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	<title>Über Menschen &#8211; AUSSICHTEN &#8211; Informationen aus dem Journalistenb&uuml;ro von J&uuml;rgen Streich</title>
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		<title>Nachruf auf Papst Franziskus</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Apr 2025 13:52:21 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Erwählt aus Barmherzigkeit Von Dr. Michael Schäfers »Miserando adque eligendo«- »Aus Barmherzigkeit erwählt« &#8211; das war der Wahlspruch des am Ostermontag verstorbenen Papstes Franziskus. Nicht zur Papstwahl hatte er sich diesen erwählt, sondern aus seiner Zeit als Erzbischof von Buenos Aires mit nach Rom gebracht. Barmherzigkeit war eines der zentralen Themen seines Pontifikats. Barmherzigkeit allerdings &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/aktuelles/nachruf-auf-papst-franziskus/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading has-x-large-font-size">Erwählt aus Barmherzigkeit</h2>



<div style="height:12px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Von Dr. Michael Schäfers</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>»Miserando adque eligendo«- »Aus Barmherzigkeit erwählt« &#8211; das war der Wahlspruch des am Ostermontag verstorbenen Papstes Franziskus. Nicht zur Papstwahl hatte er sich diesen erwählt, sondern aus seiner Zeit als Erzbischof von Buenos Aires mit nach Rom gebracht. Barmherzigkeit war eines der zentralen Themen seines Pontifikats.</strong></p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="997" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/04/Bildschirmfoto-2025-04-23-um-19.33.12-1-2-997x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-9409" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/04/Bildschirmfoto-2025-04-23-um-19.33.12-1-2-997x1024.jpeg 997w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/04/Bildschirmfoto-2025-04-23-um-19.33.12-1-2-292x300.jpeg 292w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/04/Bildschirmfoto-2025-04-23-um-19.33.12-1-2-768x789.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/04/Bildschirmfoto-2025-04-23-um-19.33.12-1-2-263x270.jpeg 263w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/04/Bildschirmfoto-2025-04-23-um-19.33.12-1-2.jpeg 1390w" sizes="(max-width: 997px) 100vw, 997px" /><figcaption class="wp-element-caption"><br>Papst Franziskus in seinem Element &#8211; unter Menschen. Foto: pixabay / Manfred Kindlinger</figcaption></figure>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Barmherzigkeit allerdings nicht als »caritativer Weichspüler«, sondern als Kampfansage an all‘ diejenigen, die die Armen und Ausgestoßenen mit Gleichgültigkeit, Verachtung und eben Unbarmherzigkeit in ihrem Elend alleine lassen. Die Analyse von Franziskus war radikal. Zum »Welttag der Armen« 2019 sprach der Papst von der »menschlichen Mülldeponie« und der »neuen Sklaverei«. Migranten, Flüchtlinge, Obdachlose, arbeitssuchende Jugendliche und Prostituierte würden zu neuen Sklaven durch eine gnadenlose und kurzsichtige Wirtschaftspolitik gemacht und als »Parasiten der Gesellschaft« angesehen. Ausgebeutet und schikaniert betrachte man sie als Abfall, als menschlichen Müll. Den »Schrei der Armen« gelte es zu hören und zu handeln &#8211; sozial, gesellschaftlich und wirtschaftlich. Und dies nicht nur durch Barmherzigkeit und Zuwendung, sondern durch strukturelle Veränderungen, durch soziale Gerechtigkeit. Unvergessen sein Satz in seinem Apostolischen Schreiben »Evangelii Gaudium« von 2013: »Diese Wirtschaft tötet.« Gleich zu Beginn seines Pontifikats ein Paukenschlag ohnegleichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Wo Menschen ausgegrenzt und zu Müll durch die kapitalistische Wirtschaftsweise gemacht werden, erhob Franziskus, wie kein anderer Papst vor ihm, die Stimme, gelegen oder ungelegen, in einer Deutlichkeit, die nichts zu wünschen übrigließ. In sozialen Fragen blieb sein Vorgänger aus Deutschland Papst Benedikt XVI. eher schwach. Franziskus rüttelte auf, griff an und polarisierte. Wer sich gegen die Mächtigen dieser Welt stellt, muss damit rechnen, dass ihm ein harter Gegenwind entgegenbläst. Franziskus war sich dem voll bewusst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An Gegnern fehlte es diesem Papst nicht. Da waren und sind die mächtigen amerikanischen Kreise der Erdölindustrie und ihrer Institute, die alle Register zogen, um die Ökoenzyklika »Laudato si« zu verhindern, in der der Papst u.a. die Wegwerfkultur geißelte. So wie wir die Dinge einfach wegwerfen, so auch die armen Menschen, die besonders unter dem menschengemachten Klimawandel zu leiden hätten. Die Verursacher machte er dingfest: die reichen Länder des Nordens mit ihren tödlichen Wirtschaftsinteressen. Die Wirtschaftsmächte klagte er an, Spekulation und finanziellen Ertrag blind zu verfolgen und die Menschenwürde und Umwelt zu ignorieren. Eine ganzheitliche Ökologie sei demgegenüber das Gebot der Stunde. Die Politik dürfe sich nicht der Wirtschaft unterwerfen und dem technokratischen Paradigma folgen. Auch so ein Paukenschlag gleich zu Beginn seines Pontifikats. Ein Grüner in Rom, das ging vielen quer runter, gerade in den konservativen Kreisen der Katholiken in den USA, die eine medienwirksame Diffamierungskampagne gegen Franziskus starteten. Auf eine Verkündigung des Glaubens solle er sich beschränken und keine »politische Theologie« betreiben. Die Kirche habe sich aus politischen Fragen rauszuhalten. Eine weit verbreitete Auffassung &#8211; bis hin zu den jüngsten Äußerungen von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner. Nur das sah Franziskus völlig anders. Den christlichen Glauben zu verharmlosen, das war nicht das Ding von Franziskus. Er wusste um seine Provokationen und setzte sie ein, um aufzurütteln, um die »Option für die Armen“«zu kontextualisieren in den Kämpfen unserer Zeit, zusammen mit den sozialen Bewegungen, die weltweit für Gerechtigkeit kämpfen. Dort fand er oftmals mehr Zuspruch als in seiner Kirche selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Naivität warfen ihm die Kritiker vor in politischen Fragen, vor allem, wo es um Krieg und Frieden gehe. Bezeichnend, dass die Osterbotschaft wenige Stunden vor seinem Tod ein Aufruf zu Frieden und Gerechtigkeit war. Passend für einen, der die Profiteure der Kriege anklagte: »Manchmal denke ich auch an den Zorn Gottes, der sich gegen die Führer der Länder richtet, die über Frieden reden und Waffen verkaufen, um diese Kriege zu führen. Diese Heuchelei ist eine Sünde.« Bei Rheinmetall dürften diese Sätze es nicht zum Wandspruch schaffen, ebenso wenig wie bei Trump, Putin und im Kanzleramt unter Friedrich Merz. Die Ursachen der Kriege wollte Franziskus austrocknen. Wo keine Waffen produziert und verkauft werden, da kann es auch keine Kriege mehr geben. Man mag dies für naiv halten, aber angesichts der verheerenden Kriege auf unserer Welt zumindest ebenso naiv, wie durch Töten, Verwüstung und Zerstörung Frieden herbeibomben zu wollen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="636" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/04/Bildschirmfoto-2025-04-23-um-18.24.26-2-1024x636.jpeg" alt="" class="wp-image-9421" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/04/Bildschirmfoto-2025-04-23-um-18.24.26-2-1024x636.jpeg 1024w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/04/Bildschirmfoto-2025-04-23-um-18.24.26-2-300x186.jpeg 300w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/04/Bildschirmfoto-2025-04-23-um-18.24.26-2-768x477.