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	<title>Archiv &#8211; AUSSICHTEN &#8211; Informationen aus dem Journalistenb&uuml;ro von J&uuml;rgen Streich</title>
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		<title>Nachruf auf einen vierbeinigen Freund</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 Feb 2023 05:49:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Archiv]]></category>
		<category><![CDATA[Tiergeschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[Boomer 8. August 1989 &#8211; 27. Juni 2005 Einer der besten Tage im gemeinsamen Leben von meiner Gefährtin Elisabeth und mir war, als Philipp Becker, der sich damals mit seiner Frau Bettina und der noch kleinen Tochter Alexandra ein Haus mit uns teilte, zu uns kam und vorschlug, gemeinsam einen Hund anzuschaffen. Um ein paar &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/archiv/nachruf-auf-einen-vierbeinigen-freund/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/02/boomer.jpeg" alt="" class="wp-image-5759" width="839" height="414" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/02/boomer.jpeg 700w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/02/boomer-300x148.jpeg 300w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/02/boomer-548x270.jpeg 548w" sizes="(max-width: 839px) 100vw, 839px" /></figure>



<h1 class="wp-block-heading" style="font-size:60px">Boomer</h1>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:25px"><strong>8. August 1989 &#8211; 27. Juni 2005</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Einer der besten Tage im gemeinsamen Leben von meiner Gefährtin Elisabeth und mir war, als Philipp Becker, der sich damals mit seiner Frau Bettina und der noch kleinen Tochter Alexandra ein Haus mit uns teilte, zu uns kam und vorschlug, gemeinsam einen Hund anzuschaffen. Um ein paar Ecken herum wussten sie von einem Welpen mit unschöner Vorgeschichte. Philipp, Bettina, Alexandra und ich fuhren zu den &#8222;Pflegeeltern&#8220;, verliebten uns sofort in das dreimonatige Wollknäuel mit Babyspeck und nahmen es noch am selben Tag zu uns. Es wurde eine Freundschaft für´s Leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Beckers zogen später aus Frechen zurück nach Köln, blieben bis heute gute Freunde und wussten Boomer bei uns in guten Händen. Auch Elisabeth, die anfangs gar keinen Hund wolle, sodass die Beckers und ich sie vor vollendete Tatsachen stellten, und Boomer waren schon ab dem Augenblick, in dem Elisabeth ihn am Abend seines Einzuges bei uns erstmals gesehen hatte, unzertrennliche Freunde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie oft habe ich Boomer gesagt, dass wir glücklich sind, ihn zu haben?! Einmal mitten auf einem See, als ich weit hinausgeschwommen und Boomer mir nachgekommen war. Schwimmen war sowieso seine Lieblingssportart. Und wie oft hat er, der in meinem Journalistenbüro von seinem Platz unter´m Schreibtisch wirklich alles mitbekam, auf mich eingewirkt?! &#8211; Hatte ich ein unangenehmes Telefonat, kuschelte er sich an mich und gab mir zu verstehen, dass er bei mir und mein Freund ist. In wenigen Ausnahmefällen schien er auch zu meinen, dass ich noch mal gut nachdenken solle. Die obige Bilderserie ist in einem Augenblick entstanden, in dem ich dachte, mit der ganzen Welt über Kreuz zu liegen. Aber eben doch nicht mit der ganzen Welt, weil er bei mir war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unbeschreiblich die Ruhe, die Boomer uns gegenüber in hektische Zeiten brachte, ebenso wie den Witz und Spaß, wenn man diesen besonders gut gebrauchen konnte. Beispielsweise mühte er sich einmal sehr an einem &#8222;Stöcken&#8220; ab, das ich gar nicht in den Gardasee geworfen hatte. Gemeinsam haben wir dann einen von einem Schiff gefallenen Stuhl herausgeholt, auf dem viele unserer Gäste später noch gut gesessen haben. &#8211; Was braucht die Menschheit eigentlich Psychotherapeuten, wenn es Hunde wie Boomer gibt?! Die auch bleiben, wenn sie gegangen sind. Irgendwas ist dran an dem kölschen Spruch von Trude Herr: &#8222;Niemals geht man so ganz.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Alter von zwölf Jahren erlitt Boomer einen Schlaganfall. Den übersahen zwei Arztpraxen, nicht aber seine menschlichen Lebensgefährten und letzten Tierärzte, Annerose Penz und Christian Funke. Die beiden haben mit hoher Sachkompetenz, viel Tierliebe und Einfühlungsvermögen dazu beigetragen, dass Boomer und wir noch weitere drei schöne Jahre miteinander hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir wollten, dass er so lange lebt, wie er es offenkundig will. Bezeichnenderweise wollte er uns nicht vor Abschluss einer wichtigen Sache verlassen. Wir haben sie noch mit ihm gefeiert. Dann aber ging ihm die Kraft verloren. Dabei hat er uns soviel davon gegeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besser als der Schauspieler Gert Haucke, der in den achtziger Jahren den Vater in der legendären Radioserie &#8222;Papa, Charly hat gesagt&#8230;&#8220; spielte und dort Regie führte, es in seinem Buch &#8222;Die Sache mit dem Hund&#8220; (Rasch &amp; Röhring Verlag, Hamburg, 1989) schrieb, kann man es nicht ausdrücken: &#8222;Ein Hund, der über seinen Körper nicht mehr nach Lust und Bedürfnis verfügen kann oder sich nur unter Schmerzen seine täglichen kleinen Wünsche erfüllen kann: So ein Hund lebt nicht mehr gern, er trauert um alles, was im entschwindet: Die Lust am Laufen, am Wittern, am Kommunizieren mit Menschen und Artgenossen, am Essen schließlich. &#8211; Dann ist es Zeit. Sie können ihm keine Alternative bieten: Ein gutes Buch kann er nicht lesen (dabei hat Boomer zur Entstehung solcher sehr beigetragen, behaupte ich mal; Anm. J.S.) oder seine Memoiren schreiben, und sei es im Rollstuhl. Ihm jetzt noch dieses elend gewordene Leben zu lassen ist purer Egoismus.