<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Sachbücher &#8211; AUSSICHTEN &#8211; Informationen aus dem Journalistenb&uuml;ro von J&uuml;rgen Streich</title>
	<atom:link href="https://aussichten-online.de/category/ueber-buecher/sachbuch-empfehlungen/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://aussichten-online.de</link>
	<description>Eine andere WordPress-Site.</description>
	<lastBuildDate>Sun, 01 Jun 2025 22:26:29 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>
	<item>
		<title>Warnung vor der AfD in Buchform</title>
		<link>https://aussichten-online.de/ueber-buecher/sachbuch-empfehlungen/buchempfehlung-angriff-auf-deutschland/</link>
					<comments>https://aussichten-online.de/ueber-buecher/sachbuch-empfehlungen/buchempfehlung-angriff-auf-deutschland/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 May 2025 20:44:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbücher]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://aussichten-online.de/?p=9535</guid>

					<description><![CDATA[Nie wieder ist jetzt Von Bernd Heckmanns Warum ist das Buch „Angriff auf Deutschland – Die schleichende Machtergreifung der AfD“ von Michael Kraske und Dirk Laabs so dringlich empfehle? &#8211; Unabhängig der Entscheidung des Kölner Verwaltungsgerichts zur Einstufung der AfD (Alternative für Deutschland) als „gesichert rechtsextrem“ durch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und der weitgehend &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/ueber-buecher/sachbuch-empfehlungen/buchempfehlung-angriff-auf-deutschland/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<h2 class="wp-block-heading has-x-large-font-size"><strong>Nie wieder ist jetzt</strong></h2>



<div style="height:25px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<div style="height:16px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:20px">Von Bernd Heckmanns</p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum ist das Buch „Angriff auf Deutschland – Die schleichende Machtergreifung der AfD“ von Michael Kraske und Dirk Laabs so dringlich empfehle? &#8211; Unabhängig der Entscheidung des Kölner Verwaltungsgerichts zur Einstufung der AfD (Alternative für Deutschland) als „gesichert rechtsextrem“ durch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und der weitgehend unbekannten Inhalte des Gutachtens des BfV zeigen die Autoren in ihrem Buch bedeutsame Tatsachen, die die Bedrohung unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung durch die AfD zumindest durch ihre thematischen und personellen Verflechtungen in den rechtsextremen und sogar rechtsterroristischen Bereich deutlich belegen.<br><strong><br></strong></p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="652" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/05/Bildschirmfoto-2025-05-12-um-00.15.28-652x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-9536" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/05/Bildschirmfoto-2025-05-12-um-00.15.28-652x1024.jpeg 652w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/05/Bildschirmfoto-2025-05-12-um-00.15.28-191x300.jpeg 191w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/05/Bildschirmfoto-2025-05-12-um-00.15.28-172x270.jpeg 172w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/05/Bildschirmfoto-2025-05-12-um-00.15.28.jpeg 748w" sizes="(max-width: 652px) 100vw, 652px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Titelseite des Buches, nach dessen Lektüre niemand mehr sagen kann: &#8222;Ich habe es nicht gewusst.&#8220;</p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders der AfD-Co-Vorsitzende Tino Chrupalla verweist oft auf die Verfassungstreue seiner Partei und betont, dass in deren Programm keine Aussagen stehen, die mit unserer Verfassung nicht vereinbar wären. Das mag richtig sein, aber wie oben bereits erwähnt, demaskiert das Buch die „Selbstverharmlosung“ der AfD. Drei Beispiele dafür:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es ging in der Kommunikation von AfD-Mitarbeitern immer wieder um die Bekämpfung der Demokratie mit Waffengewalt und um die Vernichtung anderer Menschen. ‚Ich wünsche mir so sehr einen Bürgerkrieg und Millionen Tote. Frauen, Kinder. Mir egal. Es wäre so schön. Ich will auf Leichen pissen und auf Gräbern tanzen. Sieg Heil.’“ Das schrieb Marcel Grauf, ehemals Mitglied der NPD, bereits 2015 in einen Chat. Er war zu diesem Zeitpunkt Mitarbeiter zweier AfD-Abgeordneter des Landtages in Baden-Württemberg, darunter Christina Baum, die inzwischen im Bundestag sitzt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dieter Görnert, AfD-Politiker aus Bayern, twittert 2016 gar öffentlich über Migranten: „Am besten das Pack zurück nach Afrika prügeln“ und „ Auf der Stelle erschießen“ Marcel Grauf setzt in einem internen Chat noch einen drauf: „Immerhin haben wir jetzt so viele Ausländer im Land, dass sich ein Holocaust mal wieder lohnen würde.“</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/05/AfD-2.tiff" alt="" class="wp-image-9544"/></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Nach dem derzeitigen Höhenflug sollte der Pfeil der AfD nur noch abwärts zeigen. (Montage: Josef Mörsch)</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Und noch ein letztes Zitat: Enrico Komning, mittlerweile einer der parlamentarischen Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion, hatte in einer internen Runde von AfD-Politikern aus Mecklenburg-Vorpommern 2016 gesagt: „…parlamentarischer Staat oder wie auch immer diese Demokratie heißt, … die wollen wir ja aber gar nicht. Die wollen wir abschaffen“.</p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Ich denke, diese drei Zitate sprechen eine deutliche Sprache.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kraske und Laabs beleuchten im ersten Teil ihres Buches u.a. wie Demokratiefeinde als AfD-Mitarbeiter von uns allen alimentiert werden, wie, gerade im Osten, Opposition eingeschüchtert und mundtot gemacht wird, welche Verflechtungen zu Terrornetzwerken bestehen, wie perfekt die Indoktrination junger Menschen über soziale Netzwerke funktionieren, wie die AfD Richter, Polizisten und Soldaten einfängt respektive sich ihrer bedient, welche Menschen laut AfD-Weltbild hier leben dürfen und vieles andere mehr. Im Teil 2 diskutieren sie die hochaktuelle Frage eines AFD-Verbots, um im dritten Teil Lösungswege aufzuzeigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich persönlich halte den ersten, den deskriptiven Teil, der circa drei Viertel des Buches ausmacht, für den wichtigsten und auch den stärksten. Die Tatsachenbeschreibungen sind sauber mit Quellen belegt und nachvollziehbar. Diese Beschreibungen sind nichts weniger als erschreckend und sollten uns alle zutiefst alarmieren. Dabei geht es lange nicht mehr um die vordergründige Diskussion über Zuwanderung und ob und welche Grenzen da zu setzten wären. Es geht schlichtweg um unser aller Freiheit, unsere Rechte und unsere Lebensweise in einem pluralistischen, rechtstaatlichen und auf humanistische Grundwerte aufbauenden Gemeinwesen. Nach der Lektüre kann niemand mehr sagen, er oder sie hätte „davon nichts gewusst“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Inhalt des zweiten Teils des Buchs „AfD-Verbot“ wird aktuell diskutiert. Hier finden sich interessante Argumente zu dieser Diskussion, zum Beispiel: Sollte der Staat, wenn etwas recht ist und rechtlich geboten ist (also das mögliche Verbot einer die Verfassung aggressiv bekämpfenden Partei), auf die Durchsetzung des Rechts verzichten, nur weil sich ungefähr 22 Prozent der wählenden Bürger gegen dieses Schutzrecht entscheiden, indem sie diese zerstörerische Partei wählen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im dritten Teil flacht das Buch etwas ab und wird teilweise unspezifischer. Manche Schlüsse erscheinen mir auch weit hergeholt. Wenn es zum Beispiel um einen Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Fleisch und einer Anfälligkeit für rechtsextremes Gedankengut geht oder wichtiger noch, wenn konservativen Bürgern &#8211; ich selbst bin CDU-Mitglied &#8211; eine Anfälligkeit gegenüber der AfD unterstellt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Abschließen möchte ich mit der Überschrift dieses dritten Teils:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Demokratische Lösungen – Es zählt jeder Tag</strong></p>



<div style="height:34px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Michael Kraske, Dirks Laabs: „Angriff auf Deutschland – Die schleichende Machtergreifung der AfD“</strong> Verlag C. H. Beck, München, Klappenbroschur, 350 Seiten, 18 Euro</p>



<div style="height:33px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<div style="height:25px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="wp-block-paragraph">Der Rezensent über sich:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bernd Heckmanns, geboren 1959, Bundeswehroffizier (Zeitsoldat), Unternehmensberater, Trainer für Führungskräfteentwicklung, Organisationsentwicklung und Serviceorganisation und zunehmend Reisender und Wildnisfreak mit dem Schwerpunkt südliches Afrika.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe eine Maximalabneigung gegen totalitäre Systeme, Diktatoren und Diktaturen und fühle mich, fast militant, dem demokratischen Rechtsstaat mit dem Leitbild der wehrhaften Demokratie innen- wie außenpolitisch gesehen, verpflichtet. Leider sehe ich gegenwärtig in unserer trotz aller Baustellen doch so lebens- und schützenswerten Bundesrepublik Deutschland Ereignisse, die mich erschreckend an die Zeit um 1933 erinnern.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="351" height="421" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/05/MG_9185.jpeg" alt="" class="wp-image-9562" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/05/MG_9185.jpeg 351w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/05/MG_9185-250x300.jpeg 250w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/05/MG_9185-225x270.jpeg 225w" sizes="(max-width: 351px) 100vw, 351px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Bernd Heckmanns (Foto: Bettina Ertelt)</p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px"></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://aussichten-online.de/ueber-buecher/sachbuch-empfehlungen/buchempfehlung-angriff-auf-deutschland/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sahra Wagenknechts Buch &#8222;Die Selbstgerechten&#8220;</title>
		<link>https://aussichten-online.de/ueber-buecher/sachbuch-empfehlungen/sahra-wagenknechts-buch-die-selbstgerechten/</link>
					<comments>https://aussichten-online.de/ueber-buecher/sachbuch-empfehlungen/sahra-wagenknechts-buch-die-selbstgerechten/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Oct 2023 02:22:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sachbücher]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://aussichten-online.de/?p=7882</guid>

					<description><![CDATA[Das Vorab-Parteiprogramm: Als Wegweiser in die Zukunft völlig ungeeignet Von Christian Rannenberg Nun ist es also endlich so weit. Sahra Wagenknecht macht ihr drohendes Versprechen wahr und gründet ihre eigene Partei. Höchste Zeit, sich endlich mit ihrem Buch zu beschäftigen, wenn man wissen möchte, was sie eigentlich will. Schließlich ist ziemlich sicher davon auszugehen, dass &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/ueber-buecher/sachbuch-empfehlungen/sahra-wagenknechts-buch-die-selbstgerechten/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<h2 class="wp-block-heading has-large-font-size">Das Vorab-Parteiprogramm: Als  Wegweiser in die Zukunft völlig ungeeignet</h2>



<div style="height:21px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Von Christian Rannenberg</p>



