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	<title>Kommentare / Hintergründe &#8211; AUSSICHTEN &#8211; Informationen aus dem Journalistenb&uuml;ro von J&uuml;rgen Streich</title>
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		<title>AfD-Spitzenkandidat für Europawahl: Politsatire von rechtsaußen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Aug 2023 17:42:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentare / Hintergründe]]></category>
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					<description><![CDATA[&#8222;Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen&#8220; Von Stefan Hanft Freitagabend. Ich sitze alleine auf der Couch. Die Neue Rechte ist auf dem Vormarsch. Die Altparteien zittern. Die Medien kommen den neusten (Miss-)Erfolgsmeldungen der Parteien in den Wahlumfragen kaum hinterher. Der öffentlich-rechtliche TV-Sender Phönix quält sein Zuschauer mit einer Dauerübertragung des &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/aktuelles/afd-spitzenkandidat-fuer-europawahl-politsatire-von-rechtsaussen/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading has-text-align-center">&#8222;Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen&#8220;</h2>



<div style="height:14px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Von Stefan Hanft</p>



<p class="wp-block-paragraph">Freitagabend. Ich sitze alleine auf der Couch. Die Neue Rechte ist auf dem Vormarsch. Die Altparteien zittern. Die Medien kommen den neusten (Miss-)Erfolgsmeldungen der Parteien in den Wahlumfragen kaum hinterher. Der öffentlich-rechtliche TV-Sender Phönix quält sein Zuschauer mit einer Dauerübertragung des AfD-Parteitags. Und die Partei? Sie wählt Dr. Maximilian Eugen Krah zu ihrem Spitzenkandidaten für die kommenden Europawahlen 2024 und schafft es tatsächlich, mir noch ein müdes Lächeln abzuringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer den 2019 zum Europaabgeordneten gewählten Krah kennt, der weiß, dass von dem AfD-Mann einiges an Dummheit und Desinformation zu erwarten ist. Doch mit seiner Rede am Nominierungsparteitag (28. Juni 2023) bewies Krah darüber hinaus auch seine außerordentliche Fähigkeit zur wirren Vermengung von Europa- und Sozialpolitik mit der eigenen faschistoiden Gedankenwelt. Würde man den bedrohlich-ernsten Kontext ausklammern, so könnte man das Endprodukt seiner Rede gar für Satire halten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn nachdem Krah zunächst seine internen Parteigegner abwatschte, widmete er sich einem Thema, dass dem gelernten Juristen ganz besonders am Herzen liegt: der Armut. Er wisse, was Armut ist, so Krah, schließlich habe er als Kind ab und zu Zeit in der Ganztagsbetreuung einer Sonderschule verbracht, an der seine Mutter als Lehrerin beschäftigt war. Mit dieser einleitenden Darstellung seiner Fachexpertise kommt Krah auf das sozialpolitische Europaprogramm seiner Partei zu sprechen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und wir sind die Partei, die denen, die arbeiten wollen, die hart arbeiten, die darum betrogen werden, weil man von ihrem Brutto alles ausgibt für Klima, für Gender, für Einwanderung und für Krieg, denen ihre Würde zurückgeben, ihr Netto zurückgeben, und ihnen zurufen: Ihr seid nicht vergessen! Es gibt keine vergessenen Männer und Frauen für die AfD, wir stehen zusammen, denn wir sind ein Volk.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es wäre keine Rede von Krah, wenn sie nicht noch eine haargenaue Definition beinhalten würde, wer denn zu diesem Volk gehört. Man müsse nur danach fragen, welche Märchen und Lieder einem in der Kindheit begleitet haben oder alte Fotos betrachten. Denn: „Uns wurden dieselben Märchen vorgelesen und dieselben Lieder vorgesungen. (…) Wenn wir uns unsere Familienalben zeigen, dann erkennen wir, dass schon unsere Großväter und unsere Urgroßväter ein Volk sind.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich begriff schnell, dass Krah meine Leidenschaft für die tschechische Schriftstellerin und Märchensammlerin Božena Němcová wohl nicht teilt. Doch ob der Oberlausitzer allein durch einen Blick in mein Familienalbum eine Entscheidung über meine Zugehörigkeit zum deutschen Volk treffen könnte? Ich wäre jedenfalls schwer beeindruckt!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie es auch sei, mit seinen abschließenden genialen Ausführungen zur Sozialpolitik hatte mich der Redner wieder eingefangen. Armut in Deutschland zu bekämpfen schien noch nie so einfach. Blitzgescheit verlautbarte Krah, dass man nur an der richtigen Stelle ansetzen müsse. Das Herz „unserer sozial Schwachen“ würde nämlich „tanzen, wenn es Deutsche Märchen und Deutsche Lieder wären, die man ihnen vorträgt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Wähler darf sich bis zu den Europawahlen im Juni 2024 auf viele weitere geistreiche Ausführungen von Rechtsaußen freuen. Mit Märchen und Liedern die Armut zu bekämpfen ist zwar sozialpolitischer Unsinn, aber zur Volksbelustigung bestens geeignet.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
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<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Stefan Hanft</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Der Autor</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Stefan Hanft, geb. 1994 in München. Studium der Politikwissenschaften und Geschichte an der Ludwig Maximilians-Universität München, der Universität Augsburg und der Emory University Atlanta. Seit 2022 geschäftsführender Diözesansekretär im Diözesanverband der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung Augsburg.</p>
</div>
</div>
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		<title>»Ich schwöre, so wahr mir Gott helfe«</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 02 Jul 2023 21:58:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kommentare / Hintergründe]]></category>
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					<description><![CDATA[Kardinal Woelki, Kirchenaustritte und die aktuellen Kölner Ereignisse Der Teufel (r., Ozan Akhan) will in der Kölner &#8222;Stunksitzung&#8220; 2023 von seinem Handlanger Kardinal Rainer Maria Woelki ((l. Günter Ottemeier) wissen, weshalb der es noch immer nicht geschafft hat, dass alle Katholiken im Erzbistum Köln aus der Kirche ausgetreten sind. Sogar im Publikum wittert er noch &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/kommentare-hintergruende/ich-schwoere-so-wahr-mir-gott-helfe/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h3 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Kardinal Woelki, Kirchenaustritte und die aktuellen Kölner Ereignisse</strong></h3>



<div style="height:15px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
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<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Der Teufel (r., Ozan Akhan) will in der Kölner &#8222;Stunksitzung&#8220; 2023 von seinem Handlanger Kardinal Rainer Maria Woelki ((l. Günter Ottemeier) wissen, weshalb der es noch immer nicht geschafft hat, dass alle Katholiken im Erzbistum Köln aus der Kirche ausgetreten sind. Sogar im Publikum wittert er noch welche. Foto: Screenshot, &#8222;Lange Kölner Stunksitzung 2023, WDR</p>
</div>
</div>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Ein Kommentar von Dr. Michael Schäfers</p>



