Lyrics, Essays“ als eine von zahlreichen Veröffentlichungen.</p>
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		<title>Wladimir Putin – Der unwürdige Judo-„Meister“</title>
		<link>https://aussichten-online.de/krieg-und-frieden/wladimir-putin-der-unwuerdige-judo-meister/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Dec 2022 03:47:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Krieg und Frieden]]></category>
		<category><![CDATA[Sport etwas anders]]></category>
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					<description><![CDATA[Wandbild des Street Art-Künstlers Bansky in der Ukraine. Er ist noch nie auch nur einen Schritt auf dem „Edlen Weg“ gegangen Von Jürgen Streich* Dieses Bild des britischen Streetart-Künstlers Bansky auf einer maroden Mauer eines zerbombten Hauses in der Ukraine zeigt nicht lediglich einen Judo-Wurf, sondern birgt eine tiefergehende Bedeutung. Da darauf zu sehen ist, &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/krieg-und-frieden/wladimir-putin-der-unwuerdige-judo-meister/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Wandbild des Street Art-Künstlers Bansky in der Ukraine.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-large-font-size">Er ist noch nie auch nur einen Schritt auf dem „Edlen Weg“ gegangen</h2>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Von Jürgen Streich*</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Bild des britischen Streetart-Künstlers Bansky auf einer maroden Mauer eines zerbombten Hauses in der Ukraine zeigt nicht lediglich einen Judo-Wurf, sondern birgt eine tiefergehende Bedeutung. Da darauf zu sehen ist, wie ein Kind einen erwachsenen Mann wirft, also der Schwächere den Starken besiegt, hat es durchaus einen starken Bezug zur Kriegswirklichkeit nach dem russischen Überfall auf die Ukraine. Da war der Kreml davon ausgegangen, mit einem Durchmarsch bis Kiew sei der Sieg innerhalb weniger Tage quasi im Spaziergang erreicht. Doch es kam ganz anders, die vermeintlich schwache Ukraine hielt stand und es gelang deren Streitkräften, die scheinbar übermächtigen Russen mehr und mehr zurückzudrängen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Judo wird häufig mit „Der sanfte Weg“ übersetzt, doch sanft geht es auf den Matten insbesondere in der Wettkampfpraxis eher selten zu. Zutreffender ist die Übersetzung als „flexibler“ oder „intelligenter“ Weg. Auch da gibt es Parallelen zur Wirklichkeit auf den ukrainischen Schlachtfelern: Militärfachleute auf der ganzen Welt sind sich einig darin, dass die russische Militärführung zahlreiche und teils schwerwiegende Fehler begangen hat, während die Kriegführung seitens der Ukraine als intelligent und den jeweiligen Lagen angepasst beschrieben wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Banskys Wandbild wird den Judoka und einstigen Stadtmeister von Leningrad, Wladimir Putin, auch deshalb besonders ärgern, weil darauf seine Kampfsportart in Bezug zum – obwohl ausgesprochen brutal bis kriegsverbrecherisch vorgehenden – schwächelnden russischen Militär gesetzt wird. Der österreichische Autor Robert Misik schrieb in seinem Buch „Putin – Ein Verhängnis“, dass der russische Präsident Judo von Beginn an als durchaus aggressive Ergänzung zu seinen angestrebten Fähigkeiten, jeden, egal wie, besiegen oder gar zerstören und im alltäglichen Überlebenskampf bestehen zu können. Dabei habe er sich mit ziemlich windigen Gestalten, die in der Judo-Szenerie eher selten anzutreffen und wenig gelitten sind, umgeben.</p>



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<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Liderlicher und dilettantischer Tai-otoshi von Wladimir Putin.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Er selbst beschrieb laut SPIEGEL vom 22. Dezember 2007 seine Sicht auf das Judo indessen so: &#8222;Sportarten wie Judo lehren uns gegenseitigen Respekt. Respekt für den Gegner, mit dem Wissen, dass ein schwach erscheinender Gegner sich wehren und sogar siegen kann, wenn man seine Konzentration fahren lässt und selbstzufrieden wird.&#8220;</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Doch als Kriegsherr verhält er sich geradezu gegenteilig zu dieser Aussage. Von Charakterbildung, die im Judo ein angestrebtes Ziel ist, keine Spur. Die Kampftechniken sollen außerhalb der Matte ausschließlich zur Verteidigung von Leib und Leben von sich und anderen eingesetzt werden. Als russischer Präsident aber hat Putin bereits die tschetschenische Hauptstadt Grosny auf brutalste Weise nahezu dem Erdboden gleich bomben lassen. Und aktuell haben seine Truppen auf seinen Befehl hin ein friedliches Nachbarvolk völkerrechtswidrig angegriffen, sind also die Aggressoren. Auf die Zivilbevölkerung nehmen Putin und seine Schergen keinerlei Rücksicht, auch auf Kinder nicht. Im Gegenteil, durch gezielte Angriffe auf die Strom- und Wasserversorgung lässt er die Zivilbevölkerung in der Hoffnung quälen, dass diese kriegsmüde wird. Und nach dem verbrecherischen Massaker von Butscha dekorierte er die Tätertruppe mit hohen Auszeichnungen. Das ist in etwa so, als würde man im Judo dafür geehrt, dass man am Wettkampf Unbeteiligte auf hinterhältige und brutale Weise getötet hat. Und gar mit Atomwaffen zu drohen käme der Situation gleich, in der ein Judoka mit gezogener Schusswaffe in den Kampf geht. – Nein, das mit der Charakterbildung und dem Respekt vor dem Gegner hat der russische Präsident, der zu Beginn seiner Amtszeit das Buch „Judo lernen mit Wladimir Putin“ und später gemeinsam mit dem japanischen Judo-Meister Yasuhiro Yamashita eine Lehr-DVD veröffentlicht hat, grundsätzlich missverstanden.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Aber statt Putin wegen der rücksichtslosen Kriegführung in Tschetschenien und den von ihm genehmigten oder gar in Auftrag gegebenen Mordanschlägen auf politische Gegner, Kritiker und Abtrünnige sogar im Ausland achtkantig aus dem Verband zu werfen und von jeglichen Matten zu verbannen, wurden ihm gar noch hohe Ehrentitel verliehen. So wurde er zuerst zum Botschafter der Internationalen Judo-Föderation (IJF) ernannt und im Jahr 2008 auch noch zu deren Ehrenpräsidenten. – Ein Hohn schon damals. </p>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="886" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/12/Bildschirmfoto-2022-12-28-um-05.06.48-1024x886.jpeg" alt="" class="wp-image-5077" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/12/Bildschirmfoto-2022-12-28-um-05.06.48-1024x886.jpeg 1024w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/12/Bildschirmfoto-2022-12-28-um-05.06.48-300x260.jpeg 300w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/12/Bildschirmfoto-2022-12-28-um-05.06.48-768x665.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/12/Bildschirmfoto-2022-12-28-um-05.06.48-312x270.jpeg 312w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/12/Bildschirmfoto-2022-12-28-um-05.06.48.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">&#8222;Judo lernen mit Wladimir Putin&#8220; &#8211; Es gibt bessere Lehrer. </p>
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<p class="wp-block-paragraph">Mit Arkadi Rotenberg saß damals einer von Putins engsten Freunden im Vorstand der IJF. Auch deren Präsident, der in Rumänien geborene Marius Vizer, befürwortete die Ehrungen für den russischen Präsidenten. Mit Sergej Soloweitschik war ein weiterer Freund Putins Präsident der Europäischen Judo-Union.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch damit nicht genug. Anno 2011 erhielt er „ehrenhalber“ auch noch den 8. Dan-Grad verliehen. Dabei hat er mit Hilfe der Verbandsoberen einige Grade kurzerhand übersprungen. Derart hohe Dan-Grade werden normalerweise für außergewöhnliche Verdienste um den Judo-Sport vergeben, und das nur sehr selten. Solche Leistungen sind mir von Wladimir Putin nicht bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Apropos Leistung: Ich habe in den Filmausschnitten, die es von ihm auf der Matte gibt, bisher ausschließlich Standardtechniken gesehen, die ich von jedem Einsteiger nach ein bis spätestens anderthalb Jahren erwarten würde. In einer wohl ohne Genehmigung an die Öffentlichkeit gelangten Sequenz stellt er sich bei einem Armstreckhebel sogar ausgesprochen dämlich an. So hätte er gegen jeden mittelmäßigen Judoka verloren. Aber auch die grundlegenen Standard-Techniken zeigt Wladimir Putin derart mäßig bis schlicht falsch, dass er damit Probleme bei den Prüfungen zu den untersten Schülergraden bekäme. Kein Trainer und erst recht kein Prüfer lässt es aufgrund der damit verbundenen Verletzungsgefahr durchgehen, wenn der Schüler beziehungsweise Prüfling nach der Judorolle übers angewinkelte Knie wieder aufsteht. Dasselbe gilt für einen derart liderlich und falsch demonstrierten Tai-otoshi, wie ich ihn von Wladimir Putin gesehen habe. Kein auch nur etwas versierter Gegner ließe sich durch einen solcherart dilettantischen Wurfansatz aus der Ruhe bringen. Und sein Ukuri-ashi-barai (Fußnachfegen) benötigt schon sehr die für den Staatschef wohlmeinend eingesetzte Sprungfähigkeit seines Partners, damit diese Wurftechnik einigermaßen vorzeigbar aussieht, wäre es nicht so auffällig… &#8211; Diese und weitere Beispiele sind auf den Videosequenzen von Putins jüngstem Training mit der russischen Nationalmannschaft** zu sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun darf und sollte man dem russischen Diktator zugestehen, dass er inzwischen 70 Jahre alt ist. Dass auch auf der Judo-Matte dann vieles nicht mehr so geht, wie in jüngeren Jahren, ist ein Schicksal, dass außer ihm noch andere alternde Judoka ereilt. Doch Putin geriert sich noch als der harte und erfolgreiche Kämpfer und Judo-Experte schlechthin. Dabei hat er wesentliche Aspekte der Kampfsportart nie begriffen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die „Washington Post“ schrieb am 18. Juli 2017 unter der Überschrift „Ist Putin ein Judo-Hochstapler?“: „Putin hat weithin den Ruf, ein Judo-Experte auf hohem Niveau zu sein. Sein Können sei so eindrucksvoll und bekannt, dass es zu einer Metapher für seinen Regierungsstil geworden ist.“ Die Zeitung zitiert den amerikanischen Martial Arts-Spezialisten und Dan-Träger im Taekwondo und Aikido, Benjamin Wittes, der sagt, dass Putins Judo-Fähigkeiten in keiner Weise derart hohe Auszeichnungen und Graduierungen rechtfertigen würden. In seinem Nationalen Sicherheits-Blog „Lawfare“ befand er nach intensivem Studium der Judo-Videos mit Wladimir Putin, dass dieser ein Betrüger und Hochstapler sei. Ihm war aufgefallen, dass dessen Gegner allzu leicht fallen und es keine Bilder gebe, auf denen der Staatschef angegriffen werde. Deshalb wolle Wittes letzteres am liebsten selber tun. Er sei jederzeit und an jedem Ort der Welt bereit, gegen Putin anzutreten.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Trotz aller Zweifel beweihräucherte der IJF-Präsident Marius Vizer den russischen Präsidenten bei der Verleihungszeremonie des 6. Dan-Grades anlässlich des 60-jährigen Bestehens der IJF und des 60. Geburtstages von Wladimir Putin den Geehrten als „perfekten Botschafter unserer Sportart“ und verstieg sich gar zu der Aussage, Putin repräsentiere die hohen Judo-Werte auf der ganzen Welt. – Auch das war damals schon lachhaft. Die Verleihung fand im Kodokan Judo-Institut in Tokio, quasi der Weltzentrale des Judo statt. Laut der Zeitschrift „Sunikai – Magazin rund um Japan“, sagte Putin damals: „Wenn ich zum Kodokan komme, habe ich ein Gefühl des Friedens, als wäre ich zu Hause.“ Naja, dort, wo er wirklich zu Hause ist, tritt er Friedensbestrebungen, wenn sie seinen Zielen im Wege stehen, geradezu mit Füßen.</p>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1014" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/12/Bildschirmfoto-2022-12-18-um-16.36.51-1024x1014.jpeg" alt="" class="wp-image-5083" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/12/Bildschirmfoto-2022-12-18-um-16.36.51-1024x1014.jpeg 1024w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/12/Bildschirmfoto-2022-12-18-um-16.36.51-300x297.jpeg 300w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/12/Bildschirmfoto-2022-12-18-um-16.36.51-150x150.jpeg 150w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/12/Bildschirmfoto-2022-12-18-um-16.36.51-768x761.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/12/Bildschirmfoto-2022-12-18-um-16.36.51-273x270.jpeg 273w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/12/Bildschirmfoto-2022-12-18-um-16.36.51.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Und das beim Training mit der russischen Nationalmannschaft: Wladimir Putin steht aus einer Judo-Rolle heraus über das angewinkelte Knie auf. Ein Fehler, für den man schon bei der Prüfung zum gelben Gürtel dicke Minuspunkte bekommt. &#8211; Man beachte übrigens die Farbkombination der Matte.  </p>
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<p class="wp-block-paragraph">Putin als Repräsentant der hohen Judo-Werte auf der ganzen Welt…&nbsp; &#8211; unfassbar. Auf den Urkunden derjenigen, die ein paar Jahre vor mir den 1. Dan erlangt hatten und damit zu Meistern wurden, stand damals noch sinngemäß: ‚Aufgrund seiner Fähigkeiten im Judo und seiner Persönlichkeit erhält XY den soundsovielsten Dan-Grad.‘ Doch Wladimir Putins Fähigkeiten im Judo sind mehr als fraglich und seine Persönlichkeit ist die eines schweren Kriegsverbrechers, der, wenn er nicht entsprechend deutliche Ansagen anderer Nuklearmächte erhalten hätte, auch nicht davor zurückgeschreckt wäre, in der Ukraine mit Atomwaffen zu hantieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 27. Februar 2022, drei Tage nach Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges gegen die Ukraine, entzog die IJF dem Kriegsherrn, der längst als dringender Kandidat für eine Anklage vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gehandelt wird, sowohl den Botschafter-Titel als auch die Ehrenpräsidentschaft. Immerhin. Aber man hätte sehr viel früher wissen können, welche Fehlgriffe die Ehrungen für den für seine Hinterhältigkeit, Lügen, Rücksichtslosigkeit und Brutalität bekannten Wladimir Putin waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wahrscheinlich wollte man sich mit dem mitgliederstarken russischen Verband gutstellen. Wie weit dessen Einfluss reichte, konnte man bei den olympischen Spielen 2012 in London sehen. Als der deutsche Schwergewichtler Andreas Tölzer im Halbfinale gegen den Russen Alexander Michailin stand, befand sich Wladimir Putin unter den Zuschauern. Aufgrund höchst umstrittener Kampfrichterentscheidungen erreichte der Russe den Endkampf. Nahezu die gesamte Fachwelt hatte das exakt anders herum gesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Summa summarum: Der russische Präsident Wladimir Putin ist nicht nur als Politiker eine Katastrophe, sondern auch ein höchst unwürdiger Judo-„Meister“. Hätte ich die Macht dazu, würde ich ihm die „ehrenhalber“ verliehenen Dan-Grade rückwirkend entziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Internationale Taekwondo-Verband immerhin war konsequent genug, genau das zu tun. Obwohl Waldimir Putin diese Kampfsportart nie ausgeübt hatte, war ihm gar der 9. Dan verliehen worden. Doch kurz nach dem russischen Angriff auf die Ukraine wurde ihm dieser Ehrengrad mit der Begründung entzogen, dass „die brutalen Angriffe auf unschuldige Leben dem Motto des Verbandes und den Werten der Taekwondo-Welt widersprechen.“ In dieselbe Richtung ging die Initiative Athleten Deutschlands, als sie in einer Erklärung betonte: &#8222;Präsident Putin hat zum dritten Mal den Olympischen Frieden gebrochen und damit die Werte des Sports wiederholt mit Füßen getreten.&#8220;</p>