<div style="height:15px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Nun ist es also endlich so weit. Sahra Wagenknecht macht ihr drohendes Versprechen wahr und gründet ihre eigene Partei. Höchste Zeit, sich endlich mit ihrem Buch zu beschäftigen, wenn man wissen möchte, was sie eigentlich will. Schließlich ist ziemlich sicher davon auszugehen, dass „Die Selbstgerechten“ das Programm dieser Partei sein wird. Der Untertitel lautet ja „Mein Gegenprogramm – für Gemeinsinn und Zusammenhalt“. Also habe ich mich daran gemacht, dieses Werk zu lesen.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px"></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="637" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/10/Bildschirmfoto-2023-10-30-um-03.06.53-637x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-7897" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/10/Bildschirmfoto-2023-10-30-um-03.06.53-637x1024.jpeg 637w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/10/Bildschirmfoto-2023-10-30-um-03.06.53-187x300.jpeg 187w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/10/Bildschirmfoto-2023-10-30-um-03.06.53-768x1235.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/10/Bildschirmfoto-2023-10-30-um-03.06.53-168x270.jpeg 168w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/10/Bildschirmfoto-2023-10-30-um-03.06.53.jpeg 796w" sizes="(max-width: 637px) 100vw, 637px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Sahra Wagenknechts Buch: Als Wahlprogramm völlig ungeeignet.</p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Es war mühsam. Und viel klüger bin ich jetzt auch nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr als die erste Hälfte, beinahe zwei Drittel ihres Werkes, überschrieben mit „Die gespaltene Gesellschaft und ihre Freunde“, verwendet sie darauf, sich an ihrem selbstgewählten Hauptgegner abzuarbeiten. Man sollte jetzt annehmen, das sei, wie es sich für eine Linke gehört, das kapitalistische Wirtschaftssystem oder zumindest seine Auswüchse. Aber weit gefehlt. Es sind die Linksliberalen. Wobei sie darauf hinweist, daß ihre Definition des Linksliberalismus sich nicht mit der anerkannten, gängigen deckt. Aber was genau ist diese ihre Definition? Ich bin da aus ihren Ausführungen nicht schlau geworden und stehe etwas ratlos vor einer Ansammlung von Schlagworten, von denen „Lifestyle-Linke“ wohl von ihr erfunden wurde und Eingang in den politischen Sprachgebrauch gefunden hat. Mir drängt sich der Eindruck auf, dass sie eigentlich alles, was sie nicht mag, unter Linksliberalismus zusammenfasst, und so werden dann in ihrem Buch auch Leute wie Maggie Thatcher mit dieser Zuordnung beglückt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sicherlich, es ist immer schon, solange ich denken kann, ein Kennzeichen der Linken gewesen, den Hauptgegner im eigenen Lager zu verorten, sich in Grabenkämpfen aufzureiben und darüber das, wofür eigentlich zu kämpfen die Aufgabe wäre, völlig aus den Augen zu verlieren, aber bei Sahra Wagenknecht gewinnt dieser Kampf im eigenen Lager eine neue Qualität. Nämlich die eines Kulturkampfes mit stark reaktionären Zügen. Der Erste parlamentarische Geschjäftsführer der Linken im Bundestag, Jan Korte, nennt es reaktionäres Tourette.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich ihre Ausführungen richtig deute, dann sind es die Globalisten, was immer man sich darunter vorstellen möchte, im Verein mit den Linksliberalen, siehe oben, die die wärmende, kuschelige deutsche Arbeiterkultur zerstört haben. Dies wird als Elitenprojekt beschrieben, und die weltweite Massenmigration sei Teil dieses Projektes. Sie geht da so weit, die Anwerbung von so genannten Gastarbeitern in der „alten“ Bundesrepublik mit der aktuellen irregulären Massenmigration gleichzusetzen und schreibt: „Immerhin 2,5 Millionen sogenannte Gastarbeiter arbeiteten in Deutschland, als der sozialdemokratische Bundeskanzler Willy Brandt 1973 diese Politik mit einem kompletten Anwerbestopp beendete. In der heutigen SPD würde er dafür wohl als AfD-nah angegiftet.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Solche Sätze, und es gibt viele dieser Art in ihrem Buch, machen fassungslos. Sie schließen nahtlos an die Erzählung im rechten Milieu an, Flucht und Vertreibung als ein von den globalistischen Eliten, eine antisemitische Chiffre, was ihr hoffentlich gar nicht klar ist, gesteuertes Projekt, welches die Aufgabe hätte, die abendländische Identität zu zerstören und die Löhne zu drücken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, die abendländisch-proletarische Identität. Frau Wagenknecht singt aus vollem Halse das Hohelied der Bundesrepublik der fünfziger bis siebziger Jahre, als die Schornsteine noch rauchten, ohne dass das ausgestoßene Kohlendioxid besteuert wurde, das Bildungssystem angeblich noch durchlässig war und die Industriearbeiter noch alle gewerkschaftlich organisiert. Es muss das reine Paradies gewesen sein. Ein Paradies, das sie als DDR-Kind natürlich nicht erleben konnte und deshalb nur vom Hörensagen kennt. Es deckt sich mit der Erzählung, die ich in den siebziger und achtziger Jahren, als ich zuerst aus familiären und dann beruflichen Gründen öfters in der DDR unterwegs war, oft vernommen habe. Der Erzählung, dass ich aus dem Land käme, in dem Milch und Honig flössen. Was ich über die tatsächliche bundesrepublikanische Wirklichkeit zu erzählen hatte, interessierte eigentlich gar nicht. Man wollte sich die rosarote Illusion nicht zerstören lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so ergeht sich Frau Wagenknecht im Lob auf eine Vergangenheit, die es eigentlich nie gegeben hat und idealisiert den rheinischen Kapitalismus und die soziale Marktwirtschaft. Erstaunlich für eine Frau, die nach der Wende vom „Spiegel“ und anderen Publikationen zum erzkommunistischen Gottseibeiuns stilisiert wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich ist der gewerkschaftliche Organisationsgrad der abhängig Beschäftigten seit den späten achtziger Jahren dramatisch zurückgegangen. Frau Wagenknecht führt das aber nicht etwa darauf zurück, dass das „klassische“ Industriearbeitermillieu, das ich als junger Mensch noch kannte, nicht mehr oder kaum noch existiert, sondern sie macht auch hierfür die Einwanderer verantwortlich, weil die ja nicht gewerkschaftlich organisiert seien und deswegen eine Lohndrückerfunktion hätten. Dass deutsche Lohnabhängige die Gewerkschaften damals in Scharen verließen, blendet sie völlig aus und drückt sich so um die Analyse, warum das alles so war. Und was die von ihr behaupteten Aufstiegschancen von Arbeiterkindern in der alten Bundesrepublik angeht, so hat sie sich wohl noch nicht so richtig mit dem „bewährten dreigliedrigen Schulsystem“ beschäftigt, das immer noch die Dreiklassengesellschaft der Kaiserzeit abbildete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schuld sind auf jeden Fall, wie immer, die linksliberalen Lifestyle-Linken, die mit den Menschen, die hart malochten, keinerlei Kontakt mehr hätten, in ihren Elfenbeintürmen Austern schlürften und sich dem Gendergaga hingäben. Das von einer Frau, die selbst dem guten Leben zugeneigt ist und eng mit Diether Dehm zusammenarbeitet, der gerade der „Zeit“ ein Interview gab, telefonisch aus seinem Haus in der Toscana.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin für das gute Leben immer zu haben und würde über niemandem den Stab brechen, der das ebenfalls ist, bin aber höchst allergisch gegen Heuchelei. Merkt Frau Wagenknecht denn diesen Widerspruch gar nicht? Fast könnte man glauben, ihr Buchtitel „Die Selbstgerechten“ sei eine Selbstbeschreibung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über das letzte Drittel ihres Buches, überschrieben mit „Ein Programm für Gemeinsamkeit, Zusammenarbeit und Wohlstand“, lässt sich eigentlich gar nicht viel schreiben. Es ist erstaunlich brav-sozialdemokratisch-keynesianistisch, gewürzt mit dem Lob des Nationalstaates und einer kleinen Prise Fremdenfeindlichkeit. Also nichts, was man bei der SPD, dem Arbeitnehmerflügel der Union und selbst der FDP, deren Rhetorik vom leistungsbereiten Bürger, der morgens aufsteht, sie übernimmt, nicht auch finden könnte. Wobei generell überrascht, wie sehr sie auf die Leistungsgesellschaft und den von den verzogenen 68er Bürgerkindern diskreditierten Leistungsgedanken schwört. Ich fühle mich da ein wenig an die Lehrer meiner Schulzeit und deren Agenda erinnert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wagenknecht unterscheidet dann auch zwischen gutem und bösem Kapitalismus. Der gute Kapitalismus ist der, der im Lande bleibt und sich redlich nährt, während der böse der weltumspannende Finanzkapitalismus ist. Sie scheint da ihren Marx nicht gelesen zu haben, der ja geschrieben hat, dass beides zusammenhängt und einander bedingt, und scheint auch nicht zu wissen, dass die Unterscheidung zwischen „schaffendem und raffendem Kapital“ ebenfalls eine antsemitische Chiffre ist und eine prominente Rolle in der Naziideologie spielte. Gepaart wird das dann von ihr mit einer EU- und Eurokritik, die aus den Anfangstagen der Lucke-AfD stammen könnte. Als Sahnehäubchen versteigt sie sich dann zu der auch von der jetzigen AfD gepflegten Behauptung, die schleichende Enteignung der Sparer durch die Nullzinspolitik wäre den finanzpolitisch unsoliden „Südstaaten“ geschuldet, die pleitegehen würden, sollte das Zinsniveau angehoben werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Buch wurde 2021 veröffentlicht. Mich würde interessieren, wie sie das heute im Lichte der seitdem stattgefundenen Zinssteigerungen sieht. Aber da wird wohl nicht viel von ihr kommen, denn dafür, dass sie sich mit Fehlern, die sie in der Vergangenheit machte, auseinandersetzen würde, ist sie eher weniger bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im zweiten Teil ihres Buches fänden sich jedenfalls quer durch alle Parteien viele Zeitgenossen in ihren Standpunkten wieder, wenn sie es denn lesen würden. Fast gewinnt man den Eindruck, Frau Wagenknecht strebe eine allumfassende Koalitionsfähigkeit ihrer Partei an. Was sehr erstaunt, wenn man ihre politische Geschichte verfolgt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich werde aus ihr jedenfalls nicht schlau. Eigentlich hielt ich sie früher für ein großes Talent und dachte, ihre fundamentalistische Ader würde sich irgendwann einmal erledigen. Was ich aber wahrnehme, ist, dass ihre Standpunkte sich stark geändert haben, der schlagwortlastige Fundamentalismus aber, der ist geblieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schade. Ich hatte mir mehr von ihr erhofft.</p>



<div style="height:15px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<div style="height:9px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Sahra Wagenknecht, Die Selbstgerechten. Mein Gegenprogramm &#8211; für Gemeinsinn und Zusammenhalt. Campus Verlag, Frankfurt / Main 2021, 416 S., gebundene Ausgabe 24,95 €, Taschenbuch 15 € </p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div style="height:15px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading" style="font-size:22px">Der Rezensent</h2>



<div style="height:15px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Christian Rannenberg, geb. am 21. Juni 1956 in Solingen, lernte 1976 während seines Biologiestudiums in Osnabrück Todor „Toscho“ Todorovic kennen und gründete mit ihm die „Christian Rannenbergs Bluesband“, die sie bald in „Blues Company“ umbenannten. Rannenberg spielte auch mit der Bluesband „Das Dritte Ohr“, die u. a. den Chicago Blues-Gitarristen Eddie Clearwater begleitete zusammen.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">1982 siedelte er in die USA über und spielte mit dortigen Größen der Blues-Boogie-Szene zusammen. Zu hören ist er außer auf seinen eigenen Alben auch auf Tonträgern von Lousiana Red, Toscho, der „Blues Company“, der „First Class Blues Band“ sowie der „Matchbox Blues Band“. 2013 wurde Christian Rannenberg mit den angesehenen„Pinetop Boogie Woogie Award“ als Bluespianist ausgezeichnet. Der renommierte Musikautor und -historiker Jürgen Wölfer befand, er sei der „Nestor der deutschen Blues- und Boogie-Pianisten“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Deutschland Anfang der neunziger Jahre gründete Rannenberg in Osnabrück, in dessen Nähe er lebt, eine bis heute beliebte Jam-Reihe in der „Lagerhalle“.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="750" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/DSCF8144-750x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-6735" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/DSCF8144-750x1024.jpeg 750w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/DSCF8144-220x300.jpeg 220w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/DSCF8144-768x1048.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/DSCF8144-198x270.jpeg 198w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/DSCF8144.jpeg 938w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></figure>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Foto: JS</p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Christian Rannenberg nicht gerade auftritt oder dafür probt, sondern während der An- und Rückreisen in Zügen sitzt oder Zeit in Hotels verbringt, liest er aktuelle Zeitungen und Zeitschriften sowie politische Sachbücher, analysiert die Texte und bemüht sich, seine Erkenntnisse so gut wie möglich im täglichen Leben in seinem Umfeld umzusetzen.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://aussichten-online.de/ueber-buecher/sachbuch-empfehlungen/sahra-wagenknechts-buch-die-selbstgerechten/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8222;Journalismus-Glücksfall&#8220; schreibt über &#8222;Politik-Verhängnis“</title>
		<link>https://aussichten-online.de/ueber-buecher/sachbuch-empfehlungen/journalismus-gluecksfall-schreibt-ueber-politik-verhaengnis/</link>
					<comments>https://aussichten-online.de/ueber-buecher/sachbuch-empfehlungen/journalismus-gluecksfall-schreibt-ueber-politik-verhaengnis/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Apr 2023 05:20:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sachbücher]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://aussichten-online.de/?p=6714</guid>