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/04/Bildschirmfoto-2025-04-23-um-18.24.26-2-1536x955.jpeg 1536w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/04/Bildschirmfoto-2025-04-23-um-18.24.26-2-434x270.jpeg 434w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/04/Bildschirmfoto-2025-04-23-um-18.24.26-2.jpeg 1604w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Karikatur: Thomas Plaßmann *</figcaption></figure>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Wenig beachtet in den Nachrufen auf Franziskus ist sein kompromissloses Setzen auf Diplomatie, nicht nur zur Erlangung von Frieden. Die Diplomaten der Vatikanstadt wies er an, aktiv in internationale Verhandlungen einzugreifen. Vormals waren sie allenfalls unter seinen Vorgängern Statisten und passive Teilnehmer gewesen, wenn überhaupt anwesend. Anlässlich der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen bei den Verhandlungen zur Klimakonferenz 2015 in Paris z.B. spielte die Vatikandelegation eine entscheidende Rolle für das Zustandekommen des völkerrechtlichen Vertrags. Da ließ sich Franziskus auch schon mal aus einem Gottesdienst holen, um zum Telefonhörer zu greifen und den Mächtigen ins Gewissen zu reden. Bezeichnend, dass er die Ordensfrau Raffaella Petrini zur Präsidentin des Governatorats der Vatikanstadt noch schnell im März dieses Jahres ernannte und sie ebenso zur Generalsekretärin im Vatikan bestellte, letzteres ein Amt, das bisher von Bischöfen bekleidet wurde. In der römischen Kurie machte er sich damit keine Freunde unter seinen »Mitbrüdern«. Ein Tabubruch, wieder mal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die notwendige Kirchenreform unter Papst Franziskus sei nicht vorangekommen, so die einschlägigen Kommentatorinnen und Kommentatoren in diesen Tagen. Ja, das stimmt, aber was wollte man realistisch denn erwarten? Kleine Schritte, zaghafte Veränderungen immerhin. Der weltweite Missbrauchsskandal riss bei Franziskus tiefe Wunden. Da war sie auf einmal, die verbeulte Kirche, die er sich gewünscht hatte, aber in ganz anderer Form als gedacht, nun zurecht auf der Anklagebank sitzend. Eingangs noch eher auf Kompromisse bedacht und darauf, Schaden von der Kirche abzuwenden, änderte Franziskus seinen Kurs im Oktober 2024. Spät, sehr spät, zu spät.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei seinem Besuch in Belgien griffen Ministerpräsident De Croo und Belgiens König Philippe Ende September 2024 den Papst scharf an und forderten Aufklärung, die Anerkennung der Gräueltaten und die Opfer kompromisslos in den Mittelpunkt zu stellen. Die Bilder des Besuchs zeigen, wie der Papst körperlich sichtlich in sich zusammenfällt, um Worte ringt, zittert, dann fast sprachlos ist, erneut ansetzt, sich fängt. Ein schockartiger Moment. Danach findet er erst langsam wieder zu sich, spricht von Verbrechen, dass die Kirche sich schämen und um Vergebung bitten müsse. Beim anschließenden Treffen mit Opfern der innerkirchlichen sexuellen Gewalt weint er tief erschüttert. Auf der Rückreise klagt Franziskus über Atemprobleme. Sein Damaskuserlebnis, ein zu spätes, denn danach war für ihn hinsichtlich der dringend notwendigen Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal nichts mehr zu bewirken. Die Kräfte schwinden dramatisch. Ab dem 14. Februar 2025 wird Franziskus in der Gemelli-Klinik in Rom aufgrund einer Lungenentzündung behandelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Franziskus wollte die katholische Kirche reformieren. Eine Kirche der Armen sollte sie werden, verzichten auf Privilegien, demütig sollte sie sein, nahe bei den Alltagssorgen der Menschen. Eine dienende Kirche. Seine Strategie dazu war keine kirchenpolitische, sondern eine persönliche, nämlich Vorbild zu sein, bescheiden im Lebensstil, keine große pompöse Wohnung, kein Prunk, Straßenschuhe statt Prada, Mittagssuppe und einfaches Abendessen in der Kantine im vatikanischen Gästehaus »Santa Maria«, Fiat statt Mercedes. In seine Ausgehgewänder ließ er sich Taschen nähen, in denen er Süßigkeiten für die Kinder, die er unterwegs traf, bereithielt.<br></p>



<p class="wp-block-paragraph">Jorge Mario Bergoglios Vorbild war das Leben eines einfachen Landpfarrers. Auch damit provozierte er die römischen Kurienkardinäle, die ihm schon im Konklave bei seiner Wahl die Stimme nicht gegeben hatten. Bekehrung durch Vorbild, Kirchenreform durch Beispiel. Gegen den mächtigen Apparat der Kurie, ohne den eine Kirchenreform nicht zu machen ist, musste Franziskus scheitern. Die Krankheiten der Kurie konnte er diagnostizieren, aber strukturelle Heilmittel hatte er nicht parat. Allzu bitter hätte die Medizin denen geschmeckt, die auf ihre Privilegien und ihre Macht hätten verzichten müssen. Für Franziskus war eine grundlegende Kirchenreform schlicht eine Überforderung. Dennoch sollten seine zaghaften Schritte in diese Richtung nicht geringgeschätzt werden, denn es wird sich noch zeigen müssen, ob ein zukünftiger Papst diese überhaupt fortsetzen oder eine Rückabwicklung betreiben wird.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">In der Basilika Santa Maria Maggiore will er beigesetzt werden, unweit des Hauptbahnhofs in Rom, eine der vier Papstbasiliken. Sieben Päpste sind dort schon beigesetzt worden. Dennoch wieder so eine Zumutung an die römischen Traditionalisten. Anständige und unanständige Päpste werden eigentlich im Petersdom beigesetzt und monumental verewigt, ehrerbietend hinabschauend auf das durch den Dom pilgernde Besuchervolk.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="782" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/04/Bildschirmfoto-2025-04-23-um-20.10.15-1-1024x782.jpeg" alt="" class="wp-image-9425" style="aspect-ratio:3/2;object-fit:cover" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/04/Bildschirmfoto-2025-04-23-um-20.10.15-1-1024x782.jpeg 1024w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/04/Bildschirmfoto-2025-04-23-um-20.10.15-1-300x229.jpeg 300w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/04/Bildschirmfoto-2025-04-23-um-20.10.15-1-768x587.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/04/Bildschirmfoto-2025-04-23-um-20.10.15-1-1536x1173.jpeg 1536w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/04/Bildschirmfoto-2025-04-23-um-20.10.15-1-354x270.jpeg 354w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2025/04/Bildschirmfoto-2025-04-23-um-20.10.15-1.jpeg 1862w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Basilika Santa Maria Maggiore in Rom. Foto: dreamshine</figcaption></figure>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Die letzte Ruhestädte hat Bergoglio gut gewählt, mitten im Trubel der pulsierenden Stadt. Am Brunnen auf der Piazza die Santa Maria Maggiore treffen sich oft Gaukler und Musiker. Touristen warten auf dem Platz bis ihre Züge im Hauptbahnhof zur Abfahrt mahnen. Demnächst werden sich wohl noch längere Schlagen zur Kirchenbesichtigung bilden. Papst Franziskus war als Bischof von Rom bei den Einwohnern beliebt, der „Buona-Sera-Papst“. Hinzu werden viele weitere Besucher aus aller Welt kommen. In seinem letzten Text vom Februar 2025 denkt Papst Franziskus über den Tod nach. „Leben ist Leben, und die Realität zu beschönigen, bedeutet, die Wahrheit der Dinge zu verraten“ &#8211; heißt es da. Der Tod sei ein neuer Anfang von etwas, das nicht enden wird.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Pontifikat von Papst Franziskus ist zu Ende. Wer und was kommen wird, ist offen. In stürmischen Zeiten der Kirche wurden oft farblose Päpste gewählt, Verwalter des Glaubens. Dennoch, hoffen wir das Beste. Hoffen wir auf einen „Mann seines Wortes“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<div style="height:2px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph"></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Die <em>AUSSICHTEN</em>-Redaktion bedankt sich herzlich bei dem Karikaturisten Thomas Plaßmann für die Genehmigung zur Verwendung dieser treffenden Karikatur.</li>