<p class="wp-block-paragraph">522.821 Katholik*innen haben laut Deutscher Bischofskonferenz im letzten Jahr ihren Austritt aus der Kirche erklärt. Damit wurde das bisherige Rekordjahr 2021 mit 359.338 nochmals deutlich überschritten. Im Erzbistum Köln allein haben 51.345 Menschen ihrer Kirche den Rücken gekehrt. Deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt. Seitdem tobt eine heftige Auseinandersetzung über die Deutungshoheit der Austrittszahlen. Welchen Anteil haben allgemeine Tendenzen, wie der Rückgang des Glaubens? Welche Gründe sind dem Versagen der kirchlichen Amtsträger anzulasten?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während in anderen Bistümern die Kommentierung der Zahlen Chefsache war, deutete nicht Kardinal Woelki für sein Erzbistum Köln die Zahlen, sondern überließ dies dem Leiter der Hauptabteilung Seelsorge / Personal, Milke Kolb. Der sieht die Hauptgründe in konkreten »negativen Erfahrungen, Wut und Enttäuschungen«, aber auch »Frust über Menschen, die für die Kirche stehen und diese repräsentieren«. Hierfür habe er Verständnis. Der Name seines obersten Dienstherrn Woelki fiel natürlich nicht…</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Exodus und Kardinal Woelki</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gründe für den Exodus aus der katholischen Kirche sind vielfältig, aber Woelki hat seinen Anteil daran, ist er doch der führende »Repräsentant« des verstockten, uneinsichtigen und reformunwilligen Teils der kirchlichen Amtshierarchie, die immer mehr Menschen aus der Kirche treibt. An der Basis gärt es ob der krassen Fehleinschätzung der Brisanz der Lage. Norbert Caßens, engagierter Pfarrer in der Pfarrei St. Martin in Nottuln im einst katholisch geprägten Münsterland, beobachtet, »dass immer mehr Menschen austreten, die aus der ‚Mitte‘ des aktiven Pfarrlebens kommen und die zum Teil auch weiterhin ehrenamtlich aktiv sind und auch hin und wieder zur Messe kommen und teilweise auch die Kommunion empfangen.« Die, die das gemeindliche Leben vor Ort aktiv tragen, verabschieden sich, aber keineswegs von ihrem sozialen Engagement. Sie wechseln die Betätigungsfelder, wollen aber dennoch nicht ganz die Kontaktflächen zu ihrer Gemeinde verlieren. Christliche Werte lehnen sie keineswegs ab und ihren Glauben haben sie auch nicht verloren, wie die Fundamentalisten und Konservativen in der Kirche nicht müde werden zu betonen. Caßens zu den Gründen, die er in Gesprächen bei den Ausgetretenen ausmacht: »Als Ursache benennen sie die ‚Großwetterlage‘: Die als stockend empfundene Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der Kirche, den mangelnden Willen zu tiefgreifenden Reformen, besonders wenn es um die Verteilung von Macht in der Kirche geht, oder einfach auch den Kölner Kardinal Woelki als Prototyp einer Kirche, die sie überwunden wissen wollen.« Selbst bei Austritten aus der evangelischen Kirche wird Woekli als Grund benannt. Man mag dies für eine konfessionelle Desorientierung und fehlendes Wissen halten, mehr jedoch wird darin deutlich: Der Kölner Kardinal ist zum Prototyp eines konfessionsübergreifenden »Typus« kirchlicher Repräsentanz geworden, der weit über die Grenzen des Erzbistums Köln und seiner eigenen Kirche hinaus auf tiefe Ablehnung stößt.</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Razzia im Bischofshaus (und anderswo): Verdacht auf Meineid</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die jüngsten »Kölner Ereignisse«, insbesondere die umfangreiche Razzia der Staatsanwaltschaft Köln wegen des Verdachts auf Meineid des Kardinals, bei der umfangreiche Unterlagen und elektronische Daten, auch Handy und Laptop von Woelki, beschlagnahmt wurden, bringen für viele nun endgültig das Fass zum Überlaufen. Hintergrund: Vor dem Landgericht in Köln im März d. J. hatte Woelki bestritten, von Missbrauchsvorwürfen gegen einen von ihm im Jahr 2017 beförderten Priester gewusst zu haben. Dem WDR liegt in Kopie ein Schreiben vor, indem Vorwürfe gegen den beförderten Priester genau beschrieben werden. Dieses hat Woelki unterschrieben, will es aber nicht gelesen haben bzw. sich nicht mehr an Einzelheiten erinnern können. In einem weiteren Brief an den Vatikan, unterzeichnet vom damaligen Offizial des Erzbistums Köln, Günter Assenmacher, findet sich folgender Satz: »(…) wie vereinbart habe ich ein Dossier zusammengestellt, das der Herr Kardinal mit einem Begleitschreiben über die Nuntiatur an die Glaubenskongregation auf den Weg gebracht hat, mit der Bitte um weitere Weisungen.« Nach Aussage Assenmachers hat Woelki den Brief dann persönlich auf den Weg gebracht, was als aktive Beteiligung am Vorgang zu werten ist. Vor dem Kölner Landgericht war Woelki nach seiner Befragung vereidigt worden und sagte: <em>»</em>Ich schwöre, so wahr mir Gott helfe.« Statt Gott hilft nun die Staatsanwaltschaft, Licht ins Dunkel zu bringen. Dass es um mehr als einen »Anfangsverdacht« geht, belegt schon allein der Umfang der Durchsuchungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Woelki erklärte, die Durchsuchungen seien unverhältnismäßig und überflüssig gewesen, sei er doch jeder Zeit bereit, umfänglich mit den Behörden zu kooperieren und zur Aufklärung beizutragen. Diese Behauptung ist mehr als fadenscheinig. Denn dann hätte Woelki, nachdem dem WDR die Kopien des Schreibens vorlagen, die Originale der Staatsanwaltschaft selbst aushändigen können. Das hat er nicht getan. Warum nur?</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Weiterhin: Schuldsuche bei anderen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">So bleibt Woelki seinem Reaktionsmuster der Schuldsuche bei anderen treu. Durch seinen Anwalt Björn Gercke ließ er Anzeige wegen Verletzung des Dienstgeheimnisses bei der Kölner Staatsanwaltschaft erstatten. Diese bezieht sich auf die Medienpräsenz zum Zeitpunkt der Razzia im Erzbischöflichen Haus in der Kölner Innenstadt. Der Termin sei an die Presse »durchgestochen« worden, was unzulässig und strafbar sei. Von dem Vorwurf nahm sein Anwalt ausdrückliche die Staatsanwaltschaft und die Spezialkräfte aus und verwies auf vermutete undichte Stellen bei den an dem Einsatz beteiligten Polizist*innen. Dass es auch eine andere Version geben könnte, kommt Woelki und Gercke nicht in den Sinn. Vor Ort brauchte es offensichtlich längere Zeit, bis der Kardinal den Einsatzkräften persönlich die Eingangspforte öffnete. In der Nähe befindliche Taxifahrer wurden schon bei der geballten Sammlung der Einsatzkräfte am Börsenplatz darauf aufmerksam, dass »etwas beim Woelki im Busch« war. Gute Kontakte der Presse zu Taxifahrern sind bekannt. Wie auch immer, auch hier werden die Gerichte Licht ins Dunkel bringen müssen…</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das Maß ist voll!</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht nur unter den Katholik*innen der Basis im Erzbistum Köln und darüber hinaus kocht es angesichts der aktuellen »Kölner Ereignisse« weiter. Das Maß ist voll! Der SPD-Landtagsfraktionschef, der Kölner Jochen Ott, hat auf den Punkt gebracht, was seit langem überfällig ist, viele denken und längst fordern. Ott: »Ein glaubhafter Neustart im Erzbistum ist wohl nur ohne Kardinal Woelki denkbar.» Ihn bestürze, so Ott weiter, »mit welcher Gleichgültigkeit der Kardinal die Massenflucht der Katholiken aus der Kirche offenbar« behandle. Da engagierte Christen mit ihrem sozialen Engagement viele Initiativen in den Kommunen trügen, nun aber die Kirche verließen, stünden diese vor dem Aus. Viele seien frustriert und ermüdet angesichts des Umgangs der Bistumsspitze mit den Missbrauchsfällen. Kurz: Viele sind des Kardinals nun aufgrund der jüngsten Ereignisse, seines halsstarrigen Agierens, der Gerichtsprozesse und des angerichteten Schadens endgültig überdrüssig.</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lehrreiche Geschichte?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gab Zeiten, da trieben die Kölner Bürger*innen ihre Kirchenoberhäupter vor die Stadtmauern, um sie zur Läuterung zu zwingen, um Schaden von Volk, Kirche und der »Heiligen Stadt Köln« abzuwenden, &#8211; nicht zuletzt um der Geschäfte willen mit der zahlungskräftigen Pilgerschar der wirtschaftlich umzumünzenden Heiligen Drei Könige… Ihr Umgang mit ihren Kirchenfürsten und Bischöfen blieb respektvoll und auf Reue bedacht, aber bestimmt. Irgendwann war es dann einfach genug. Geschichte wiederholt sich nicht, aber lehrreich bleibt sie doch. Amtsverzicht wäre heute seitens des amtierenden Kardinals eine vorbeugende »Selbstmaßnahme« zum eigenen Schutz, um Schaden von der Kirche abzuwenden und um den Weg für einen Neuanfang frei zu machen, damit endlich wieder Ruhe einkehrt. Köln hat viele Bischöfe ehrenvoll begraben, Köln hat ihnen ehrende Grabstätten errichtet, gut, einigen auch nicht… Am Ende war dennoch irgendwie Friede. Und dann war Neuanfang. Wenige der halsstarrigen Kirchenfürsten und Bischöfe von »Gottes Gnaden« erkannten in auswegloser Situation allerdings, dass nur ein Rückzug die beste und letzte Option für sie und das Volk war. Sie blieben uneinsichtig. Quo Vadis Woelki…?</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Autor</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Michael Schäfers, Dr. phil., geb. 1962 in Paderborn. Studium der Katholischen Theologie, Soziologie, Politologie und Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Paderborn, Bielefeld und Münster. Referent für Politik und Strategie beim Bundesvorstand der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung in Köln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zahlreiche Veröffentlichungen zu kirchenpolitischen Themen. Zuletzt&nbsp;erschienen u.a.: Wie Papst Franziskus Politik macht. Zur Sozialenzyklika „Laudato si“, Köln 2017;&nbsp;Der Vorrang der Arbeit – eingelöst oder nicht? – Die katholische Soziallehre und ihr Spannungsverhältnis zur Praxis der Kirche als Arbeitgeberin, in:&nbsp;Eder / Fey / Joussen,&nbsp;Kirchliches Arbeitsrecht &#8211; Aufbruch durch Wagnis, Köln 2023. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Autor lebt mit seiner Familie in Frechen-Königsdorf.</p>
</div>