					<description><![CDATA[Eine Buchvorstellung von Christian Rannenberg Robert Misik ist ein großer Glücksfall für den politischen Journalismus. Er hat die Gabe, komplizierte Zusammenhänge so darzustellen, dass sie leicht verständlich sind, ohne unzulässig zu vereinfachen. Ich erinnere mich an sein Buch „Marx für Eilige“, das vor etwa zwanzig Jahren herauskam. Wer dies liest versteht mehr von Karl Marx &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/ueber-buecher/sachbuch-empfehlungen/journalismus-gluecksfall-schreibt-ueber-politik-verhaengnis/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div style="height:15px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine Buchvorstellung von Christian Rannenberg</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="wp-block-paragraph">Robert Misik ist ein großer Glücksfall für den politischen Journalismus. Er hat die Gabe, komplizierte Zusammenhänge so darzustellen, dass sie leicht verständlich sind, ohne unzulässig zu vereinfachen. Ich erinnere mich an sein Buch „Marx für Eilige“, das vor etwa zwanzig Jahren herauskam. Wer dies liest versteht mehr von Karl Marx und seiner Welt als viele derer, die sich mühsam durch zahlreiche Seminare zu diesem Thema gekämpft haben. Eine solche Herangehensweise setzt große Belesenheit voraus und die Fähigkeit, das Wesentliche herauszuarbeiten, sich nicht im Klein-Klein zu verzetteln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun hat Misik das Buch „Putin Ein Verhängnis“ veröffentlicht. Er hätte es auch „Putin für Eilige“ nennen können. Grundlage dieses Buches ist intensives Quellenstudium, also eine vergleichbare Herangehensweise wie in seinem eingangs erwähnten Werk.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="630" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-25-um-06.17.32.jpeg" alt="" class="wp-image-6715" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-25-um-06.17.32.jpeg 630w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-25-um-06.17.32-185x300.jpeg 185w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-25-um-06.17.32-166x270.jpeg 166w" sizes="auto, (max-width: 630px) 100vw, 630px" /></figure>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Misik betreibt den Blog, „Putin verstehen“, und sein Buch ist in wesentlichen Teilen aus Einträgen in diesem Blog zusammengesetzt. Dadurch ergibt sich, dass sich jedes Kapitel als abgeschlossene Einheit lesen lässt, das Leseerlebnis wird leichter strukturierbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch bietet Misik in „Putin – Ein Verhängnis“ nicht etwa zusammenhanglose Informationshäppchen an, sondern er beleuchtet in jedem Kapitel einen Aspekt des Systems Putin unter unterschiedlichen Aspekten. Wladimir Putins persönlichen Werdegang, seine politische Rolle im Russland der „Nach-Wendezeit“, seine Verwurzelung in Peterburger Strukturen, seine Einbettung in Geheimdienst-Seilschaften, die den Untergang der UdSSR erstaunlich unbeschadet überdauert hatten und ihn wohl schon während der Jelzin-Ära auf Schlüsselpositionen in Moskau platziert hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das geschah von der Öffentlichkeit einigermaßen unbemerkt, denn eine von Putins hervorstechenden Eigenschaften ist, so paradox das auch klingen mag, seine Unauffälligkeit. &nbsp;Er hat, wie Misik anekdotisch schreibt, die Fähigkeit, in einer Menge von zwei Leuten unterzutauchen.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1022" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2022-08-22-um-12.47.14-1-1024x1022.jpeg" alt="" class="wp-image-6727" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2022-08-22-um-12.47.14-1-1024x1022.jpeg 1024w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2022-08-22-um-12.47.14-1-300x300.jpeg 300w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2022-08-22-um-12.47.14-1-150x150.jpeg 150w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2022-08-22-um-12.47.14-1-768x767.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2022-08-22-um-12.47.14-1-270x270.jpeg 270w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2022-08-22-um-12.47.14-1.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Der Wiener Journalist, Blogger und Buchautor Robert Misik. (Screenshot aus Videomitschnitt)</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Ein in meinen Augen sehr wichtiges Kapitel beleuchtet den ideologischen Rahmen, innerhalb dessen Putin sich bewegt und der seine Weltsicht prägt. Man findet dort radikale Konservative mit Schlagseite zum Faschismus, und, gewissermaßen als Urvater, den Erfinder der Ideologie des Eurasismus, Iwan Iljin. Ein Anhänger der „Weißen“, also der Zaristen, und Bewunderer Hitlers, Francos und Mussolinis. Unter Putin erlebten seine Ideen eine Renaissance. So bezieht der russische Präsident sich in Reden und Veröffentlichungen immer wieder auf ihn. Misik widmet ihm ein ganzes Kapitel.</p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade für Linke ist dieses Buch Pflichtlektüre, denn viel zu oft findet man unter ihnen Menschen, die alles Übel dieser Welt dem Einfluss der USA zuschreiben und Putin zum Antiimperialisten stilisieren. Diese dem Kalten Krieg geschuldete Sichtweise nutzt Putins Propaganda gewieft aus und stellt Russland letztlich als Opfer amerikanischer Aggression und den Ukrainekrieg als einen Akt der Verteidigung dar. Die klassische Täter-Opfer-Umkehr faschistischer Systeme. Aber um das zu durchschauen, benötigt man Informationen, die einem Großteil der deutschsprachigen Beobachter fehlen, aus welchen Gründen auch immer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Misik liefert nun nicht nur manche dieser fehlenden Informationen, sondern weist auch auf einige gewichtige Quellen hin, die allen zu empfehlen sind, die tiefer in die Materie eindringen wollen. Was absolut ratsam ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders hervorstechend ist hier Catherine Beltons „Putins Netz“. Belton hat als langjährige Moskau-Korrspondentin der <em>Financial Times</em> seit den 90-er Jahren zahlreiche Beziehungen zu Mitgliedern der russischen Nomenklatura, der „Jelzin-Oligarchen“, des organisierten Verbrechens, aber auch der Opposition aufgebaut, was ihr ermöglichte, das wohl bisher profundeste Werk über Putins System zu schreiben. Es ist relativ schwer lesbar, ähnlich wie ein Dostojewski-Roman, es wimmelt von Namen, die man erst einmal in ein Raster einordnen muss. Ich habe das Buch vor dem Misiks gelesen und war dankbar überrascht, wie Misik Beltons gewaltige Fülle an Informationen in seinem Werk in eine entschieden leichter verständliche Form gebracht hat und sie damit auch dem eiligen Leser in ihren Grundzügen erschlossen hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer nicht ganz so eilig ist, der kann „Putin &#8211; Ein Verhängnis“ als Anstoß zur Vertiefung betrachten. Robert Misik sei Dank dafür.</p>



<div style="height:8px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Robert Misik, <strong>Putin &#8211; Ein Verhängnis.</strong> Picus Verlag Wien, 2022. 176 Seiten, 20 Euro, E-Book 14,99 Euro</p>



<div style="height:7px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading" style="font-size:22px">Der Rezensent</h2>



<div style="height:15px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Christian Rannenberg, geb. am 21. Juni 1956 in Solingen, lernte 1976 während seines Biologiestudiums in Osnabrück Todor „Toscho“ Todorovic kennen und gründete mit ihm die „Christian Rannenbergs Bluesband“, die sie bald in „Blues Company“ umbenannten. Rannenberg spielte auch mit der Bluesband „Das Dritte Ohr“, die u. a. den Chicago Blues-Gitarristen Eddie Clearwater begleitete zusammen.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">1982 siedelte er in die USA über und spielte mit dortigen Größen der Blues-Boogie-Szene zusammen. Zu hören ist er außer auf seinen eigenen Alben auch auf Tonträgern von Lousiana Red, Toscho, der „Blues Company“, der „First Class Blues Band“ sowie der „Matchbox Blues Band“. 2013 wurde Christian Rannenberg mit den angesehenen„Pinetop Boogie Woogie Award“ als Bluespianist ausgezeichnet. Der renommierte Musikautor und -historiker Jürgen Wölfer befand, er sei der „Nestor der deutschen Blues- und Boogie-Pianisten“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Deutschland Anfang der neunziger Jahre gründete Rannenberg in Osnabrück, in dessen Nähe er lebt, eine bis heute beliebte Jam-Reihe in der  „Lagerhalle“.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="750" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/DSCF8144-750x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-6735" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/DSCF8144-750x1024.jpeg 750w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/DSCF8144-220x300.jpeg 220w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/DSCF8144-768x1048.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/DSCF8144-198x270.jpeg 198w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/DSCF8144.jpeg 938w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></figure>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Foto: JS</p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Christian Rannenberg nicht gerade auftritt oder dafür probt, sondern während der An- und Rückreisen in Zügen sitzt oder Zeit in Hotels verbringt, liest er aktuelle Zeitungen und Zeitschriften sowie politische Sachbücher, analysiert die Texte und bemüht sich, seine Erkenntnisse so gut wie möglich im täglichen Leben in seinem Umfeld umzusetzen.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://aussichten-online.de/ueber-buecher/sachbuch-empfehlungen/journalismus-gluecksfall-schreibt-ueber-politik-verhaengnis/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Mögest du von ermordeten Kindern träumen“</title>
		<link>https://aussichten-online.de/krieg-und-frieden/moegest-du-von-ermordeten-kindern-traeumen/</link>
					<comments>https://aussichten-online.de/krieg-und-frieden/moegest-du-von-ermordeten-kindern-traeumen/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Apr 2023 02:33:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Krieg und Frieden]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbücher]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://aussichten-online.de/?p=6646</guid>

					<description><![CDATA[Marina Owsjannikowa setzte mit ihrem mutigen Protest in russischer Nachrichtensendung ein starkes Zeichen gegen den Krieg Eine Rezension von Jürgen Streich „Russland ist zu einem Land geworden, in dem das absolut Böse vorherrscht.“ Geschrieben hat diese klare Aussage Marina Owsjannikowa, die kurz nach Kriegsbeginn in der Ukraine mit einer mutigen und spektakulären Aktion ein Zeichen &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/krieg-und-frieden/moegest-du-von-ermordeten-kindern-traeumen/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h3 class="wp-block-heading has-text-align-center">Marina Owsjannikowa setzte mit ihrem mutigen Protest in russischer Nachrichtensendung ein starkes Zeichen gegen den Krieg</h3>



<div style="height:15px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Eine Rezension von Jürgen Streich</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="wp-block-paragraph">„Russland ist zu einem Land geworden, in dem das absolut Böse vorherrscht.“ Geschrieben hat diese klare Aussage Marina Owsjannikowa, die kurz nach Kriegsbeginn in der Ukraine mit einer mutigen und spektakulären Aktion ein Zeichen gegen den verbrecherischen und blutigen Irrsinn der russischen Führung unter Wladimir Putin, seinen Schergen und Militärs gesetzt hatte: Die Journalistin war während der abendlichen Haupt-Nachrichtensendung des staatlichen Senders „Kanal 1“ in die Live-Übertragung geplatzt und hatte für ein paar Sekunden ein Plakat in die Kamera gehalten. Lange genug, um den Text, den Owsjannikowa kurz zuvor mit einem Filzstift darauf gekritzelt hatte, erfassen zu können. Das taten zur Prime Time Millionen russischer Zuschauerinnen und Zuschauer. Sie lasen die teils auf Russisch, teils auf Englisch verfassten Sätze:</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="659" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-16-um-19.09.20-659x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-6647" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-16-um-19.09.20-659x1024.jpeg 659w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-16-um-19.09.20-193x300.jpeg 193w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-16-um-19.09.20-768x1193.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-16-um-19.09.20-174x270.jpeg 174w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-16-um-19.09.20.jpeg 785w" sizes="auto, (max-width: 659px) 100vw, 659px" /></figure>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:28px"><strong>„Kein Krieg<br>Beenden Sie den Krieg<br>Glauben Sie der Propaganda nicht<br>Hier werden Sie belogen<br>Russen gegen Krieg“</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich wurde dieser überraschende Auftritt sogleich unterbunden und Marina Owsjannikowa hinter die Kulissen geführt. Dort schlug ihr keinesfalls, wie man denken könnte, Wut oder Entsetzen über die Tat mit der deutlichen Verurteilung des Senders entgegen. Allenfalls Verwunderung darüber, dass die Kollegin so klar und deutlich und ohne jede Rücksicht auf die wahrscheinlichen Konsequenzen Stellung bezogen hatte. Erst, als sie sich in den Fängen der Polizei, die auf dem „Kanal 1“-Gelände eine eigene Station betreibt, befand, sollte sich der Ton spürbar ändern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Russen gegen Krieg“ hatte Marina Owsjannikowa geschrieben. Doch stimmte das auch? War sie nicht in Wahrheit eine vereinzelte Aktivistin, die lediglich – wenn auch zu einem hohen Preis &#8211; ihr Gewissen beruhigen wollte? Während der Lektüre ihres sehr empfehlenswerten Buches „Zwischen Gut und Böse – Wie ich mich endlich der Kreml-Propaganda entgegenstellte“ bekommt man einen anderen Eindruck. Die Autorin beschreibt zahlreiche Russinnen und Russen, die den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine verurteilen. Allerdings trauen sich das angesichts drohender drakonischer Strafen immer weniger Menschen öffentlich. Doch Owsjannikowa beschreibt zahlreiche Personen, die ihr verdeckt geholfen haben oder ihr hinter vorgehaltener Hand zu verstehen gaben, dass sie auf ihrer Seite und gegen den mörderischen Krieg seien. In einem Fall traf das sogar auf einen Sicherheitsbeamten zu, der bei einer Durchsuchung von Owsjannikowas Wohnung anwesend war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch auf der anderen Seite gibt es unzählige Menschen, die der Kreml-Propaganda glauben. Noch ist diese Gruppe die größere. So schildert Marina Owsjannikowa, wie sie nach einigen Tagen, in denen sie sich versteckt hielt, zurück in den modernen Stadtteil Neu-Moskau kommt und sieht, dass ein Nachbar die rote Flagge der UdSSR gehisst hat. Doch auf dem Grundstück daneben weht unübersehbar eine Piratenflagge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter schreibt sie: „Meine Mutter (…) ist wie Millionen von Russen von der Kreml-Propaganda zombifiziert. Von morgens bis abends hört sie Wladimir Solowjow, Putins Chefpropagandisten, der ihr ständig neue Interpretationen vorsetzt und sie lehrt, Ukrainer und Amerikaner zu hassen. Er ist die wichtigste Autorität für sie. Ich bin ein Niemand, eine ‚fünfte Kolonne‘, die versucht, Russland zu zerstören.“ Obwohl Marina Owsjannikowa als Redakteurin miterlebt hat, wie Nachrichten durch Weglassen und das Umschreiben nach vom Kreml vorgegebenen Regeln bis zur Unkenntlichkeit oder gar der Verdrehung von Tatsachen in ihr Gegenteil verfälscht wurden, seien ihre „Versuche, einem geliebten Menschen die Wahrheit zu vermitteln, erfolglos“ geblieben. Die Journalistin: „Jedes Gespräch, das wir über Politik führen, endet unweigerlich in einem Streit.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Marina Owsjannikowa erklärt auch das Zustandekommen ihrer konsequenten Haltung. Nach traumatischen Kriegserlebnissen als Jugendliche in ihrer damaligen tschetschenischen Heimat, ihrer Flucht von dort und ihrem Ausbildungsweg sei eine Aussage eines im Ausland lebenden Kollegen, den sie sehr schätzte, für sie ausgesprochen wichtig gewesen, gar zu einem Motto geworden. Er habe argumentiert, dass es auch für das eigene Empfinden wichtig sei, in einer Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse auf der Seite des Lichts zu stehen. Andernfalls, wenn das aus Furcht niemand tue, werde die Welt zu einem sehr unwirtlichen Ort.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="527" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-19-um-04.09.19-1-1024x527.jpeg" alt="" class="wp-image-6663" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-19-um-04.09.19-1-1024x527.jpeg 1024w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-19-um-04.09.19-1-300x154.jpeg 300w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-19-um-04.09.19-1-768x395.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-19-um-04.09.19-1-524x270.jpeg 524w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-19-um-04.09.19-1.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Ein von russischem Militär zerbombtes Wohnhaus in der Ukraine. Foto: pixabay</p>