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eben. Wir haben von Boomer so viel bekommen, dass Geben mehr als eine Selbstverständlichkeit war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er ist heute morgen direkt an seinem Schlafplatz eingeschlafen, bis &#8211; mit Hilfe von Annereose Penz &#8211; sein Herz in aller Friedlichkeit stehenblieb. Und das in seiner Lieblingshaltung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Elisabeth notierte: &#8222;Als Jürgen sich nach einiger Zeit an diesen Text gesetzt hat, habe ich Musik aufgelegt und Fotos angeguckt: Ganz viele von Boomer, wie er sein Leben genossen hat: beim Schwimmen und Stöckchenholen, beim genüsslichen Wälzen im Gras, beim Toben mit und ohne Ball, beim Pfötchengeben in unterschiedlichen Situationen und und und&#8230; Das hat mir noch mehr bewusst gemacht, was er in letzter Zeit alles nicht mehr konnte &#8211; und dass jeder Gang immer beschwerlicher für ihn wurde. Nachdem wir nun noch ein intensives gemeinsames letztes Wochenende verlebt haben, war es Zeit, auch loszulassen. &#8211; Wer noch nie einen Hund hatte, kann sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen, wie schön es ist, einen solchen Gefährten zu haben. Nun sind uns Dreien fast sechzehn gemeinsame Jahre geschenkt worden, und obwohl ich heute furchtbar traurig bin und er mir jetzt schon fehlt, bin ich doch sicher, dass wir die Entscheidung in Boomers Sinne getroffen haben. Er wird immer bei uns sein &#8211; wir werden manchmal lachen und manchmal weinen, wenn wir an ihn denken &#8211; und das werden wir sicher sehr sehr oft tun.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Na klar. Es gab einmal einen sehr gelungenen Beitrag über den Tod von geliebten Tieren in der &#8222;Sendung mit der Maus&#8220;. Darin bittet der Fuchs alle Tiere des Waldes zu sich, um ihnen mitzuteilen, dass der alte Dachs gestorben ist. Der hatte den Fuchs gebeten, ihnen auszurichten, möglichst nicht traurig zu sein, weil er ein schönes, langes Leben hatte. Der Fuchs lädt deshalb alle Tiere jeden Abend in seinen Bau ein, damit sämtliche Geschichten, die mit dem Dachs zu tun haben, erzählt werden. Und da gab es einige, alle hatten von tollen Erlebnissen mit dem Dachs zu berichten. Die Geschichte endet so: &#8222;Und dann kam der Frühling. Mit dem Schnee schmolz die Traurigkeit. Übrig blieben die tollen Erinnerungen.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">So wird es mit Boomer auch sein. Es ist eigentlich sogar ein schöner Tag für einen solchen Übergang. Boomer bekommt nun einen wunderbaren Platz unter einem schönen Baum in dem Wald, den er geliebt hat. Elisabeth und ich zitieren noch einmal Trude Herr und maßen uns an, sie ein wenig zu verbessern. Sie sang &#8211; für Nicht-Kölner (Boomer war die ersten drei Monate seines Lebens Hamburger und dann die ganze Zeit Rheinländer) &#8211; übersetzt: &#8222;Ein Stück von mir bleibt hier.&#8220; &#8211; Ein Stück? Boomer wird immer da sein. Ganz. Edelsteine aus Fleisch und Blut hält man schließlich fest im Herzen. Und sie wirken nachhaltig.</p>



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<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Nachtrag nach fast 18 Jahren:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Boomer hat den Boden für unsere weiteren Hunde bereitet. Der tolle Schäferhund-Mix Ritchie war 13 Jahre lang unser Hausgenosse und wurde insgesamt über 17 Jahre alt. Nun ist er, der seine ersten mehr als drei Jahre wohl ein streunender Selbstversorger war, in unserem Garten beerdigt. </p>
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<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="882" height="478" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/02/boomer2-2.jpeg" alt="" class="wp-image-5781" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/02/boomer2-2.jpeg 882w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/02/boomer2-2-300x163.jpeg 300w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/02/boomer2-2-768x416.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/02/boomer2-2-498x270.jpeg 498w" sizes="(max-width: 882px) 100vw, 882px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Der Schnauzer-Pudel-Mix Boomer mit deutlich überwiegendem Schnauzer-Anteil. Fotos: Jürgen Streich</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Ritchie war ganz anders als Boomer, auf seine Weise ebenfalls einzigartig. Auch er ein Botschafter für seine Artgenossen. <a href="https://aussichten-online.de/archiv/tiergeschichten/der-hund-ritchie/">Eine Geschichte über seine erste Zeit bei und finden Sie hier</a>, mehr über sein weiteres Leben folgt in Kürze.</p>



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<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Ritchie mit den Pfoten in seinem Lieblingsfluss, der Hunte im Oldenburger Land.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_3034-1024x768.jpeg" alt="" class="wp-image-5788" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_3034-1024x768.jpeg 1024w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_3034-300x225.jpeg 300w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_3034-768x576.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_3034-360x270.jpeg 360w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_3034.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Jacky sammelt (Haus-)Schuhe.</p>
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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="wp-block-paragraph">So zog ein gutes halbes Jahr später der knapp siebenjährige Münsterländer Jacky, für den sein Herrchen aufgrund einer einschneidenden persönlichen Veränderung nicht mehr genug Zeit hatte und der dadurch zu viel allein war, bei uns ein. Aber auch sein vorheriges Herrchen hat ihn sehr geliebt (und tut dies bestimmt weiterhin, kann ihn auch jederzeit besuchen). Als Jacky bei dessen Evakuierung per Hubschrauber aus dem katastrophalen Hochwasser der Ahr im Juli 2021 nicht mitgenommen werden sollte, verweigerte Pino ebenfalls die Flugrettung und trug seinen Hund statt dessen durch die gefährliche und reißende Strömung in Sicherheit. Dafür sind wir Pino höchst dankbar. Auch Jacky ist wieder ganz anders, als seine beiden Vorgänger. Mit ihm haben wir in den gerade einmal zwei Monaten, die er seit Mitte Dezember 2023 bei uns ist, schon viel Spaß gehabt. Wir freuen uns auf die Zukunft mit ihm und behalten seine Vorgänger und Wegbereiter zu uns fest in unseren Herzen und Gedanken.</p>
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		<title>Maria Sobetzko hinterlässt viele Spuren</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Jan 2023 06:49:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Archiv]]></category>
		<category><![CDATA[Über Menschen]]></category>