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<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Kaori Yamaguchi: &#8222;Er ist kein Judoka.&#8220;</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Auch aus Japan, dem Mutterland des Judo, kommen deutliche Worte von prominenten Vertretern der Kampfsportart, die in dieselbe Richtung gehen. Kaori Yamaguchi beispielsweise war 1981 erste japanische Welt- und mehrfache Asienmeisterin. Beim Demonstrationswettbewerb des Frauen-Judo bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul gewann sie die Bronzemedaille. Inzwischen ist sie Mitglied des Japanischen Olympischen Komitees und trägt den 7. Dan-Grad. Sie erinnert an eine Aussage des Begründers des Judo: „Die Lehre von Jigoro Kano Sensei lautet: ‚Wenn du einmal Macht erlangst, nutze sie, um Gutes für die Welt zu tun.‘ Im Lichte dieser Lehre ist Putins Machtgebrauch in dieser Weise unzulässig, ein definitives No-Go. Er ist kein Judoka.“</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Auch Yasuhiro Yamashita, den Wladimir Putin hoch verehrt und der mit ihm gemeinsam das bereits erwähnte Lehrvideo gemacht hat, äußert sich klar und eindringlich. Yamashita war neunmal alljapanischer Meister, viermal Weltmeister und 1984 Olympiasieger. Er ist Präsident des japanischen Judo-Verbandes, Vorsitzender des Japanischen Olympischen Komitees und trägt den 8. Dan. Zunächst stellt der 64-jährige auf seiner Website klar: „Ich bin nicht so gut mit Putin befreundet, wie alle denken.“ Dann weist er auf den Sinn des Judo hin und auf das, was der Angriffskrieg gegen die Ukraine vor diesem Hintergrund für ihn bedeutet: „Das Ziel des Judo ist es, geistig zu wachsen, Körper und Geist zu stärken, sich zu vervollkommnen und letztlich zum Wohle der Gesellschaft beizutragen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Aggression seines Landes in der Ukraine ist gegen das Ethos des Sports. Wenn ich die Medienberichte über die unmenschlichen Taten in der Ukraine und die militärische Aggression Russlands verfolge, bricht mir das das Herz. Präsident Putin ist ein Judoka, und diese Handlungen widersprechen dem Geist und dem Zweck des Judo. Das kann nicht toleriert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Judoka sind meine tiefe Trauer und meine Gedanken bei den Menschen in der Ukraine und bei allen Judo-Liebhabern auf der ganzen Welt. Ich hoffe, dass diese feigen Taten gestoppt werden.“</p>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="872" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/12/Bildschirmfoto-2022-12-28-um-05.08.46-1024x872.jpeg" alt="" class="wp-image-5092" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/12/Bildschirmfoto-2022-12-28-um-05.08.46-1024x872.jpeg 1024w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/12/Bildschirmfoto-2022-12-28-um-05.08.46-300x255.jpeg 300w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/12/Bildschirmfoto-2022-12-28-um-05.08.46-768x654.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/12/Bildschirmfoto-2022-12-28-um-05.08.46-317x270.jpeg 317w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/12/Bildschirmfoto-2022-12-28-um-05.08.46.jpeg 1063w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Einer der erfolgreichsten Judoka der Welt sowie Vorsitzender des Japanischen Judo-Verbandes und des Nationalen Olympischen Komitees, Yasuhiro Yamashita: &#8222;Es bricht mir das Herz.&#8220;</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Bleibt zu hoffen, dass Wladimir Putin Yasuhiro Yamashita seinerseits die Freundschaft kündigt, denn dieser aufrechte Judoka hat es nicht verdient, dass der verlogene Kreml-Herr sich noch länger mit ihm als „Freund“ schmückt. Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen, dass Putin durch Kungelei denselben hohen Dan-Grad trägt, wie der erfolgreiche und verantwortungsbewusste Yamashita durch Leistung und Engagement fürs Judo und die olympische Bewegung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bisher heißt es, eine Aberkennung von Putins Judo-Dan-Grad sei unrealistisch. Verwiesen wird dann oft darauf, dass selbst Shizuo Matsumoto – Deckname Shoko Asahara -, der die religiöse Sekte Aum Shinrikyo führte und später für den Giftgasanschlag auf die Tokyoter U-Bahn im Jahre 1995 und weitere Verbrechen hingerichtet wurde, seinen Dan-Grad behalten hat. Doch der Vergleich hinkt. Matsumotos Dan-Grad war durch Prüfungen erworben und daher allein juristisch schwer abzuerkennen. Der Moskauer Möchtegern-Zar indessen hat, außer seine Verbindungen spielen zu lassen, nichts für seine völlig überhöhte Gradierung getan und hätte dazu auch nicht ansatzweise die Fähigkeiten.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Auf dem „edlen Weg“ – so übersetzen nicht wenige den Begriff Judo – ist er noch nie auch nur einen einzigen Schritt gegangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück zu Banskys Judo-Wandbild. Dieses lässt noch eine weitere Interpretation zu: Der Jüngere zeigt dem Älteren, wo es langgeht. So wie in der Klimapolitik. Da fordern ebenfalls junge Menschen die Politiker auf, dringenst erforderliche Schritte zur Eindämmung der Erderwärmung zu gehen. Auch in dieser für die Menschheit überlebenswichtigen Frage ist Wladimir Putin ein verantwortungsloser Vollversager.</p>
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<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="648" height="533" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/12/Bildschirmfoto-2022-12-18-um-19.16.15.jpeg" alt="" class="wp-image-5095" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/12/Bildschirmfoto-2022-12-18-um-19.16.15.jpeg 648w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/12/Bildschirmfoto-2022-12-18-um-19.16.15-300x247.jpeg 300w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/12/Bildschirmfoto-2022-12-18-um-19.16.15-328x270.jpeg 328w" sizes="auto, (max-width: 648px) 100vw, 648px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Der Begründer des Judo, Jigoro Kano: &#8222;Wenn Du einmal Macht erlangst, nutze sie, um Gutes für die Welt zu tun.&#8220; </p>
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</div>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>____________________________________________________</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">* Der Verfasser dieses Beitrages ist Träger des – mit ordentlichen Prüfungen erworbenen – 2. Dan-Grades, gehörte von 1977 an zum Stammpersonal des Bundesleistungszentrums Köln und hat von 1980 bis 1984 in der Bundesliga gekämpft.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">** &nbsp;Ich habe übrigens auch einmal – noch unter ganz anderen Vorzeichen &#8211; mit der damals noch sowjetischen Nationalmannschaft trainiert. &nbsp;Bei der Europameisterschaft 1980 in Wien war ich sowohl als Trainingspartner der bundesdeutschen Mannschaft (es gab seinerzeit ja auch noch die der DDR) als auch als Korrespondent der „Judo–Revue“ vor Ort. Dort startete damals die beeindruckende Erfolgsserie eines sowjetischen Nationalmannschaftsmitgliedes, des Letten Alexander Jazkewitsch. Der schlug damals einen Gegner nach dem anderen vorzeitig mit phänomenalen Varianten des Armstreckhebels Juji-gatame und wurde so zum ersten aber nicht zum letzten Mal Europameister in der Gewichtsklasse bis 86 Kilogramm. In den Kämpfen riskierte er, um in den Bodenkampf zu kommen, sogar Wertungen für seine Gegner, was, je nachdem, wie hoch dieses ausfielen, verglichen mit dem Schach dem Opfern eigener Figuren bis hin zur Dame gleichkam. Doch in Wien und auch danach noch sehr oft hebelte er seine Gegner allesamt schach-matt.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">In der Kantine des Mannschaftshotels fragte ich Alexander Jazkewitsch, ob die Möglichkeit bestünde, von seinen Varianten ein paar Fotoserien als Lehrbeispiele für die „Judo-Revue“ aufzunehmen. Er selbst hatte nichts dagegen, sagte aber, dass er dazu seinen Nationaltrainer um Erlaubnis bitten müsse. Bereits am nächsten Morgen kam Alexander ebenfalls in der Hotel-Kantine auf mich zu und sagte, dass das klar ginge, ich am Nachmittag zum Training in der Halle Nummer soundso kommen und, da ich ja selbst Judoka sei, gerne auch meinen Anzug mitbringen solle. Dort war ich dann offenkundig willkommener Gast, trainierte noch mitten im Kalten Krieg und Jahre vor Glasnost und Perestroika – als Trainigspartner einer konkurrierenden Mannschaft! – mit der sowjetischen Nationalmannschaft. Anschließend erledigten wir dann das Foto-Shooting. – Ein unvergessliches Erlebnis, das mir zeigte, wie verbindend eine gemeinsame Leidenschaft, bei uns die zum Judo, wirken kann. Das zumal die DDR-Judoka damals durch – wie ich heute weiß – Stasi-Leute außerhalb der Kämpfe streng von allen anderen abgeschirmt wurden und sogar Interviews nur unter deren Kontrolle geben durften. Wenn überhaupt.</p>
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		<title>Ich werde diese „WM der Schande“ boykottieren</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Nov 2022 07:37:50 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Transparent in einer Kölner Kneipe. Fans von Borussia Dortmund verleihen ihrem Unmut über die WM-Ausrichtung in Katar Ausdruck&#8230; &#8230; ebenso wie Fans von Hertha BSC Berlin. Der „Sündenfall des Weltfußballs“ Ein Boykottaufruf von Jürgen Streich Als „WM der Schande“ und „Sündenfall des Weltfußballs“ bezeichnete der Redakteur Lukas Matzinger die Fußballweltmeisterschaft 2022 in Katar in einem &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/sport-etwas-anders/ich-werde-diese-wm-der-schande-boykottieren/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Transparent in einer Kölner Kneipe.</p>
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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="567" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-14-um-22.32.28-3-1024x567.jpeg" alt="" class="wp-image-4543" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-14-um-22.32.28-3-1024x567.jpeg 1024w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-14-um-22.32.28-3-300x166.jpeg 300w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-14-um-22.32.28-3-768x425.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-14-um-22.32.28-3-487x270.jpeg 487w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-14-um-22.32.28-3-1038x576.jpeg 1038w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-14-um-22.32.28-3.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Fans von Borussia Dortmund verleihen ihrem Unmut über die WM-Ausrichtung in Katar Ausdruck&#8230;</p>
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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-13-um-00.25.53-1024x683.jpeg" alt="" class="wp-image-4544" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-13-um-00.25.53-1024x683.jpeg 1024w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-13-um-00.25.53-300x200.jpeg 300w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-13-um-00.25.53-768x512.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-13-um-00.25.53-405x270.jpeg 405w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-13-um-00.25.53.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">&#8230; ebenso wie Fans von Hertha BSC Berlin.</p>
</div>
</div>