<div style="height:36px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="603" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-19-um-05.01.11-1-1024x603.jpeg" alt="" class="wp-image-6670" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-19-um-05.01.11-1-1024x603.jpeg 1024w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-19-um-05.01.11-1-300x177.jpeg 300w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-19-um-05.01.11-1-768x452.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-19-um-05.01.11-1-458x270.jpeg 458w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-19-um-05.01.11-1.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Ein schwer verletztes Kind wird in einer ukrainischen Klinik von einer Angehörigen betreut. Foto: UNICEF</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Der letzte Auslöser, etwas gegen den Krieg zu tun, seien Bilder, auf denen zu sehen war, wie ukrainische Zivilisten bei russischen Angriffen getötet wurden, gewesen. Zu einem Ermittler sagte sie: „Für den Rest meines Lebens werde ich mich an ein Interview mit Sergej erinnern, das ich in den ersten Tagen des Krieges zufällig auf CNN gesehen habe. Er erzählte dem Moderator, dass er in Irpin seine gesamte Familie verloren hat, seine Frau und zwei Kinder. Der CNN-Moderator weinte im Bild, ich schuchzte hinter den Kulissen. Sein Sohn und seine Tochter waren im gleichen Alter wie meine… Haben Sie Familie? Können Sie sich vorstellen, in Sergejs Schuhen zu stecken…?“ Später schrieb Owsjannikowa auf Zettel, die sie teils in ihren Schuhen versteckte, den Satz „Mögest du nachts von ermordeten Kindern träumen“ und hinterließ die Blätter unauffällig für die Sicherheitsbeamten, die sie unweigerlich finden mussten.</p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem Marina Owsjannikowa nach einer ersten, noch milden Strafe, der aber klar absehbar eine viel härtere folgen würde, in ihr Haus zurückgekehrt war, erhielt sie den Auftrag, für N-TV, den Fernsehkanal der „Welt“ aus dem Berliner Springer-Verlag, einen Film in der Ukraine zu drehen. Eindrucksvoll schildert die Journalistin ihr ständiges Verstecken vor russischen Geheimdienstlern, während ein Security-Mann der „Welt“ ihr kaum von der Seite wich, in Moldawien, von wo sie unter schwierigen Umständen in die Ukraine einreiste. Doch dort hatte sich die Stimmung gegen sie gedreht. Immer mehr Menschen glaubten der Propaganda, dass sie in Wahrheit eine russische Agentin sei, die mit ihrem Handeln den Behörden Argumente lieferte, immer härter gegen die eigene Bevölkerung durchzugreifen. So war es ihr kaum möglich, in der Ukraine an brauchbare Informationen und aussagekräftige Bilder zu gelangen. Dennoch reiste sie auf kompliziertem Weg mit dem Material nach Berlin. Dort wurde ihr von der Springer-Leitung bald mitgeteilt, dass man die Zusammenarbeit mit ihr beenden wolle. Nicht etwa wegen des dürftigen Materials, sondern vielmehr aufgrund der gewandelten öffentlichen Meinung über sie. Sie muss sich wie eine heiße Kartoffel, die man fallen lässt, gefühlt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen hatte Marina Owsjannikowa erfahren, dass ihr Ex-Mann, der in einer gehobenen Position bei dem Propagandasender „RT“ arbeitete, das Sorgerecht für die beiden gemeinsamen Kinder anstrebte und diese bereits bei ihm lebten. Zwar hielt sie ihm zugute, dass auch er wohl unter starkem Druck von oben stand, was nichts daran änderte, dass er zu keinerlei Gesprächen mit ihr bereit war und die in keiner Weise unabhängige russische Justiz ihm in die Hände spielte. Owsjannikowa beschloss, in die Höhle des Löwen nach Moskau zurückzureisen, um dort ihre Angelegenheiten zu klären.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der 18-jährige Sohn stand inzwischen weitgehend auf eigenen Beinen und hatte sich aufgrund ihres Protestes von ihr distanziert. Doch der elfjährigen Tochter gelang es, aus der Wohnung ihres Vaters zu fliehen und zu ihrer Mutter zurückzukehren. Aufgrund der Umstände und des längst anberaumten Prozesses gegen sie war nun klar, dass beide fliehen müssten, wenn sie nicht für viele Jahre in Lagerhaft verschwinden und zulassen wollte, dass ihre Tochter beim regimetreuen Vater oder gar in einem Heim landen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es folgte eine von ihrem Rechtsanwalt und der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ organisierte abenteuerliche Flucht mit wechselnden Fahrzeugen und langen nächtlichen Fußwegen über matschige Felder, bis sie endlich mit ihrer tapferen Tochter über die russisch-finnische Grenze in den Westen geschleust wurde.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Sie sei sich nicht sicher, wie es mit Russland und dem Kriegsgeschehen weitergehe, schreibt Marina Owsjannikowa gegen Ende des gut 200-seitigen Buches. Ebenso wenig wisse sie, ob sie jemals in ihr so mühsam aufgebautes Zuhause in Moskau zurückkehren könne. Sie sei sich aber „absolut sicher“, dass sie „niemand jemals wieder zwingen wird, zu lügen und die zahlreichen Verbrechen des Putin-Regimes zu rechtfertigen.“</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="427" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/IMG_3369-1024x427.jpeg" alt="" class="wp-image-6656" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/IMG_3369-1024x427.jpeg 1024w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/IMG_3369-300x125.jpeg 300w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/IMG_3369-768x320.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/IMG_3369-604x252.jpeg 604w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/IMG_3369.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Marina Owsjannikowa wird vor einem Gerichtstermin in Moskau von Sicherheitskräften bewacht. Bild: Umschlagfoto Langen Müller</p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Schon weiter vorne im Buch hatte sie prophezeit: „So wie einst das Wort ‚Deutschland‘ nicht mehr mit Goethe, Bach oder den großen deutschen Gelehrten in Verbindung gebracht wurde, sondern mit einem Wahnsinnigen namens Hitler, den Nazis und dem Holocaust, so steht heute hinter allem, was das Adjektiv ‚russisch‘ trägt, nur Tod, Zerstörung, Aggression und Lügen. Und das auf lange Sicht!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach gelungener Flucht beendet Marina Owsjannikowa ihre Geschichte so: „Zum Glück ist meine Tochter bei mir. Und es gibt mir Kraft, dass viele Menschen uns in dieser schwierigen Zeit geholfen haben.&nbsp; (…) Sie sind meine Zuversicht, dass das Böse nicht gewinnen kann, dass die Macht auf der Seite des Lichts steht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Lektüre von „Zwischen Gut und Böse – Wie ich mich endlich der Kreml-Propaganda entgegenstellte“ ist ein Muss für alle, die den Einfluss der Staatspropaganda, die aktuelle Entwicklung Russlands und die Zerrissenheit seiner Bevölkerung verstehen wollen. Sehr gut lesbar geschrieben – von einer kompetenten Journalisten-Kollegin mit Mut und Haltung eben.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph">Marina Owsjannikowa, Zwischen Gut und Böse – Wie ich mich endlich der Kreml-Propaganda entgegenstellte. Langen Müller, München 2023, € 17,99</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://aussichten-online.de/krieg-und-frieden/moegest-du-von-ermordeten-kindern-traeumen/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8222;Der stumme Frühling&#8220; &#8211; Ein Ökoklassiker wurde 60</title>
		<link>https://aussichten-online.de/ueber-buecher/sachbuch-empfehlungen/der-stumme-fruehling-ein-oekoklassiker-ist-nun-60/</link>
					<comments>https://aussichten-online.de/ueber-buecher/sachbuch-empfehlungen/der-stumme-fruehling-ein-oekoklassiker-ist-nun-60/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Oct 2022 21:09:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sachbücher]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt und Natur]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://aussichten-online.de/?p=2269</guid>

					<description><![CDATA[Vorbemerkung vom 18. August 2022: Die nachfolgende Rezension habe ich vor 30 Jahren aus Anlass des Erscheinens von „Der stumme Frühling“ vor damals 30 Jahren in der Hörfunksendung „Sachbuchecke“ des WDR-Hörfunks veröffentlicht. Ich musste an der Besprechung jetzt außer einer Ergänzung nichts verändern, denn manche Dinge haben sich in der Zwischenzeit zwar verbessert, andere sich &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/ueber-buecher/sachbuch-empfehlungen/der-stumme-fruehling-ein-oekoklassiker-ist-nun-60/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-large-font-size wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Vorbemerkung vom 18. August 2022: Die nachfolgende Rezension habe ich vor 30 Jahren aus Anlass des Erscheinens von „Der stumme Frühling“ vor damals 30 Jahren in der Hörfunksendung „Sachbuchecke“ des WDR-Hörfunks veröffentlicht. Ich musste an der Besprechung jetzt außer einer Ergänzung nichts verändern, denn manche Dinge haben sich in der Zwischenzeit zwar verbessert, andere sich aber auch verschlechtert. Stichworte sind Agrarchemikalien, insbesondere Glyphosat, das laut Weltgesundheitsorganisation als krebserregend gilt und Nahrungsquellen von Insekten zerstört. Oder die Plastiverseuchung der Meere, Regenwaldrodungen in großem Stil, Zubetonierung der Landschaft, klimarelevante Abgase etc. pp. „Der stumme Frühling“, von der Biologin und Schriftstellerin Rachel Carson (1907 – 1964), die sich zuvor schon weltweite Anerkennung mit den Büchern &#8222;Geheimnis des Meeres&#8220; und &#8222;Am Saum der Gezeiten&#8220; verschafft hatte, exzellent geschrieben, gilt als das erste Umweltbuch überhaupt und als &#8222;Ouvertüre der amerikanischen Umweltbewegung&#8220;. Es ist auch nach 60 Jahren, die es nun auf dem Markt und immer noch lieferbar ist, zu einem nach wie vor lesenswerten Ökoklassiker geworden. Lesen Sie selbst:</em></p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>Die unheimliche Stille nach dem Ökozid</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Sendung in WDR 1 vom 14. Februar 1992: </p>