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					<description><![CDATA[Maria Sobetzko. Foto: Jürgen Streich „Sie war und ist ein Vorbild, denn sie hat gelebt, woran sie glaubte und wovon sie sprach“, schreibt der Autor und Journalist Jürgen Streich über Maria Sobetzko. Er hat die frühere Seniorenbeauftragte der Stadt Frechen und engagierte Ehrenamtlerin gut gekannt. Am vergangenen Mittwoch ist sie mit nur 62 Jahren verstorben. &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/archiv/maria-sobetzko-hinterlaesst-viele-spuren/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1014" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/01/Bildschirmfoto-2023-01-13-um-06.46.22-1014x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-5252" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/01/Bildschirmfoto-2023-01-13-um-06.46.22-1014x1024.jpeg 1014w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/01/Bildschirmfoto-2023-01-13-um-06.46.22-297x300.jpeg 297w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/01/Bildschirmfoto-2023-01-13-um-06.46.22-150x150.jpeg 150w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/01/Bildschirmfoto-2023-01-13-um-06.46.22-768x775.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/01/Bildschirmfoto-2023-01-13-um-06.46.22-267x270.jpeg 267w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/01/Bildschirmfoto-2023-01-13-um-06.46.22.jpeg 1268w" sizes="auto, (max-width: 1014px) 100vw, 1014px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Maria Sobetzko. Foto: Jürgen Streich</p>
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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>„Sie war und ist ein Vorbild, denn sie hat gelebt, woran sie glaubte und wovon sie sprach“, schreibt der Autor und Journalist Jürgen Streich über Maria Sobetzko. Er hat die frühere Seniorenbeauftragte der Stadt Frechen und engagierte Ehrenamtlerin gut gekannt. Am vergangenen Mittwoch ist sie mit nur 62 Jahren verstorben. Ein ganz persönlicher Nachruf. (Zuerst erschienen in der <a href="https://www.frechenschau.de/">„Frechenschau</a>“ im April 2017.)</strong></p>
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</div>



<p class="wp-block-paragraph">„Eines Tages werden wir alle sterben“, sagt Charly Brown zu seinem vierbeinigen Freund Snoopy. „Ja, das stimmt“, antwortet dieser, „aber an allen anderen Tagen nicht.“ Eine Comic-Zeichnung mit diesen Worten aus der berühmten Serie „Peanuts“ stand im Krankenhaus auf dem Schränkchen neben dem Bett, als Maria Sobetzko die Kräfte schwanden und sie am 19. April dort im Alter von 62 Jahren starb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit diesen Sätzen beginnt auch der Text ihrer Todesanzeige. So stark Maria Sobetzko mit der Gewissheit des Todes von Menschen, zuletzt auch ihres eigenen, umging, so gerne lebte sie auch. Und zwar insbesondere mit anderen und für andere. Ihre Familie war ihr heilig, ihre Freunde konnten gesichert auf sie zählen. Durchaus gerne bei Speis´ und Trank, doch insbesondere dann, wenn es wichtig oder gar ernst im Leben wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich selbst erlebte das schon vor über dreißig Jahren. Wir hatten uns durch die Aktivitäten ihres Mannes Manusch beim Theater „Harlekin“ kennengelernt und wurden nun auch noch Nachbarn im Frechener Oberdorf. Ich befand mich in einer privat und beruflich schwierigen Umbruchphase. Wie gut taten damals die vielen langen, aber auch die „Auf-einen-Kaffee-zwischendurch“-Gespräche bei Maria und Manusch, deren Rat und Tat, deren freundschaftliche Nähe mir menschliche Wärme und Sicherheit vermittelten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rückblickend scheinbar kaum der Rede wert, aber damals für mich wichtig: Ausgerechnet, als ich im Vor-PC-Zeitalter mit der Abgabe meines ersten Buchmanuskriptes aus Aktualitätsgründen unter immensem Zeitdruck stand, stellte meine Schreibmaschine ihre Funktion ein. Verzögerungen hätten den Verlag und mich in ernsthafte Schwierigkeiten bringen können. Doch schneller, als jeder damalige Lieferservice es geschafft hätte, stand Sobetzkos´ Maschine auf meinem Schreibtisch und blieb dort, bis das Buch fertig war. Alles irgendwie wie selbstverständlich. Das war nicht die einzige solche Unterstützung. Fast alle Freundinnen und Freunde könnten solche Anekdoten berichten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ebenso auf Maria Sobetzko zählen konnten die vielen Menschen, deren Wohl ihr während ihres Berufslebens anvertraut war. Von ihrem Schreibtisch im Frechener Rathaus aus, aber ebenso bei zahlreichen Außen- und Vor-Ort-Einsätzen organisierte und realisierte sie zunächst beim Anfang der achtziger Jahre neugeschaffenen städtischen Jugendamt Freizeiten und andere Aktivitäten für junge Menschen, bevor sie sich jahrzehntelang um das Wohl der in Frechen lebenden Seniorinnen und Senioren kümmerte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Souveränität bei gleichzeitiger Zurückhaltung auch in schwierigen Situationen hat mich immer sehr beeindruckt. Aus eigener Anschauung kannte ich diese Fähigkeit von ihr von den Heiligabendfeiern, die die Stadt Frechen für Menschen ohne Angehörige, mit denen sie das Fest der Liebe verbringen können, seit Jahrzehnten durchführt. Ob bei diesem emotionsbeladenen Beisammensein ein Streit geschlichtet werden oder ein Notarzt her musste, der Backofen kaputt oder die angelieferte Suppe sauer war, bei der Abholung und Rückbringung der Gäste Schneechaos herrschte, jemand „et ärme Dier hatt´“ oder sonstwelche Sonderbetreuung nötig war &#8211; immer wirkte Maria hinter den Kulissen effektiv und hielt die Fäden in der Hand. Sie packte selbst mit an und delegierte geschickt. Für diese Arbeit erhielt das von ihr geführte „Heiligabend-Team“, dessen Vor- und Nachbereitungstreffen im Hause Sobetzko stattfanden, im Jahr 2002 die Ehrengabe der Stadt Frechen. Die Kölnische Rundschau schrieb damals: „Engel kämpfen gegen weihnachtliche Einsamkeit“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei verzichtete die praktizierende Katholikin Maria für diese von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern hochgeschätzte Arbeit im Sinne der Nächstenliebe Jahr für Jahr darauf, Heiligabend gemeinsam mit ihrer Familie feiern zu können. Doch ihre Liebsten wussten, wofür sie es tat, standen dahinter und brachten sich selbst immer wieder mit ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maria Illig, wie sie mit Geburtsnamen hieß, war gemeinsam mit zwei leiblichen und drei adoptierten Geschwistern in Buschbell aufgewachsen und wohnte seit ihrer Eheschließung mit Manusch Sobetzko im Frechener Oberdorf. Ihre drei Töchter sind längst erwachsen, Barbara und Claudia engagierte Grundschullehrerinnen, Monika eine vielseitige