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<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="730" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/07/Michael_Schaefers-730x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-7215" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/07/Michael_Schaefers-730x1024.jpeg 730w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/07/Michael_Schaefers-214x300.jpeg 214w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/07/Michael_Schaefers-768x1077.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/07/Michael_Schaefers-193x270.jpeg 193w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/07/Michael_Schaefers.jpeg 913w" sizes="(max-width: 730px) 100vw, 730px" /></figure>
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		<title>Der eine geht, der andere bleibt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Apr 2023 00:57:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kommentare / Hintergründe]]></category>
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					<description><![CDATA[Bischof Bode, Kardinal Woelki und die Dämmerung von Papst Franziskus Von Dr. Michael Schäfers Der Bischofssitz im Bistum Osnabrück ist derzeit vakant. Franz-Josef Bode darf sich nun »Bischof em.« nennen. Das Rücktrittsgesuch des 72-Jährigen wurde von Rom im Vergleich mit anderen Rücktrittsgesuchen quasi in einem Schnellverfahren erledigt. Am 21. Januar 2023 bot »BiBo«, wie der &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/kommentare-hintergruende/der-eine-geht-der-andere-bleibt/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h1 class="wp-block-heading has-text-align-center has-x-large-font-size"><strong>Bischof Bode, Kardinal Woelki und die Dämmerung von Papst Franziskus</strong></h1>



<div style="height:15px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Von Dr. Michael Schäfers</p>



<div style="height:5px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Bischofssitz im Bistum Osnabrück ist derzeit vakant. Franz-Josef Bode darf sich nun »Bischof em.« nennen. Das Rücktrittsgesuch des 72-Jährigen wurde von Rom im Vergleich mit anderen Rücktrittsgesuchen quasi in einem Schnellverfahren erledigt. Am 21. Januar 2023 bot »BiBo«, wie der lebensnahe Bischof von seinen Freundinnen und Freunden mit Spitznahmen genannt wird, in einem Schreiben seinen vorzeitigen Rücktritt an.</strong></p>
</div>



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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="810" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-03-um-04.30.50-3-1024x810.jpeg" alt="" class="wp-image-6373" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-03-um-04.30.50-3-1024x810.jpeg 1024w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-03-um-04.30.50-3-300x237.jpeg 300w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-03-um-04.30.50-3-768x608.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-03-um-04.30.50-3-341x270.jpeg 341w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-03-um-04.30.50-3.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Der Osnabrücker Bischof emrit. Franz-Josef Bode.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">In der Regel stellen Bischofe mit 75 Jahren ihr Rücktrittsgesuch an Rom. Schon Ende Februar nahm Rom den Amtsverzicht an und entband den weit über sein Bistum hinaus beliebten Reformbischof zum 25. März von seinen Amtspflichten. Bode selbst erklärte als Grund für sein vorzeitiges Rücktrittsgesuch, für eigene Fehler bei der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in seinem Bistum die Verantwortung zu übernehmen und in Konsequenz sein Amt vorzeitig zur Verfügung zu stellen. Bekannt ist, dass gesundheitliche Gründe ebenfalls eine große Rolle gespielt haben, die den Osnabrücker Bischofs bereits mehrmals in den letzten Jahren zur Unterbrechung seiner Amtsgeschäfte nötigten.</p>



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<h2 class="wp-block-heading" style="font-size:19px"><strong>Der Papst hat den Rücktritt von Bischof Bode schnell entschieden – der Fall von Kardinal Woelki dagegen bleibt unentschieden</strong></h2>



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<p class="wp-block-paragraph">Während das (angebliche) Rücktrittsgesuch des erzkonservativen Kölner Kardinals Woelki weiter von Papst Franziskus in der Schwebe gehalten wird und das Rücktrittsgesuch des München-Freisinger Kardinals Reinhard Marx vom Papst abgelehnt wurde, der ebenfalls für sein Versagen bei der Aufarbeitung sexueller Missbrauchsfälle in seinem Erzbistum Verantwortung übernehmen wollte und seinen Rücktritt angeboten hatte, reagierte im Fall Osnabrück der Papst umgehend und eindeutig. Welche Gründe könnte es dafür geben?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Insider aus der römischen Kurie berichtet über die Vorbereitung bischöflicher Rücktrittsgesuche für Papst Franziskus: „Die Bedeutung des jeweiligen Bistums spielt eine entscheidende Rolle, wie und wann das Verfahren dem Papst zur Entscheidung vorgelegt wird. Da werden einige in der Kurienverwaltung wohl erstmal nach dem Bistum Osnabrück gegoogelt haben… Systematisch werden die bedeutenden Bistümer gescannt. Für Deutschland natürlich München-Freising und Köln. Alle anderen sind eher nachrangig und von untergeordnetem Interesse. In den Bistümern, die als bedeutend eingestuft werden, haben die Bischofsberufungen natürlich eine höhere Brisanz, denn da geht es um echte Machtfaktoren, auch für die Weltkirche.“ Umso mehr erstaunt also die Schnelligkeit der Rücktrittsannahme im Fall Bode. Wollte Rom einen ausgewiesenen Reformer der katholischen Kirche in Deutschland möglichst schnell in den Ruhestand entlassen? Warum bleibt Woelki und weshalb legt der Papst in Osnabrück ein anderes Tempo vor?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bischöfe werden in der katholischen Kirche grundsätzlich durch den Papst ernannt, auch wenn in einigen Diözesen dem Domkapitel ein Wahlrecht im Vorfeld zusteht. Am Ende entscheidet der amtierende Papst. Die Kirchengeschichte belegt, dass damit der Papst über Bischofsernennungen einen entscheidenden Machtfaktor in Personalentscheidungen und damit der Kursbestimmung der Kirche in der Hand hat. Über die Ernennungen können ganze Bischofskonferenzen des jeweiligen Landes und andere (kontinentale) Zusammenschlüsse auf römischen Kurs gebracht werden. Erinnert sei nur an das Pontifikat Johannes Paul II. (1978 &#8211; 2005), der durch seine Personalpolitik systematisch Befreiungstheologen bzw. mit der Befreiungstheologie sympathisierende Bischöfe in Lateinamerika durch linientreue Bischöfe Roms ersetzte und unter Marxismus-Verdacht stehende Theologen mit Schreib- und Redeverboten belegte. Wenn Rom spricht, hat die (Welt)Kirche zu folgen! Nur ist dies längst nicht mehr so wirkmächtig wie noch vor einigen Jahrzehnten…</p>



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<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:19px"><strong>Das »Sündenregister« des Osnabrücker Bischofs</strong></p>