</ul>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph" id="block-601354dc-ebe8-4d8f-ba35-7ead5bc52930"><strong>Der Autor</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph" id="block-601354dc-ebe8-4d8f-ba35-7ead5bc52930"><br>Michael Schäfers, Dr. phil., geb. 1962 in Paderborn. Studium der Katholischen Theologie, Soziologie, Politologie und Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Paderborn, Bielefeld und Münster. Referent für Politik und Strategie beim Bundesvorstand der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung in Köln (KAB). Zu Schäfers zahlreichen Veröffentlichungen zählen u. a. die Bücher <em><a href="https://lit-verlag.de/isbn/978-3-8258-5184-2/">Von der Arbeit zur Tätigkeit &#8211; Zeitdiagnosen und Wege wider die Resignation</a></em>, <em><a href="https://www.ketteler-verlag.de/detailview?no=608029">Wie Papst Franziskus Politik macht &#8211; Zur Sozialenzyklika „Laudato si“</a></em> und <em>Der Vorrang der Arbeit – eingelöst oder nicht? – Die katholische Soziallehre und ihr Spannungsverhältnis zur Praxis der Kirche als Arbeitgeberin</em>. Inzwischen leitet er das Grundsatz-Referat der KAB.  Michael Schäfers lebt mit seiner Familie in Frechen-Königsdorf.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="730" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/07/Michael_Schaefers-730x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-7215" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/07/Michael_Schaefers-730x1024.jpeg 730w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/07/Michael_Schaefers-214x300.jpeg 214w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/07/Michael_Schaefers-768x1077.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/07/Michael_Schaefers-193x270.jpeg 193w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/07/Michael_Schaefers.jpeg 913w" sizes="auto, (max-width: 730px) 100vw, 730px" /></figure>
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		<title>Daniel Ellsberg, &#8222;Urvater aller Whistleblower&#8220;, ist tot</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 Jun 2023 01:47:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Krieg und Frieden]]></category>
		<category><![CDATA[Über Menschen]]></category>
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					<description><![CDATA[Er hatte maßgeblichen Anteil am Ende des Vietnamkrieges und Nixons Rücktritt Von Jürgen Streich In seinen letzten Tagen, schreibt seine Familie in der bewegenden Todesnachricht von Daniel Ellsberg, habe er angesichts der ihm entgegengebrachten Freundschaft, Zuneigung und Wertschätzung zahlreicher Menschen, gescherzt: „Wenn ich gewusst hätte, dass das Sterben so ist, hätte ich es früher getan.“ &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/krieg-und-frieden/daniel-ellsberg-urvater-aller-whistleblower-ist-tot/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
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<h3 class="wp-block-heading has-text-align-center">Er hatte maßgeblichen Anteil am Ende des Vietnamkrieges und Nixons Rücktritt </h3>



<div style="height:15px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Von Jürgen Streich</p>



<div style="height:9px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><strong>In seinen letzten Tagen, schreibt seine Familie in der bewegenden Todesnachricht von Daniel Ellsberg, habe er angesichts der ihm entgegengebrachten Freundschaft, Zuneigung und Wertschätzung zahlreicher Menschen, gescherzt: „Wenn ich gewusst hätte, dass das Sterben so ist, hätte ich es früher getan.“ Worauf seine Frau Patricia geantwortet habe, dass sie dann froh sei, dass er es nicht gewusst habe. Im Februar habe der Whistleblower, der Anfang der siebziger Jahre die streng geheimen „Pentagon Papiere“ über den tatsächlichen Verlauf des Vietnamkrieges und die von der politischen und militärischen Führung als sehr gering eingeschätzten Erfolgsaussichten aus dem Pentagon herausgeschmuggelt und an die Öffentlichkeit gebracht hatte, erfahren, dass er an Bauchspeicheldrüsenkrebs leide. Er habe dies, schreiben seine Frau Patricia und die Kinder Robert, Mary und Michael, auf seiner sehr empfehlenswerten Website (<a href="http://www.ellsberg.net">www.ellsberg.net</a>) seinen Freunden und Unterstützern mitgeteilt und sie darüber informiert, dass er eine Chemotherapie ablehne. Er habe sich gefreut, gemeinsam mit seiner Familie und Freunden seinen 92. Geburtstag, und den 85. seiner längjährigen Frau feiern zu können und es genossen, nun wieder Speisen genießen zu können, die ihm zuvor ärztlicherseits verboten worden waren. Am frühen Morgen des 16. Juni 2023 sei er ohne Schmerzen im kalifornischen Kensington friedlich im Kreise seiner Familie gestorben.</strong></p>
</div>



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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1018" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.22.52-1018x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-7096" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.22.52-1018x1024.jpeg 1018w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.22.52-298x300.jpeg 298w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.22.52-150x150.jpeg 150w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.22.52-768x772.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.22.52-269x270.jpeg 269w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.22.52.jpeg 1273w" sizes="auto, (max-width: 1018px) 100vw, 1018px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Der Whistleblower Daniel Ellsberg, der mitunter als &#8222;gefährlichster Mann Amerikas&#8220; tituliert und von Präsident Richard Nixon als &#8222;Hurensohn&#8220; bezeichnet wurde, beherrschte zeitweilig die Titelseiten.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="979" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.14.42-1-979x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-7097" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.14.42-1-979x1024.jpeg 979w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.14.42-1-287x300.jpeg 287w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.14.42-1-768x803.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.14.42-1-258x270.jpeg 258w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.14.42-1.jpeg 1062w" sizes="auto, (max-width: 979px) 100vw, 979px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Daniel Ellsberg im Jahr 2020 mit seiner zweiten, jahrzehntelangen Ehefrau Patricia, die ihn erstmals mit Kriegsgegnern in Kontakt brachte. Foto: Christopher Michael / @chrismichael</p>