Schaulspielerin. Welch Wunder bei dem Vater, der die gute Seele des Hauses am Bahndamm, in dem das Theater „Harlekin“ seine Heimat hat, seit dessen Eröffnung ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Maria Sobetzko vor gerade einmal zwei Jahren in den Ruhestand verabschiedet wurde, hinterließ sie ein ausgesprochen gut bestelltes Feld. Wie hoch sie geschätzt wurde, kann man insbesondere von älteren Frechener Bürgerinnen und Bürgern hören, die die Früchte ihrer Arbeit nicht zuletzt auch im Zusammenhang mit ihren eigenen Alltagsnöten und –sorgen kannten. Vielleicht konnte sie auch etwas leichter vom Beruf loslassen, weil sie ihre Kolleginnen, die ihre Arbeit im Rathaus fortführten, sehr schätzte und sie wusste, dass die ihr ans Herz gewachsenen Dinge weiterhin in besten Händen waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei war ihr der Begriff Ruhestand schon zuvor ein Fremdwort. Seit ihrer Jugendzeit hatte sie sich in der katholischen Jugendarbeit, später dem Familienkreis und anderen Gruppen engagiert. So lag es nahe, dass sie die scheinbar neu hinzugewonnene Zeit ihrer Familie und ehrenamtlichen Tätigkeiten widmen würde. Und wie sie das tat! Obwohl sich erste Krankheitszeichen kurz nach ihrer Pensionierung gezeigt hatten und die Behandlung kompliziert und aufwendig war, packte sie bei der Flüchtlingshilfe an. Sie sah in jedem Menschen, der – aus welchen Gründen auch immer und ungeachtet seiner Abstammung und Religion – Hilfe benötigte, einen Nächsten und handelte danach. So leitete sie 2016 zunächst die Kleiderausgabe in der Halle des Gymnasiums und übernahm im November die Organisation des neu eröffneten Sozialwarenhauses.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das tat sie, solange es ihre Gesundheit zuließ. Noch im Winter hatte es so ausgesehen, als wenn die langwierige und kräfteraubende Behandlung tatsächlich zu ihrer Gesundung führen würde. Doch dann gab es einen Rückschlag, von dem sie sich nicht mehr erholte. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sozialwarenhauses schrieben, „dass Frechen mit dem Tod von Maria Sobetzko eine Persönlichkeit verliert, die sich durch ihr berufliches und ehrenamtliches Engagement unvergesslich verdient gemacht hat.“ Am besten könne man ihr danken und Achtung erweisen, indem man ihr Werk fortführe. Und: „Sie wird in dieser wichtigen Aufgabe weiterleben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ganz sicher. Sie hinterlässt viele Spuren. Sie war und ist ein Vorbild, denn sie hat gelebt, woran sie glaubte und wovon sie sprach. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach meiner letzten Begegnung mit Maria fiel mir das Ende eines meiner Lieblingsbücher ein &#8211; „Watership Down“ von Richard Adams. Es ist die Erzählung von einem vor der Vernichtung seiner alten Heimat geflohenen Kaninchenvolk auf der Suche nach einer neuen Heimat. Doch nach einer entbehrungs- und konfliktreichen Wanderung, während der sie ihren Feinden widerstanden und neue Freunde gwonnen hatten, erreichten sie das gelobte Land. Nachdem er sich zur Ruhe setzen und das Erreichte einige Zeit lang genießen konnte, legt sich einer der beiden Anführer, Hazel, erschöpft ins Gras. Er schaut den jungen Kaninchen, die lebendfreudig auf der Wiese vor ihren Bauten spielen. Dann erkennt Hazel schemenhaft ein schwarzes Kaninchen, das schwerelos vom Himmel herab zu ihm springt und ihn fragt, ob er mit ihm kommen wolle. Er habe alles getan, damit es Seinesgleichen gut gehe und müsse sich um deren Zukunft keine Sorgen machen. Als Hazel aufsteht und mitgeht, lässt er seinen Körper liegen und spürt, wie seine Kraft in die Jungen übergeht.</p>
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		<title>Der Hund Ritchie</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Sep 2022 01:46:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tiergeschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[Vom Nobody in Valencia zum Katalonischen Zwergwolf im Rheinland Von seinem Herrchen Jürgen Streich Ein Sonntagnachmittag im Mai 2009. Meine Lebensgefährtin Elisabeth und ich spazierten an einem Erholungssee im Kölner Norden entlang. Fast genau vier Jahre war es nun her, dass wir unseren Hund Boomer in seinem Lieblingswald beerdigt haben. In Gedanken blieb er immer &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/archiv/tiergeschichten/der-hund-ritchie/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
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<p class="has-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>Vom Nobody in Valencia zum Katalonischen Zwergwolf im Rheinland</strong></p>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/09/DSCF0050-1024x768.jpeg" alt="" class="wp-image-3230" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/09/DSCF0050-1024x768.jpeg 1024w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/09/DSCF0050-300x225.jpeg 300w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/09/DSCF0050-768x576.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/09/DSCF0050-360x270.jpeg 360w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/09/DSCF0050.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
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<p class="wp-block-paragraph">Von seinem Herrchen Jürgen Streich</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Sonntagnachmittag im Mai 2009. Meine Lebensgefährtin Elisabeth und ich spazierten an einem Erholungssee im Kölner Norden entlang. Fast genau vier Jahre war es nun her, dass wir unseren Hund Boomer in seinem Lieblingswald beerdigt haben. In Gedanken blieb er immer da, als Individuum so präsent, dass wir nicht ohne angemessene Zwischenzeit von einem zum nächsten vierbeinigen Freund übergehen wollten. Doch klar war auch: Boomer war ein Botschafter für die Gattung Hund. Nachdem wir gelegentlich Artgenossen von ihm in Pflege hatten, dachten wir wieder an einen eigenen Hund. Wir überlegten, welche Rasse oder Mischung passen würde, wobei Überlegungen zu Größe und Charaktereigenschaften im Vordergrund standen. Und sollte es eine Hündin oder ein Rüde sein? Womöglich nicht mehr allzu jung, sondern &#8222;aus dem Gröbsten raus&#8220;? &#8211; Der Beantwortung all dieser Fragen wurden wir entledigt, als er an diesem Frühlings-Sonntagnachmittag plötzlich mitten auf dem Weg bei uns stand: ein mittelgroßer Rüde, ein wenig mager, aber bildschön, ängstlich und orientierungslos. Auf den ersten Blick ein kleiner Schäferhund, dafür aber zu gedrungen und zu wuschelig. Jedenfalls das Bild von einem Hund.