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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-06-um-03.04.49-1024x683.jpeg" alt="" class="wp-image-6387" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-06-um-03.04.49-1024x683.jpeg 1024w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-06-um-03.04.49-300x200.jpeg 300w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-06-um-03.04.49-768x512.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-06-um-03.04.49-405x270.jpeg 405w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-06-um-03.04.49.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Der Dom in der heutigen 170.000-Einwohner-Stadt Osnabrück. Foto: Panthermedia</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Für Bischof Bode war sein erster Wirkort sein Bistum. Im Gegensatz zu anderen deutschen Bischöfen, die immer wieder strittige Fragen in Rom zur Entscheidung vorlegten, ging »BiBo« eigene Reformwege, die den Widerspruch des konservativen Teils der Deutschen Bischofskonferenz herausforderten. Jüngst zeigt sich dies beim Synodalen Weg, der grundlegende Reformen in der Kirche einfordert.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die »Täterorganisation Kirche« müsse strukturelle Einschnitte in den Bereichen Macht- und Gewaltenteilung, Sexualität und Partnerschaft und hinsichtlich der priesterlichen Existenz und von Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche setzen, so die zentralen Forderungen. Bischof Bode unterstützte als Vizevorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und als Mitglied des Präsidiums der Vollversammlung des Synodalen Wegs diesen Weg. Diesen Synodalen Weg bezeichnete Bode als wichtigen Reformschritt der katholischen Kirche in Deutschland. Er setzte sich dafür ein, dass die Beschlüsse umgehend im Bistum Osnabrück umgesetzt wurden. Frauen sind an allen Entscheidungen zu beteiligen, zu allen Leitungsdiensten und -ämtern zuzulassen, das Diakonat der Frauen als erster Schritt hin zum vollen Priesteramt einzurichten, neue Segensfeiern für Paare und Taufen durch Nicht-Kleriker sollen eine Selbstverständlichkeit werden und Frauen und Männer ohne Priesterstatus in den Gottesdiensten predigen. Bode unterstützte öffentlich die Initiative »#OutinChurch« und setzte sich für ein kirchliches Arbeitsrecht ein, das den geänderten Lebenslagen der Beschäftigten der Kirche endlich Rechnung trägt. Zudem rief er zu einem basisdemokratischen Prozess im Bistum auf, in dem alle an den konkreten Maßnahmen zur Umsetzung der Bistumsreform mitarbeiten sollten. Aus römischer Sicht war die »Sündenliste« des Osnabrücker Reformbischofs lang. Kam da das vorzeitige Rücktrittsgesuch gerade recht?</p>



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<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:19px"><strong>Bode und Woelki: Zwei entgegensetzte Flügel</strong></p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Deutsche Bischofskonferenz ist tief gespalten. Bode und Woelki stehen für zwei entgegengesetzte Flügel. Konservative Bischöfe stehen reformwilligen gegenüber. Eine deutliche Verschärfung wird durch die Frage verursacht, wie mit dem sexuellen Missbrauch konkret in der katholischen Kirche umgegangen werden soll. Einigkeit besteht im Schuldbekenntnis, unüberbrückbare Gegensätze darin, welche konkreten Maßnahmen um ihrer Glaubwürdigkeit willen für die Zukunft der Kirche daraus abzuleiten sind. Während die reformerische Mehrheit »Strukturen der Sünde« als das Versagen ausmacht und daraus konsequent die Schlussfolgerung zieht, dass grundlegend strukturellen Reformen bis hin zur »heiligen Ämterfrage« (Zulassung von Frauen zum Priesteramt, Abschaffung des Pflichtzölibats) umzusetzen sind, beharren die Bewahrer halsstarrig darauf, dass die »heilige katholische Kirche« in ihren Glaubensüberzeugungen und Grundfesten zu konservieren sei und die eigentliche Ursache des Missbrauchs im Versagen Einzelner liege, die zur Buße zu rufen seien.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
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<p class="wp-block-paragraph">Kardinal Woelki steht für letzteres und hat klassisch exerziert, wie diese Position sich durchlavieren und auch gegen heftige Widerstände aus dem eigenen Erzbistum an der Macht halten kann. Am 24. September 2021 gibt Papst Franziskus bekannt: Woelki bleibt im Amt und ihm wird eine »Bedenkzeit«, eine fünfmonatige »geistliche Auszeit« gewährt. Am 2. März 2022 zu Aschermittwoch kehrt Woelki nach Köln zurück und erklärt, sein Rücktrittsgesuch bei Papst Franziskus eingereicht zu haben. Einzelheiten des gesamten römischen Verfahrens sind nicht bekannt, bleiben undurchsichtig, selbst dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, dem Limburger Bischof Georg Bätzing.</p>
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<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="772" height="864" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-02-24-um-05.09.28.jpeg" alt="" class="wp-image-6400" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-02-24-um-05.09.28.jpeg 772w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-02-24-um-05.09.28-268x300.jpeg 268w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-02-24-um-05.09.28-768x860.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-02-24-um-05.09.28-241x270.jpeg 241w" sizes="auto, (max-width: 772px) 100vw, 772px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Diese Plakate tauchten während der Karnevalszeit plötzlich an mehreren Orten in Köln auf.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Der bekundete im Mai 2022 gegenüber dem Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) Zweifel, ob das Rücktrittsgesuch von Kardinal Woelki »in Rom auch so angekommen ist«. Bätzing weiter: »Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz spielt in der Frage überhaupt keine Rolle für Rom. Wenn er sich nicht irgendwie einschaltet, bekommt er auch keinerlei Informationen, keinerlei.« In das gleiche Horn stieß Kardinal Marx, der dem Vatikan ebenfalls Intransparenz im Umgang mit Kardinal Woelki attestierte. Der Papst schweigt weiter. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Bode und Woelki stehen auch für zwei grundsätzlich entgegengesetzte Positionen hinsichtlich des Synodalen Wege. Wie bereits erwähnt, unterstützte Bode als Bischof diesen, während Woelki bereits in der Anfangsphase diesen demontieren wollte, indem er gegen die Satzung des Synodalen Wegs stimmte. Woelki warnte davor, dass nicht der Eindruck erweckt werden dürfe, als sei eine »quasi-parlamentarische Abstimmung über den Glauben« möglich. Die unveränderliche Lehre der Kirche dürfe nicht zur Disposition gestellt werden. Im Klartext: alles überflüssig und sinnlos! Auch hier bleibt Woelki bei seiner bisherigen Halsstarrigkeit, zeigt sich weiterhin immun gegen jede Kritik von außen und klagt in geradezu peinlicher Manier Gegenstimmen nieder. Sein juristischer Teilerfolg im Prozess gegen »Bild-online« macht deutlich, in welcher Welt der Kölner Kardinal abgedriftet ist. Dort beschwor der Gottesmann, die Personalakte des von ihm 2017 beförderten Pfarrer D. aus Düsseldorf, die Unterlagen und zahlreiche Hinweise zu sexuellen Übergriffen und Vergehen enthält, nicht gekannt zu haben. Woelki: »Ich kannte lediglich die Gerüchte um seine Person.« Gehört habe er auch, dass Pfarrer D. in der Sauna »auch mal welche gekitzelt« habe und sich bei einem Rombesuch eine Schürze gekauft habe, die den nackten David des Künstlers Michelangelo darstelle. Eine Aussage, die an Peinlichkeiten kaum zu überbieten ist; von Verantwortungsübernahme und gar Reue auch hier keine Spur. Woelki war 2017 der verantwortliche Erzbischof von Köln! Was er gewusst hat oder nicht, bleibt in der Schwebe. Die Verantwortung als oberster Kirchenhüter des Erzbistums Köln trägt er aber in jedem Fall. Aber Woelki bleibt im Amt. Keine Reaktion aus Rom.</p>