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<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="634" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.22.09-1024x634.jpeg" alt="" class="wp-image-7103" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.22.09-1024x634.jpeg 1024w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.22.09-300x186.jpeg 300w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.22.09-768x475.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.22.09-436x270.jpeg 436w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.22.09.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<div style="height:39px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="788" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.48.33-1024x788.jpeg" alt="" class="wp-image-7104" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.48.33-1024x788.jpeg 1024w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.48.33-300x231.jpeg 300w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.48.33-768x591.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.48.33-351x270.jpeg 351w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.48.33.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Ich, der ich das große Privileg hatte, Daniel Ellsberg im Jahr 2006 gemeinsam mit meinem Hamburger Freund und Kollegen Jörg Altekruse von der Fernseh- und Filmproduktionsgesellschaft „Zeitfilm Media“ im Zusammenhang mit dem gerade an ihn verliehenen Alternativen Nobelpreis zu einem ausführlichen Gespräch in einem Konferenzraum der damals noch gar nicht eröffneten Elbphilharmonie getroffen zu haben, will hier gar nicht alle Etappen seines beeindruckenden Lebensweges referieren. Diese gehen aus dem empfehlenswerten <a href="https://www.spiegel.de/ausland/daniel-ellsberg-whistleblower-sind-helden-nachruf-a-5e41331e-bed7-410e-86cf-ef666049dad1">Nachruf des SPIEGEL-Kollegen Michael Sontheimer</a> ebenso hervor, wie aus der von mir verfassten Kurzbiographie, die ich für die zweite Auflage <a href="https://aussichten-online.de/ueber-juergen-streich/buecher-von-juergen-streich/">meines Buches „Vorbilder – Menschen und Projekte, die hoffen lassen &#8211; Der Alternative Nobelpreis“</a> Ellsbergs Dankesrede vorangestellte habe – siehe unten.</p>
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</div>



<p class="wp-block-paragraph">An dieser Stelle nur soviel: Daniel Ellsberg, der oft als Urvater aller Whistleblower bezeichnet wird, war für mich, seit ich politisch denke, immer ein Vorbild an Mut und Konsequenz bis hin zur Selbstaufopferung. Jemand, dessen Arbeitsprinzip es war, mittels der Veröffentlichung von für manche Machthaber unangenehmen Tatsachen positive Veränderungen zu erzielen. Während der damalige Außenminister der USA, Henry Kissinger, und der nordvietnamesische Vorsitzende der Kommunistischen Partei und damit Staatschef Le Duc Tho 1973 dafür mit dem Friedensnobelpreis, dessen Annahme Le Duc Tho ablehnte, ausgezeichnet wurden, dass sie zuerst ein Riesengemetzel mit zigtausenden Toten betrieben und dann beendet hatten, trug Daniel Ellsberg schon viel früher maßgeblich dazu bei, dass der Vietnamkrieg später ein Ende fand und der korrupte Skandal-US-Präsident Richard Nixon zurücktrat.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Davon abgesehen habe ich ihn als ausgesprochen angenehmen Menschen, der mit sich und dem, was er geleistet hatte und weiterhin tat – nämlich weitere Personen zum Whistleblowing zu ermutigen, wofür Mordechai Vanunu, Chelsea Manning und Edward Snowden spätere prominente Beispiele sind &#8211; sehr zufrieden war, kennengelernt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lesen Sie hier den Auszug aus meinem Buch „Vorbilder – Der Alternative Nobelpreis – Menschen und Projekte, die hoffen lassen“:</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="693" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Ellsberg-Streich-Altekruse-1024x693.jpeg" alt="" class="wp-image-7112" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Ellsberg-Streich-Altekruse-1024x693.jpeg 1024w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Ellsberg-Streich-Altekruse-300x203.jpeg 300w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Ellsberg-Streich-Altekruse-768x520.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Ellsberg-Streich-Altekruse-399x270.jpeg 399w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Ellsberg-Streich-Altekruse.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Treffen im Jahr 2006 in Hamburg (v. l.) des Filmemachers Joerg Altekruse, Daniel Ellsbergs und des Journalisten Jürgen Streich. Foto: Zeitfilm Media</p>
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</div>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Daniel Ellsberg (geb. 1931)</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„…wurde mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet, weil er ‚unter beträchtlichem persönlichem Risiko den Einsatz für Frieden und Wahrheit an die erste Stelle setzte und sein Leben der Inspiration anderer, seinem Beispiel zu folgen, widmete.‘“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Daniel Ellsberg war ehemaliger Mitarbeiter des Pentagons, des Verteidigungsministeriums der USA, der seinem Gewissen folgte und geheime Informationen über die Lügen der US-Regierung über den Vietnamkrieg hinausschmuggelte. Diese Dokumente wurden als &#8222;Pentagonpapiere&#8220; weltberühmt. Ellsberg kämpft seither unermüdlich für den Frieden und ermutigt andere, wie er die Wahrheit über die tatsächlichen Machtstrukturen zu sagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er schloss sein Volkswirtschaftsstudium im Alter von 21 Jahren in Harvard ab, diente von 1954 an drei Jahre bei der Marine und promovierte 1962, während er für die RAND Corporation arbeitete. Diese Denkfabrik wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet, um die US-Streitkräfte zu beraten. Seit 1959 war er dort als Analyst für Strategiefragen beschäftigt und hatte sich auf die Befehligung, Beherrschung und Kontrolle von Atomwaffen sowie die Beratung bei Plänen zu deren Einsatz spezialisiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von 1961 an war er für drei Jahre Berater des Pentagon, des Außenministeriums und des Lagezentrums des Weißen Hauses, wo er sich auf nuklearstrategische Entscheidungsprozesse in Krisensituationen konzentrierte. Anschließend begann er, für das Verteidigungsministerium an Grundsätzen der Entscheidungsfindung im Vietnamkrieg zu arbeiten – sein erster Tag dort fiel mit dem Zwischenfall im Golf von Tonkin zusammen, der die acht Jahre andauernde Bombardierung Vietnams auslöste. In den nächsten fünf Jahren, zu denen auch ein zweijähriger Fronteinsatz in Vietnam gehörte, wurde er von diesem Krieg zunehmend desillusioniert. Diese Phase gipfelte 1969 in seiner Entscheidung, dass er tun musste, was in seiner Macht stand, um den Vietnamkrieg zu stoppen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ellsberg hatte der Presse bereits streng geheime Papiere zukommen lassen, um die Entscheidungen der Politiker zu beeinflussen und war entschlossen, das wieder zu tun. Er hatte gerade eine streng geheime 7.000-Seiten-Studie über Vietnam betreffende Entscheidungen von vier US-Regierungen gelesen, für die er einen der Bände entworfen hatte. Ab Oktober 1969 kopierte er diese heimlich und ließ sie Senator James William Fulbright, dem Vorsitzenden des Senatsausschusses für Auswärtige Angelegenheiten, zukommen. Als Fulbright dennoch nichts unternahm, gab er sie nach den Invasionen von Laos und Kambodscha erst an die New York Times, dann an die Washington Post und schließlich, als gerichtliche Verfügungen, die die Veröffentlichung untersagten, auf ihn niederprasselten, an siebzehn weitere Zeitungen weiter. Nun waren die Pentagonpapiere öffentlich. Sie bewiesen, dass die Regierung die US-Öffentlichkeit in Bezug auf den Vietnamkrieg belog.