<p class="wp-block-paragraph">Es herrschte eine ungewöhnliche Stille. Die wenigen Vögel waren dem Tode nah: sie zitterten heftig und konnten nicht mehr fliegen. Auf den Farmen brüteten Hennen, aber keine Küken schlüpften aus. Die Apfelbäume entfalteten ihre Blüten, aber keine Bienen summten zwischen ihnen umher. Die Landstraßen waren von braun und welk gewordenen Pflanzen eingesäumt, als wäre ein Feuer über sie hinweg gegangen. Selbst in den Flüssen regte sich kein Leben mehr.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="665" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/Der_stumme_Frühling-665x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-2270" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/Der_stumme_Frühling-665x1024.jpeg 665w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/Der_stumme_Frühling-195x300.jpeg 195w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/Der_stumme_Frühling-768x1183.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/Der_stumme_Frühling-175x270.jpeg 175w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/Der_stumme_Frühling.jpeg 831w" sizes="auto, (max-width: 665px) 100vw, 665px" /></figure>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Unwillkürlich werden die Leserin oder der Leser dieser Zeilen an die Gegenden um Seveso, Bhopal oder Tschernobyl erinnert. Doch die Beschreibung ist rein fiktiv. Vor genau 30 Jahren (jetzt natürlich 60, <em>Anm. JS.</em>) ist sie als Einleitung des Buches „Der stumme Frühling“ erschienen. Der Klassiker der 1964 verstorbenen amerikanischen Biologin Rachel Carson ist oft als erstes Umweltbuch schlechthin bezeichnet worden. Tatsache jedenfalls ist, dass er bis heute nichts von seiner Stichhaltigkeit eingebüßt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Kein böser Zauber“, kein feindlicher Überfall hatte in dieser verwüsteten Welt die Wiedergeburt neuen Lebens im Keim erstickt. Das hatten die Menschen selbst getan“, erklärte die Autorin ihr Szenario und gab zu bedenken: Jede einzelne der von ihr beschriebenen Ökokatastrophen ist schon irgendwo einmal geschehen. Zur Erinnerung: „Der stumme Frühling“, dessen Text vorab als Serie in der renommierten Zeitschrift &#8222;The New Yorker&#8220; erschienen war, ist 1962 – vor 30 Jahren – als Buch erschienen, ein Jahr später in Deutschland. Die Ausgabe des Münchener C. H. Beck Verlages hat es bisher auf eine Auflage von 122.000 Exemplaren gebracht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">(Musikunterbrechung)</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<p class="wp-block-paragraph">Auch die Erkenntnis, dass in der Absicht, den Menschen zu nutzen, Chemikalien wie DDT und E 605 über die Nahrungskette letzten Endes deren eigene Körper erreichen und schädigen, geht auf Rachel Carson zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">(Musikunterbrechung)</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/Bildschirmfoto-2022-08-18-um-23.19.27-1024x518.jpeg" alt="" class="wp-image-2276" width="536" height="271" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/Bildschirmfoto-2022-08-18-um-23.19.27-1024x518.jpeg 1024w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/Bildschirmfoto-2022-08-18-um-23.19.27-300x152.jpeg 300w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/Bildschirmfoto-2022-08-18-um-23.19.27-768x389.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/Bildschirmfoto-2022-08-18-um-23.19.27-533x270.jpeg 533w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/Bildschirmfoto-2022-08-18-um-23.19.27.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 536px) 100vw, 536px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Biologin und Schriftstellerin Rachel Carson</figcaption></figure>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Knapp 20 Jahre, bevor in den westlichen Demokratien grüne Parteien gegründet wurden, sah die Biologin den „unheimlichsten aller Angriffe des Menschen auf die Umwelt“ in der „Verunreinigung von Luft, Erde, Flüssen und Meer mit gefährlichen, ja tödlichen Stoffen“ und war schon damals der Ansicht, dass sich „dieser Schaden größtenteils nicht wiedergutmachen“ ließe. – Schwarzmalerei einer Einzelkämpferin? Im Gegenteil: Anegsichts der beängstigenden Ergebnisse der NASA-Untersuchung über die Ozonschicht fast prophetische Voraussicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr der Kuba-Krise, als die Supermächte durchschnittlich jede Woche eine Atomwaffe in der Atmosphäre zündeten, wies Rachel Carson darauf hin, dass das dabei entstehende künstliche Element Srontium 90 in die Körper der Menschen gelange, um in den Knochen bis an deren Lebensende zu strahlen. Heute ist Strontium 90 selbst im Eis der Antarktis nachweisbar. Die Chemikalien, mit denen die Menschen ihre Umwelt darüber hinaus verseuchen, seinen „unheimliche und kaum erkannte Helfershelfer der Strahlung.“ Wie wahr: Die Abwehrkräfte der Kinder von Harrisburg und Tschernobyl gegen Umwelteinflüsse sind ausgesprochen schwach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Erkenntnis, dass in der Absicht, den Menschen zu nutzen, Chemikalien wie DDT und E 605 über die Nahrungskette letzten Endes deren eigene Körper erreichen und schädigen, geht auf Rachel Carson zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">(Musikunterbrechung)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lohnt es sich für am Umweltschutz interessierte Menschen, Rachel Carsons „Der stumme Frühling“ zu lesen? So richtig die Mahnungen der Amerikanerin auch gewesen sein mögen, ist es nicht sinnvoller, sich mit aktuellen Fakten und Entwicklungen zu beschäftigen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Der stumme Frühling“ bleibt aus zwei Gründen ein ganz heißer Lesetipp: Erstens ist es der Autorin gelungen, ihre Warnungen anhand von Beispielen derart anschaulich zu begründen und das Ganze nur dort mit Zahlen zu belegen, wo es unumgänglich war, dass ihr Buch auch für Leser verständlich und interessant ist, die in Ökofragen keine Vorkenntnisse besitzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und zweitens macht gerade die Tatsache, dass es zu einem Zeipunkt erschienen ist, als Umweltschützer noch als vereinzelte Spinner abgetan wurden, sein Inhalt aber bis heute unwiderlegt ist, den „stummen Frühling“ zur wertvollen Argumentation für entschlossenere Umweltschutzmaßnahmen. Es ist der gedruckte Beweis dafür, dass kein Verantwortlicher sich damit herausreden können wird, er habe es nicht wissen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei alledem ist „Der stumme Frühling“ keine frustrierende Lektüre. Vielmehr ist er ein Plädoyer für einen anderen Umgang mit der belebten Natur. „Wir sollten uns nicht länger von Leuten beraten lassen, die uns weismachen wollen, dass wir unsere Welt mit giftigen Chemikalien durchsezen müssen. Wir sollten vielmehr Umschau halten und sehen, welcher Weg uns sonst noch offensteht“, mahnt Rachel Carson. So ist ihr Buch auch eine Argumentation für biologisch-dynamischen Landbau, die sie vorlegte, als es den Begriff noch gar nicht gab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Werbung wird mit dem Begriff „Penetration“ das Prinzip bezeichnet, dass dauernd wiederholte Produkt- und Personennamen, aber auch Zusammenhänge sich ins Bewusstsein der Menschen einprägen. Das sich ein Umweltbewusstsein seit Anfang der sechziger Jahre ausgebreitet hat, ist nicht zu leugnen. Bücher wie „Der stumme Frühling“ wurden und werden also nicht umsonst geschrieben. Wenngleich das Wissen um ökologische Zusammenhänge immer noch viel zu wenig in konkretes Handeln umgesetzt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">(Musikunterbrechung)</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der „Sachbuchecke“ stellten wir vor: „Der stumme Frühling“ von Rachel Carson. Der 350 Seiten starke Band ist im Münchener C. H. Beck Verlag erschienen und kostet 19,80 DM (Paperback-Ausgabe inzwischen 16,95 €)</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://aussichten-online.de/ueber-buecher/sachbuch-empfehlungen/der-stumme-fruehling-ein-oekoklassiker-ist-nun-60/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ein Plädoyer für gemeinnütziges Engagement</title>
		<link>https://aussichten-online.de/ueber-buecher/sachbuch-empfehlungen/ein-plaedoyer-fuer-gemeinnuetziges-engagement/</link>
					<comments>https://aussichten-online.de/ueber-buecher/sachbuch-empfehlungen/ein-plaedoyer-fuer-gemeinnuetziges-engagement/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 Sep 2022 15:02:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sachbücher]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://aussichten-online.de/?p=2868</guid>

					<description><![CDATA[Maria Sarafidou empfiehlt das Buch &#8222;Tu es! &#8211; Die Welt braucht dich&#8220; aus der Feder von Gerhard Scheucher Der Wiener Autor Gerhard Scheucher plädiert in seinem Buch &#8222;Tu es! &#160;&#8211; Die Welt braucht dich&#8220; für mehr Zivilcourage und soziales Engagement. Anhand von zahlreichen Beispielen beleuchtet er unsere Gesellschaft und stellt dabei fest, dass diese ohne &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/ueber-buecher/sachbuch-empfehlungen/ein-plaedoyer-fuer-gemeinnuetziges-engagement/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Maria Sarafidou empfiehlt das Buch &#8222;Tu es! &#8211; Die Welt braucht dich&#8220; aus der Feder von Gerhard Scheucher</strong></p>



<div style="height:15px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Der Wiener Autor Gerhard Scheucher plädiert in seinem Buch &#8222;Tu es! &nbsp;&#8211; Die Welt braucht dich&#8220; für mehr Zivilcourage und soziales Engagement. Anhand von zahlreichen Beispielen beleuchtet er unsere Gesellschaft und stellt dabei fest, dass diese ohne konstruktive Beiträge zahlreicher Menschen nicht überlebensfähig ist. Scheucher ruft in seinem Buch dazu auf, nicht wegzuschauen und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Er nennt eine Reihe von Beispielen aus seinem eigenen Leben, die dem Buch spürbare Lebensnähe geben.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/09/IMG_0203-1-867x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-2869" width="402" height="474" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/09/IMG_0203-1-867x1024.jpeg 867w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/09/IMG_0203-1-254x300.jpeg 254w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/09/IMG_0203-1-768x907.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/09/IMG_0203-1-229x270.jpeg 229w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/09/IMG_0203-1.jpeg 1084w" sizes="auto, (max-width: 402px) 100vw, 402px" /><figcaption class="wp-element-caption">Maria Sarafidou. Foto: JS</figcaption></figure>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir können etwas tun gegen all die kleinen und großen Ungerechtigkeiten unseres Alltags“, betont Scheucher. Es reiche nicht, sich über diese aufzuregen. Er empfiehlt: „Wandeln wir diese Wut doch in positive Energie um und werden wir aktiv. Ändern wir selbst, was wir als ungerecht empfinden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Autor unterstreicht, dass eine positive Zukunftsgestaltung davon abhänge, dass Menschen sich engagieren. Dazu bedürfe es eines Prozesses der Kreativität und gesellschaftlicher Erneuerung, der „Respekt, Tradition und die gesellschaftlichen Werte unserer Eltern- und Großelterngeneration nicht ausschließt.“ Die aktuellen Ereignisse, wo auch immer auf der Welt sie stattfinden, führen einem die Bedeutung dieser Aussage deutlich vor Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Buch ist in der Zeit kurz nach dem blutigen Terroranschlag auf die Redaktion der französischen Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ entstanden. Vor diesem Hintergrund fordert der Autor dazu auf, sich mit gegen den Strich gebürsteter Kunst auseinanderzusetzen. Sie könne „gesellschaftliche Problemfelder aufzeigen und bewusst machen“ sowie „Ideen formulieren, die Ausgangspunkte für eine fruchtbare Begegnung mit Neuem sein können.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Tu es! &#8211; Die Welt braucht dich“ ist faktenreich und liest sich inspirierend, informativ und spannend. Der Band hat auch hohen Gebrauchswert, denn er beinhaltet ein umfangreiches Verzeichnis von Organisationen und Initiativen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, um die es im Buch geht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir machte das Buch Lust darauf, die Ärmel hochzukrempeln und mit anzupacken! Es hat mich inspiriert, mich in der Kommunalpolitik zu engagieren. Kürzlich wurde ich in den Rat meiner Heimatstadt Frechen gewählt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Welt ist im Wandel. Gemeinsame Herausforderungen können wir auch nur gemeinsam meistern. Deshalb empfehle ich: „Tu es! Die Welt braucht dich.“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Tu es! – Die Welt braucht dich“</strong> von Gerhard Scheucher, Wieser, Wien, 2016, 218 Seiten, 19,80 Euro</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Als Leseprobe aus &#8222;Tu&#8216; es!&#8220; hat Maria Sarafidou die folgende Passage ausgesucht:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das Tellerrand-Prinzip</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Immer wieder fühlen sich Menschen ohnmächtig, also ohne Macht, gesellschaftliche Fehlentwicklungen zu stoppen. Das Gefühl von Ohnmacht gegenüber Übermächtigen und Großen blockiert. Viele kleine Schritte, viele kleine Initiativen nebeneinander können aber auch großes, ja ein großes Ganzes bewirken. Jeder und jede kann im persönlichen Umfeld andere Menschen überzeugen, und das zieht wieder weite Kreise. Änderung kann auch von unten erfolgen und muss nicht von „denen da oben“ vorgegeben werden. Es ist nicht zwangsläufig ein großer Werbe-Etat oder eine Plakatkampagne erforderlich. Immer wieder gibt es Beispiele auf YouTube, wo unterhaltsame Kampagnen mit Hausverstand und Ironie Millionen von Menschen erreichen. Gleiches gilt auch für viele Gruppen auf sozialen Plattformen, allen voran Facebook. Auch dort finden sich immer wieder Themen, die binnen Tagen Tausende von Menschen begeistern. Auch wenn das persönliche Gespräch ein wenig aus der Mode gekommen scheint, bin ich davon überzeugt, dass sich damit viele Menschen begeistern und zu Verbündeten machen lassen. Heute sind Kommunikation und Erreichbarkeit von Menschen häufig von finanziellen Mitteln entkoppelt. Trotz nachgesagter Abgestumpftheit scheinen viele ein sehr gutes Sensorium für Themen zu haben, für die es sich lohnt, gesellschaftlich aktiv zu werden. Die Möglichkeiten zur Verbreitung und zur Multiplikation dieser Anliegen sind in unseren Tagen so groß wie noch nie. Dennoch gilt, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Vielzahl von Informationskanälen eine besondere Herausforderung an uns alle stellen. Und bitte denken Sie daran: selbst wenn Sie berechtigte Kritik an einem Missstand üben, sollten Sie mit Ihren Worten in keiner Weise Menschen persönlich verletzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lassen Sie sich ob der Tragweite mancher Probleme, die uns umgeben, nicht entmutigen. Ziehen Sie sich nicht resignierend zurück. Ich lade Sie ein, aktiv zu werden! Nicht nur für das eigene Ich tätig zu werden, sondern auch über den Tellerrand hinauszublicken. Es kann eine wertvolle und interessante Erfahrung sein, einmal Neues und Ungewohntes an sich heranzulassen, den eigenen Horizont zu erweitern und auch die Konsequenzen des eigenen Tuns zu tragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie können Sie nun – gemäß Erich Kästners Empfehlung „Es gibt nichts Gutes außer man tut es“ – das Gute in die Welt bringen? Eine übersichtliche Orientierungshilfe stellen die sechs Leitsätze des Tellerrand-Prinzips dar: blicken Sie über <em>Ihren </em>Tellerrand, überwinden Sie den inneren Schweinehund und werden Sie bei nächster Gelegenheit für die Gesellschaft aktiv!</p>