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<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:19px"><strong>Rom stellt klar: Synodaler Weg ein Irrweg</strong></p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die konservativen Bischöfe erhalten aber nicht nur dadurch mehr und mehr Unterstützung, dass Woelki als einer ihrer höchsten Repräsentanten im Amt gehalten wird. Der Synodale Weg stößt in Rom mit seinen Reformforderungen auf keine Gegenliebe. Bereits im Juni 2019 machte Papst Franziskus in seinem Brief »An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland« sein verengtes Verständnis von Synodalität geltend, einer Synodalität, die Franziskus nicht im Dienst grundlegender Kirchenreformen sieht, sondern eines funktionierenden Aufbaus kirchlicher Gliederungen. Papst Franziskus erinnerte die Deutschen in dem Schreiben an seine Ausführungen gegenüber der Vollversammlung der italienischen Bischöfe: »Synodalität von unten nach oben, das bedeutet die Pflicht, für die Existenz und die ordnungsgemäßen Funktionsvorgänge der Diözese, der Räte, der Pfarrgemeinden, für die Beteiligung der Laien Sorge zu tragen&#8230; (vgl. cann. 469-494 CIC) So ist es nicht möglich, eine große Synode zu halten, ohne die Basis in Betracht zu ziehen&#8230; Dann erst kommt die Synodalität von oben nach unten, die es erlaubt, in spezifischer und besonderer Weise die kollegiale Dimension des bischöflichen Dienstes und des Kirche-Seins zu leben.« Viele Bischöfe deuteten den Brief als eine Unterstützung bzw. als ein Gutheißen des Synodalen Wegs in Deutschland. Dennoch war auch hier bereits eine andere Lesart möglich, nämlich Synodalität als Absicherung hierarchischer Strukturen zu interpretieren, eben eines Prozesses »von oben nach unten«, indem gnädigerweise auch der Basis eine Beteiligung zufällt, allerdings nur im Rahmen der üblichen kirchlichen Strukturen und Kommunikationswege. An »Basiskonsultationen« zur Erarbeitung konkreter Maßnahmen, wie sie Bischof Bode wünschte, war dabei wohl nicht gedacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und der Papst legte in der Jesuiten-Zeitung nach, indem er die Reformbestrebungen in Deutschland grundsätzlich infrage stellte: &#8222;In Deutschland gibt es eine sehr gute evangelische Kirche. Wir brauchen nicht zwei davon.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph"> Vom 14. bis 18. November 2022 reisten die deutschen Bischöfe (62 Teilnehmer) zum Rapport nach Rom, Ad-Limina-Besuch genannt. Alle fünf Jahre haben die römisch-katholischen Bischöfe die Pflicht, ihrem obersten Dienstherrn einen persönlichen Bericht über den Zustand ihrer Diözese zu geben. Von heftigen Auseinandersetzungen der deutschen Bischöfe untereinander, aber auch mit den Kurienvertretern wurde berichtet. Gegenstand des Streits: der Synodale Weg. Vor allem die Kardinäle Ladaria und Ouellet der römischen Zentralbehörde taten sich mit einer deutlichen Kritik hervor. Der Synodale Weg in Deutschland bedrohe die Einheit der Weltkirche und könne einen Flächenbrand auslösen. Kritisiert wurde zudem der Umgang mit der kirchlichen Lehre und Disziplin. Natürlich formulierten die beiden Kardinäle ihre Vorwürfe nach römischer Gepflogenheit als Sorge, die es gemeinsam zu teilen gälte. Die deutschen Reformbischöfe versuchten eine Verteidigung, drangen aber wohl nicht durch. Ihre konservativen Mitbrüder schwiegen eisern, kam ihnen die römische Zurechtweisung doch gerade recht. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Bätzing, zog nach dem Besuch eine gemischte Bilanz, um die von den Römern verteilte »rote Karte« noch irgendwie in einem positiven Licht erscheinen zu lassen, denn immerhin habe man geredet. Die zwei Flügel der deutschen Bischofskonferenz kamen in Rom nur wenig offiziell und inoffiziell miteinander ins Gespräch. Sie hatten jeweils Unterbringung an verschiedenen Orten organisiert und auch zu einem gemeinsamen Essen soll es nicht gekommen sein… Man blieb unter seinesgleichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anfang 2023 spitzte Franziskus in einem von Associated Press veröffentlichten Gespräch seine Position nochmals zu. Der Synodale Weg sei »von Eliten gemacht«, zudem von den Bistümern ausgegangen und habe damit »nicht den verfahrenstechnischen Konsens einer Synode als solche«, und es bestehe die Gefahr, dass etwas »sehr, sehr Idiologisches« in den Prozess eindringe. Worum es dem Papst hierbei wohl ging, machen die beiden Themen deutlich, denen sich der Papst anschließend in dem Interview annahm: dem Umgang mit Homosexuellen und die Rolle der Frau in der Kirche.</p>



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<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:19px"><strong>Papstdämmerung</strong></p>



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<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
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<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Der Dom in der Millionenstadt Köln ist Weltkulturerbe. Foto: UNESCO</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Das Agieren von Papst Franziskus ist umso erstaunlicher, als er selbst immer wieder notwendige Reformen in der Kirche angemahnt hat. Und auch seinen eigenen Apparat wollte er an die Leine legen. Die Kurienkardinäle, die ihn geschlossen bei seiner Papstwahl am 13. März 2013 nicht gewählt hatten, ermahnte er zur Bescheidenheit in der Lebensführung, sprach von den 15 Krankheiten der römischen Kurie, wie »sich unsterblich fühlen«, »spirituellen Alzheimer«, »Terrorismus des Geschwätzes«, Egoismus, Gier und die »Schizophrenie eines Doppellebens«. Die Angriffe waren hart. Dass irgendwann die Revanche kommen würde, war klar. Mehr und mehr nimmt die römische Kurie nun wieder die Zügel in die Hand, auch im Umgang mit den deutschen Bischöfen. Papst Franziskus ist mit seinen Reformversuchen gescheitert. Seine naiv anmutende Strategie, durch sein eigenes Vorbild andere zu bekehren, zerbarst an den verfestigten Machtstrukturen der Kurie und der Kirche.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Papstdämmerung hat begonnen. Vieles erinnert derzeit an den Beginn der letzten Phase des Pontifikats Johannes Pauls II. Ein zunehmend gesundheitlich angeschlagener Papst, der immer weniger in der Lage ist, sein Tagesgeschäft in Rom oder gar die Lage der katholischen Kirche in Deutschland zu überschauen, und Kurienkardinäle, die eigene Interessen im Machtspiel des Apparates verfolgen und Rechnungen begleichen. Die Papstdämmerung ist in der Geschichte der katholischen Kirche oftmals die Stunde der konservativen Gegenreformer, die statt Erneuerung und Aufbruch die Einheit der Kirche, die Unantastbarkeit der Glaubensdoktrin und das Festhalten am Status quo beschwören. Die Angst vor notwendigen Veränderungen führt auch bei Papst Franziskus dazu, dass der »kairos« verpasst wird. Die konservativen Bischöfe, allen voran Woelki, wird’s freuen. Wer Nachfolger von Bischof Bode in Osnabrück wird, ist offen…</p>



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<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



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<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Der Autor</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:16px">Michael Schäfers, Dr. phil., geb. 1962 in Paderborn. Studium der Katholischen Theologie, Soziologie, Politologie und Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Paderborn, Bielefeld und Münster. Referent für Politik und Strategie beim Bundesvorstand der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung in Köln. Zahlreiche Veröffentlichungen zu kirchenpolitischen Themen. Zuletzt als Buch erschienen: &#8222;Wie Papst Franziskus Politik macht. Zur Sozialenzyklika &#8218;Laudato si'&#8220;, Köln 2017. Im Erscheinen: Der Vorrang der Arbeit – eingelöst oder nicht? &#8211; Die katholische Soziallehre und ihr Spannungsverhältnis zur Praxis der Kirche als Arbeitgeberin. Der Autor lebt mit seiner Familie in Frechen-Königsdorf.</p>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="730" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Michael_Schaefers-730x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-6418" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Michael_Schaefers-730x1024.jpeg 730w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Michael_Schaefers-214x300.jpeg 214w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Michael_Schaefers-768x1077.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Michael_Schaefers-193x270.jpeg 193w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/04/Michael_Schaefers.jpeg 913w" sizes="auto, (max-width: 730px) 100vw, 730px" /></figure>
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			</item>
		<item>
		<title>Zum &#8222;Aufstand für den Frieden&#8220; von Alice Schwarzer und Sarah Wagenknecht</title>
		<link>https://aussichten-online.de/krieg-und-frieden/zum-aufstand-fuer-den-frieden-von-alice-schwarzer-und-sarah-wagenknecht/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Feb 2023 01:39:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kommentare / Hintergründe]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg und Frieden]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://aussichten-online.de/?p=5989</guid>