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="wp-block-paragraph">Obwohl der Oberste Gerichtshof die Verfügungen für unvereinbar mit dem Ersten Verfassungszusatz einstufte, wurde Ellsberg verhaftet und wegen zwölf Tatbeständen mit einer Strafandrohung von 115 Jahren Gefängnis angeklagt. Allerdings war Präsident Nixon dermaßen besorgt, Ellsberg könne noch mehr sensible Dokumente besitzen und weitergeben, dass er einen Einbruch bei Ellsbergs früherem Therapeuten in der Hoffnung veranlasste, Informationen für die Erpressung von Ellsbergs Schweigen zu finden. Das wurde Teil des Watergateskandals, der zu Nixons Rücktritt und schließlich zum Ende des Vietnamkriegs führte. Aufgrund des Fehlverhaltens der Regierung schlossen die Gerichte 1973 die Akten.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="683" height="833" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-22.24.50.jpeg" alt="" class="wp-image-7115" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-22.24.50.jpeg 683w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-22.24.50-246x300.jpeg 246w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-22.24.50-221x270.jpeg 221w" sizes="auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Ellsberg beantwortet vor einem US-Gericht Fragen von Journalisten.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Daniel Ellsberg arbeitet seither weiter für Frieden und nukleare Abrüstung. In den Jahren 1975 und 1976 war er als Organisator, Teilnehmer und Spendensammler am Kontinentalen Marsch für Abrüstung und Soziale Gerechtigkeit, einer Art Ostermarsch, beteiligt. Mehrere Jahre lang engagierte er sich in der Freeze-Kampagne, die das Einfrieren der nuklearen Rüstung zum Ziel hatte, um zumindest weitere Aufrüstung zu verhindern. Seiner eigenen Einschätzung nach wurde Daniel Ellsberg bei Friedensaktionen circa 85 mal verhaftet, zuletzt vor der Verleihung des Alternativen Nobelpreises in der Nähe der Ranch von George W. Bush in Texas, wo er gegen den Irakkrieg protestierte. Er setzte sich gegen den Bau der Neutronenbombe und später sowohl in Europa als auch in den USA, gegen Bau und Stationierung atomarer Mittelstreckenraketen ein und fuhr auf dem Greenpeace-Schiff Sirius mit nach Leningrad, um dort gegen sowjetische Nukleartests zu protestieren. Ellsberg geht davon aus, dass es der Erfolg der Freeze-Kampagne ist, daß US-Präsident Ronald Reagan dem Warschauer Pakt die sogenannte &#8222;Null-Lösung&#8220; bei Mittelstreckenraketen in Europa vorschlug, die die damals neue Moskauer Führung unter Michail Gorbatschow wider Erwarten akzeptierte. Es war der Anfang vom Ende des Kalten Krieges.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1992 startete Ellsberg mit der Organisation Ärzte für Soziale Verantwortung das &#8222;Manhattan Project II&#8220; (mit Manhattan Project wurde das Programm zum Bau der ersten Atomwaffen bezeichnet). Dieses setzte sich zum Ziel, einen Konsens zwischen allen Anti-Atom- und Friedensgruppen hinsichtlich gemeinsamer Schritte zur Beendigung des nuklearen Wettrüstens und der Weiterverbreitung von Atomwaffen sowie deren massive Reduktion bis hin zur völligen Abschaffung herzustellen. Der Konsens wurde inhaltlich erreicht, faktisch kam es aber lediglich zu einem Teststoppabkommen, das die USA immer noch nicht ratifiziert haben und von Nordkorea bisher völlig ignoriert wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Daniel Ellsberg begann, sich innerlich vom Vietnamkrieg zu distanzieren, erkannte er, dass die gesamte Eskalationsstrategie des Präsidenten von Geheimhaltung und Lügen abhängig war; und demzufolge auch von Druckmitteln, mit denen nicht autorisierte Enthüllungen – das Aussprechen der Wahrheit &#8211; verhindert werden sollten. Die Parallelen zum Irakkrieg waren offensichtlich, so dass Ellsberg im Jahr 2004 das Truth Telling Project gründete, um Insider zu ermutigen, offizielle Lügen zu entlarven.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es begann während der Vorbereitungen zum Irakkrieg anno 2003 mit einem von elf früheren Beamten unterzeichneten offenen Brief in der The New York Times. Dieser beinhaltete einen Aufruf zum &#8222;patriotischen Geheimnisverrat&#8220;. Beteiligt waren u.a. die Britin Katharine Gun und der Däne Frank Grevil, die in ihren Ländern dieser Art des Geheimnisverrats beschuldigt waren. Das Truth-Telling-Projekt führte zur Gründung der Koalition der Nationalen Sicherheits-Geheimnisverrätern. Geleitet wurde diese von ihrer Mitbegründerin Sibel Edmonds, einer FBI-Geheimnisverräterin. Der Koalition gehören mittlerweile über 60 frühere Beamte aus nationalen Sicherheitsbehörden an. Seit 2004 wird Daniel Ellsberg nicht müde, bei öffentlichen Auftritten auf die Parallelen zwischen den Kriegen im Irak und in Vietnam sowie der Irankrise hinzuweisen <em>(und wurde es seither auch im Zusammenhang mit anderen Konflikten und zuletzt dem Ukrainekrieg bis zu seinem Tod nicht. &#8211; Anm. JS vom 14. Juni 2023)</em>.</p>



<div style="height:21px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:20px"><strong>Auszüge aus Daniel Ellsbergs Dankesrede zur Verleihung des Alternativen Nobelpreises</strong></p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><em>Es ist eine besondere Ehre für mich, den gleichen Preis zu erhalten, der vorher, 1987, an Mordechai Vanunu vergeben wurde. In den einundsechzig Jahren des Atomzeitalters bleibt Vanunu, unter all den Offiziellen und Wissenschaftlern, die von Nuklearwaffenprogrammen gewusst haben, der einzige, der alles getan hat, was er hätte tun sollen, um die Welt vor fortdauernden nuklearen Gefahren zu warnen. Das soll heißen, dass er die einzige Person im der Nuklearsphäre ist, die das getan hat, wozu ich andere in meinem Truth-Telling-Projekt dränge.</em></p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="587" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.21.10-1024x587.jpeg" alt="" class="wp-image-7119" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.21.10-1024x587.jpeg 1024w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.21.10-300x172.jpeg 300w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.21.10-768x440.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.21.10-471x270.jpeg 471w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-17-um-23.21.10.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">&#8222;Würden Sie nicht auch ins Gefängnis gehen, um mitzuhelfen, einen Krieg zu beenden?&#8220; &#8211; So beantwortete Daniel Ellsberg in einem Fernsehinterview die Frage eines Journalisten. </p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Natürlich hat er einen hohen Preis dafür bezahlt. Wegen seiner beispielhaften, mit Fotografien nuklearer Waffenprogramme belegten Enthüllungen, die seine Regierung fortgesetzt und wahrheitswidrig abgestritten hat, wurde er aus Italien entführt und in Geheimverhandlungen zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt. Und nach der Verbüßung seiner vollen Strafe – zum größten Teil skrupellos in eine zwei mal drei Meter große Einzelzelle gesperrt – darf er bis zum heutigen Tag bestimmte Bereiche Israels nicht verlassen. Außerdem sieht er sich der ständigen Gefahr, wieder im Gefängnis zu landen, ausgesetzt, weil er auf seinem Recht, mit Ausländern und israelischen Kritikern der Kernwaffenpolitik ihres Landes zu sprechen, besteht.