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch der Reihe nach: Er war allein, als wir ihn erblickten. Spaziergänger, die mit einer ganzen Hundeschar unterwegs waren, liehen uns bereitwillig eine Leine und ein Halsband und konnten sich die Herkunft unseres Findlings auch nicht erklären. So nahmen wir diesen mit zu unserem Auto. Dort hatte der Hund Angst davor einzusteigen, doch es gelang mir, ihn hineinzuheben und während der Fahrt nach Hause etwas zu beruhigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Wohnung angekommen, wirkte er zunächst immer noch sehr unsicher. Vor einem Ball wollte er sich verstecken, so als habe er Angst, man wolle damit auf ihn werfen, um ihm weh zu tun. Was mochte ihm geschehen sein? Glücklicherweise waren wir durch unsere Pflegehunde ausgestattet mit Fress- und Trinknapf, Futter und Leckerchen. Und Hunger hatte er! Er schien sich von Elisabeth bestens versorgt zu fühlen, fraß und trank ausgiebig. Anschließend taute er ein wenig auf, kugelte sich auf den Rücken und ließ sich genüsslich Hals, Rippen und Bauch kraulen. Er begann sogar eine witzige Rangelei mit mir, während der er spielerisch nach meinen Händen schnappte und dann, wenn er sie erwischte, niemals zubiss. Dabei wedelte er zum ersten Mal, seit wir auf ihn getroffen waren, mit dem Schwanz. Noch hatte er keinen Laut von sich gegeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Nacht holten wir Boomers Körbchen aus dem Keller, auch ein passendes Hundekissen hatten wir parat. Doch wir kannten nicht einmal den Namen unseres Gastes. Oder hatte er womöglich gar keinen? Auf die üblichen Kommandos reagierte er nicht, doch er war stubenrein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gastfreundlich und hilfsbereit, wie sie ist, nahm Elisabeth sich am Folgetag Urlaub vom Büro, auch ich ließ meine Arbeit ruhen. Doch noch vor dem ersten Gassi-Gang jagte Mister Nobody, wie wir ihn zunächst nannten, uns einen gewaltigen Schrecken ein: Während Elisabeth noch im Badezimmer zugange war, lag Nobody gemütlich im Körbchen. Ich gab ihm durch Worte und Gestik zu verstehen, dass er dort auch bleiben solle und lehnte, um Post und Zeitung hereinzuholen, für wenige Sekunden Schlafzimmer-, Wohnungs- und Haustür an. Doch der Augenblick hatte Nobody genügt, mit der Nase alle drei Türen zu öffnen und sich an mir vorbei auf einen Weg zu machen, den er nicht kennen konnte. Mit Türen kannte er sich aus und es zog ihn unbändig in die Freiheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die konnte gefährlich werden. Die von Autos ausgehende Gefahr ignorierte er völlig und auch in dieser Gegend schießen Jäger immer wieder auf Hunde, die angeblich dasselbe tun, wie sie selbst, nämlich jagen. Vor allem aber strebte Nobody in zügigem Trab über einen Friedhof und eine Landstraße hinweg einem großen Waldgebiet zu, in dem ich ihn niemals wiedergefunden hätte, da er ja nicht auf mich hörte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich trug noch Hausschuhe und war gesundheitlich bedingt auch sonst nicht der Schnellste, durfte ihn aber nicht aus den Augen verlieren. Bei dieser Verfolgungsjagd gab ich mein Bestes, doch selbst ein junger Handwerker, den ich im Vorbeilaufen um Unterstützung anflehte, kapitulierte nach einem Sprint. Inzwischen war Nobody auch im Nirwana verschwunden, ich sah ihn nicht mehr. Da hielt ein Auto neben mir und die junge Fahrerin befahl: &#8222;Einsteigen!&#8220; &#8211; Sie hatte Nobody und mich nacheinander über den Friedhof rennen gesehen und die Situation erfasst. Die alte Volksweisheit „Wenn man denkt, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her“ bewahrheitete sich in diesem Moment.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zielgerichtet &#8222;übersah&#8220; die Frau genau wie ich das Schild, das uns darauf hinwies, dass wir ab nun in falscher Richtung durch eine Einbahnstraße fuhren. Dann sahen wir den Flüchtling, schlossen zu ihm auf, fuhren neben ihm her. Doch all unsere Rufe beeindruckten ihn nicht, er rannte weiter. Inzwischen war der Wald keine Minute mehr entfernt. Da bremste die Fahrerin plötzlich scharf, sprang aus dem Auto, holte den Hund ein und schrie im Lauf einfach: &#8222;Stop!&#8220; Tatsächlich blieb er sofort stehen und legte sich flach hin. Ins Auto musste ich ihn dann wieder tragen, was er sich widerstandslos gefallen ließ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die hilfsbereite Frau brachte uns nach Hause, wo Elisabeth bereits aufgelöst vor dem Haus wartete. Herr und Hund waren weg, die Leine war aber noch da, die Türen standen offen. Was mochte nur geschehen sein? Dann die Erlösung, als wir ausstiegen. &#8222;Ich bringe Ihnen Ihre zwei Männer zurück&#8220;, scherzte die junge Frau. Nobody wedelte mit dem Schwanz, als er seine Gastgeberin sah. Hatte die junge Frau &#8222;Ihre zwei Männer&#8220; gesagt? &#8222;Ihre&#8220;? Und hatte ich &#8222;Herr und Hund&#8220; gedacht?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Woher nur mochte er stammen? Er war uns ja nicht im eigentlichen Sinne weggelaufen, denn er wusste schließlich nicht, wohin er gehörte. Das und vieles andere galt es herauszufinden. Freunde empfahlen uns eine speziell im Hundeschutz sehr engagierte Frau im Nachbarort, die sogar über ein Gerät verfügte, mit dem man Chips lesen kann, wenn ein Hund denn gechipt ist. Das bezweifelte ich bei unserem Gast. Hatte ich &#8222;Gast&#8220; gedacht?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich erhielten wir erste Hinweise auf seine Identität, doch Details scheiterten zunächst an Sprachproblemen. Soviel erfuhren wir aber: Unser Nobody hieß Ritchie. Zuletzt registriert war er im spanischen Valencia. Angeblich war er vier Jahre alt. Und &#8222;Macho&#8220; &#8211; also männlich. Dass er ein Rüde war, hatten wir allerdings selbst schon festgestellt. So etwas geht ohne Fremdsprachenkenntnisse, wesentliche Dinge des Lebens sind international.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Unser&#8220; Ritchie? &#8211; Wohl eher doch nicht. Sein Zuhause war in Valencia, dort waren sei-ne rechtmäßigen Besitzer traurig um den Verlust ihres vierbeinigen Freundes, er selbst um den Verlust seiner zweibeinigen Freunde. Selbstverständlich würden Elisabeth und ich zur Familienzusammenführung beitragen, das war unter Hundefreunden doch Ehrensache. Tatsächlich reagierte er auf &#8222;Olé!