<ol class="wp-block-list" type="1">
<li><em>Schauen Sie nicht weg</em></li>
</ol>



<p class="wp-block-paragraph">Warten Sie nicht darauf, dass andere stellvertretend für Sie jene Aufgaben lösen, die Sie selbst in die Hand nehmen und bewältigen können. Bleiben Sie achtsam und schauen Sie nicht weg!</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><em>Leisten Sie Widerstand</em></li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Treten Sie jeder Art von Verletzung der Menschenwürde, wo immer sie auch passiert, entschieden entgegen. Leisten Sie Widerstand gegen Ungerechtigkeiten und weisen Sie jene, die Ungerechtigkeiten begehen, in die Grenzen!</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><em>Übernehmen Sie Verantwortung</em></li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Engagieren Sie sich für Ihre Ziele, indem Sie Position beziehen und Haltung zeigen. Nehmen Sie für Ihre Verantwortung Konsequenzen in Kauf!</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><em>Machen Sie anderen Mut</em></li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Suchen Sie Verbündete und machen Sie anderen Mut. Zeigen Sie auf, dass es sich lohnt, für ein Anliegen einzutreten und für eine Sache zu kämpfen.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><em>Seien Sie ein Vorbild</em></li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Definieren Sie für sich die gesellschaftlichen Maximen oder Werte, für die Sie sich engagieren. Handeln Sie, setzen Sie diese Werte in Realität um und werden Sie zum Vorbild für andere.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><em>Bleiben Sie sich selbst treu</em></li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Reflektieren Sie permanent Ihr Handeln im Austausch mit anderen. Verlassen Sie Ihren zielstrebigen Weg nicht und bleiben Sie Ihren Visionen und Wertvorstellungen treu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Leitsätze sind leicht zu verinnerlichen und bilden sechs praxisorientierte Wegweiser durch ein Leben, das nicht nur das eigene Ich in den Mittelpunkt stellt, sondern Perspektiven hin zum gesellschaftlichen Ganzen erweitert. Es ist immer leichter, Gründe dafür zu finden, etwas nicht zu tun, als konkrete Handlungen zu setzen. Es wird Ihre innere Zufriedenheit mit Sicherheit steigern, wenn Sie nicht über die unzähligen Vorhaben sinnieren, die Sie nie umgesetzt haben. Hand aufs Herz: Wie oft hören Sie sich selbst in einem inneren Dialog über Visionen oder Träume philosophieren, die Sie niemals in Angriff genommen haben? Dieses Buch will Ihnen hinlänglich Anhaltspunkte liefern, Ihr Leben nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere zu leben.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Über die Rezensentin:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Maria Sarafidou ist 1970 in Köln geboren. Sie hat griechische Wurzeln und ist Rheinländerin aus Überzeugung. Nach einer Ausbildung zur Kauffrau erwarb sie ein Diplom in Wirtschaftsenglisch und lebte dazu 1999 drei Monate im irischen Dublin. Sie ist seit 2015 eines der „dienstältesten“ Mitglieder der <a href="https://frechener-schreibstoff.jimdofree.com/">Schreibwerkstatt &#8222;Frechener Schreibstoff&#8220;</a>, im September 2020 in den Frechener Stadtrat gewählt worden und Vorsitzende des kommunalen Integrationsrates.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://aussichten-online.de/ueber-buecher/sachbuch-empfehlungen/ein-plaedoyer-fuer-gemeinnuetziges-engagement/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Dreischichtenmodell als Weg zur Vollbeschäftigung?</title>
		<link>https://aussichten-online.de/ueber-buecher/sachbuch-empfehlungen/dreischichtenmodell-als-weg-zur-vollbeschaeftigung/</link>
					<comments>https://aussichten-online.de/ueber-buecher/sachbuch-empfehlungen/dreischichtenmodell-als-weg-zur-vollbeschaeftigung/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Sep 2022 03:01:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sachbücher]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://aussichten-online.de/?p=3687</guid>

					<description><![CDATA[Große Aufmerksamkeit für den Bericht an den Club of Rome über die Zukunft der Arbeit Diese Buchvorstellung habe ich 1998 für die von der International Partnership Initiative herausgegebene Zeitschrift „I.P.I.-News“ verfasst. Die Vorschläge des Autorenduos Orio Giarini und Patrick M. Liedtke wirken auch fast ein Vierteljahrhundert später noch bemerkenswert aktuell. Sowohl von der Hardcover- als &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/ueber-buecher/sachbuch-empfehlungen/dreischichtenmodell-als-weg-zur-vollbeschaeftigung/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Große Aufmerksamkeit für den Bericht an den Club of Rome über die Zukunft der Arbeit</h2>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Diese Buchvorstellung habe ich 1998 für die von der International Partnership Initiative herausgegebene Zeitschrift „I.P.I.-News“ verfasst. Die Vorschläge des Autorenduos Orio Giarini und Patrick M. Liedtke wirken auch fast ein Vierteljahrhundert später noch bemerkenswert aktuell. Sowohl von der Hardcover- als auch von der Taschenbuchausgabe sind antiquarische Exemplare erhältlich.</em></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Jürgen Streich</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Nichts ist kraftvoller als eine Idee, deren Zeit gekommen ist&#8220; &#8211; eine Erkenntnis des französischen Dichters Victor Hugo, die sich all jene, die bei der Gestaltung der Gegenwart und der Zukunft mitwirken, zu Gemüte führen sollten. Denn zur Lösung der drängendsten Probleme braucht die Menschheit neue Ideen. Und Visionen sind das beste Mittel, um junge Menschen dafür zu gewinnen, Verantwortung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu übernehmen.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Bildschirmfoto-2022-10-16-um-03.36.14.jpeg" alt="" class="wp-image-3688" width="188" height="281" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Bildschirmfoto-2022-10-16-um-03.36.14.jpeg 336w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Bildschirmfoto-2022-10-16-um-03.36.14-201x300.jpeg 201w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/10/Bildschirmfoto-2022-10-16-um-03.36.14-181x270.jpeg 181w" sizes="auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px" /></figure>
</div>
</div>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Eine der Hauptsorgen weltweit ist das anhaltende Beschäftigungsdilemma. Mit ihm setzen sich die Wirtschaftswissenschaftler Orio Giarini aus der Schweiz und Patrick M. Liedtke aus Deutschland im neuen Bericht an den Club of Rome auseinander. Gerade einmal vierzehn Tage war die deutsche Ausgabe unter dem Titel &#8222;Wie wir arbeiten werden&#8220; (Hoffmann und Campe Verlag, DM 39,80) auf dem Markt, da war die 10.000 Exemplare umfassende Erstauflage auch schon verkauft, wussten die Autoren kaum noch, den vielen Wünschen nach Vorträgen und Interviews nachzukommen. Diese große Aufmerksamkeit dürfte im Mut zur Innovation begründet sein, den Giarini und Liedtke beweisen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>&#8222;Wir sind, was wir tun&#8220;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich stellen sie Vollbeschäftigung als ein Ziel dar, das durchaus zu erreichen ist. Voraussetzungen dafür sind ihrer Ansicht nach allerdings einschneidende Veränderungen bei der Bewertung von Arbeit und der Verteilung von Einkommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Autoren präsentieren ein Modell, das auf zwei Grundannahmen basiert: Erstens der, dass &#8222;wird sind, was wir tun&#8220;, wir unsere eigene und die gesellschaftliche Stellung anderer also viel mehr durch das, was wir leisten, als das, was wir konsumieren, definieren. Die soziale Aufgabe der Gemeinwesen besteht demnach nicht lediglich darin, den Menschen das Existenzminimum zu sichern (etwa durch die Zahlung von Sozialhilfe), sondern vielmehr darin, ihnen Beschäftigung zu geben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die zweite Grundannahme Giarinis und Liedtkes: Sämtliche in einem Gemeinwesen verrichteten Arbeiten &#8211; und zwar auch bisher nicht bezahlte und/oder volkswirtschaftlich nicht bewertete Tätigkeiten machen in ihrer Gesamtheit den Arbeitsmarkt aus. Bei dessen Neuorganisation müssen Tätigkeiten wie Haushaltsführung, Kindererziehung, Zivildienst etc. anders als bisher einbezogen werden. (Für Deutschland berechnete das Bundesfamilienministerium 1994 gemeinsam mit dem Statistischen Bundesamt, dass das Brutto-Inlandsprodukt um ein Drittel höher ausfiele, wenn die unbezahlte Arbeit in Familie, Haushalt und / oder Ehrenamt lediglich mit dem Netto-Stundensatz einer Hauswirtschafterin bewertet würde.)</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Das Dreischichtenmodell</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das von Giarini und Liedtke vorgeschlagene Dreischichtenmodell besagt, dass sämtliche Ressourcen, die derzeit für Arbeitslosenunterstützung, Lohnsubventionierung und Sozialhilfe nötig sind, zur Finanzierung der ersten Schicht aufgewendet werden. Diese soll jedem Menschem vom 18. Lebensjahr an eine Beschäftigung von 20 Wochenstunden garantieren, sodass mit dem Einkommen die grundlegenden Bedürfnisse wie Nahrung, Kleidung, Wohnung und medizinische Versorgung befriedigt werden können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die zweite Schicht basiert nach wie vor auf einem freien Arbeitsmarkt. Hier können die Menschen ihre Arbeitskraft und Fähigkeiten über die erste Schicht hinaus teils als freie Unternehmer, teils als Angestellte bei anderen Selbständigen einbringen. Bei manchen werden diese Tätigkeiten ein solches Ausmaß haben, dass für sie die erste Schicht entfällt. Diese zweite Schicht, betonen Giarini und Liedtke, sollte von staatlichen Eingriffen weitestgehend frei bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der dritten Schicht werden ebenfalls freiwillig, hier aber unbezahlt, gemeinnützige Tätigkeiten verrichtet. Die Autoren des Berichtes an den Club of Rome weisen darauf hin, dass schon heute gut zwanzig Prozent der Menschen im Erwerbstätigenalter ihre Qualifikationen, Erfahrungen und Bestrebungen ehrenamtlich im Sinne des Gemeinwohls einbringen. Giarini und Liedtke mutmaßen, dass die neue Verteilung der unterschiedlichen Arbeiten auf die verschiedenen Schichten zu gesellschaftlich höherem Ansehen gemeinnütziger Tätigkeiten führen wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Flexibilität im weitesten Sinne</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein nach diesem Modell organisierter Arbeitsmarkt fordert von allen Beteiligten Flexibilität, bietet aber auch Entfaltungsmöglichkeiten und andere Vorteile. Die Autoren streichen heraus, dass es für Jugendliche Chancen beinhaltet, noch während ihrer Ausbildung Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt zu sammeln und &#8222;fließend&#8220; in ihn integriert zu werden. Ältere Menschen wiederum könnten einen gleitenden Übergang in den Ruhestand absolvieren, ihre von langer Erfahrung gekennzeichneten Fähigkeiten aber in dem Maße, in dem sie es wünschen, weiterhin in die Arbeitswelt einbringen. Der oft als hart empfundene Übergang ins Pensionärsdasein kann so abgemildert werden. Dadurch, dass die Menschen während ihres Arbeitslebens in der zweiten Schicht zusätzliche Pensionsansprüche erzielten, argumentieren Giarini und Liedtke, werden die Rentenkassen entlastet. Frauen, die nach Kinderpausen zurück ins Berufsleben streben, werde die Wiedereingliederung erleichtert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wirtschaftswissenschaftler führen als weiteren Vorteil ihres Modells an, dass Menschen, die Einfluss darauf haben, was und wieviel sie über die &#8222;Basisbeschäftigung&#8220; in der ersten Schicht hinaus arbeiten wollen, besser motiviert seien und bessere Ergebnisse lieferten. Außerdem fördere es ein besseres gesellschaftliches Klima, dass den Menschen die Furcht vor einem völligen Verlust der Arbeit und die damit verbundene Existenzangst weitgehend genommen sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Orio Giarini und Patrick M. Liedtke verknüpfen das Dreischichtenmodell mit Milton Friedmans Idee einer &#8222;negativen Einkommenssteuer&#8220;. Dieses Sozialprogramm besagt, dass jede Person, die kein eigenes Einkommen hat, von der öffentlichen Hand eine Basisunterstützung erhält, wer geringe Einkünfte hat, weniger. Überschreiten die Einnahmen eine bestimmte Grenze, gibt es keinerlei Zuschüsse mehr, der Betreffende hat für seine Sozialversicherung selbst aufzukommen. Der Staat würde so entlastet, während die Löhne und Gehälter viel weniger als heute durch Abgaben geschmälert würden. Wenn das Verhältnis zwischen Rücknahme der Beihilfe und selbst verdientem Geld geschickt gewählt werde, so Giarini und Liedtke, bleibe der Ansporn, mehr zu arbeiten, erhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Vor- und Nachteile von Telearbeit</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Autoren des Berichtes an den Club of Rome haben einen Blick in die Zukunft gewagt. Sie gehen davon aus, dass immer mehr Arbeit an Computern verrichtet und die Zahl der Telearbeitsplätze zunehmen wird. &#8222;Damit entsteht künftig eine Teilung der Arbeitszeit&#8220;, schreiben sie, &#8222;zwischen dem traditionellen Büro im Innenstadtbereich, einem gemeinschaftlich genutzten Nachbarschaftsbüro, das möglicherweise durch eine dritte Partei betrieben wird, und der Wohnung des Arbeitnehmers.&#8220; Durch die Möglichkeiten der Datenübertragung via Telefonleitungen stehe ein &#8222;unflexibler Aspekt unserer Arbeitskultur zur Disposition&#8220;: Ort und Zeit der Arbeitsleistung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hierin liegen Vorteile. Arbeitgeber können Kräfte mit bestimmten Qualifikationen weit über das Einzugsgebiet der Berufspendler hinaus suchen und beschäftigen. Weiter werden sich, das erwarten Giarini und Liedtke, Kosteneinsparungen, verbesserter Kundendienst und organisatorische Flexibilität positiv auswirken. Zudem bietet Telearbeit Berufschancen für ansonsten auf dem Arbeitsmarkt benachteiligte Gruppen, beispielsweise erziehende Frauen oder Behinderte und alle, die ihr &#8222;Leben nicht gemäß traditioneller Vorgaben der Präsenzsysteme in Frabrik und Büro&#8220;, sondern nach &#8222;persönlichen Präferenzen einrichten&#8220; wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Autoren der Studie warnen, dass diese neuen Freiheiten auch Probleme mit sich bringen können. Zunehmende Telearbeit erfordere neue Managementmethoden, die erst noch entwickelt und in der Praxis erprobt werden müssten. Zudem werde sich die traditionelle Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer verändern, was wiederum zu Problemen unter den Tarifpartnern führen könne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dem Bericht an den Club of Rome wird darauf hingewiesen, dass &#8222;sich Privat- und Geschäftsleben immer stärker durchdringen werden und die Trennungslinie zwischen ihnen sich zunehmend verwischen&#8220; wird. Das wiederum führe zu einer &#8222;Erosion der gegenwärtigen Organisation unserer Gesellschaft, in der bislang eine mehr oder weniger ausgeprägte Trennung der beiden Sphären die Regel ist.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Umweltschutz schafft Arbeitsplätze</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem eigenen Kapitel streichen die Autoren von &#8222;Wie wir arbeiten werden&#8220; heraus, dass sowohl vorbeugender als auch nachsorgender Umweltschutz Arbeitsplätze schaffen wird. Sie verweisen auf einen früheren Bericht an den Club of Rome, &#8222;Faktor Vier&#8220;, sowie Untersuchungen von Walter Stahel vom Genfer Institut für Produktdauer-Forschung. Beide kommen zu dem Ergebnis, dass Lebensdauer-Verdopplung von Gegenständen neben einer Halbierung der Umweltbelastung bei Herstellung, Nutzung und Entsorgung auch zu mehr Arbeitsplätzen führen. Langlebige Produkte sind zumeist arbeitsintensiver herzustellen, als andere.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neue Wirtschaftszweige werden beim Leasing und der Vermietung von Geräten entstehen, denn den Konsumenten geht es in erster Linie um den Nutzen. Für ihn ist es ein Vorteil, wenn er sich nicht um die Entsorgung ausgedienter Geräte kümmern muss. Diese stellt ebenso, wie das Recycling, längst eine eigene Branche dar und kostet Geld. Das bedeutet jedoch, dass Verleiher ihrerseits an langlebigen Produkten interessiert sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Für besseres Verständnis ein Blick zurück</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben solchen Zukunftsprognosen enthält &#8222;Wie wir arbeiten werden&#8220; auch einen ausführlichen Blick zurück, diesen aber nicht etwa im Zorn. Interessant und gut verständlich stellen die Autoren die Geschichte der Wirtschaftswissenschaften und der Wirtschaftsphilosophie dar und analysieren deren wesentliche Aspekte, Errungenschaften und Fehler. Die Probleme, vor denen wir heute stehen, werden so auch für Laien nachvollziehbar. An 21 Stellen haben Giarini und Liedtke zudem &#8222;Kontroverse Thesen&#8220;, Zusammenfassungen und Erörterungen eigener und anderer Standpunkte, eingefügt. Orio Giarini und Patrick M. Liedtke ist mehr als ein Diskussionsbeitrag gelungen: &#8222;Wie wir arbeiten werden&#8220; enthält Ausführungen darüber, warum wie gearbeitet worden ist oder Menschen in großer Zahl arbeitslos wurden. Das Modell, das nach Ansicht der Autoren aus dem Beschäftigungsdilemma herausführt, sollte Praxistests unterzogen werden. Denn längst ist die Zeit gekommen, in der kraftvolle Ideen vonnöten sind.</p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://aussichten-online.de/ueber-buecher/sachbuch-empfehlungen/dreischichtenmodell-als-weg-zur-vollbeschaeftigung/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Traumata und Hoffnungen</title>
		<link>https://aussichten-online.de/ueber-buecher/sachbuch-empfehlungen/traumata-und-hoffnungen/</link>
					<comments>https://aussichten-online.de/ueber-buecher/sachbuch-empfehlungen/traumata-und-hoffnungen/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Sep 2022 03:23:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sachbücher]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://aussichten-online.de/?p=2969</guid>