<h2 class="has-text-align-center has-x-large-font-size wp-block-heading">Der „Sündenfall des Weltfußballs“</h2>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Ein Boykottaufruf von Jürgen Streich</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als „WM der Schande“ und „Sündenfall des Weltfußballs“ bezeichnete der Redakteur Lukas Matzinger die Fußballweltmeisterschaft 2022 in Katar in einem Artikel in der österreichischen Wochenzeitschrift „Falter“. Sein Chefredakteur Florian Klenk begründete wenige Tage später, weshalb sein Blatt keine Zeile und kein einziges Bild von der WM bringen werde. Es ist damit Vorreiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die beiden haben Recht. Über 6.700 Menschen verloren laut „Guardian“ auf den Baustellen der Stadien für das größte Fußballturnier der Welt ihr Leben, weil den Kataris Begriffe wie Arbeitsschutz absolute Fremdworte waren. So verletzten sich auch unzählige weitere Arbeiter teilweise schwer. Zahlreiche von ihnen, die aus dem Ausland kamen, wurden „gehalten“ wie in der Massentierhaltung und erhielten ihren ohnedies schon schlechten Lohn zu spät oder gar nicht ausgezahlt. Ihre Pässe mussten sie abgeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Frauen werden in ihren Wohnungen nahezu versteckt, während die Männer es sich im dem steinreichen Wüstenstaat in Saus‘ und Braus‘ gutgehen lassen. Und homosexuelle Menschen sind in den Augen der Kataris geradezu wie Dreck. So antwortete der einst bekannteste Fußballspieler des Landes und jetzige WM-Botschafter Khalid Salman Al-Muttanndi auf eine entsprechende Frage des ZDF-Sportjournalisten Jochen Breyer, Homosexuelle seinen „haram“ &#8211; kaputt &#8211;  und letztlich geisteskrank. Um Nachfragen zu vermeiden, brach ein Offizieller Katars das Interview vor laufender Kamera ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Überhaupt werden die vor Ort arbeitenden Auslandsjournalisten gegängelt, wenn nicht gar schikaniert. Es sollen schließlich nur Bilder und Texte, in denen das Land sich gut dargestellt sieht, an die Außenwelt gelangen. Doch Journalisten sind nicht dazu da, Tourismus-Werbung und Polit-Propaganda zu betreiben. Ganz im Gegenteil ist die kritische Betrachtung eines jeden Geschehens ihr Job. Als Gegengewicht hierzu holt die Regierung offenbar zahlreiche Influencer ins Land, so die ZDF-Journalistin Golineh Atai. Das ändere aber nichts daran, so Atai, dass Kataris, die mit ausländischen Medien reden würden, starke Angst wegen möglicher Repressionen hätten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Apropos gute Darstellung: Es sollen tatsächlich bezahlte Claqueure zu den Spielen bestellt sein, die gute Stimmung in den Sportarenen suggerieren sollen. Gleichwohl haben die Verantwortlichen des Wüstenstaates in Sachen Stimmung einen zweifelhaften Erfolg mithilfe eines Vertragsbruchs errungen: Bereits vor Jahren hatten sie sich bereiterklärt, für die Zeit der WM das strenge Alkoholverbot in und um die Stadien auszusetzen. Daraufhin wurden millionenschwere Verträge, unter anderem mit der amerikanischen Budweiser-Brauerei, die wesentlicher Sponsor des Fußballturniers wurde, abgeschlossen. Das dafür, dass die Kataris es sich zwei Tage vor dem Eröffnungsspiel anders überlegt haben und das strenge Alkoholverbot auch in den Fußballarenen und deren Umfeld aufrecht erhalten. Der ZDF-Korrespondent Markus Harm kommentierte diese Entscheidung so: „Die Kataris machen, was sie wollen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was für die einen ein Riesengeschäft ist, betrachten die Machthaber des superreichen Landes offenbar als Peanuts. Galt die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien mit Kosten in Höhe von 15 Milliarden Dollar als die bisher teuerste WM, so investierte Katar mit 220 Milliarden Dollar das nahezu fünfzehnfache in das Turnier. Aber klar, Riesen-Kühlschränke, die die Stadien dort sein müssen, kosten viel Geld. Denn ohne die Kühltechnik wäre das Turnier, weil bei den dortigen Temperaturen an Leistungssport nicht zu denken wäre und auch reihenweise Zuschauer mit Kreislaufbeschwerden umfallen würden, unmöglich. Und das, obwohl das Turnier eigens in die dunklere Jahreszeit verlegt worden war, was in anderen Teilen der Welt aufgrund des ausfallenden Public Viewings und den für die Verbände schwierig zu gestaltenden Spielplänen ihrer Ligen äußerst kritisch aufgenommen worden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hatte sogar der Schweizer Sepp Blatter, der während seiner FIFA-Präsidentschaft noch selbst als der Korruption und Bestechlichkeit zuneigender Sportfunktionär gegolten hatte, die Entscheidung für die Vergabe der WM 2022 an Katar kurz vor deren Start als „großen Fehler“ bezeichnet, so verstieg sein Nachfolger als FIFA-Präsident, der Schweizer Gianni Infantino sich in einer circa einstündigen Wutrede während einer Pressekonferenz am 18. November 2022 &#8211;&nbsp; also zwei Tage vor Beginn des Turniers – zu einer als bizarr und merkwürdig empfundenen Argumentation: Die Kritik aus Europa bezeichnete er als „heuchlerisch“, denn dessen Staaten hätte sich „noch die nächsten 3.000 Jahre lang beim Rest der Welt zu entschuldigen.“ Daher sollten die Verbände sich aus den katarischen Angelegenheiten heraushalten und auf den Fußball konzentrieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und er schob nach: „Wer kümmert sich denn um die Wanderarbeiter? – Die FIFA, die WM und natürlich auch Katar.“ Markus Harm vom ZDF, der derzeit in Katar weilt, konterte in den „Tagesthemen“, dass seine Recherchen keinerlei Verbesserungen für die Situation der Wanderarbeiter ergeben hätten. Ich frage mich, wer in der Causa Katar heuchlerisch argumentiert. So hat der FIFA-Präsident acht Monate vor WM-Beginn eine Zweitwohnung in Katar bezogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Vereine müssen zur Katar-Frage endlich eine eigene Haltung entwickeln. Ein Paradebeispiel dafür, wohin das führt, wenn das nicht geschieht, ist Bayern München. Der mehrfache Champions League-Gewinner lässt sich immer noch von der staatlichen Fluggesellschaft Katar-Airlines sponsern und hält jedes Jahr ein Trainingslager in der Wüstensonne ab. Letzteres ist natürlich mit Test- und Freundschaftsspielen verbunden, die in Ländern wie Katar bestens besucht sind und im Fernsehen übertragen werden. So tragen die Bayern zur Image-Aufbesserung Katars bei und verschaffen ihnen darüber hinaus sogar noch zusätzliche Einnahmequellen. Doch dagegen begehren immer mehr Fans des Vereins, die inzwischen eine große „Fraktion“ auf den Jahreshauptversammlungen bilden, unüberhörbar auf. Sie verlangen, alle Verträge mit Katar aufzukündigen. Nachdem der Anführer dieser Bayern-internen Opposition auf der jüngsten Versammlung noch einmal deutlich auf die Menschenrechtssituation in Katar hingewiesen hatte, musste er sich während einer Sitzungspause vor laufenden Kameras vom Bayern-Ehrenpräsidenten Ulli Hoeneß lautstark belehren lassen, dass „dies nicht die Vollversammlung von Amnesty International“ sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiteres Argument gegen die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar sind die ökologischen Folgen dieser Vergabe. Allein der Bau der überdimensionierten und protzigen Stadien, die nach der WM niemand mehr braucht, hat immense Material- und Energieressourcen verschlungen. Hinzu kommt die unsäglich viele Fliegerei, die mit dem Turnier verbunden ist. Da Katar den angereisten Fans nicht genug Hotelplätze anzubieten hat, mussten viele von ihnen in die benachbarten Länder ausweichen. Zu den Spielen werden sie dann mit Regionalflügen gelangen. So dürfte die Wüsten-WM vier Wochen lang für einen regelrechten Flug-Pendelverkehr sorgen. Das in Zeiten, in denen die Menschheit wirklich alles tun muss, um die Klimaveränderungen zu bremsen oder gar zu stoppen und solchen Irrsinn unterbinden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>All die genannten Aspekte, die jeder für sich genommen schon dicke Sargnägel für den Fußball bedeuten, haben mich zu dem Schluss kommen lassen, die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar als TV-Konsument zu ignorieren und möchte Ihnen nahelegen, das auch zu tun.</strong></p>
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		<title>Klagegesänge eines Fußballfans (Folge 6)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Nov 2022 02:49:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sport etwas anders]]></category>
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					<description><![CDATA[Stammesangehörige Diese Serie von Klaus Hansen für die Zeit bis zur Fußball-Weltmeisterschaft (So., 20. November bis So., 18. Dezember 2022) in Katar geplant, Nun ist diese Zeit eine Artikelserie des emeritierten Politologieprofessors und Publizisten Dr. Klaus vorbei und die Serie beendet. Doch der Autor Klaus Hansen wird &#8222;AUSSICHTEN&#8220; als Kolumnist erhalten bleiben. Von Klaus Hansen &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/sport-etwas-anders/klagegesaenge-eines-fussballfans-folge-6/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading"></h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<h1 class="wp-block-heading" style="font-size:50px">Stammesangehörige</h1>