&#8220; Und dann &#8211; erst zögerlich, aber immer mehr &#8211; auf seinen Namen. Wir waren also an der richtigen Adresse und erfuhren, dass er auch geimpft war. Es schien ihm zu Hause gut gegangen zu sein, schließlich wirkte er gepflegt, als wir ihn auflasen. Dass er sehr mager und verängstigt war, ließ allerdings auf eine zurückliegende Strapaze schließen. Wie nur mochte er hierher gelangt sein? &#8211; Wir würden froh sein, zu seiner Heimkehr beitragen zu können, und ein wenig traurig darüber, dass er dann wieder so weit weg sein würde, denn schon nach so kurzer Zeit hatten wir ihn in unsere Herzen geschlossen. Ihm schien es in seinem Pflegeheim auch gut zu gefallen, denn er lernte schnell und gerne deutsche Vokabeln &#8211; vor allem dann, wenn sie Spaziergänge, Mahlzeiten, Spiele oder Krauleinheiten ankündigten. Ritchie suchte sich Lieblingsplätze in unserer Wohnung aus, wollte mit uns schmusen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch bevor wir seine Rückreise organisierten und uns wieder trennen mussten, wollten wir ihn einigen hundebegeisterten Freunden zeigen. Einer davon, Axel,&nbsp; hat eine Hundeschule und züchtet Schäferhunde, kennt sich aber auch sehr gut mit anderen Hunderassen und Mischlingen aus. &#8222;Ein schöner Kerl!&#8220;, befand er und fragte nach: &#8222;Vier Jahre alt? Und aus Spanien?&#8220; &#8211; Nachdem wir beides bejaht hatten, wurden Fachbücher gewälzt. &#8222;Alles spricht dafür, dass Ritchie ein Exemplar des seltenen Katalonischen Zwergwolfes ist. Weiß Husky das schon?&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Husky, mit deutschem Vornamen Wilhelm, wohnt und wirkt in Axels Nachbarschaft und gehört als Ehrenmitglied einem amerikanischen Indianerstamm an. Husky war, daher sein Name, sogar Hundeschlitten-Weltmeister. Über Hunderassen, die dem Wolf noch nah verwandt sind, weiß er fast alles. Er betonte zwar, mehr &#8222;unter den nordischen Arten zu Hause&#8220; zu sein, bestätigte aber Axels Einordnung. An einen befreundeten Zoologie-Professor mailte ich Fotos und eine detaillierte Beschreibung:&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Schulterhöhe 40 cm, Länge von Nase bis Schwanzansatz knapp 100 cm, Rute 40 cm. Gewicht circa 25 kg. Augenfarbe braun. Statur gedrungener als bei altdeutschem oder belgischem Schäferhund. &#8211; Fell insgesamt sehr glänzend. An Ohrenrückseite und darunter lange, helle Strähnen. Vom vorderen Hals beginnend wesentlich längeres Fell, das den Eindruck eines Kragens vermittelt, sich aber nach hinten fortsetzt. An den Vorderseiten der Läufe jedoch kurz und glatt, allerdings an den Rückseiten länger und deutlich ausgefranst. Brust- und Bauch dicht behaart. Rute kräftig und sehr buschig, rund aus-laufend. Auffällig auch dichtes und langes Fell zwischen den Ballen. &#8211; Färbung völlig symmetrisch. Am Kopf beige mit dunklen, beidseitig gleichen Einfärbungen, vom Hals- bis zum Rutenansatz von oben her tiefschwarz bis über die Brustseiten und hinteren Flanken, darunter zunächst beige, ins Goldene übergehend.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Zoologe bestätigte: Ganz offenkundig besaßen wir ein Exemplar des lange vermissten Katalonischen Zwergwolfes. Kollegen des Professors interessierten sich bereits dafür, wo dieses in Augenschein zu nehmen sei. &#8211; Besaßen wir das &#8222;Exemplar&#8220;? Wollten wir Ritchie nicht nach Hause bringen &#8211; und waren dazu auch verpflichtet? Auf keinen Fall würden wir zulassen, dass er in ein steriles Untersuchungsgehege oder gar einen Käfig kommen würde, irgendwohin, wo es ihm nicht gut ging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um nicht von Kollegen, die sich über meine plötzliche Abwesenheit wunderten, genervt zu werden, hatte ich das Handy abgeschaltet. Umso voller waren der Anrufbeantworter und das E-Mail-Postfach. Unsere Freunde Maria und Horst und die Tierschützerin Regina hatten weiter recherchiert, wir sollten dringend zurückrufen. Und dann trauten wir unseren Ohren nicht zu glauben: Die Vorbesitzer wollten Ritchie nicht mehr zurück, wir sollten ihn behalten. In Valencia könne er nicht mehr leben. &#8211; Machten die dort etwa Jagd selbst auf Zwergwölfe? Hierzulande wurden ja auch immer wieder Wölfe von übermotivierten Jägern und uninformierten Polizisten erschossen. Jedenfalls würde Ritchie nun sein ganzes weiteres Leben lang bei uns zu Hause sein &#8211; so sicher wie möglich. Er, dieser witzige und liebe Kerl, nahm das dankbar an und lernte schnell.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einmal noch, als ich meiner Schwester und meinem Schwager zeigen wollte, wie gut er schon Deutsch gelernt hat, stach ihn der Hafer und er lief allein in die Felder, diesmal allerdings auf seinem Haupt-Spaziergangsweg. Meine Schwester lief hinterher, doch auf sie hörte er nicht. Ich, noch immer fußkrank, nahm lieber gleich unser Mini-Auto und fuhr ihm über Feldwege aus der anderen Richtung entgegen. Als ich bei ihm war, begann der Racker glatt ein neues Spiel: Immer, wenn ich ihn erreicht hatte, drehte er um und lief in die Gegenrichtung, er schien mich dabei gar noch auszulachen. Das konnte dauern und meinen Bedarf an Wendemanövern schnell übersteigen. Hoffentlich schaute niemand zu&#8230; Ich war es bald leid, hielt an und rief ein scharfes &#8222;Stop!&#8220;, was er ja schon kannte. Sofort legte er sich ins regennasse Gras, und ich mich &#8211; stolpernd und daher ungewollt &#8211; direkt neben ihn. Er wedelte mit dem Schwanz, als ich ihn an die Leine machte. Statt erst ein Wörtchen mit ihm zu reden, wäre ich besser gleich aufgestanden. Ich hatte in der Hektik in dem ebenen Gelände nämlich keinen Gang eingelegt und auch die Handbremse nicht angezogen. Und während meiner Moralpredigt übersehen, wie unser Auto sich rückwärts in Bewegung gesetzt hatte und erst an meinem Bein stoppte. Da saß ich nun mit Ritchie in der Linken und dem Auto auf dem rechten Hosenbein. Dann kam meine Schwester aus der anderen Richtung hinzu &#8211; immerhin mit Regenschirm &#8211; und lachte. Ich war sauer. Ein Schelm, der weiterdenkt, wie ich mich ohne menschliche Hilfe nur aus der Situation hätte befreien können&#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ritchie hat auch heute noch manche Flause im Kopf. Aber wie sagt man? &#8211; Wie der Herr, so´s Gescherr. Da ist offenkundig etwas dran, denn, liebe Leserin, lieber Leser, diese Geschichte ist teils geflunkert, weitenteils aber wahr. Um ehrlich zu