					<description><![CDATA[Welch eine Chuzpe! Kommentar zum „Aufstand für Frieden“ von Alice Schwarzer und Sarah Wagenknecht Von Markus Brakel Foto: Screenshot aus der Phoenix-Livesendung Es ist ja an sich schon bewundernswert, was und wie sich Sarah Wagenknecht und Alice Schwarzer in Sachen Ukrainekrieg inszenieren. Bei ihrem „Aufstand“ in Berlin am Samstag vor der verdienten Magerkulisse von etwa &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/krieg-und-frieden/zum-aufstand-fuer-den-frieden-von-alice-schwarzer-und-sarah-wagenknecht/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<h1 class="wp-block-heading has-large-font-size">Welch eine Chuzpe!</h1>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Kommentar zum „Aufstand für Frieden“ von Alice Schwarzer und Sarah Wagenknecht</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Von Markus Brakel</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/02/Bildschirmfoto-2023-02-28-um-01.37.16-1-1-1024x576.jpeg" alt="" class="wp-image-5993" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/02/Bildschirmfoto-2023-02-28-um-01.37.16-1-1-1024x576.jpeg 1024w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/02/Bildschirmfoto-2023-02-28-um-01.37.16-1-1-300x169.jpeg 300w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/02/Bildschirmfoto-2023-02-28-um-01.37.16-1-1-768x432.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/02/Bildschirmfoto-2023-02-28-um-01.37.16-1-1-480x270.jpeg 480w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2023/02/Bildschirmfoto-2023-02-28-um-01.37.16-1-1.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Foto: Screenshot aus der Phoenix-Livesendung</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Es ist ja an sich schon bewundernswert, was und wie sich Sarah Wagenknecht und Alice Schwarzer in Sachen Ukrainekrieg inszenieren. Bei ihrem „Aufstand“ in Berlin am Samstag vor der verdienten Magerkulisse von etwa 13.000 Teilnehmern (so die Schätzung der Polizei; Sarah Wagenknecht sprach von 50.000 Demonstranten – welch lächerliche Hochstapelei) habe ich mich schon bei der Ankündigung gefragt, gegen wen die beiden jeweils auf ihre Weise Verbohrten sich wohl auflehnen wollen? Mir fielen dann spontan ein: gegen den gesunden Menschenverstand, gegen die Humanität, gegen Gerechtigkeit (so es die überhaupt gibt), gegen das Recht auf Selbstbestimmung, gegen die Nach- und Nachnachkriegsordnung in Europa, gegen internationales Recht, gegen vieles mehr und vor allem: gegen die Souveränität der Ukraine.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ich aber wirklich bewundere, ist die Chuzpe mit der die beiden und ihre Mitstreiter*innen im Gefolge – ein bemitleidenswertes Gemisch aus Rechtsradikalen, Querspinnern und Montagsdemo-Mitläufern &#8211; mit der sinnentleerten Forderung nach „Frieden“ (den wollen wir wohl alle gern sofort) vor die Öffentlichkeit treten und eine Frau Wagenknecht auch noch behauptet, sie wolle weiteres Sterben verhindern, indem sie die Ukraine auffordert, die Waffen niederzulegen bzw. den Westen, diese nicht mehr dorthin zu liefern. Die Ukrainefarben Gelb und Blau waren auf der Trauerveranstaltung der beiden übrigens so gut wie nicht zu sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir sind hier wieder an einem Punkt, an dem die gute Sarah ihre sozialfaschistische Vergangenheit einfach nicht leugnen kann. Dauernd faselt sie in TV-Shows drohend von der Atommacht Russland und auf den Hinweis, weder die USA noch die Sowjetunion hätten auf Nuklearwaffen zugegriffen, als sie in Vietnam und Afghanistan schließlich das Weite suchen mussten, erklärt sie alles Ernstes, der Unterschied bestehe darin, dass dieser Fall Ukraine „existenziell“ für Russland sei. Da müsse man dann mit allem rechnen…</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber kein Wort zu Putins Verbrechen. Der Ärmste ist vom Westen ja regelrecht gedrängt worden, in diese „Spezialoperation“ zu ziehen. Ihre wahrscheinlich schon im Uterus angelegte Russlandtreue, die sich über alles mögliche hinwegsetzt, zu allererst aber über den Anstand, macht diesen Florence Nightingale-Verschnitt zu einer wandelnden Provokation für alle, die sich wirklich für Frieden und Freiheit einsetzen. Von einem selbsternannten Diktator, der – vom Westen weitgehend ignoriert – schon halb Syrien in Schutt und Asche gelegt und in Lybien ebenfalls gewütet hatte, ehe er sich auf seine Nachbarn stürzte, kann man sich nicht nur, man muss sich distanzieren, und zwar mit aller Entschlossenheit! Wieso fordern die beiden Friedens-Engel eigentlich nicht ultimativ Russland auf, sofort die Waffen niederzulegen? Denn dann wäre Frieden!</p>



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<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Weit und breit keine Flagge der Ukraine zu sehen. Foto: Screenshot aud der Phoenix-Liveübertragung.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Auf all die Lügen, die Putin verbreitet und streuen lässt, folgt seitens dieses Deeskalationsgeschwaders – nichts. Aber dass im Westen nur Pädophile und Teufelsanbeter leben und in der Ukraine ausschließlich russenmordende Neonazis mit einem Juden an der Spitze, das schert doch Frau Wagenknecht nicht. Onkel Wladi (so lässt der kleine Mann sich gern nennen) hat nicht nur seinen Goebbels perfekt studiert und kopiert, er bläht seine Landsleute zu ähnlichen „Übermenschen“ auf wie einst die Nazis die Deutschen und – auch das eine Parallele – er überfällt die Ukraine.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht wären Frau Wagenknecht und Frau Schwarzer am Samstag besser auf dem Roten Platz in Moskau aufgetreten, wahrscheinlich wären da auch mehr Leute gekommen. Schwarzer Wagenknecht – was für ein lustiges Wortspiel…</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">*****</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nachtrag am 28. Februar 2023:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Sarah Wagenknecht am 20. Februar 2022 in der Talkshow „Anne Will“:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich meine, Russland &#8211; das ist ja relativ deutlich -, hat faktisch kein Interesse daran, in die Ukraine einzumarschieren. Natürlich nicht. Was hier teilweise herbeifantasiert wird &#8211; wir können ja froh sein, dass Putin nicht so ist, wie er dargestellt wird, nämlich ein russischer Nationalist, der sich daran berauscht, Grenzen zu verschieben. Wenn das so wäre, dann wäre es tatsächlich so, dann wäre die Diplomatie wahrscheinlich hoffnungslos verloren und ich möchte mir nicht ausmalen, wie lange Europa dann noch bewohnbar wäre.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Diskussionsrunde der Sendung „Hart aber fair“ vom 27. Februar 2023, zwei Tage nach der von Sarah Wagenknecht und Alice Schwarzer initiierten „Aufstand für Frieden“-Demonstration in Berlin, damit konfrontiert, antwortete Wagenknecht: „Das ist aus dem Zusammenhang gerissen.“</p>
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		<title>Von der Relativität der Freiheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Oct 2022 00:38:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Buchbeiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentare / Hintergründe]]></category>
		<category><![CDATA[Prosa, Lyrik und andere Texte]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie weit soll und darf sie gehen und wo sind ihre Grenzen? Von Jürgen Streich Losgelöst von nahezu allem habe ich mich frei gefühlt wie nie zuvor. Einserseits. Denn&#160; andererseits war ich einigen Gesetzen stärker ausgesetzt denn je. Völlig auf mich allein gestellt. Und auf Gedeih und Verderb abhängig vom Funktionieren der Technik, die ich &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/kommentare-hintergruende/von-der-relativitaet-der-freiheit/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="has-text-align-center wp-block-heading" style="font-size:24px"><strong>Wie weit soll und darf sie gehen und wo sind ihre Grenzen?</strong></h2>