<div style="height:55px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Diese Serie von Klaus Hansen für die Zeit bis zur Fußball-Weltmeisterschaft (So., 20. November bis So., 18. Dezember 2022) in Katar geplant, Nun ist diese Zeit eine Artikelserie des emeritierten Politologieprofessors und Publizisten Dr. Klaus vorbei und die Serie beendet. Doch der Autor Klaus Hansen wird &#8222;AUSSICHTEN&#8220; als Kolumnist erhalten bleiben.</em></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div style="height:42px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Von Klaus Hansen</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-07-um-03.50.03-639x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-4531" width="269" height="431" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-07-um-03.50.03-639x1024.jpeg 639w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-07-um-03.50.03-187x300.jpeg 187w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-07-um-03.50.03-169x270.jpeg 169w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-07-um-03.50.03.jpeg 745w" sizes="auto, (max-width: 269px) 100vw, 269px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Graphik: Klaus Hansen</p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Der Spielort, das Stadion, hat für uns Old Boys eine eigene Faszination. Für uns wird es auch immer „Stadion“ heißen und nicht „Arena“. Arena kommt vom lateinischen Sand (hjarena) und bezeichnet die Stätte mörderischer Gladiatorenkämpfe, in denen die hinterbliebenen Blutlachen mit Sand abgedeckt wurden. Stadion kommt aus dem Griechischen, ist ein Längenmaß und bezeichnet die Länge der antiken Laufbahn um das Sportfeld, cirka 180 Meter. Stadion ist das friedliche Wort. Mit dem Fortschreiten des Top-down-Fußballs wird es mehr und mehr ausgebürgert und durch Arena ersetzt. Auch semantisch wird es kriegerischer. Auch hier, wie überall, viel Scheinheiligkeit: „Bomber“ darf man zum Serientäter in der Sturmmitte nicht mehr sagen, „Arena“ aber gehört zum guten Ton.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedes Mal aufs Neue, wenn ich schon aus der Ferne das Wabern und den Rhythmus, die dumpfen Trommeln und das Stakkato der Stimmen höre, beschleicht mich ein Zuhause-Gefühl. Näher kommend, werden die Stimmen deutlicher: „Ist nur mein Verein okay, tut mir nichts mehr weh“ / „Mer stonn zo dir, mer jon met dir, wenn et sin muss durch et Füer“. Es ist wie eine Heimkehr in den Stamm. Dieses brüllende und seufzende Tier namens Stadion ist mein liebgewonnenes Neandertal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist ja nur ein großer Fleischwurstring. Fünfzig Tausend Säugetiere kehren der Gesellschaft den Rücken zu, um nur noch dem Spiel und sich selbst zuzuschauen. Hier ist mein festes Stehplatz-Revier seit 6 Jahrzehnten. Hier treffe ich auf Leute, die schon genauso lange da stehen wie ich. Wir altern zusammen, werden zusammen dick, kahl und vergesslich, aber kennen uns nur mit dem Spitznamen, der auf den Trikots aufgeflockt ist. „Drecksau“ „Dietz“ und „Spasti“ sind die zuverlässigsten von allen. Fehlt mal einer, fragt man nach ihm. „Mittagsschicht“, lautet die häufigste Antwort; „Urlaub“ habe ich noch nie gehört. Während des Spiels benehmen wir uns wie kleine Jungs mit Flausen im Kopf und dicken Eiern in der Hose. Obwohl der Atem langsam knapp wird. Das Wort Zivilisation ist für uns das, was es ist: ein Fremdwort. Ein wunderbarer Rückfall in die gemäßigte Barbarei! Wenn es handgreiflich wird, auch das kommt vor, stärkt das nur den Zusammenhalt. Sagt einer in der Halbzeitpause: „Ich geh ma pissen“, fordert ihn der andere auf: „Bring mir eins mit!“ Man versteht sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ganze Stadion ist verrückt, ein Narrenschiff auf der Woge des Überschwangs. Zehn Minuten nach Anpfiff wird über die Lautsprecherdurchsage ein Autofahrer gesucht: „Der Halter des Fahrzeugs mit dem Kennzeichen BM-SV 1902 wird gebeten, sofort zu seinem Auto zu kommen. Der Motor läuft, die Fahrertür steht auf und das Licht brennt.“ Da hat einer auf den letzten Drücker das Ziel erreicht, ist aus dem Auto gesprungen und ins Stadion gerannt, um ja nicht den Anstoß zu verpassen. In einem Spiel, bei dem es „um nichts mehr geht“. Das ist es! Dieser grenzenlose Enthusiasmus! Für uns gibt es keine Spiele, bei denen es um nichts mehr geht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese trunkene Selbstvergessenheit scheint irgendwie nachzulassen. Bald wird es sie nicht mehr geben. Klimawandel auch im Stadion. Aber wir Älteren können bezeugen, dass es so etwas einmal gegeben hat. Und wir werden ein Leben lang davon zehren, dass wir dabei waren.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Klaus_Hansen_Soccer-2-2.jpeg" alt="" class="wp-image-4032" width="269" height="337" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Klaus_Hansen_Soccer-2-2.jpeg 403w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Klaus_Hansen_Soccer-2-2-239x300.jpeg 239w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Klaus_Hansen_Soccer-2-2-215x270.jpeg 215w" sizes="auto, (max-width: 269px) 100vw, 269px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Klaus Hansen. Foto: Jürgen Streich</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<h2 class="wp-block-heading">Der Autor</h2>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Klaus Hansens Interessensgebiete reichen von A wie Anarchismus bis Z wie Zivilcourage. Ganz wichtig dazwischen: F wie Fußball. Diese Sportart beleuchtet er in seinem neuen Buch aus allen Richtungen. Dabei zeigen viele seiner Geschichten, Gedichte, Essays und Graphiken, wie sehr Fußball die Gesellschaft und den Zeitgeist abbildet – ob auf dem Platz, auf den Zuschauerrängen, außerhalb der Stadien und auch in den Medien. Bis hinein in die große Politik wirken die Vergaben und Inszenierungen internationaler Turniere.</p>
</div>
</div>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="wp-block-paragraph">Hansen, geboren 1948 in Pronsfeld in der Eifel, studierte Psychologie, Soziologie, Publizistik und Ethnologie an der Universität Münster und wurde 1977 zum Doktor phil. promoviert. Es folgten verschiedene Dozententätigkeiten, von 1992 bis 1996 war er Regierungsdirektor im Bundesministerium des Inneren. Anschließend übernahm er eine Professur für Politische Wissenschaften und Politische Bildung an der Hochschule Niederrhein Krefeld / Mönchengladbach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klaus Hansen wurde 2013 emeritiert und arbeitet seither ausschließlich als Publizist. 2017 erschien im Kölner Roland Reischl Verlag sein Buch „Soccer – Stories, Lyrics, Essays“ als eine von zahlreichen Veröffentlichungen.</p>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="722" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1-722x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-3839" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1-722x1024.jpeg 722w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1-212x300.jpeg 212w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1-768x1089.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1-190x270.jpeg 190w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1.jpeg 903w" sizes="auto, (max-width: 722px) 100vw, 722px" /></figure>
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<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Klagegesänge eines Fußballfans (Folge 5)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Nov 2022 02:23:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sport etwas anders]]></category>
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					<description><![CDATA[Schmierentheater An dieser Stelle gibt es bis zur Fußball-Weltmeisterschaft (So., 20. November bis So., 18. Dezember 2022) in Katar eine Artikelserie des emeritierten Politologieprofessors und Publizisten Dr. Klaus Hansen. Von Klaus Hansen Typographie: Klaus Hansen Der Trend zur künstlichen Theatralisierung des Fußballsnach dem Muster von Soap Operas hält an. Eine Fußballbundesliga-Saison mit 34 Spieltagen wird &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/sport-etwas-anders/klagegesaenge-eines-fussballfans-folge-5/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
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<h1 class="wp-block-heading" style="font-size:50px">Schmierentheater</h1>



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<p class="wp-block-paragraph"><em>An dieser Stelle gibt es bis zur Fußball-Weltmeisterschaft (So., 20. November bis So., 18. Dezember 2022) in Katar eine Artikelserie des emeritierten Politologieprofessors und Publizisten Dr. Klaus Hansen.</em></p>



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<div style="height:42px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Von Klaus Hansen</p>
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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="748" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-07-um-03.50.36-748x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-4393" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-07-um-03.50.36-748x1024.jpeg 748w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-07-um-03.50.36-219x300.jpeg 219w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-07-um-03.50.36-768x1051.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-07-um-03.50.36-197x270.jpeg 197w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-07-um-03.50.36.jpeg 935w" sizes="auto, (max-width: 748px) 100vw, 748px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Typographie: Klaus Hansen</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Der Trend zur künstlichen Theatralisierung des Fußballsnach dem Muster von Soap Operas hält an. Eine Fußballbundesliga-Saison mit 34 Spieltagen wird heute vom Fernsehen, zumal den Privatsendern, wie eine Vorabend-Serie inszeniert, wie ein wöchentliches „Dallas with Balls“. Zusammen mit Vor- und Nach“berichterstattung“ dauert die Soap mehr als doppelt so lange wie das Fußballspiel selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine künstlich erzeugte Spannung – „Wie wird es ausgehen?“ vor dem Spiel, „Hätte es auch anders ausgehen können? nach dem Spiel. „Und wie weiter jetzt?“ &#8211; soll den Wegfall der natürlichen Spannung kompensieren. Denn die Ungewissheit des Ausgangs der Saison ist nicht mehr gegeben, wenn der Sieger nun schon zum x-ten Mal hintereinander Bayern München in Deutschland, Paris St. Germain in Frankreich und Manchester City in England heißt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Stadion selbst haben sich Eventmanager zum „Arbeitskreis Stimmung“ zusammengetan. Sie friemeln an der telegenen Spektalisierung des Rahmenprogramms. Man trimmt es auf feierlich (mit der „Vereinshymne“), auf schlüpfrig (mit „Chearleaders“), auf infantil (mit „Einlaufkindern“) und auf schrottig mit Schlagersängern vom Ballermann, die in der Halbzeitpause den guten Geschmack beleidigen. Man erfindet unentwegt Ratespielchen, bei denen es Flaschenöffner mit den Namen von Global Players zu gewinnen gibt, die sich vor Ort lieb Kind machen wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Spielfeld geht es nicht weniger „eventig“ zu. Spieler wälzen sich, kaum dass sie „retuschiert“ (Olaf Thon) wurden, fünfmal um die eigene Achse. Man mimt den Sterbenden Schwan, um bald darauf wieder ein wendiger Hase zu sein. Die Inszenierungen des Torjubels gleichen inzwischen kleinen Comedy-Sketchen mit Grimme-Preis-Ambitionen. Die Spieler wechseln von Spiel zu Spiel ihre Frisuren und präsentieren der Kamera die allerneuesten Tattoos. Jährlich wechselnde Heim- und Auswärtstrikots gehen nicht nur den Fans ans Portemonnaie, sie werden auch ernsthaft im Mode-Teil von „Stern“ und „Bunte“ kommentiert. Nicht unwahrscheinlich, dass demnächst der Sechser sich für nonbinär erklärt und mit bunt lackierten Fingernägeln spielt. Denn Diversität läuft gerade gut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Paläste des Schmierentheaters heißen „Signal-Iduna-Park“ oder „Schau-ins-Land-Reisen-Arena“. Die Platanen, auf die man klettern konnte, um einen schöneren Ausguck zu haben, gibt es nicht mehr. Im Inneren der Paläste haben die natürlichen Himmelsrichtungen als Orientierungsmarken ausgedient. Statt auf der West-Tribüne findet man sich auf der „Sparkassen-Tribüne“ ein; statt in der Nord-Kurve sammeln sich die Ultras im „König-Pilsener-Segment“. Doch es ist noch viel Luft nach oben. Die Vermarktung der Torgehäuse könnte als Nächstes folgen: „Lufthansa-Kasten“ hier, „Daihatsu-Bude“ dort. Die Werberechte für die Eckfahnen gehen an „Nutella“ und die „Fruchtzwerge“. Beide Elfmeterpunkte überlässt man einer Golfbälle produzierenden Firma aus Balve im Sauerland. Ein Blick auf die beliebten Nachbarsportarten Handball und Eishockey genügt für weitere Anregungen: Die Spielflächen, Eis und Parkett, sind voller Werbebotschaften. Wie viele nützliche Kundeninformationen ließen sich auf einem Hektar Kunstrasen unterbringen! „Teppichriesen“ aus Nah und Fern: aufgewacht und Druck gemacht! The Show must go on.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann, nach jedem Spiel, das Sprech-Theater am Spielfeldrand. Life-Interviews auf Plastikdeutsch und im Ton der verlogenen Demut. Der Torschütze: „Ich bin froh, dass ich meiner Mannschaft helfen konnte.“ Der überragende Mittelfeldmann zeigt sich fassungslos vor Glück, dass er überhaupt dabei sein durfte. Gefragt, ob er sich zu den Besten im Lande zähle: „Das müssen andere beurteilen.“ (Andernorts hatte er gesagt, zu den Top Five rechne er sich nicht unbedingt, „zu den Top One aber schon.“) Blutjung und schon weise wie ein toter Sokrates, kommentiert der 20jährige Verteidiger das Unentschieden: „Heute war mehr drin, aber auch weniger.“ Keine einzige Chance habe man heute gehabt, klagt der Trainer, „aber einige Möglichkeiten gab es doch.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kein Manni Burgsmüller weit und breit, der einst nach dem Spiel zum Interview erschien, die Reporter gar nicht erst zu Wort kommen ließ und die „Pressekonferenz“ mit zweieinhalb Sätzen beendete: „Ich weiß nicht, wie Sie mich gesehen haben. Ich habe mich gut gesehen. Danke schön.“</p>