sein:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir kannten das Bild von einem Hund, das Ritchie zeigte, eine Beschreibung, seinen Namen und sein angebliches Geburtsjahr, bevor wir ihn je gesehen haben. Da wir sowieso wieder einen Hund haben wollten, sind Elisabeth und ich von Freunden gebeten worden, Ritchie zumindest eine Pflegestelle anzubieten, bis er vermittelt ist, andernfalls werde er in einem spanischen Tierheim bald von den Behörden eingeschläfert. Als wir ihn im Norden von Köln (Fast-Kölner wie wir ignorieren einfach, dass es der Süden von Düsseldorf war) in Empfang nahmen, hatte er gemeinsam mit fast 30 Artgenossen eine über 24-stündige Reise in einem eigens dafür umgebauten &#8222;Hunderettungs-Bus&#8220; durch halb Europa hinter sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Rassebezeichnung &#8222;Katalonischer Zwergwolf&#8220; kam so zustande: In der Tierabteilung unseres Bücherregals steht gut sichtbar ein Bildband über Wölfe. Der Kragen des Wolfes auf der Titelseite errinnerte mich an Ritchies Kragen. Dann spielte der von mir (bei der Erstpublikation dieses Artikels noch, Anm. JS 2022) geschätzte FC Barcelona (statt zig Millionen Euro für Trikotwerbung einzunehmen wirbt &#8222;Barca&#8220; für UNICEF und spendet selbst an das Kinderhilfswerk!) im Fußball-Champions-League-Finale gegen Manchester United und gewann. Barcelona ist die Hauptstadt von Katalonien, Valencia liegt südwestlich nebenan. Als ich in diesen Tagen nach der Rasse unseres neuen Freundes gefragt wurde, erfand ich den &#8222;Katalonischen Zwergwolf&#8220;. Der komme nur an den Südhängen der Pyrenäen vor, und das mittlerweile sehr selten. Wir wüßten nicht, wie er in das Tierheim in Valencia geraten sei. Was auch stimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast alle haben die Rassebezeichnung geglaubt. Und wenn ich den Scherz aufklärte, fanden manche, dass ich diesen aufschreiben solle. Das habe ich hiermit getan. Und ich schwöre: Das meiste ist wahr! Vor allem dieses: Der &#8222;Katalonische Zwergwolf&#8220; Ritchie ist nicht nur selten, sondern absolut einzigartig!</p>



<p class="wp-block-paragraph">________________________________________________________________________________________ </p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Der ebenstehende Text ist zuerst im &#8222;Hunde-Ja(hr)-Buch Zwei&#8220; (2009) im <a href="https://www.mariposa-verlag.de/der-verlag/">Mariposa Verlag</a> erschienen. (<a href="https://www.mariposa-verlag.de/der-verlag/">www.mariposa-verlag.de</a>, Inh.: Ursula Strüwer, Drakestraße 8a, 12205 Berlin, Tel.: 030-2157493, E-Mail: info@mariposa-verlag.de)</p>
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		<title>Bürgermeister greift Journalisten tätlich an</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Aug 2022 14:29:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aus der Welt der Medien]]></category>
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					<description><![CDATA[Bedenkliche Provinzposse im thüringischen Bad Lobenstein &#8211; Aggressiver Bürgermeister inzwischen des Dienstes enthoben (MEEDIA, OTZ, mdr, 22. 8. 2022, akt. 24. 8. 2022) Auf dem Marktplatzfest in Bad Lobenstein hat der damalige Bürgermeister Thomas Weigelt am 21. August 2022 den Journalisten Peter Hagen von der Ostthüringischen Zeitung (OTZ) tätlich angegriffen und durch sein wüstes Vorpreschen &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/archiv/aus-der-welt-der-medien-archiv/buergermeister-greift-journalisten-taetlich-an/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
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<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Bedenkliche Provinzposse im thüringischen Bad Lobenstein</strong> <strong>&#8211; Aggressiver Bürgermeister inzwischen des Dienstes enthoben</strong></p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<p class="wp-block-paragraph">(MEEDIA, OTZ, mdr, 22. 8. 2022, akt. 24. 8. 2022) Auf dem Marktplatzfest in Bad Lobenstein hat der damalige Bürgermeister Thomas Weigelt am 21. August 2022 den Journalisten Peter Hagen von der Ostthüringischen Zeitung (OTZ) tätlich angegriffen und durch sein wüstes Vorpreschen noch einen unbeteiligten Mann, der hinter Hagen stand, mit zu Fall gebracht. Hagen wurde dabei am Ellbogen verletzt und seine Kameraausrüstung beschädigt.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/Bildschirmfoto-2022-08-22-um-13.24.52-2-1024x563.jpeg" alt="" class="wp-image-2479" width="536" height="294" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/Bildschirmfoto-2022-08-22-um-13.24.52-2-1024x563.jpeg 1024w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/Bildschirmfoto-2022-08-22-um-13.24.52-2-300x165.jpeg 300w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/Bildschirmfoto-2022-08-22-um-13.24.52-2-768x422.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/Bildschirmfoto-2022-08-22-um-13.24.52-2-491x270.jpeg 491w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/Bildschirmfoto-2022-08-22-um-13.24.52-2.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 536px) 100vw, 536px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der inzwischen Ex-Bürgermeister Thomas Weigelt stürmt auf einen Journalisten der OTZ zu und verletzt ihn. Weigelt behauptet, er habe den bedrohlich auf ihn zukommenden Journalisten nur abwehren wollen. Ein Video beweist: Das ist die Unwahrheit. Foto: Peter Hagen, OTZ  </figcaption></figure>
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<p class="wp-block-paragraph">Der OTZ-Journalist hatte den Noch-Bürgermeister bei einem Gespräch mit einem Reichsbürger, der sich laut Mitteldeutschem Rundfunk Heinrich XIII Prinz Reuß nennt und den kurz zuvor bereits als geladenen Gast bei einem Empfang Weigelts gesehen hatte, gefilmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit dem Vorfall beim Markplatzfest hagelt es Rücktrittsforderungen gegen den parteilosen Ersten Bürger der Stadt. So betonte Julia Becker, die Verlegerin der Funke Mediengruppe, der auch die OTZ angehört: „Der Angriff auf unseren Reporter der OTZ ist nicht nur ein schändlicher Angriff auf einen unserer Mitarbeiter. Es ist auch ein Angriff auf die Pressefreiheit und damit auf einen der Grundwerte unserer Demokratie. (…) Daher ist der Rücktritt dieses Bürgermeisters, der mit körperlicher Gewalt Berichterstattung verhindern will, unumgänglich.