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<p class="wp-block-paragraph"></p>
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<p class="wp-block-paragraph">Von Jürgen Streich</p>



<p class="wp-block-paragraph">Losgelöst von nahezu allem habe ich mich frei gefühlt wie nie zuvor. Einserseits. Denn&nbsp; andererseits war ich einigen Gesetzen stärker ausgesetzt denn je. Völlig auf mich allein gestellt. Und auf Gedeih und Verderb abhängig vom Funktionieren der Technik, die ich mit mir trug. Wer sich je – nicht etwa von einem Sprungturm oder mit einem versierten Tandempartner im Rücken – allein im freien Fall befunden hat, weiß, was das bedeutet. Tatsächlich scheint, um den Chansonier Reinhard Mey zu zitieren, die Freiheit über den Wolken grenzenlos zu sein, fühlt man sich, wenn man den Umgang mit den dann besonders deutlich spürbaren Kräften wie Erdanziehung und Luftwiderstand ein wenig gelernt hat, frei wie ein Vogel.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Das allerdings nur kurz. 50 Meter in der Sekunde, also mit 180 Stundenkilometern, rast man auf die Erde zu. Die Freiheit unter den Wolken wird dann zeitlich überschaubar. Man ist schlicht gezwungen, den erlernten Ablauf kompromisslos einzuhalten. Andernfalls endet jegliche Entscheidungs- und andere Freiheit abrupt und ein für alle Mal. Verhält man sich aber den Naturgesetzen und den Regeln entsprechend, werden der freie Fall und das Gleiten am Schirm zu unvergesslichen Momenten der Freiheit, bis Mutter Erde den menschlichen Flieger wiederhat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Beispiel verdeutlicht: Vollständige, grenzenlose Freiheit gibt es nicht, Freiheit ist immer relativ. Selbst Astronauten, die außerhalb der Erdatmosphäre schwerelos und völlig losgelöst, weil kabellos, außen an der Raumstation ISS arbeiten, sind nicht frei, sondern den Gesetzen der Physik und dem Funktionieren der Technik in ganz besonderem Maße ausgesetzt; von strikt durchgetakteten Ablaufplänen einmal ganz abesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch auch völlig unanbhängig von Naturgesetzen, Technik und Regeln gibt es Freiheit immer nur mal mehr oder eben auch weniger. Das gilt im Privaten, in Politik und Gesellschaft, Wirtschaft, Religion und natürlich auch in noch so fairen sportlichen Wettkämpfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ganz simpel ausgedrückt ist es so: Nimmt Person A sich die besondere Freiheit heraus, Person B den Schädel einzuschlagen, bedeutet das für Person B, gelinde ausgedrückt, extreme Unfreiheit. Dabei muss bei zivilisierterem Umgang miteinander die Freiheit des einen keineswegs immer Unfreiheit des anderen bedeuten. Im Gegenteil kann vermeintliche Unfreiheit letztlich sogar sehr befreiend wirken. Ein Beispiel dafür ist der Ausgang des Zweiten Weltkrieges, als die Alliierten Deutschland vom Nazi-Regime befreiten, das zuvor das eigene Volk missbraucht und geknechtet und dann andere Länder überfallen, deren Menschen unterworfen, terrorisiert und teils vernichtet hatte. Diese Befreiung war zweifellos nötig, doch auch viele Jahrzehnte später hat sich die Erkenntnis, dass man als selbsternannter Befreier anderen Ländern und Völkern nicht einfach das eigene Verständnis von Freiheit und Demokratie überstülpen kann, unter den Staatslenkern immer noch nicht hinreichend herumgesprochen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei muss niemand, kein Mensch und kein Volk, es einfach hinnehmen, dass andere sich Freiheiten genehmigen, die einen selbst oder andere beeinträchtigen, vielleicht sogar bedrohen. Doch wie einzelne Menschen, Gruppen oder Völker ihre Freiheit erkämpfen oder verteidigen, sollte mit anderen in möglichst demokratischem Konsens entschieden werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hierzu ist es wichtig, den Sinnzusammenhang von Rosa Luxemburges berühmtem Zitat, demzufolge Freiheit immer die des Andersdenkenden ist, zu kennen. Vollständig lautet es nämlich so: „Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden. Nicht wegen des Fanatismus der ‚Gerechtigkeit’, sondern weil all das Belebende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen hängt und seine Wirkung versagt, wenn die ‚Freiheit’ zum Privilegium wird.“ – Vereinfacht ausgedrückt: Denk- und Meinungsfreiheit hat für alle zu gelten, andernfalls steht die Freiheit als solche auf tönernen Beinen, bricht also leicht in sich zusammen. Auch darf Freiheit nicht nur für Anhänger bestimmter, dem jeweils herrschenden Regime genehmen Denkrichtungen und Gruppen gelten, weil sie sonst sowohl ihre innere Korrektur als auch ihre gestalterische Kraft verliert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbstverständlich bedeutet dies nicht, dass Gesellschaften und Individuen jeglichen als freie Meinungsäußerung deklarierten Unfug akzeptieren müssen. Falschbehauptungen sind eben genau das und nicht etwa „alternative Fakten“, als die manche irrlichternden Staats- und Regierungschefs sie – insbesondere dann, wenn sie beim Lügen ertappt worden sind – gerne hinstellen würden. Zwei plus zwei ist nun einmal vier und nicht fünf, wie der Große Bruder, die über alles herrschende Partei in George Orwells dystopischen Roman „1984“, einem Widerständler unter Folterqualen klarmachen will. Und die Naturgesetze sind durch keine noch so große Mehrheit in irgendeinem Parlament zu verändern. Vor diesem Hintergrund würde ich mir oftmals wünschen, dass auch deutsche Gerichte deutlicher zwischen falschen Tatsachenbehauptungen und angeblich freier Meinungsäußerung unterscheiden und entsprechend urteilen würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen fordern nämlich insbesondere diejenigen das Recht auf freie Meinungsäußerung – und damit von Verbreitung mancher Halb- und kompletten Unwahrheit, Lüge und Verschwörungstheorie &#8211; besonders lautstark für sich ein, denen dieses erstens nie verweigert worden ist, die es aber, zweitens, anders als sie denkenden Menschen niemals gewähren würden, hätten sie die Macht dazu. Käme es je soweit, dass sie sie hätten, wäre es mit der Freiheit der Gedanken, der Worte, der Meinung und der Presse wohl komplett vorbei. „Für jemanden, der der Ideologie der AfD anhängt“, schrieb der Journalist, Autor und Professor für Digitale Kommunikation, Christian Stöcker, vor ein paar Tagen in seiner Kolumne in SPIEGEL-online, „heißt Meinungsfreiheit: Es gibt nur eine Meinung, und zwar unsere.“ Schon jetzt, so Stöcker weiter, versuche die Partei ihre Kritiker mit einschüchternden Maßnahmen zum Schweigen zu bringen, etwa mit „Meldeportalen für unbotmäßige Lehrer und Professoren bis hin zur Forderung, einen General zu suspendieren.