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<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
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<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Klaus Hansen. Foto: Jürgen Streich</p>
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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<h2 class="wp-block-heading">Der Autor</h2>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Klaus Hansens Interessensgebiete reichen von A wie Anarchismus bis Z wie Zivilcourage. Ganz wichtig dazwischen: F wie Fußball. Diese Sportart beleuchtet er in seinem neuen Buch aus allen Richtungen. Dabei zeigen viele seiner Geschichten, Gedichte, Essays und Graphiken, wie sehr Fußball die Gesellschaft und den Zeitgeist abbildet – ob auf dem Platz, auf den Zuschauerrängen, außerhalb der Stadien und auch in den Medien. Bis hinein in die große Politik wirken die Vergaben und Inszenierungen internationaler Turniere.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Hansen, geboren 1948 in Pronsfeld in der Eifel, studierte Psychologie, Soziologie, Publizistik und Ethnologie an der Universität Münster und wurde 1977 zum Doktor phil. promoviert. Es folgten verschiedene Dozententätigkeiten, von 1992 bis 1996 war er Regierungsdirektor im Bundesministerium des Inneren. Anschließend übernahm er eine Professur für Politische Wissenschaften und Politische Bildung an der Hochschule Niederrhein Krefeld / Mönchengladbach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klaus Hansen wurde 2013 emeritiert und arbeitet seither ausschließlich als Publizist. 2017 erschien im Kölner Roland Reischl Verlag sein Buch „Soccer – Stories, Lyrics, Essays“ als eine von zahlreichen Veröffentlichungen.</p>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="722" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1-722x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-3839" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1-722x1024.jpeg 722w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1-212x300.jpeg 212w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1-768x1089.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1-190x270.jpeg 190w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1.jpeg 903w" sizes="auto, (max-width: 722px) 100vw, 722px" /></figure>
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<p class="wp-block-paragraph">Um die Fußballbegeisterung von Klaus Hansen zu beschreiben, eignet sich insbesondere eine Geschichte um den allerersten Spieltag der neuen Fußball-Bundesliga am Samstag, dem 24. August 1963: Damals brach der 15-jährige Klaus Hansen am Mittwoch zuvor mit dem Fahrrad in Duisburg auf, um drei Tage später rechtzeitig zum Anpfiff des Auswärtsspiels seinen geliebten MSV im Karlsruher Stadion zu sein. Überglücklich über dessen 4:1-Sieg auf des Gegners Platz – die Duisburger „Zebras“ landeten damit nach dem 1. FC Köln und Schalke 04 auf dem dritten Platz – kam er am darauffolgenden Dienstag wieder zu Hause an.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Klagegesänge eines Fußballfans (Folge 4)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Nov 2022 03:01:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sport etwas anders]]></category>
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					<description><![CDATA[Wer zahlt, schafft an An dieser Stelle gibt es bis zur Fußball-Weltmeisterschaft (So., 20. November bis So., 18. Dezember 2022) in Katar eine Artikelserie des emeritierten Politologieprofessors und Publizisten Dr. Klaus Hansen. Von Klaus Hansen Typographie: Klaus Hansen Wie der große Finanzier des Profisports, das werbefinanzierte Privatfernsehen, im Namen der TV-Tauglichkeit sogar in das Regelwerk &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/sport-etwas-anders/klagegesaenge-eines-fussballfans-folge-4/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
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<h1 class="wp-block-heading" style="font-size:50px"><strong>Wer zahlt, schafft an</strong></h1>



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<p class="wp-block-paragraph"><em>An dieser Stelle gibt es bis zur Fußball-Weltmeisterschaft (So., 20. November bis So., 18. Dezember 2022) in Katar eine Artikelserie des emeritierten Politologieprofessors und Publizisten Dr. Klaus Hansen.</em></p>



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<div style="height:42px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Von Klaus Hansen</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="657" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-07-um-03.49.48-657x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-4128" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-07-um-03.49.48-657x1024.jpeg 657w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-07-um-03.49.48-192x300.jpeg 192w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-07-um-03.49.48-768x1197.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-07-um-03.49.48-173x270.jpeg 173w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirmfoto-2022-11-07-um-03.49.48.jpeg 821w" sizes="auto, (max-width: 657px) 100vw, 657px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Typographie: Klaus Hansen</p>
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</div>



<p class="wp-block-paragraph">Wie der große Finanzier des Profisports, das werbefinanzierte Privatfernsehen, im Namen der TV-Tauglichkeit sogar in das Regelwerk von Sportarten eingreift, zeigen Beispiele aus letzter Zeit. Im Tischtennis ist aus Gründen televisionärer Sichtbarkeit der Ball jetzt 40 statt 38 Millimeter groß. Um die Rasanz des Spiels zu erhöhen, wird nur bis elf und nicht mehr bis 21 Punkte gespielt. Das Aufschlagsrecht wechselt alle zwei Punkte. Abwechslung steigert die Spannung. Die Technik des verdeckten Aufschlags ist verboten, denn dem Zuschauer soll nichts verborgen bleiben. Verliert er den Überblick, schaltet er um oder aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Volleyball sind die Bälle nicht mehr weiß, sondern bunt. Volleyballerinnen müssen bikiniartige Trikots tragen, weil der TV-Kunde es „sexy“ möchte. Die Spielerinnen fügen sich. Sie sagen, „ohne Fernsehen wäre unser Sport tot“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Forderungen des Privatfernsehens, beim Fußball die Halbzeiten abzuschaffen, um bei drei Dritteln mehr Werbeunterbrechungen zu bekommen, werden immer wieder erhoben, erfolglos bislang. Beim Basketball hat man sich mit der fernsehgerechten Aufbrezelung durchgesetzt. Es gibt keine zwei Halbzeiten mehr, sondern vier Viertel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als vor Jahren das Bestreben war, den nordamerikanischen Fernsehmarkt für das Soccer-Spiel zu gewinnen, wurde vorgeschlagen, die Tore zu vergrößern, das Mittelfeld zu verkleinern, die Abseitsregel abzuschaffen und die Möglichkeit des Unentschiedens aus dem Reglement zu streichen, um nordamerikanischen Wahrnehmungsgewohnheiten entgegenzukommen. In den drei National- und Leitsportarten Nordamerikas &#8211; American Football, Baseball und Basketball – fallen immer viele Treffer, und viele Treffer sind eine Zuschauerattraktion, befriedigen sie doch auch ein weiteres Faible amerikanischer Sportfans: die Lust auf Buchführung und Statistik. Bei einem Nullzunull im Fußball gibt es nicht viel zu notieren. Mit größeren Toren, kleinerem Platz und ohne Abseits wären auch im Fußball viele Tore möglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im amerikanischen Sport gibt es immer einen Sieger, eine Punkteteilung kennt man nicht. Ein Unentschieden ist etwas für Schwächlinge. Einige konservative Republikaner nannten das Remis gar ein „sozialistisches Element“. Nur Linke teilen Punkte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die FIFA lehnte die Veränderungen damals ab und rühmte sich anschließend als Gralshüterin der Tradition. In Wahrheit waren ökonomische Überlegungen ausschlaggebend. Denn die vielleicht in Nordamerika hinzugewonnenen Zuschauer hätten die in der übrigen Welt verprellten Anhänger des Sports nicht aufgewogen<strong>.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Spiel schneller, torreicher und spannender zu machen, daran wird seit den 1990er Jahren intensiv gearbeitet. Damit soll die Attraktivität der TV-Ware Fußball erhöht werden. Fünf diesbezügliche Regeländerungen seien vorgestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Auswechslungsregel.</strong> Bis 1967 waren Auswechslungen im Fußball nicht möglich. Auch ein verletzter Spieler durfte nicht ersetzt werden. Dann änderte man die Regel aus „humanitären Gründen“. Erst war es ein verletzter Feldspieler pro Mannschaft, der kompensiert werden durfte, dann wurden es zwei. Das galt bis 1994. Ab 1995, nun hatte sich das Privatfernsehen bereits etabliert, wurde die Zahl auf drei erhöht und die Restriktion „verletzungsbedingt“ aufgehoben. Seit 2022 sind nun fünf Auswechslungen pro Spiel möglich. Ein Trainer kann also während eines Spiels die Hälfte seiner Feldspieler nach Gutdünken austauschen. Dadurch soll das Spiel, so die Hoffnung, seine hohe Intensität bis zur Schlussminute beibehalten, was der Spannung zu Gute kommt. – Nur nebenbei: Die reichen Clubs profitieren davon mehr als die armen. Auch hier wieder der allgegenwärtige Matthäus-Effekt: Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen. Die Qualität der Spieler, die bei Bayern München auf der Bank sitzen, übersteigt heute die Qualität der Spieler, die beim VfL Bochum die Stammelf bilden. Die Schere zwischen Arm und Reich geht noch weiter auseinander.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Rückpassregel. </strong>Um weniger Leerlauf und mehr Action ins Spiel zu bringen, denn auf dem Bildschirm muss immer Halligalli sein, hat man 1992 die „Rückpassregel“ verändert. Bis dahin durfte man 100 Jahre lang den Ball zum eigenen Torwart zurückspielen, und der durfte die Kugel dann mit den Händen aufnehmen, sie vor sich hin wiegen, einige Male auftippen und dann in aller Seelenruhe abschlagen. Jetzt darf der Goalie den Rückpass nur noch mit dem Fuß berühren und weiterkicken. Das geht schneller und ist, bei der fußballerischen Unbeholfenheit so mancher Keeper, riskanter, &#8211; und schon sind ein paar Minuten an „Nettospielzeit“ plus Spannung hinzugewonnen. „Mehr Netto vom Brutto!“ ist also nicht nur eine Wahlpropaganda der FDP.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Dreipunkteregel.</strong> Seit 1995 gilt die Dreipunkteregel in der Bundesliga. Statt zwei Punkte für einen Sieg, gibt es nunmehr drei. Bei einem Unentschieden erhalten beide Teams je einen Punkt; man „lässt also zwei Punkte liegen“, wen man nur remis spielt. Der torreiche Angriffsfußball soll forciert werden. Die Amerikanisierung des Fußballs findet also doch statt, was auch an der Abwertung des Unentschiedens erkannt werden kann. Eine Mannschaft, die von den 34 Spielen einer Saison keines verliert, steigt dennoch ab, wenn sie 34mal remis gespielt hat, denn mit 34 Punkten schafft man üblicherweise nicht den Klassenverbleib. Vielleicht folgt der Abwertung des Unentschiedens bald seine Abschaffung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Abseitsregel</strong>. Obwohl ein Spieler im Abseits stand, kann das Tor dennoch zählen, wenn es sich um eine „passive“ Abseitsstellung gehandelt hat. Diese Differenzierung zwischen „aktivem“ und „passivem“ Abseits wurde 2005 in der Bundesliga eingeführt. Wieder geht es darum, mehr Tore ins Spiel zu bringen. Der Preis: Für den Schiedsrichter wird die Entscheidungsfindung schwerer. Fußball war einmal ein einfaches Spiel. Nun wird es, auch für den Zuschauer, immer komplizierter.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mehrballsystem</strong>. Über 100 Jahre war es Gesetz, dass nur mit einem Ball gespielt werden durfte, dem, mit dem der Anstoß ausgeführt wurde. Nur wenn der kaputt ging, konnte er ersetzt werden. Landete der Ball im Aus, hatten die Balljungen oft lange Wege, um ihn wieder zu besorgen. Das dauerte. Heute gilt das „Mehrballsystem“. Rund ums Spielfeld liegen Bälle zur Verfügung, die blitzschnell den Ausball ersetzen, so dass ein Einwurf kaum mehr eine Unterbrechung bedeutet, sondern, im Gegenteil, zum Beschleunigungsfaktor wird. Heute kann es passieren, dass in einem Spiel 15 Bälle zum Einsatz kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle diese Neuerungen haben also den Zweck, Tempo, Tore und Stimmung zu machen. Mit einer weiteren Neuerung stößt man nun alles wieder um, was man gerade mühsam aufgebaut hat. Denn die Videokontrolle macht das Spiel langsamer und killt die Stimmung. Minutenlange Tor- und Abseitsüberprüfungen sind tödlich für den „Flow“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen sind sechs Regelhüter pro Spiel im Einsatz, rechnet man den “Vierten Offiziellen“ und die beiden Video-Referees hinzu. Seit nunmehr fünf Jahren geht das schon so, und Woche für Woche bestätigt sich die alte Volksweisheit, dass „viele Köche den Brei verderben.“ Die schwarze Zunft der Schiedsrichter ist dabei, das schöne Spiel hinzurichten. „Tod durch Überregulierung“ wird auf dem Totenschein stehen. Es sei denn, die Fernsehvermarkter sprechen ein Machtwort und beenden den Spuk, denn diese Tendenz kann nicht in ihrem Sinne sein. – Traurig, auf die hoffen zu müssen, die nicht mit Leidenschaft, sondern nur durch Marketinginteressen mit dem Fußball verbunden sind.</p>