&nbsp;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Mordechai wies kürzlich in einer Mitteilung an mich, in der er mir zum Erhalt des Right Livelihood Awards gratulierte, darauf hin, dass ich Schweden weit früher besuche, als er es kann, obwohl er selbst den Preis vor 19 Jahren erhielt. Falls er jemals befreit werden sollte, um seine Botschaft zur Abschaffung von Nuklearwaffen in seinem Land und auf der Welt zu verbreiten, dann nur deshalb, weil weltweiter Protest &#8211; zu dem ich dieses Publikum und Schweden neben anderen dränge! &#8211; Israel schließlich dazu bewegt, diese Verletzung fundamentaler Menschenrechte zu beenden. Trotzdem bereut er, wie er mir und anderen wiederholt mitteilte, nicht, die Wahrheit ausgesprochen zu haben, trotz der Konsequenzen für ihn. Und er fordert andere Bürger der Atommächte auf, wie ich gleiches zu tun.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tatsächlich ist das (&#8230;) meine Hauptbotschaft in den letzten Jahren: Wir brauchen noch mehr Vanunus in jedem potentiellen und aktuellen Staat mit Nuklearwaffen, an erster Stelle meinem eigenen.&nbsp;&nbsp;&nbsp;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Höchst aktuell haben in den USA die Journalisten Seymour Hersh (der sich als investigativer Journalist zweillos große Verdienste erworben hat, zuletzt aber mit kaum haltbaren Behauptungen auffiel, Anm. JS, 17. Jui 2023) und andere aufgedeckt, dass die gegenwärtige US-Regierung während der zurückliegenden anderthalb Jahre Einsatzpläne für den nuklearen Angriff auf unterirdische iranische Nuklearenergieanlagen erstellen lassen hat &#8211; auf Kommando des Präsidenten hin sofort einsetzbar. Hersh hat zudem enthüllt, dass die Vereinigten Stabschefs ihre Einwände gegen diese Planungen in streng geheimen Memoranden an das Weiße Haus dargelegt haben. (&#8230;)</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Das kann nur durch nicht autorisierte Offenlegung geschehen – ein massives “Leck” – durch jemanden, der Zugang zu solchen Dokumenten hat und mit dem Urteil des Militärs übereinstimmt, dass die Ausführung solcher Pläne katastrophal wäre. Es gibt wahrscheinlich zwischen einem Dutzend und Hundert Menschen, die angesichts der&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Herausforderung bereit wären, die Verantwortung auf sich zu nehmen und die Welt zu warnen. Eine solche Person würde ein persönliches Opfer, das mit dem Vanunus vergleichbar ist, riskieren und sehr wahrscheinlich auch zu erleiden haben.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Ich schlage das nicht leichtfertig vor, nachdem ich mich einem ähnlichen Risiko für mich selbst gegenübersah, als ich vor fünfundzwanzig Jahren die Wahrheit offenbarte. (&#8230;) Anders als es Vanunu erfahren musste, führte die nachfolgende Enthüllung von verschiedenen Regierungsverbrechen an mir &#8211; vergleichbar mit seiner kriminellen Entführung durch die israelische Regierung &#8211; schließlich zur Niederschlagung der Anklagen gegen mich. Falls es aber anders gekommen wäre, bin ich mir sicher, dass ich nicht mehr Bedauern verspüren würde, als er es dafür tut, dass er Wahrheiten ausgesprochen hat, die viele Leben retten könnten.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was ich wirklich bedauere, ist, dass ich nicht daran dachte, die Tatsachen über das Hineinlügen meines Landes in den Vietnamkrieg in der Zeit zwischen 1964 und 1965 zu enthüllen, als ich es als Pentagonbeamter hätte tun können, bevor die massive Eskalation stattfand, und so vielleicht den Krieg insgesamt hätte verhindern können. Aber noch mehr bedaure ich, dass ich nicht eher daran dachte, die Natur unserer Nuklearkriegspläne zwischen 1959 und 1964 offenzulegen, als ich auf höchster Ebene als Berater des Verteidigungsministers mit solchen Planungen befasst war. Meine Appelle an gegenwärtige Beamte zu rechtzeitigem Aussprechen der Wahrheit beabsichtigen unter anderem, ihnen solches Bedauern zu ersparen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Das Risiko eines Luft- oder Nuklearangriffs auf den Iran in den verbleibenden zwei Jahren der Bush-Administration gibt offensichtlich nicht allein in den USA Anlass zur Sorge. (&#8230;)</em> <em>Ich möchte diese Gelegenheit ergreifen, die folgende Frage zur dringenden Diskussion in Europa zu stellen: Was planen die Öffentlichkeit und hohen Repräsentanten der beteiligten Länder zu tun, falls sie (&#8230;) mit einem US-Angriff auf den Iran konfrontiert werden?&nbsp; Und vor allem, wie würden sie nach iranischer Vergeltung auf den Einsatz von US- oder israelischen Nuklearwaffen gegen unterirdische Ziele auf die Eskalation reagieren?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Sicherlich sollten diese Länder die Nutzung ihrer Lufträume oder Basen auf jedweder Kollaborationsbasis bei einer irgendwie gearteten amerikanischen Aggression nicht gestatten, wie es Deutschland beim Angriff auf den Irak trotz seiner offiziellen Nichtteilnahme dennoch tat. (&#8230;)&nbsp;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Aber das allein wäre kaum genug, um von einem möglichen Einsatz von Nuklearwaffen durch die USA direkt oder Israel in Komplizenschaft mit den USA abzuschrecken oder auf ihn zu antworten. Regierungen wären dazu gezwungen, auszuführen, was ihre Vertreter empörenderweise als &#8222;die Nuklearoption&#8220; beschrieben haben, die sie als &#8222;auf dem Tisch liegend&#8220; betrachten. Nichts weniger als der Rückzug eines jeden einzelnen Mitgliedsstaates aus der NATO wäre als Antwort angemessen, wenn nicht gar der Ausschluss der USA aus der NATO-Allianz.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Es wäre für jeden europäischen und jeden anderen Staat undenkbar, in einem Militärbündnis oder darüber hinaus in normalen Beziehungen zu einem Staat zu bleiben, der gerade ausgeführt hat, was die Generalversammlung der UNO richtig als &#8222;das schlimmste Verbrechen an der Menschheit&#8220; definiert hat, den Ersteinsatz nuklearer Waffen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Um es der europäischen Öffentlichkeit im Voraus unmissverständlich klar zu machen: Petitionen, Demonstrationen und Druck auf ihre jeweiligen Regierungen durch Wahlen und Lobbyarbeit sind die äußerste und vielleicht einzig praktikable Abschreckung gegen einen solch desaströsen Kurs. (&#8230;)</em></p>
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		<title>PEN-Ex-Generalsekretär Heinrich Peuckmann ist tot</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Mar 2023 03:49:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aus dem PEN-Club]]></category>
		<category><![CDATA[Über Menschen]]></category>