					<description><![CDATA[Erzählungen und Berichte kanadischer Indianer Sie leben seit jeher hoch im Norden von Ontario, Turtle Island / Kanada, unterhalb der Hudson Bay. Hinter sich eine lange Zeit in relativer Ungestörtheit auf ihrem Land. Ein zunächst vielversprechender Pelzhandel. Missionierung, Leid und Tragödien. Heute noch Traumatisierung, schwierigste Lebensumstände, jedoch auch Hoffnung und starke Schritte nach vorne. Die &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/ueber-buecher/sachbuch-empfehlungen/traumata-und-hoffnungen/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Erzählungen und Berichte kanadischer Indianer</strong></p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="wp-block-paragraph">Sie leben seit jeher hoch im Norden von Ontario, Turtle Island / Kanada, unterhalb der Hudson Bay. Hinter sich eine lange Zeit in relativer Ungestörtheit auf ihrem Land. Ein zunächst vielversprechender Pelzhandel. Missionierung, Leid und Tragödien. Heute noch Traumatisierung, schwierigste Lebensumstände, jedoch auch Hoffnung und starke Schritte nach vorne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die indianischen Gemeinden der Cree und Ojibwe leben in entlegenen Reservaten wie viele andere First Nations. Zu den meisten kommt man nur mit dem Kleinflugzeug. Der Autor und Schweizer Historiker Manuel Menrath reiste mehrfach in das Gebiet. Für dieses Buch verbrachte er mehrere Monate bei ihnen und hat Jugendlichen, Frauen und Männern zugehört.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="666" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/09/Bildschirmfoto-2021-04-06-um-01.57.52-666x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-2971" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/09/Bildschirmfoto-2021-04-06-um-01.57.52-666x1024.jpeg 666w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/09/Bildschirmfoto-2021-04-06-um-01.57.52-195x300.jpeg 195w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/09/Bildschirmfoto-2021-04-06-um-01.57.52-176x270.jpeg 176w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/09/Bildschirmfoto-2021-04-06-um-01.57.52.jpeg 764w" sizes="auto, (max-width: 666px) 100vw, 666px" /></figure>
</div>
</div>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Durch ihre Erzählungen und die Erlebnisse des Autors auf seinen Reisen können Leserinnen und Leser in eine fremde Welt eintauchen. Als Jugendliche verbrachte ich zwei Monate bei der Familie meines Onkels in Toronto. Das nähere ländliche Umland habe ich zwar kennengelernt, die entlegene Weite des Landes aber nicht. Daher hat mich Manuel Menraths Buch vor allem mit seinen Geschichten eingefangen. Mit Geschichten und Anekdoten vom Jagen, Trappen und Fischen, von Tipis und Zeremonien, von einem Vielfraß und Moskitos. Von Zerrissenheit. Viele Berichte der Indianer sind schockierend: die Zugriffe auf ihre Lebensweise, auf Kinder, Frauen und Männer. Doch es gibt eine Aufarbeitung, positive Veränderungen im Umgang mit den Anliegen der First Nations und Zuversicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Buch hat mich von der ersten Seite an berührt, denn es gibt den indianischen Gemeinschaften eine vernehmbare Stimme. Es lässt die Vergangenheit sprechen, benennt aktuelle Missstände und zeigt die enormen sozialen Probleme in den Reservaten auf. Es hat mich bedrückt zu lesen, wie schwer das Leben der Gemeinschaften in ihrem Alltag immer noch ist. Doch die Cree und Ojibwe geben nicht auf und kämpfen weiter für ihre Rechte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die authentischen Erzählungen und Legenden der Cree und Ojibwe haben mich so in ihre Welt hoch im Norden von Ontario hineingezogen, dass sie mir nicht mehr so fremd vorkommt. So, als wäre sie gar nicht weit weg.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Manuel Menrath: Unter dem Nordlicht. Indianer aus Kanada erzählen von ihrem Land, Galiani Berlin, 2020, 479 Seiten, 26 Euro</p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Auszüge aus „Unter dem Nordlicht“</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Als es auf der großen Schildkröteninsel noch unbesiedelte Gebiete gab, wanderten zwei Freunde, ein Mann und eine Frau, durch eine schier endlose Ebene. Dabei trafen sie auf Ehep, die Riesenspinne. Sie fragte: „Wohin geht ihr?“ „Wir suchen ein Gebiet, in dem wir leben können.“ „Ein solches liegt da unten“, meinte Ehep und wies die Richtung. „Es ist ein weites Land. Im Winter schneit es und wird sehr kalt. Im Sommer regnet es und wird sehr heiß. Aber dieses Land ist sehr gut.“ Die Riesenspinne bot ihnen an, sie dorthin zu bringen (…)</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Obwohl man den First Nations versprochen hatte, die Reservate seien für Außenstehende unantastbar, schuf der Indian Act die Voraussetzung, deren Land im öffentlichen Interesse (…) zu enteignen. Dieses Gesetz gilt bis heute.“ (…)</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Aber es gibt sie dennoch, die vielen Kinderträume in den abgelegenen Reservaten. Sie sind der Balsam einer zerrütteten, aber nicht zerstörten Welt. (…) Als ich die 14-jährige Kara Knapaysweet aus Fort Albany auf ihre Zukunftspläne ansprach, meinte sie: „Ich will Medizin studieren. Wenn ich Ärztin bin, werde ich im Reservat arbeiten. (…) Als Ärztin will ich ständig hier sein, damit sich niemand mehr zu sorgen braucht.“ (Seite 411)</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div style="height:29px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Sabine van de Sandt ist seit 2018 Mitglied der Schreibwerkstatt „Frechener Schreibstoff“ und schreibt seitdem Kurzgeschichten und Gedichte in Form des japanischen Haiku. Die deutsche Sprache und Fremdsprachen sind ihre Leidenschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit ihrem Mann und ihrem Hund Odin lebt sie in Frechen-Königsdorf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie ist durch ein Radio-Interview mit Manuel Menrath auf sein neues Buch „Unter dem Nordlicht“ aufmerksam geworden.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/09/IMG_0191-1-770x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-2974" width="289" height="384" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/09/IMG_0191-1-770x1024.jpeg 770w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/09/IMG_0191-1-225x300.jpeg 225w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/09/IMG_0191-1-768x1022.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/09/IMG_0191-1-203x270.jpeg 203w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/09/IMG_0191-1.jpeg 962w" sizes="auto, (max-width: 289px) 100vw, 289px" /></figure>
</div>
</div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://aussichten-online.de/ueber-buecher/sachbuch-empfehlungen/traumata-und-hoffnungen/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ein Buch über und für das Leben</title>
		<link>https://aussichten-online.de/krieg-und-frieden/liebevolles-buch-ueber-ermordete-tochter/</link>
					<comments>https://aussichten-online.de/krieg-und-frieden/liebevolles-buch-ueber-ermordete-tochter/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 06 Aug 2022 17:16:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Krieg und Frieden]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbücher]]></category>
		<category><![CDATA[Über Bücher]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://aussichten-online.de/?p=1791</guid>