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<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Klaus_Hansen_Soccer-2-2.jpeg" alt="" class="wp-image-4032" width="269" height="337" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Klaus_Hansen_Soccer-2-2.jpeg 403w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Klaus_Hansen_Soccer-2-2-239x300.jpeg 239w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Klaus_Hansen_Soccer-2-2-215x270.jpeg 215w" sizes="auto, (max-width: 269px) 100vw, 269px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Klaus Hansen. Foto: Jürgen Streich</p>
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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<h2 class="wp-block-heading">Der Autor</h2>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Klaus Hansens Interessensgebiete reichen von A wie Anarchismus bis Z wie Zivilcourage. Ganz wichtig dazwischen: F wie Fußball. Diese Sportart beleuchtet er in seinem neuen Buch aus allen Richtungen. Dabei zeigen viele seiner Geschichten, Gedichte, Essays und Graphiken, wie sehr Fußball die Gesellschaft und den Zeitgeist abbildet – ob auf dem Platz, auf den Zuschauerrängen, außerhalb der Stadien und auch in den Medien. Bis hinein in die große Politik wirken die Vergaben und Inszenierungen internationaler Turniere.</p>
</div>
</div>



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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="wp-block-paragraph">Hansen, geboren 1948 in Pronsfeld in der Eifel, studierte Psychologie, Soziologie, Publizistik und Ethnologie an der Universität Münster und wurde 1977 zum Doktor phil. promoviert. Es folgten verschiedene Dozententätigkeiten, von 1992 bis 1996 war er Regierungsdirektor im Bundesministerium des Inneren. Anschließend übernahm er eine Professur für Politische Wissenschaften und Politische Bildung an der Hochschule Niederrhein Krefeld / Mönchengladbach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klaus Hansen wurde 2013 emeritiert und arbeitet seither ausschließlich als Publizist. 2017 erschien im Kölner Roland Reischl Verlag sein Buch „Soccer – Stories, Lyrics, Essays“ als eine von zahlreichen Veröffentlichungen.</p>
</div>



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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="722" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1-722x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-3839" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1-722x1024.jpeg 722w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1-212x300.jpeg 212w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1-768x1089.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1-190x270.jpeg 190w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1.jpeg 903w" sizes="auto, (max-width: 722px) 100vw, 722px" /></figure>
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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Um die Fußballbegeisterung von Klaus Hansen zu beschreiben, eignet sich insbesondere eine Geschichte um den allerersten Spieltag der neuen Fußball-Bundesliga am Samstag, dem 24. August 1963: Damals brach der 15-jährige Klaus Hansen am Mittwoch zuvor mit dem Fahrrad in Duisburg auf, um drei Tage später rechtzeitig zum Anpfiff des Auswärtsspiels seinen geliebten MSV im Karlsruher Stadion zu sein. Überglücklich über dessen 4:1-Sieg auf des Gegners Platz – die Duisburger „Zebras“ landeten damit nach dem 1. FC Köln und Schalke 04 auf dem dritten Platz – kam er am darauffolgenden Dienstag wieder zu Hause an.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Klagegesänge eines Fußballfans (Folge 3)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 Oct 2022 01:13:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sport etwas anders]]></category>
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					<description><![CDATA[Vergangenheitsabwertung An dieser Stelle wird es bis zur Fußball-Weltmeisterschaft (So., 20. November bis So., 18. Dezember 2022) in Katar eine Artikelserie des emeritierten Politologieprofessors und Publizisten Dr. Klaus Hansen geben. Graphik: Klaus Hansen Von Klaus Hansen Vereine, die gestern erst auf dem Reißbrett erfunden wurden, RB Leipzig zum Beispiel, drängen Vereine mit 120-jähriger Existenz mühelos &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/sport-etwas-anders/klagegesaenge-eines-fans-folge-3/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
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<h1 class="has-large-font-size wp-block-heading"><strong>Vergangenheitsabwertung</strong></h1>



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<p class="wp-block-paragraph"><em>An dieser Stelle wird es bis zur Fußball-Weltmeisterschaft (So., 20. November bis So., 18. Dezember 2022) in Katar eine Artikelserie des emeritierten Politologieprofessors und Publizisten Dr. Klaus Hansen geben.</em></p>



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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="788" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Bildschirmfoto-2022-10-23-um-20.08.30-788x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-4023" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Bildschirmfoto-2022-10-23-um-20.08.30-788x1024.jpeg 788w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Bildschirmfoto-2022-10-23-um-20.08.30-231x300.jpeg 231w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Bildschirmfoto-2022-10-23-um-20.08.30-768x998.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Bildschirmfoto-2022-10-23-um-20.08.30-208x270.jpeg 208w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Bildschirmfoto-2022-10-23-um-20.08.30.jpeg 985w" sizes="auto, (max-width: 788px) 100vw, 788px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:12px">Graphik: Klaus Hansen</p>
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<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Von Klaus Hansen</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vereine, die gestern erst auf dem Reißbrett erfunden wurden, RB Leipzig zum Beispiel, drängen Vereine mit 120-jähriger Existenz mühelos ins Abseits, um sich selbst gleich ganz oben anzusiedeln, national und international. Vereine ohne ein Gestern bestimmen das Morgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">RB Leipzig wurde 2009 gegründet und startete in der fünftklassigen Oberliga Nordost. Bereits 2016 war man in der 1. Bundesliga angekommen und bereits 2017 in der Champions League. Als „e. V.“ muss der Verein mindestens sieben Mitglieder haben. Er hat 21. Auf Mitglieder legt man keinen Wert, weil man demokratische Strukturen und Kontrollen ablehnt. Die würden dem schnellen Erfolg nur im Wege stehen. Demokratie ist etwas für Ponyhof und Bullerbü. Im Sport geht es um objektiv messbare Leistung und technokratisch planbaren Erfolg, nicht um subjektive Meinungen und launige Mehrheiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein München 1860, eine Alemannia 1900, ein Schalke 1904 – Geschichte und Tradition, Mitgliederzahlen (die in die Hunderttausende gehen, Schalke: 160.000) und Jahreshauptversammlungsdemokratie, das alles ist Schnee von gestern. Allein der dollargesponserte Welterfolg autokratisch geführter Smart-Clubs zählt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verlogenheit des Namens sagt eigentlich schon alles: RB übersetzt sich behelfsweise mit Rasen-Ball, weil der Verein den Namen der Firma, der er gehört, Red Bull GmbH, nicht tragen darf. Auf den Trikots darf Firmen- und Warenwerbung seit 1973 gemacht werden, im Vereinsnamen aber noch nicht. So will es ein Verbot des DFB. Ein löchriges Verbot. Denn eine „Werkself“ aus Leverkusen darf sich ungestraft „Bayer“ nennen. Das „Naming“ im Profi(t)fußball ist überhaupt ein verlogenes Geschäft. Die „Champions League“ gaukelt vor, die Liga der Meister zu sein. Aber selbst der Viertplatzierte der Bundesliga darf noch mitmachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was die Namen angeht, sind wir alten Fans in einer Märchenwelt der Kosenamen groß geworden. Da zogen „Zebras“ den „Löwen“ das Fell über die Ohren; da stutzten „Störche“ den „Adlern“ die Flügel, und entschlossene „Kleeblätter“ stießen wütende „Füchse“ in den Abgrund. Die Versuchung, eine Limonadendose für einen Stier zu halten, ist uns glücklicherweise erspart geblieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die alte Alemannia tritt gelegentlich gegen die alte Germania an. Hier sucht man die Verbindung zu frühmittelalterlichen Bevölkerungsgruppen, an deren sagenumwobener Tüchtigkeit man sich messen will. Ein RB misst sich allein an der Penunse, die das Business abwirft, genauer: an der Steigerung des Umsatzes von kontaminierter Aufputschbrause. Der Fußball ist zum Marketinginstrument für „Energydrinks“ geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für uns Fußballfreunde, die wir nicht nur das Fußballspiel mögen, sondern erst recht den alten Verein, der es spielt, dessen Farben wir tragen und den wir mit Hingabe unterstützen, wird mit dieser Entwicklung ein „historischer Wandteppich“ (Ben Marlow) zerstört, auf dem wir uns zu Hause fühlten und die Helden und Schlachten vergangener Tage immer wieder neu aufleben ließen. Mit RB kann man nicht über „früher“ reden und sich Anekdoten über Uns Uwe und Schädel-Harry erzählen. Aber wer von früher reden will, ist ohnehin von gestern. Heute gilt es, „die Augen geschlossen nach vorn zu richten“, wie schon Helmut Kohl unmissverständlich forderte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dietrich Mateschitz kann das nun nicht mehr, seine Augen nach vorne richten. Der Gründer und Mitinhaber der Red Bull GmbH ist am 22. Oktober 2022 gestorben. Als Mateschitz 2009 das „Projekt“ RB Leipzig aus der Taufe hob, wischte er Einwände wie „Retortenverein“, „geschichts- und gesichtslos“, „ohne Tradition“ vom Tisch: „In 500 Jahren wird Schalke 600 Jahre sein und wir 500. Keiner wird mehr einen Unterschied machen.“ Als Geschäftsmann hat er einen Sinn für die quantitative, die physikalische Zeit, einen Sinn für Proportionen scheint er nicht zu besitzen. Denn ein zu Marketingzwecken gegründeter Verein wird aufhören zu existieren, wenn er seinen Zweck nicht mehr erfüllt. Ein von minderjährigen Straßenfußballern aus purem Spaß an der Freude gegründeter und von den Massen durch die Zeitläufte getragener Verein wie Schalke 04 wird auch dann noch weiter existieren, wenn es ihn eines Tages nicht mehr geben sollte.</p>
</div>
</div>



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<p class="wp-block-paragraph"></p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="403" height="506" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Klaus_Hansen_Soccer-2-2.jpeg" alt="" class="wp-image-4032" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Klaus_Hansen_Soccer-2-2.jpeg 403w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Klaus_Hansen_Soccer-2-2-239x300.jpeg 239w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Klaus_Hansen_Soccer-2-2-215x270.jpeg 215w" sizes="auto, (max-width: 403px) 100vw, 403px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:12px">Klaus Hansen. Foto: Jürgen Streich</p>
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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<h2 class="wp-block-heading">Über den Autor</h2>