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					<description><![CDATA[Der ehemalige Generalsekretär des PEN-Zentrums Deutschland, Heinrich Peuckmann. Heinrich Peuckmann, Pädagoge, Schriftsteller und Ex-Generalsekretär des Deutschen PEN-Zentrums, ist tot. Geboren am 15. Juli 1949 in Kamen starb er am 3. März 2023 im Alter von 73 Jahren nach langer und schwerer Krankheit. Peuckmann hinterlässt seine Frau und drei erwachsene Söhne. Der in einer Bergmannsfamilie aufgewachsene &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/aus-dem-pen-club/pen-ex-generalsekretaer-heinrich-peuckmann-ist-tot/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Der ehemalige Generalsekretär des PEN-Zentrums Deutschland, Heinrich Peuckmann.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Heinrich Peuckmann, Pädagoge, Schriftsteller und Ex-Generalsekretär des <a href="https://pen-deutschland.de/">Deutschen PEN-Zentrums</a>, ist tot. Geboren am 15. Juli 1949 in Kamen starb er am 3. März 2023 im Alter von 73 Jahren nach langer und schwerer Krankheit. Peuckmann hinterlässt seine Frau und drei erwachsene Söhne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der in einer Bergmannsfamilie aufgewachsene Peuckmann hatte sein Abitur 1968 gemeinsam mit dem späteren bekannten Schauspieler Dieter Pfaff am Aufbaugymnasium Unna abgelegt und studierte anschließend Germanistik, evangelischen Theologie und Geschichte an der Ruhruniversität Bochum.</p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Von 1974 bis 2011 war er Lehrer in Bergkamen und wurde Mitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). 2006 erhielt er an der Tongji-Universität in Shanghai und in den Jahren 2007, 2008 und 2012 an der Jiatong-Fremdsprachenuniversität im chinesichen Xi’an Gastdozenturen in Deutscher Literatur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das schriftstellerische Werk von Heinrich Peuckmann hat ein breites Spektrum. Er verfasste Romane für Erwachsene und Jugendliche, Kinderbücher, Erzählungen, Hörspiele, Theaterstücke, Gedichte, Essays, Glossen und pädagogische Artikel. Auch einige in der Fußball-Szene angelegte Geschichten des bekennenden Fans von Borussia Dortmund sind in seiner Bibliographie zu finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heinrich Peuckmann war Mitglied des <a href="https://kunst-kultur.verdi.de/literatur/vs">Verbandes deutscher Schriftstellen (VS)</a> sowie der europäischen <a href="https://www.diekogge.com/">Autorenvereinigungen „Die Kogge“</a> und des <a href="https://www.das-syndikat.com/syndikat.html">„Syndikats“</a>.</p>



<div style="height:15px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading" style="font-size:22px">Persönliche Erinnerung an Heinrich Peuckmann von Jürgen Streich</h2>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lernte Heinrich Peuckmann auf der Jahrestagung des PEN-Zentrums Deutschland 2019 in Chemnitz kennen. Heinrich wurde dort zum Generalsekretär gewählt. In dieser Funktion stand er natürlich in dauerndem Kontakt mit den PEN-Angestellten in der Darmstädter Zentrale. Er wurde von ihnen hochgeschätzt, denn er setzte sich nicht „nur“ für Literatur ein, sondern auch für Menschen, was letztlich nah beieinander liegt. Ich habe ihn als ausgesprochen angenehmen Menschen kennengelernt, mit dem man Spaß haben konnte, der aber vor allem da war, wenn es ernst wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So war es Heinrich Peuckmann, der den PEN-Mitgliedern in Form eines Konvolutes aus E-Mails, Gesprächsnotizen und Aussagen das volle Ausmaß und Hintergründe zur Regentschaft des 2021 zum PEN-Präsidenten gewählten Deniz Yücel bekanntmachte. Plötzlich standen Vorwürfe des fortgesetzten Mobbings gegen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Raum, war bestens dokumentiert, wie Yücel und seine Vertrauten Material gegen von der Mitgliederschaft gewählte Päsidiumsmitglieder, darunter auch gegen Heinrich Peuckmann sammelten, um diese zum Rücktritt zu bewegen und wurden mittelfristige Pläne, das PEN-Zentrum Deutschland im Sinne Yücels völlig umzugestalten, offenbar. Auch ich war fassungslos. Im Vorfeld der „Krawall“-Jahrestagung des PEN im Mai 2022 in Gera erfuhren wir „Widerständler“ in besonderem Ausmaß, welchen mutigen, verlässlichen, aber auch streitbaren Freund und Kollegen man mit Heinrich Peuckmann an seiner Seite hatte. Das war, zumal es ihm schon damals nicht mehr besonders gut ging, tief beeindruckend. Meinen Kollegen und Freund Erich Schmidt-Eenboom und mich ermutigte er sehr, ein öffentliches Statement gegen eine geradezu kriegstreibende Aussage zu Beginn der russischen Invasion der Ukraine so bekannt zu machen, wie nur möglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Menschheit braucht viel mehr Menschen wie Heinrich Peuckmann, die aus humanistischem Antrieb heraus allen Tendenzen gegen die Menschlichkeit entgegentreten. Ich habe Heinrich nur ein paar Jahre lang gekannt. Dafür bin ich allerdings sehr dankbar und werde ihn nie vergessen. Der PEN sollte ihn post mortem zum Ehrenmitglied erklären.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>
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		<title>Maria Sobetzko hinterlässt viele Spuren</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Jan 2023 06:49:17 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Über Menschen]]></category>
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					<description><![CDATA[Maria Sobetzko. Foto: Jürgen Streich „Sie war und ist ein Vorbild, denn sie hat gelebt, woran sie glaubte und wovon sie sprach“, schreibt der Autor und Journalist Jürgen Streich über Maria Sobetzko. Er hat die frühere Seniorenbeauftragte der Stadt Frechen und engagierte Ehrenamtlerin gut gekannt. Am vergangenen Mittwoch ist sie mit nur 62 Jahren verstorben. &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/archiv/maria-sobetzko-hinterlaesst-viele-spuren/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1014" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/01/Bildschirmfoto-2023-01-13-um-06.46.22-1014x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-5252" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/01/Bildschirmfoto-2023-01-13-um-06.46.22-1014x1024.jpeg 1014w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/01/Bildschirmfoto-2023-01-13-um-06.46.22-297x300.jpeg 297w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/01/Bildschirmfoto-2023-01-13-um-06.46.22-150x150.jpeg 150w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/01/Bildschirmfoto-2023-01-13-um-06.46.22-768x775.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/01/Bildschirmfoto-2023-01-13-um-06.46.22-267x270.jpeg 267w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/01/Bildschirmfoto-2023-01-13-um-06.46.22.jpeg 1268w" sizes="auto, (max-width: 1014px) 100vw, 1014px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Maria Sobetzko. Foto: Jürgen Streich</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>„Sie war und ist ein Vorbild, denn sie hat gelebt, woran sie glaubte und wovon sie sprach“, schreibt der Autor und Journalist Jürgen Streich über Maria Sobetzko. Er hat die frühere Seniorenbeauftragte der Stadt Frechen und engagierte Ehrenamtlerin gut gekannt. Am vergangenen Mittwoch ist sie mit nur 62 Jahren verstorben. Ein ganz persönlicher Nachruf. (Zuerst erschienen in der <a href="https://www.frechenschau.de/">„Frechenschau</a>“ im April 2017.)</strong></p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">„Eines Tages werden wir alle sterben“, sagt Charly Brown zu seinem vierbeinigen Freund Snoopy. „Ja, das stimmt“, antwortet dieser, „aber an allen anderen Tagen nicht.