“ Der Verlag werde alle juristischen Möglichkeiten ausschöpfen, um den Angriff Weigelts zu ahnden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Landrat des Saale-Orla Kreises, Thomas Fügmann, äußerte sich auf Facebook „schockiert und fassungslos über diese Nachricht aus Bad Lobenstein“ und forderte Weigelts Rücktritt. Der Kreis bearbeitet derzeit bereits in einer anderen Angelegenheit ein Disziplinarverfahren gegen den Bad Lobensteiner Bürgermeister. Der Angriff auf den Journalisten, der auch Strafantrag gestellt hat, fließe nun mit ein, hieß es von dort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch aus der &#8222;großen&#8220; Politik gab es Kritik. Bundesinnenministerin Nancy Faeser betonte gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe, das Einschüchterungen, Gewalt und das Verbreiten von Angst niemals Mittel der Politik sein dürften. Auf lokaler Ebene käme verschärfend noch hinzu, dass Journalisten und Politiker sich vor Ort häufig begegneten. Und der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) befand: &#8222;So etwas geht einfach gar nicht&#8220;, und verlangte Konsequenzen für Weigelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Thüringer Landesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Heidje Beutel, schloss sich den Demissionsforderungen anund sagte: „Weigelt tritt Grundrechte wie die Pressefreiheit mit Füßen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">OTZ-Chefredakteur Jörg Riebartsch äußerte sich empört: Dass der Politiker Weigelt den OTZ-Lokalreporter Peter Hagen und einen unbeteiligten Passanten „körperlich angegriffen hat, um eine Berichterstattung über sich während des Marktfestes in Lobenstein zu verhindern“, sei eine neue „traurige Eskalation“. Die Redaktion der OTZ, so Riebenstein weiter, lasse sich „auch künftig nicht mit Gewalt einschüchtern“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Medienverband der freien Presse (MVFP) nahm ebenfalls Stellung zu dem Ausraster des ersten Repräsentanten Bad Lobensteins. Phillipp Welte, Sprecher des Vorstandes des MVFP, Journalisten zu bedrohen oder gar körperlich anzugreifen sei das erschreckende Symptom eines Krankheitsbildes in einer Demokratie, zumal wenn diese Aggression von einem gewählten Repräsentanten dieses politischen Systems komme. „Wer einen Journalisten bedroht, bedroht die Demokratie. Wer einen Journalisten schlägt, schlägt die Demokratie. Und eine demokratische Gesellschaft darf solche totalitären Anfälle ihrer gewählten Repräsentanten nicht eine Sekunde tolerieren&#8220;, sagte Welte.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der MVFP mahnte alle politischen Kräfte in Thüringen, diesen sichtbaren Verfall der politischen Kultur in Deutschland nicht hinzunehmen und den Übergriff des Bürgermeisters von Bad Lobenstein mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu ahnden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Thomas Weigelt, zu diesem Zeitpunkt noch Bürgermeister, verteidigte sich indessen damit, dass der OTZ-Journalist Peter Hagen eine Abneigung gegen ihn pflege und unprofessionell arbeite. Außerdem sei Hagen auf ihn zugestürmt und er habe seine Hand lediglich zur Abwehr gehoben. Das stimmte, wie aus dem Videomitschnitt  der Szene eindeutig hervorgeht, nicht. Weigelt betonte: &#8222;Ich trete nicht zurück&#8220; und stellte die Gegenfrage, weshalb er das tun solle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die hat laut Frankfurter Allgemeiner Zeitung vom 1. September 2022 inzwischen das Landratsamt des Kreises Saale-Orla beantwortet und Thomas Weigelt vorläufig seines Amtes als Bürgermeister enthoben.   In sechs Punkten habe Weigelt Dienstvergehen begangen. Unter anderem werden ihm die Diffamierung von Verfassungsorganen, die finanzielle Schädigung der Stadt Lobenstein und der körperliche Angriff auf einen Journalisten vorgeworfen. Aufgrund der Summe und Schwere der Vergehen sei es wahrscheinlich, dass Weigelt der Status eines Wahlbeamten entzogen werde.  </p>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">So ist die Demokratie schon auf lokaler Ebene in höchster Gefahr</h2>



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<p class="has-text-align-left has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Ein Kommentar von Jürgen Streich</strong> </p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">(22. 8. 2022) Wenn es Schule macht, dass gewählte Lokalpolitiker, die mit der Berichterstattung bestimmter Journalisten über sich nicht einverstanden sind, diese körperlich angehen, verletzten, deren Kamerausrüstungen beschädigen oder gar zerstören und dabei sogar Kollateralschäden, wie den, dass sie unbeteiligte Dritte mit in Gefahr bringen, ist die Demokratie schon auf der untersten, der kommunalen Ebene in höchster Gefahr. Sie ermutigen so andere gewaltbereite Menschen Kraft ihres Amtes, ihrerseits Journalisten anzugreifen – mit vielleicht sogar schlimmeren Folgen. Mit solchen Methoden wird Berichterstattung von vor Ort immer schwieriger bis unmöglich – mit allen schlimmen Folgen für die Demokratie. Der Mob würde sich durchsetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bürgermeister Thomas Weigelt sollte nicht herumlamentieren, er habe Peter Hagen gar nicht berührt, in Wahrheit habe er sich nur gegen den heranstürmenden Journalisten wehren wollen. Die Aufzeichnung der Kamera beweist das Gegenteil: Sie zeigt einen heranstürmenden Bürgermeister, der wütend und zielgerichtet auf die Kamera losgeht. Der Erste Bürger Bad Lobensteins, der auch bereits Verschwörungstheorien verbreitet haben soll, lügt also auch noch dreist. Ihm sei zudem ins Stammbuch geschrieben, dass viele Körperverletzungen begangen werden, ohne dass der Täter sein Opfer berührt. Einem Menschen dessen eigene Kamera ins Gesicht zu stoßen, gehört dazu. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Statt über die angeblich unfaire Berichterstattung zu jammern, sollte Weigelt stattdessen das, was alle in dem Video sehen können, schleunigst zugeben, sich bei Peter Hagen und der OTZ entschuldigen, dem Journalisten ein Schmerzensgeld zahlen (der kann es ja beispielsweise an Reporter ohne Grenzen spenden), die Reparaturkosten für die Kamera übernehmen und unverzüglich zurücktreten. All diejenigen, die letzteres jetzt fordern, haben vollkommen recht. Ein derart unkontrolliert emotional agierender Bürgermeister wie Thomas Weigelt ist nicht weiterhin tragbar, droht, zum schlechten Vorbild zu werden und beschädigt das Ansehen seiner Kommune schwer.</p>
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