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<p class="wp-block-paragraph">Klaus Hansens Interessensgebiete reichen von A wie Anarchismus bis Z wie Zivilcourage. Ganz wichtig dazwischen: F wie Fußball. Diese Sportart beleuchtet er in seinem neuen Buch aus allen Richtungen. Dabei zeigen viele seiner Geschichten, Gedichte, Essays und Graphiken, wie sehr Fußball die Gesellschaft und den Zeitgeist abbildet – ob auf dem Platz, auf den Zuschauerrängen, außerhalb der Stadien und auch in den Medien. Bis hinein in die große Politik wirken die Vergaben und Inszenierungen internationaler Turniere.</p>
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<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="wp-block-paragraph">Hansen, geboren 1948 in Pronsfeld in der Eifel, studierte Psychologie, Soziologie, Publizistik und Ethnologie an der Universität Münster und wurde 1977 zum Doktor phil. promoviert. Es folgten verschiedene Dozententätigkeiten, von 1992 bis 1996 war er Regierungsdirektor im Bundesministerium des Inneren. Anschließend übernahm er eine Professur für Politische Wissenschaften und Politische Bildung an der Hochschule Niederrhein Krefeld / Mönchengladbach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klaus Hansen wurde 2013 emeritiert und arbeitet seither ausschließlich als Publizist. 2017 erschien im Kölner Roland Reischl Verlag sein Buch „Soccer – Stories, Lyrics, Essays“ als eine von zahlreichen Veröffentlichungen.</p>
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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="722" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-722x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-3733" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-722x1024.jpeg 722w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-212x300.jpeg 212w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-768x1089.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-190x270.jpeg 190w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer.jpeg 903w" sizes="auto, (max-width: 722px) 100vw, 722px" /></figure>
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<p class="wp-block-paragraph">Um die Fußballbegeisterung von Klaus Hansen zu beschreiben, eignet sich insbesondere eine Geschichte um den allerersten Spieltag der neuen Fußball-Bundesliga am Samstag, dem 24. August 1963: Damals brach der 15-jährige Klaus Hansen am Mittwoch zuvor mit dem Fahrrad in Duisburg auf, um drei Tage später rechtzeitig zum Anpfiff des Auswärtsspiels seinen geliebten MSV im Karlsruher Stadion zu sein. Überglücklich über dessen 4:1-Sieg auf des Gegners Platz – die Duisburger „Zebras“ landeten damit nach dem 1. FC Köln und Schalke 04 auf dem dritten Platz – kam er am darauffolgenden Dienstag wieder zu Hause an.</p>



<p class="wp-block-paragraph"> </p>
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		<title>Klagegesänge eines Fußballfans (Folge 2)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Oct 2022 22:05:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sport etwas anders]]></category>
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					<description><![CDATA[Brave New Soccer World An dieser Stelle wird es bis zur Fußball-Weltmeisterschaft (So., 20. November bis So., 18. Dezember 2022) in Katar eine Artikelserie des emeritierten Politologieprofessors und Publizisten Dr. Klaus Hansen geben. Von Klaus Hansen Fußball war einmal ein Spiel, das von zwei Mannschaften gespielt wurde. Einen Schiedsrichter gab es noch nicht. Alle Konflikte &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/sport-etwas-anders/klagegesaenge-eines-fussballfans-folge-2/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading" style="font-size:48px">Brave New <br>Soccer World</h2>



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<p class="wp-block-paragraph"><em>An dieser Stelle wird es bis zur Fußball-Weltmeisterschaft (So., 20. November bis So., 18. Dezember 2022) in Katar eine Artikelserie des emeritierten Politologieprofessors und Publizisten Dr. Klaus Hansen geben.</em></p>



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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="765" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Bildschirmfoto-2022-10-23-um-20.08.39-1-765x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-3837" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Bildschirmfoto-2022-10-23-um-20.08.39-1-765x1024.jpeg 765w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Bildschirmfoto-2022-10-23-um-20.08.39-1-224x300.jpeg 224w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Bildschirmfoto-2022-10-23-um-20.08.39-1-768x1028.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Bildschirmfoto-2022-10-23-um-20.08.39-1-202x270.jpeg 202w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Bildschirmfoto-2022-10-23-um-20.08.39-1.jpeg 956w" sizes="auto, (max-width: 765px) 100vw, 765px" /><figcaption class="wp-element-caption">Typographie: Klaus Hansen</figcaption></figure>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Von Klaus Hansen</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fußball war einmal ein Spiel, das von zwei Mannschaften gespielt wurde. Einen Schiedsrichter gab es noch nicht. Alle Konflikte auf dem Platz wurden von den Spielführern beider Teams geregelt. Heute ist Fußball ein Spiel, das von drei Mannschaften gespielt wird. Erstmals bei der WM 2018 in Russland reisten die Schiedsrichter im eigenen Mannschaftsbus an. Ein Hauptschiri auf dem Platz, zwei Assistenten an den Seitenlinien, ein „Vierter Offizieller“ draußen zwischen den Trainerbänken, zwei Wächter über die Straf- und Torräume, „Torrichter“ genannt (bei besonderen Spielen), und bis zu vier Video-Kontrolleure, macht summa summarum: zehn. Das Schiedsrichter-Team nähert sich der Elfzahl der Fußballmannschaften an. &#8211; <strong>Drei Mannschaften sind eine zu viel.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Niemand im Stadion, weder Spieler, Schiedsrichter noch Zuschauer haben gesehen, dass der Stürmer beim Torschuss im Abseits stand. Kein Gegenspieler, der die Hand gehoben und protestiert hätte. Aber die Videotechnik weist gegen allen Augenschein nach, dass zwei Zentimeter der Schuhspitze im verbotenen Bereich waren: Im neuen Fußball wird geahndet, was kein Mensch gesehen hat, und zwar im Namen einer „Gerechtigkeit“, die niemand der Beteiligten vor Ort eingefordert hat. &#8211; <strong>Der neue Fußball ist weltfremd. Obendrein zerstört er die Autorität des Spielleiters und macht ihn zum Hampelmann. Nicht mehr Menschen haben im Fußballspiel das letzte Wort, sondern Maschinen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Anzahl nachträglich aberkannter Tore hat sich mit dem seit fünf Jahren praktizierten „Video-Beweis“ vervielfacht. Inzwischen halten sich sowohl Spieler als auch Zuschauer nach einem Tor mit ihrem Jubel zurück, weil sie ja nicht wissen können, ob der Treffer auch wirklich zählt. Wird das Tor nach fünfminütiger Unterbrechung und Videokontrolle gegeben, so gilt: Der „Flow“ ist zerstört, denn nachgereichte Freude ist halbe Freude. Der Videobeweis killt, was den Fußball so schön macht: Das Direkte, Rohe, mitten ins Herz Treffende. Damit stiftet er eine Frustration, die zu Aggressionen führt. <strong>– Die neue Gewalt im Stadion wird vom kommerzialisierten Fußball selbst produziert.</strong><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei vielen Wettkampfspielen diktiert das Geschehen die Zeit; bei Spielunterbrechungen wird auch die Uhr angehalten. Ein 60-minütiges Eishockeyspiel kann 120 Minuten dauern. Beim Fußball ist das anders; hier diktiert die Zeit das Geschehen. Nach 90 Minuten hat Schluss zu sein. In den letzten Jahren hat sich die Unsitte willkürlich verhängter „Nachspielzeiten“ eingebürgert, in denen oft spielentscheidende Tore fallen. &#8211;<strong> Die Nachspielzeit ist ein zur Normalität gewordener Regelverstoß. Heute wird sie mit dem selbstverschuldeten Zeitverzug durch Video-Kontrollen legitimiert. Das macht die Sache nicht besser.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frage, ob der Ball zufällig an die Hand oder die Hand absichtlich an den Ball geht, ist eine der aufregendsten Fragen des Fußballs. Davon kann eine Elfmeterentscheidung abhängen. Die wiederum kann zu einem Tor führen, das viele Millionen wert ist, weil es die Qualifikation zur Champions League bedeutet. Ob absichtlich oder nicht, die Antwort kann nicht an Maschinen delegiert werden. Fehlbare Menschen müssen sie geben, nach wie vor. Kein Videobild hilft weiter.- <strong>„Elfmeter ist, wenn der Schiri pfeift“, hieß es über ein Jahrhundert in weiser Schlichtheit. Wenn der Referee ein „Unparteiischer“ im Sinne des Wortes ist, gibt es an der Gerechtigkeit seiner Entscheidung nichts auszusetzen. Und Gerechtigkeit sollte vor Fehlerfreiheit gehen, im Fußball wie im Leben! Aber leider hat man den Unparteiischen entmachtet und durch ein Gremium von Hampelmännern ersetzt.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Über Jahrzehnte war es gute Sitte und wohlverstandenes Eigeninteresse des Angreifers, das Foul des Gegenspielers zu vermeiden. Heute sucht er das Foul, und wenn er es nicht findet, stellt er es her. „Mit unserem ‚Schwalben-Trainer‘ trainiere ich simulierte Fouls“, sagt Stürmer Clemenz. „Wenn ich 20 Meter vorm gegnerischen Tor im Zweikampf zu Boden gehe, so, als wäre ich unfair gelegt worden, obwohl ich mich bewusst ‚eingefädelt‘ habe, ist das vielversprechend für die Mannschaft. Unsere Standard-Experten übernehmen dann alles Weitere“, das heißt: „Sie finalisieren meine Vorarbeit.“ Mit einem geldwerten Freistoß-Tor. – <strong>Der strategische und taktische Gebrauch von Regelverletzungen gehört zum neuen Fußball-Alltag. Die Täuschung wird zur Norm. Und ein willfähriger Journalismus kommentiert es wohlwollend </strong>(„schlitzohrig“, „mit allen Wassern gewaschen“)<strong>. Will Fußball Vorbild sein, muss er auch anständig sein!</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir kennen alle noch große Fußballer, die sich rühmen, „von der Straße“ gekommen zu sein. Die jungen Profis heute kommen überwiegend aus der Zucht. Aus Fußballinternaten und Nachwuchsleistungszentren. Und so spielen und benehmen sie sich auch. Ein Mastschwein ist kein Wildschwein. Dank des vielen Geldes, das im Spiel ist, können manche U-20-Talente mit Recht behaupten, „fürs Leben ausgesorgt“ zu haben. Fehlende „Bolzplatz-Mentalität“ – im weitesten Sinne: „Bodenhaftung“ – wird laut beklagt.- <strong>Warum also nicht für jeden Fußball-Azubi im Leistungszentrum ein soziales Pflicht-Semester im sozialen Brennpunkt? „Was für’n Quatsch“, hört man die Antwort des Fußballmanagers im Hintergrund, „wir sind doch hier nicht bei Mutter Teresa!“</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Spieler sollen „Persönlichkeiten“ sein. Das fordern alle. Wie soll ein talentierter 16-jähriger, der neben Vater und Mutter noch einen Clubtrainer, einen Athletiktrainer, einen Berater, einen Physiotherapeuten, einen Arzt, einen Rhetorik Coach, einen Pädagogen, einen Psychologen und einen Ausrüster hat, zur „Persönlichkeit“ werden? &#8211; <strong>Warum überhaupt eine „Persönlichkeit“ werden? Rundum gepampert lebt es sich doch viel bequemer. Aber für eine Mannschaft ist das Gift. Es müssen nicht „11 Freunde“ sein, die auf dem Platz stehen, aber 11 unmündige Marionetten werden es nicht weit bringen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wer nicht alles gibt, gibt nichts“, gab einst Meistertrainer und Menschenschinder Helenio Herrera seinen Spielern von Inter Mailand mit auf den Weg. Das war in den 1960er Jahren &nbsp;nur ein Bonmot. Heute ist es ein Gesetz. Mit oft kuriosen Auswüchsen beim Aufspüren und Ausbeuten letzter Reserven. Vom Spieler Cristiano Ronaldo heißt es, er schwöre auf totale Fitness durch Intervallschlaf. Ronaldo schläft nicht am Stück, sondern fünfmal 90 Minuten über 24 Stunden verteilt. Vom Spieler Robert Lewandowski heißt es, er esse rückwärts. Mit der Nachspeise beginnend, arbeite er sich zur Suppe vor. &#8211; Ist das der moderne Fußball? Einerseits videokontrolliert, andererseits voodoobasiert? Folgendes Beispiel stammt aus der Bundesliga: Bevor der Rechtsverteidiger mangels einsatzfähiger Alternativen auf die Linksverteidigerposition beordert wurde, musste er sich einem Spezialtraining bei Gehirndoktor L. unterziehen. Dabei lernte er, sein Gleichgewichtssystem für Zweikämpfe umzuschulen. In des Doktors Worten: „Das Zentralnervensystem des gelernten Rechtsverteidigers haben wir neuronal auf links gestellt.“ Nach erfolgreichem Abschluss der Seitenverkehrung wurde der Profi angehalten, unmittelbar vor Anpfiff eines jeden Spiels an einer Neun-Volt-Batterie zu lecken, um vom Anstoß weg nicht nur linksorientiert, sondern auch hellwach zu sein. &#8211; <strong>Wer nichts unversucht lässt, um immer noch ein Tausendstel besser zu werden und sich dabei auf „Spezialisten“ mit einem oft dubiosen Sonderwissen verlässt, macht sich zum Affen und verliert seine Souveränität. Die moralische Souveränität fehlt dem Fußball heute mehr als alles andere. Er ist ein verkommenes Geschäft.</strong></p>