					<description><![CDATA[Jürgen Streich empfiehlt &#8222;Kim Wall&#8220; von dem dänischen Journalisten-Ehepaar Ingrid und Joachim Wall über ihre Tochter, eine junge, aufstrebende Journalistin, die von dem Raketentüftler Peter Madsen auf einer Ostseefahrt mit seinem privaten U-Boot ermordet und zerstückelt ins Meer geworfen wurde. Eindrucksvoll berichten sie auch über die Folgen ganz im Sinne von Kim: ein Fond zur &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/krieg-und-frieden/liebevolles-buch-ueber-ermordete-tochter/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Jürgen Streich empfiehlt &#8222;Kim Wall&#8220; von dem dänischen Journalisten-Ehepaar Ingrid und Joachim Wall über ihre Tochter, eine junge, aufstrebende Journalistin, die von dem Raketentüftler Peter Madsen auf einer Ostseefahrt mit seinem privaten U-Boot  ermordet und zerstückelt ins Meer geworfen wurde</strong>. <strong>Eindrucksvoll</strong> <strong>berichten sie auch über die Folgen ganz im Sinne von Kim: ein Fond zur Förderung junger Journalisten.</strong></p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="670" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/KStA-KR-Lesetip-1-1-1024x670.jpg" alt="" class="wp-image-1795" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/KStA-KR-Lesetip-1-1-1024x670.jpg 1024w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/KStA-KR-Lesetip-1-1-300x196.jpg 300w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/KStA-KR-Lesetip-1-1-768x503.jpg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/KStA-KR-Lesetip-1-1-412x270.jpg 412w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/KStA-KR-Lesetip-1-1.jpg 1274w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Diese Buchvorstellung erschien im Kölner Stadt-Anzeiger und in der Kölnischen Rundschau, als die Teilnehmer/innen meiner Schreibwerkstatt in der Adventszeit 2019 eine Empfehlungsreihe für die Schwesterblätter gestalteten.</figcaption></figure>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">„Wer schreibt, der bleibt“ – diesen Spruch zitieren Journalisten und Schriftsteller gern. Dass er einen wahren Kern hat, beweisen Ingrid und Joachim Wall mit dem Buch „Kim Wall“. Denn ihre Tochter Kim, eine gerade einmal dreißigjährige weltgewandte Journalistin, wurde im August 2017 während einer Recherche auf dem privaten U-Boot des dänischen Raketentüftlers Peter Madsen von diesem getötet und zerstückelt in den Öresund, die Meerenge zwischen Dänemark und Schweden, geworfen. Der Fall ging weltweit durch die Medien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon relativ bald, nachdem klar wurde, dass Kim nicht mehr lebt, fällte ihre Mutter Ingrid, selbst eine erfahrene Journalistin, in einer schlaflosen Nacht zwei Entscheidungen: Sie plante, ein Buch über Kim zu schreiben, denn die „soll als die engagierte und willensstarke Frau erinnert werden, die sie war, als der Mensch und die Journalistin Kim – nicht als das Opfer.“ Und „dass Kim durch einen Stipendienfonds weiterleben soll.“ Zweieinhalb Jahre nach der Tragödie lässt sich sagen: Beides ist auf beeindruckende Weise gelungen. Ingrid Wall, die auch im Namen ihres Mannes Joachim, eines Pressefotografen, schreibt, bringt einem Kim als Menschen und Journalistin derart nahe, dass man sie aufgrund ihres frühen Faibles für Gerechtigkeit, ihrer Menschen-, Tier und Naturliebe und ihres engagierten publizistischen Einsatzes für Schwache und Unterdrückte von Seite zu Seite mehr ins Herz schließt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar erinnern die tagebuchartig geschilderten Ermittlungsergebnisse und der Verlauf des Gerichtsverfahrens immer wieder daran, dass diese sympathische junge Frau, die noch so viel Gutes vorhatte, nicht mehr lebt. Doch parallel dazu nehmen Ingrid und Joachim Wall die Leser mit auf eine Reise auf Kims Spuren. Diese führt anhand vieler Beispiele aus ihrer Kindheit und Jugend in Südschweden über ihre Studienorte Paris, London und New York bis auf Reportagereisen ins bürgerkriegsgeschundene Sri Lanka, ins vom Rest der Welt abgeschottete Nordkorea und zu der noch immer unter den früheren amerikanischen Atomwaffentests leidenden Bevölkerung der Marshallinseln im Pazifik. Auch China kannte sie bereits gut und wollte gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten für einige Zeit als Korrespondentin dort leben. Doch dann kehrte sie von der eher nebensächlichen Ausfahrt mit dem Klein-U-Boot nahe der Heimat nicht zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Umso mehr empfindet man mit ihren Eltern und ihrem Bruder Tom, einem weiteren Pressefotografen in der Familie, als ihnen die Zuneigung und Wertschätzung, die Kim von Freunden und Kollegen entgegengebracht wurde, selbst zuteil wird und sie durch Kim überall auf der Welt Freunde gewinnen. Gleichzeitig wächst ihre Stiftung derart, dass Stipendien an junge Journalistinnen, die im Sinne von Kim arbeiten, wohl auf Jahrzehnte hinaus gesichert sind. So wird die erste Vergabe an eine Kollegin, der damit Recherchen über das Leiden der grönländischen Urbevölkerung unter der dänischen Kolonialmacht finanziert werden, zu einem Feiertag. Ingrid Wall: „Bestimmt wird Anne bald ebenfalls ein Teil unserer großen, bunten Familie sein.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit „Kim Wall“ ist ihren Eltern nicht nur ein berührendes Buch über ihre Tochter Kim gelungen. Sondern ein Buch über und für das Leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">                                                                                                                                                     <strong>Jürgen Streich</strong></p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Auszüge aus dem Buch „Kim Wall“ von Ingrid und Joachim Wall, 350 Seiten, 20 €, erschienen 2019 im Verlag btb </strong></p>



<div style="height:40px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">(&#8230;) Mit grenzenloser Trauer und Bestürzung haben wir erfahren, dass die Überreste unserer Tochter und Schwester Kim Wall gefunden worden sind. (&#8230;) Sie hat in den verschiedensten Regionen der Welt Geschichten gefunden, die danach riefen, aufgeschrieben zu werden. (&#8230;) Sie hat den Schwachen ihre Stimme geliehen, den Bedürftigen und Unterdrückten. Diese Stimme hätten wir noch viel, viel länger gebraucht.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;(&#8230;) Unsere Kim soll nicht auf das Opfer in einem vielbesprochenen Kriminalfall reduziert werden. Die Erinnerung an sie soll weiterleben und sichtbar sein. Ihr tragischer Tod soll irgendeine Form von Sinn gehabt haben, indem andere junge Journalistinnen in die Welt hinausfahren und die Geschichten aufschreiben können, die Kim durch ihren viel zu frühen Tod verwehrt blieben. (&#8230;) Für uns ist die Stiftung eine Möglichkeit, die Erinnerung an Kim wachzuhalten. (&#8230;) Wir können dem Bösen nicht den Sieg überlassen und den dunklen Gedanken nachgeben. Es gibt trotz allem so viel Gutes auf der Welt, und dieses Gute muss am Ende gewinnen.</p>
</div>
</div>
</div>
</div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://aussichten-online.de/krieg-und-frieden/liebevolles-buch-ueber-ermordete-tochter/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Auf den Spuren der Freimaurer</title>
		<link>https://aussichten-online.de/ueber-buecher/die-freimaurer-sachbuch-von-john-dickie-2/</link>
					<comments>https://aussichten-online.de/ueber-buecher/die-freimaurer-sachbuch-von-john-dickie-2/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 Jul 2022 00:03:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sachbücher]]></category>
		<category><![CDATA[Über Bücher]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://aussichten-online.de/?p=1573</guid>

					<description><![CDATA[Jürgen Streich empfiehlt &#8222;Die Freimaurer&#8220; von John Dickie. Gleich vorweg: Der deutsche Titel des ansonsten gut übersetzten Buches „Die Freimaurer – Der mächstigste Geheimbund der Welt“ ist reißerisch und irreführend. Der Titel der englischen Originalausgabe, „The Craft – How the Freemasons Made the Modern World“ (auf deutsch etwa: „Das Handwerk – Wie die Freimaurer die &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/ueber-buecher/die-freimaurer-sachbuch-von-john-dickie-2/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="790" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/02/IMG_0332-1-2-790x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-423" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/02/IMG_0332-1-2-790x1024.jpeg 790w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/02/IMG_0332-1-2-232x300.jpeg 232w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/02/IMG_0332-1-2-768x995.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/02/IMG_0332-1-2-1186x1536.jpeg 1186w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/02/IMG_0332-1-2-1581x2048.jpeg 1581w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/02/IMG_0332-1-2-208x270.jpeg 208w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/02/IMG_0332-1-2-scaled.jpeg 1976w" sizes="auto, (max-width: 790px) 100vw, 790px" /><figcaption>Der Rezensent bei der Lektüre. Foto: Elisabeth Kann</figcaption></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-vertically-aligned-top is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<h1 class="has-medium-font-size wp-block-heading" id="auf-den-spuren-der-freimaurer-1">Jürgen Streich empfiehlt &#8222;Die Freimaurer&#8220; von John Dickie.</h1>



<p class="wp-block-paragraph">Gleich vorweg: Der deutsche Titel des ansonsten gut übersetzten Buches „Die Freimaurer – Der mächstigste Geheimbund der Welt“ ist reißerisch und irreführend. Der Titel der englischen Originalausgabe, „The Craft – How the Freemasons Made the Modern World“ (auf deutsch etwa: „Das Handwerk – Wie die Freimaurer die moderne Welt gestalteten“) trifft den Inhalt des umfangreichen Werkes wesentlich besser. Denn ungeachtet dessen, dass die Titelwahl des S. Fischer Verlages Wasser auf die derzeit heißlaufenden Mühlen der Querdenker-Bewegung ist, geht es dem renommierten englischen Historiker John Dickie mit seinem Buch darum, mit Mythen, Verschwörungstheorien und Legenden aufzuräumen und den Blick auf das freizuschaufeln, was die Freimaurer wirklich geleistet haben – oder eben auch nicht.</p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Dickie hat dafür aufwendig recherchiert. Nachdem er in einem Radiointerview die italienische Mafia als „Freimaurerei für Kriminelle“ bezeichnet hatte, wurde er von der englischen Großloge zu einem Gespräch eingeladen. Anschließend trat er eine Weltreise auf den Spuren der Freimaurerei an. Er führte zahlreiche Gespräche und forschte akribisch in Archiven.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Herausgekommen ist dabei ein gut lesbares Buch, das ich jedem an der Geschichte des Westens interessierten Menschen empfehlen möchte. Und all jenen, die sich aus seriöser Quelle über den Bund der Freimaurer, der bei näherem Hinsehen gar nicht so geheim, wenngleich schon ausgesprochen diskret agiert, informieren wollen. In Zeiten, in denen selbst die abstrusesten Behauptungen über soziale Medien und auf anderen Wegen Gehör und Anhänger finden, ist „Die Freimaurer“ ein angenehm unaufgeregtes und doch spannendes Buch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Autor John Dickie zeichnet nach, wie sich der seinerzeit unorganisierte Berufstand der Steinmetze in sogenannten Bauhütten zusammenfand, aber aufgrund seiner Bestrebungen im Sinne der Aufklärung zwischen die Fronten weltlicher und kirchlicher Macht geriet und sich daher zunehmend abschottete. Wodurch wiederum die Mythen von Geheimbündelei und obskurer Machenschaften ebenso entstand, wie die These, die Freimaurer planten die Eroberung der Weltherrschaft. Symbolik und Rituale, die Dickie weitgehend als belanglos beschreibt, trugen dazu bei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Historiker stellt vielmehr klar, dass es das viel gesuchte „Geheimnis der Freimaurerei“ nicht gibt. Er arbeitet stattdessen heraus, wie oftmals prominente Mitlieder der Logen – organisiert oder individuell – auf ihren Wegen Einfluss auf Politik das kulturelle Leben und andere gesellschaftliche Aspekte nahmen. Dabei war nicht alles davon ehrenvoll und manche gerieten beim Streben nach Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit sowie Toleranz und Humanität auch auf Abwege. Doch Dickie zeigt auf, wie Freimaurer bei wesentlichen Entwicklungen die Finger mitunter maßgeblich im Spiel hatten, so unter anderem bei der Entstehung europäischer Nationalstaaten, der französischen Revolution und der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die Stimmen, die behaupten, die Freimaurer seien immer noch für die übelsten Verschwörungen auf der Welt (mit)verantwortlich, wieder lauter werden, mehren sich auch die Kritiker, die ihnen vorwerfen, sie würden sich auf alten Lorbeeren ausruhen und nur noch stolz auf große Namen wie Johann Wolfgang von Goethe, Wolfgang Amadeus Mozart, George Washington, Winston Churchill, aber auch Edwin „Buzz“ Aldrin oder Charly Chaplin verweisen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch es kommt Bewegung hinein. Längst gibt es Frauen- und gemischte Logen, kürzlich entstand in Deutschland die Initiative „Freemasons for Future“, die Beiträge zur Lösung drängender Probleme leisten will. Den Anspruch, die Zukunft der modernen Welt mitzugestalten, haben die Freimaurer offenbar nicht aufgegeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"> </p>



<div style="height:36px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>LESEPROBE</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Historisch gesehen mag die Freimaurerei weltweit Symbole aus anderen Kulturen gestohlen haben, um sie in ihre Zeremonien einzubauen, aber die Logen haben immer wieder bewiesen, dass sie auch Wiegen des kulturellen Dialogs sind. (…)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst diejenigen unter uns, die nicht im Traum daran denken würden, einer Loge beizutreten, können einiges lernen, wenn sie die Geschichte aus der Sicht der Freimaurer betrachten. Globalisierung und Internet zwingen uns, ein fundamentales menschliches Bedürfnis neu zu denken und neu zu definieren: Gemeinschaft. Dieser Tage stünde es in unserem Streben nach Wohlstand vielleicht gut zu Gesicht, nachzusinnen über die tragikomische Geschichte einer Gemeinschaft, entstanden in einer anderen Zeit, die einige unserer kostbarsten Ideale zu leben versuchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>John Dickie</strong>, <strong>„Die Freimaurer – Der mächtigste Geheimbund der Welt“</strong>, übersetzt von Irmengard Gabler, S. Fischer, Frankfurt a. M., 2020, 544 S., 26 Euro</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://aussichten-online.de/ueber-buecher/die-freimaurer-sachbuch-von-john-dickie-2/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