“ Eine Comic-Zeichnung mit diesen Worten aus der berühmten Serie „Peanuts“ stand im Krankenhaus auf dem Schränkchen neben dem Bett, als Maria Sobetzko die Kräfte schwanden und sie am 19. April dort im Alter von 62 Jahren starb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit diesen Sätzen beginnt auch der Text ihrer Todesanzeige. So stark Maria Sobetzko mit der Gewissheit des Todes von Menschen, zuletzt auch ihres eigenen, umging, so gerne lebte sie auch. Und zwar insbesondere mit anderen und für andere. Ihre Familie war ihr heilig, ihre Freunde konnten gesichert auf sie zählen. Durchaus gerne bei Speis´ und Trank, doch insbesondere dann, wenn es wichtig oder gar ernst im Leben wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich selbst erlebte das schon vor über dreißig Jahren. Wir hatten uns durch die Aktivitäten ihres Mannes Manusch beim Theater „Harlekin“ kennengelernt und wurden nun auch noch Nachbarn im Frechener Oberdorf. Ich befand mich in einer privat und beruflich schwierigen Umbruchphase. Wie gut taten damals die vielen langen, aber auch die „Auf-einen-Kaffee-zwischendurch“-Gespräche bei Maria und Manusch, deren Rat und Tat, deren freundschaftliche Nähe mir menschliche Wärme und Sicherheit vermittelten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rückblickend scheinbar kaum der Rede wert, aber damals für mich wichtig: Ausgerechnet, als ich im Vor-PC-Zeitalter mit der Abgabe meines ersten Buchmanuskriptes aus Aktualitätsgründen unter immensem Zeitdruck stand, stellte meine Schreibmaschine ihre Funktion ein. Verzögerungen hätten den Verlag und mich in ernsthafte Schwierigkeiten bringen können. Doch schneller, als jeder damalige Lieferservice es geschafft hätte, stand Sobetzkos´ Maschine auf meinem Schreibtisch und blieb dort, bis das Buch fertig war. Alles irgendwie wie selbstverständlich. Das war nicht die einzige solche Unterstützung. Fast alle Freundinnen und Freunde könnten solche Anekdoten berichten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ebenso auf Maria Sobetzko zählen konnten die vielen Menschen, deren Wohl ihr während ihres Berufslebens anvertraut war. Von ihrem Schreibtisch im Frechener Rathaus aus, aber ebenso bei zahlreichen Außen- und Vor-Ort-Einsätzen organisierte und realisierte sie zunächst beim Anfang der achtziger Jahre neugeschaffenen städtischen Jugendamt Freizeiten und andere Aktivitäten für junge Menschen, bevor sie sich jahrzehntelang um das Wohl der in Frechen lebenden Seniorinnen und Senioren kümmerte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Souveränität bei gleichzeitiger Zurückhaltung auch in schwierigen Situationen hat mich immer sehr beeindruckt. Aus eigener Anschauung kannte ich diese Fähigkeit von ihr von den Heiligabendfeiern, die die Stadt Frechen für Menschen ohne Angehörige, mit denen sie das Fest der Liebe verbringen können, seit Jahrzehnten durchführt. Ob bei diesem emotionsbeladenen Beisammensein ein Streit geschlichtet werden oder ein Notarzt her musste, der Backofen kaputt oder die angelieferte Suppe sauer war, bei der Abholung und Rückbringung der Gäste Schneechaos herrschte, jemand „et ärme Dier hatt´“ oder sonstwelche Sonderbetreuung nötig war &#8211; immer wirkte Maria hinter den Kulissen effektiv und hielt die Fäden in der Hand. Sie packte selbst mit an und delegierte geschickt. Für diese Arbeit erhielt das von ihr geführte „Heiligabend-Team“, dessen Vor- und Nachbereitungstreffen im Hause Sobetzko stattfanden, im Jahr 2002 die Ehrengabe der Stadt Frechen. Die Kölnische Rundschau schrieb damals: „Engel kämpfen gegen weihnachtliche Einsamkeit“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei verzichtete die praktizierende Katholikin Maria für diese von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern hochgeschätzte Arbeit im Sinne der Nächstenliebe Jahr für Jahr darauf, Heiligabend gemeinsam mit ihrer Familie feiern zu können. Doch ihre Liebsten wussten, wofür sie es tat, standen dahinter und brachten sich selbst immer wieder mit ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maria Illig, wie sie mit Geburtsnamen hieß, war gemeinsam mit zwei leiblichen und drei adoptierten Geschwistern in Buschbell aufgewachsen und wohnte seit ihrer Eheschließung mit Manusch Sobetzko im Frechener Oberdorf. Ihre drei Töchter sind längst erwachsen, Barbara und Claudia engagierte Grundschullehrerinnen, Monika eine vielseitige Schaulspielerin. Welch Wunder bei dem Vater, der die gute Seele des Hauses am Bahndamm, in dem das Theater „Harlekin“ seine Heimat hat, seit dessen Eröffnung ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Maria Sobetzko vor gerade einmal zwei Jahren in den Ruhestand verabschiedet wurde, hinterließ sie ein ausgesprochen gut bestelltes Feld. Wie hoch sie geschätzt wurde, kann man insbesondere von älteren Frechener Bürgerinnen und Bürgern hören, die die Früchte ihrer Arbeit nicht zuletzt auch im Zusammenhang mit ihren eigenen Alltagsnöten und –sorgen kannten. Vielleicht konnte sie auch etwas leichter vom Beruf loslassen, weil sie ihre Kolleginnen, die ihre Arbeit im Rathaus fortführten, sehr schätzte und sie wusste, dass die ihr ans Herz gewachsenen Dinge weiterhin in besten Händen waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei war ihr der Begriff Ruhestand schon zuvor ein Fremdwort. Seit ihrer Jugendzeit hatte sie sich in der katholischen Jugendarbeit, später dem Familienkreis und anderen Gruppen engagiert. So lag es nahe, dass sie die scheinbar neu hinzugewonnene Zeit ihrer Familie und ehrenamtlichen Tätigkeiten widmen würde. Und wie sie das tat! Obwohl sich erste Krankheitszeichen kurz nach ihrer Pensionierung gezeigt hatten und die Behandlung kompliziert und aufwendig war, packte sie bei der Flüchtlingshilfe an. Sie sah in jedem Menschen, der – aus welchen Gründen auch immer und ungeachtet seiner Abstammung und Religion – Hilfe benötigte, einen Nächsten und handelte danach. So leitete sie 2016 zunächst die Kleiderausgabe in der Halle des Gymnasiums und übernahm im November die Organisation des neu eröffneten Sozialwarenhauses.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das tat sie, solange es ihre Gesundheit zuließ. Noch im Winter hatte es so ausgesehen, als wenn die langwierige und kräfteraubende Behandlung tatsächlich zu ihrer Gesundung führen würde. Doch dann gab es einen Rückschlag, von dem sie sich nicht mehr erholte. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sozialwarenhauses schrieben, „dass Frechen mit dem Tod von Maria Sobetzko eine Persönlichkeit verliert, die sich durch ihr berufliches und ehrenamtliches Engagement unvergesslich verdient gemacht hat.“ Am besten könne man ihr danken und Achtung erweisen, indem man ihr Werk fortführe. Und: „Sie wird in dieser wichtigen Aufgabe weiterleben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ganz sicher. Sie hinterlässt viele Spuren. Sie war und ist ein Vorbild, denn sie hat gelebt, woran sie glaubte und wovon sie sprach. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach meiner letzten Begegnung mit Maria fiel mir das Ende eines meiner Lieblingsbücher ein &#8211; „Watership Down“ von Richard Adams. Es ist die Erzählung von einem vor der Vernichtung seiner alten Heimat geflohenen Kaninchenvolk auf der Suche nach einer neuen Heimat. Doch nach einer entbehrungs- und konfliktreichen Wanderung, während der sie ihren Feinden widerstanden und neue Freunde gwonnen hatten, erreichten sie das gelobte Land. Nachdem er sich zur Ruhe setzen und das Erreichte einige Zeit lang genießen konnte, legt sich einer der beiden Anführer, Hazel, erschöpft ins Gras. Er schaut den jungen Kaninchen, die lebendfreudig auf der Wiese vor ihren Bauten spielen. Dann erkennt Hazel schemenhaft ein schwarzes Kaninchen, das schwerelos vom Himmel herab zu ihm springt und ihn fragt, ob er mit ihm kommen wolle. Er habe alles getan, damit es Seinesgleichen gut gehe und müsse sich um deren Zukunft keine Sorgen machen. Als Hazel aufsteht und mitgeht, lässt er seinen Körper liegen und spürt, wie seine Kraft in die Jungen übergeht.</p>
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