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<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="403" height="506" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Klaus_Hansen_Soccer-2-1.jpeg" alt="" class="wp-image-3838" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Klaus_Hansen_Soccer-2-1.jpeg 403w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Klaus_Hansen_Soccer-2-1-239x300.jpeg 239w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Klaus_Hansen_Soccer-2-1-215x270.jpeg 215w" sizes="auto, (max-width: 403px) 100vw, 403px" /><figcaption class="wp-element-caption">Klaus Hansen. Foto: J. Streich</figcaption></figure>
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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<h2 class="wp-block-heading">Über den Autor</h2>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Klaus Hansens Interessensgebiete reichen von A wie Anarchismus bis Z wie Zivilcourage. Ganz wichtig dazwischen: F wie Fußball. Diese Sportart beleuchtet er in seinem neuen Buch aus allen Richtungen. Dabei zeigen viele seiner Geschichten, Gedichte, Essays und Graphiken, wie sehr Fußball die Gesellschaft und den Zeitgeist abbildet – ob auf dem Platz, auf den Zuschauerrängen, außerhalb der Stadien und auch in den Medien. Bis hinein in die große Politik wirken die Vergaben und Inszenierungen internationaler Turniere.</p>
</div>
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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="wp-block-paragraph">Hansen, geboren 1948 in Pronsfeld in der Eifel, studierte Psychologie, Soziologie, Publizistik und Ethnologie an der Universität Münster und wurde 1977 zum Doktor phil. promoviert. Es folgten verschiedene Dozententätigkeiten, von 1992 bis 1996 war er Regierungsdirektor im Bundesministerium des Inneren. Anschließend übernahm er eine Professur für Politische Wissenschaften und Politische Bildung an der Hochschule Niederrhein Krefeld / Mönchengladbach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klaus Hansen wurde 2013 emeritiert und arbeitet seither ausschließlich als Publizist. 2017 erschien im Kölner Roland Reischl Verlag sein Buch „Soccer – Stories, Lyrics, Essays“ als eine von zahlreichen Veröffentlichungen.</p>
</div>



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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="722" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1-722x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-3839" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1-722x1024.jpeg 722w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1-212x300.jpeg 212w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1-768x1089.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1-190x270.jpeg 190w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-1.jpeg 903w" sizes="auto, (max-width: 722px) 100vw, 722px" /></figure>
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<p class="wp-block-paragraph">Um die Fußballbegeisterung von Klaus Hansen zu beschreiben, eignet sich insbesondere eine Geschichte um den allerersten Spieltag der neuen Fußball-Bundesliga am Samstag, dem 24. August 1963: Damals brach der 15-jährige Klaus Hansen am Mittwoch zuvor mit dem Fahrrad in Duisburg auf, um drei Tage später rechtzeitig zum Anpfiff des Auswärtsspiels seinen geliebten MSV im Karlsruher Stadion zu sein. Überglücklich über dessen 4:1-Sieg auf des Gegners Platz &#8211; die Duisburger &#8222;Zebras&#8220; landeten damit nach dem 1. FC Köln und Schalke 04 auf dem dritten Platz &#8211; kam er am darauffolgenden Dienstag wieder zu Hause an. </p>
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		<title>Klagegesänge eines Fußballfans (Folge 1)</title>
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		<pubDate>Wed, 19 Oct 2022 09:51:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sport etwas anders]]></category>
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					<description><![CDATA[Fußball – vom Botton-up- zum Top-down-Spiel An dieser Stelle wird es bis zur Fußball-Weltmeisterschaft (So., 20. November bis So., 18. Dezember 2022) in Katar eine Artikelserie des emeritierten Politologieprofessors und Publizisten Dr. Klaus Hansen geben. Von Klaus Hansen Das Fußballspiel, wie wir es heute kennen, ist in der Mitte des 19. Jahrhunderts von unten gekommen, &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/sport-etwas-anders/klagegesaenge-eines-fussballfans-folge-1/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading" style="font-size:44px"><strong>Fußball – vom Botton-up- zum Top-down-Spiel</strong></h2>



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<p class="wp-block-paragraph"><em>An dieser Stelle wird es bis zur Fußball-Weltmeisterschaft (So., 20. November bis So., 18. Dezember 2022) in Katar eine Artikelserie des emeritierten Politologieprofessors und Publizisten Dr. Klaus Hansen geben.</em></p>



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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="693" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Soccer-E-693x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-3731" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Soccer-E-693x1024.jpeg 693w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Soccer-E-203x300.jpeg 203w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Soccer-E-768x1135.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Soccer-E-183x270.jpeg 183w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Soccer-E.jpeg 866w" sizes="auto, (max-width: 693px) 100vw, 693px" /><figcaption class="wp-element-caption">Graphik: Klaus Hansen</figcaption></figure>
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<p class="wp-block-paragraph">Von Klaus Hansen</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Fußballspiel, wie wir es heute kennen, ist in der Mitte des 19. Jahrhunderts von unten gekommen, aber nicht aus der Arbeiterklasse, sondern aus den Eliteinternaten des Vereinigten Königreichs. Dann wurde es vom noch jungen Industrieproletariat adoptiert, weil es ein einfaches und billiges Spiel ist, das weder besondere körperliche, geistige noch materielle Voraussetzungen erfordert. Und der schwer erkämpfte arbeitsfreie Sonntag wurde zum Spieltag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Botton-up-Spiel, das der Fußball ursprünglich ist, wird nunmehr, 150 Jahre nach seiner Einführung, zum Top-down-Spiel, beherrscht von der audiovisuellen Unterhaltungsindustrie, bei der die Übertragung von Fußballspielen ein sicherer Quotenbringer und also Dukatenscheißer ist. Der jüngste Höhepunkt dieser Top-down-Tendenz ist die Ansiedlung einer Fußball-Weltmeisterschaft in einem Zwergstaat ohne jegliche Fußballtradition: Katar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste Fußball-Weltmeisterschaft wurde 1930 deshalb an Uruguay vergeben, weil die „Uros“ die beste Mannschaft der Welt waren, mit zwei Olympiasiegen 1924 und 1928. Dass sie auch den spektakulärsten Fußball spielten, Könner und Künstler zugleich, wird an der hingebungsvollen Pflege des „bicycle kick“ deutlich, des Fallrückziehers; den direkt verwandelten Eckball sollen sie sogar erfunden haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Anfang an war die Mitte des Jahres die übliche Austragungszeit des Turniers. Das alles gilt jetzt nicht mehr, „Zeitenwende“ auch hier. Dass in Katar weder Fußball-Könner noch -Künstler anzutreffen sind und nun in der Vorweihnachtszeit gespielt wird: geschenkt. Dass in Katar keine Fans vorkommen, weil es kaum Einwohner hat: geschenkt. Dass alle Fans Importe sein werden, die mit 10.000 Dollar für Ticket-, Anreise- und Aufenthaltskosten noch gut bedient sind: geschenkt. Dass man aber auch an ein Lock-Angebot für Fans gedacht hat: geschenkt. (Es besteht in der Erlaubnis zum Ausschank von Alkohol in „Fan-Zonen“. Was für ein Unmenschenbild vom Fan!) Dass in acht Kühlschränken gespielt wird, denn nichts anderes sind die vollklimatisierten Stadien dort: geschenkt. Dass bei den Bauarbeiten sämtliche Humanstandards verletzt wurden und Tausende von Arbeitern zu Tode gekommen sind: geschenkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das sind die Gestehungskosten des modernen Profi(t)- und Top-down-Fußballs. Er macht den korrupten Weltfußballverband reich und wertet eine islamistische und absolute Monarchie auf. Wer möchte da noch Fan sein? Fan sein ist eine Herzensangelegenheit, und die Herzen der Fans sind keine Mördergruben.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



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<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="403" height="506" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Klaus_Hansen_Soccer-2.jpeg" alt="" class="wp-image-3732" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Klaus_Hansen_Soccer-2.jpeg 403w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Klaus_Hansen_Soccer-2-239x300.jpeg 239w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Klaus_Hansen_Soccer-2-215x270.jpeg 215w" sizes="auto, (max-width: 403px) 100vw, 403px" /></figure>
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<h2 class="wp-block-heading">Über den Autor</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Klaus Hansens Interessensgebiete reichen von A wie Anarchismus bis Z wie Zivilcourage. Ganz wichtig dazwischen: F wie Fußball. Diese Sportart beleuchtet er in seinem neuen Buch aus allen Richtungen. Dabei zeigen viele seiner Geschichten, Gedichte, Essays und Graphiken, wie sehr Fußball die Gesellschaft und den Zeitgeist abbildet – ob auf dem Platz, auf den Zuschauerrängen, außerhalb der Stadien und auch in den Medien. Bis hinein in die große Politik wirken die Vergaben und Inszenierungen internationaler Turniere.</p>
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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="wp-block-paragraph">Hansen, geboren 1948 in Pronsfeld in der Eifel, studierte Psychologie, Soziologie, Publizistik und Ethnologie an der Universität Münster und wurde 1977 zum Doktor phil. promoviert. Es folgten verschiedene Dozententätigkeiten, von 1992 bis 1996 war er Regierungsdirektor im Bundesministerium des Inneren. Anschließend übernahm er eine Professur für Politische Wissenschaften und Politische Bildung an der Hochschule Niederrhein Krefeld / Mönchengladbach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klaus Hansen wurde 2013 emeritiert und arbeitet seither ausschließlich als Publizist. 2017 erschien im Kölner Roland Reischl Verlag sein Buch „Soccer – Stories, Lyrics, Essays“ als eine von zahlreichen Veröffentlichungen.</p>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="722" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-722x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-3733" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-722x1024.jpeg 722w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-212x300.jpeg 212w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-768x1089.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer-190x270.jpeg 190w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/U1-Coverbild-Klaus-Hansen-soccer.jpeg 903w" sizes="auto, (max-width: 722px) 100vw, 722px" /></figure>
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<p class="wp-block-paragraph">Um die Fußballbegeisterung von Klaus Hansen zu beschreiben, eignet sich insbesondere eine Geschichte um den allerersten Spieltag der neuen Fußball-Bundesliga am Samstag, dem 24. August 1963: Damals brach der 15-jährige Klaus Hansen am Mittwoch zuvor mit dem Fahrrad in Duisburg auf, um drei Tage später rechtzeitig zum Anpfiff des Auswärtsspiels seinen geliebten MSV im Karlsruher Stadion zu sein. Überglücklich über dessen 4:1-Sieg auf des Gegners Platz &#8211; die Duisburger &#8222;Zebras&#8220; landeten damit nach dem 1. FC Köln und Schalke 04 auf dem dritten Platz &#8211; kam er am darauffolgenden Dienstag wieder zu Hause an.</p>
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