“ Es liegt beinahe in der Natur der Sache, dass, wenn aus dieser Richtung von „Lügenpresse“ und staatsgelenkten „Porpagandamedien“ die Rede ist, die in Deutschland weitgehend frei publizierenden zahlreichen rechtsradikalen Medien unterschlagen werden, weil man sich andernfalls ja selbst widerlegen würde. Pressefreiheit verlangen rechte bis rechtsradikale Politiker immer ausschließlich für von ihnen kontrollierte oder ihnen wohlgesonnene Medien, für andere ist sie ihnen zuwider. Allein das reicht als Grund, die Freiheit der Presse nach Kräften zu stärken und zu sichern. Gleichzeitig müssen, insbesondere in den sogenannten sozialen Medien, seriöse und tendenzielle, einseitige bis hin zu falschen Informationen für die Nachrichtenkonsumenten klarer unterscheidbar werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn je besser Menschen informiert sind, umso freier ist die Gesellschaft, in der sie leben. Das mag manchen Leuten an den Schalthebeln der Macht nicht gefallen, aber im Sinne von Demokratie ist Informationsfreiheit für den Souverän, das Volk, unabdingbar. Und Demokratie ist dem früheren sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow zufolge, für eine freie Gesellschaft so überlebensnotwendig, „wie die Luft zum Atmen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Freiheitsrechte aus angeblichen Sicherheits- und anderen Gründen aber immer weiter eingeschränkt werden oder beim Noch-EU-Mitglied Großbritannien gar das Parlament, also die Volksvertretung, in einer Phase von historischer Bedeutung schamlos ausgeschaltet wird, dann steht es schlecht um die Demokratie, die laut Abraham Lincoln die Regierung des Volkes durch das Volk für das Volk sein soll. Die Praxis aber sieht so aus, dass auf dem Wege über Parteien Volksvertreter nach oben gehievt werden, die dann allzu schnell und sehr leicht das Volk aus den Augen verlieren. Sie neigen dazu, die Freiheit ihres Mandates oder ihres Amtes für die Freiheit derjenigen, denen es in erster Linie ums Geldverdienen geht, einzusetzen, um sich diese zumeist starken Eigeninteressengruppen gewogen zu halten. – Ein Schelm, der dabei an weitere Karriereplanung der Politiker denkt&#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da wird schon einmal, ganz frei von der Geschäftsordnung der Bundesregierung, einem Kabinettsbeschluss und einer Anweisung des Kanzleramtes, mit der deutschen Stimme die weitere Zulassung einer höchst umstrittenen Agrarchemikalie durchgewinkt, auf dass ein deutscher Konzern mit Sitz hier nur über den Rhein ganz frei seinen größenwahnsinnigen Geschäftsinteressen nachgehen kann. Und für den Herrn Minister, der so abstimmte und doch zunächst im Amt blieb, für die Zeit danach ein hochdotierter Posten in der Chemiebranche freigehalten wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Freiheit blieben auch die Verantwortlichen für einen der größten Betrugs- und Umweltskandale der deutschen Industriegeschichte, dem Abgasskandal. Dass sie und ihre Unternehmen mit tatkräftiger Hilfe der Politik auch weitgehend frei von Schadenersatzzahlungen blieben, raubte vielen der Betrogenen durch den Wertverlust manche finanzielle und damit andere Freiheit. Und den Glauben daran, dass vor dem Gesetz alle gleich sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei ging die Entwicklung dem Professor für deutsche Literatur und Philosophie an der Universität im nordenglischen Newcastle, Bernhard Malkmus, zufolge schon zuvor in die falsche Richtung: „Zu lange haben wir“, schrieb er kürzlich in einem Beitrag für die Wochenzeitung „der Freitag“, „Demokratie mit einer Ideologie des Individualismus gleichgesetzt, der die Chefstrategen des Neoliberalismus dann wohlklingende Mäntelchen wie ‚offene Gesellschaft’ und ‚Freiheit’ umgehängt haben. Jetzt, da die materielle und ökologische Basis dieser selbstzerstörerischen Interpretation des Humanismus an unüberwindbare Grenzen stößt, müssen wir darüber nachdenken, was diese Ideale wirklich bedeuten.“ – Naja, ich möchte kritisch anmerken, dass diese „Interpretation des Humanismus“ die Förderung und Unterstützung derjenigen, die die finanzielle Freiheit dazu haben, bedeutet, mit einem Humanismus, der möglichst Vielen zugute kommt, also nicht unbedingt viel zu tun hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch hat Malkmus insofern recht, als dass diese politische Denkrichtung die Freiheit – letztlich sogar der Priviligierten – mindert und dadurch komplett gefährdet. Denn wenn die Menschheit allein in Fragen der Ökologie nicht sehr schnell teils radikale Kurskorrekturen vornimmt, steht die Existenz der Welt, wie wir sie kennen, in Frage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir könnten uns, um zu retten, was zu retten ist, schon sehr bald in einer Situation befinden, in der – ohne bereits von einer Ökodiktatur zu reden – tiefgreifende Einschnitte in manche Freiheitsrechte unumgänglich sind. Und dabei sind Szenarien denkbar, in denen angesichts der Überlebensfragen die Bedeutung finanzieller Mittel für die individuelle Freiheit nachlässt. Eine Zeile aus dem Ende der sechziger Jahre von Kris Kristofferson geschriebenen und durch eine Interpretation von Janis Joplin weltberühmt gewordenen Song „Me and Bobby McGee“ bekäme dann eine ganz neue Bedeutung: „Freedom is just another word für nothing left to lose“ – zu deutsch: „Freiheit ist nur ein anderes Wort dafür, nichts mehr zu verlieren zu haben“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber was ist, wenn jemand auch die Freiheit verloren hat? – Dazu hat mich eine Aussage des Gründungspräsidenten des Club of Rome, des italienischen Industriellen Aurelio Peccei, sehr beeindruckt. Er, der im Widerstand aktiv war, wurde 1944 von den Faschisten für elf Monate eingesperrt. Peccei über diese Zeit: „Die elf Monate in Gefangenschaft waren eine der bereicherndsten Perioden meines Lebens; ich bin tatsächlich glücklich, dass dies alles geschah. Eine der intensivsten Lektionen in Sachen Würde, die ich je lernte, war die, dass angesichts extremer Notlagen auch die Einfachsten unter uns, diejenigen, die außerhalb der Gefängnistore keine Freunde hatten, die Ihnen hätten helfen können, sich ausschließlich auf ihre Überzeugungen und ihre Menschlichkeit stützten. Dadurch wurde ich in meiner Ansicht bestärkt, dass in jedem Menschen Zeit seines Lebens eine latente Kraft liegt, die auf Befreiung wartet und dass die moderne</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gesellschaft lediglich den Weg, diese Kräfte zu befreien, entdecken muß. Dass man im Gefängnis ein freier Mann bleiben kann. Dass Menschen in Ketten gelegt werden können, Ideen aber nicht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Apropos Herrschende: Die betonen ja gerne, dass in ihrem Machtbereich Freiheit herrsche. Doch der Dichter Erich Fried hielt dem entgegen: „Freiheit herrscht nicht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut einem Song des deutschen Musikers Marius Müller-Westernhagen ist Freiheit zwar „das einzige, was zählt“, aber gerade deshalb etwas, das die Reichen und die Mächtigen bei ihren feierlichen Selbstinszenierungen nicht so gerne dabei haben. „Freiheit ist Sklaverei“, propagiert daher der schon einmal erwähnte „Große Bruder“, die allmächtige Partei, in Geroge Orwells Roman „1984“ in völliger Verdrehung der Tatsachen. Wer die Macht dazu hat, bestimmt auch, was die offizielle Wahrheit ist, was die Menschen zu glauben haben. Dabei ist freier Umgang mit der Wahrheit in Verbindung mit Macht für jede Gesellschaft die übelste Giftmischung überhaupt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nur das Gesetz kann uns Freiheit geben“, betonen dagegen die Freimaurer und meinen damit idealerweise ihre Gesetze zu ‚Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit’ sowie zum freien Denken im Sinne von Toleranz und Aufklärung. Leider dringt von solchen Tendenzen viel zu wenig in die Gesellschaft durch, ebenso, wie auch die südamerikanischen Befreiungstheologen, denen es darum geht, die katholische Lehre hinsichtlich fairen Umgangs mit Ureinwohnern und zur Bewahrung der Schöpfung konsequent umzusetzen, einen ausgesprochen schweren Stand innerhalb ihrer Weltkirche und gegenüber der staatlichen Politik haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es scheint ein Naturgesetz zu sein, dass sich Freiheit an der Basis, dort, wo das sogenannte wahre Leben stattfindet, nicht mit der Regulierungswut, den Machtansprüchen von oben und den dortigen Verbindungen zu Wirtschafts- und anderen Größen verträgt. In der derzeitigen Weltlage eignen sich insbesondere vermeintliche Sicherheitsinteressen als Rechtfertigung für immer weitergehende Einschnitte in Freiheitsrechte. So plant der derzeitige Innenminister Horst Seehofer aktuell, durch die Hintertür die Überwachung von Computern auch von investigativen Journalisten und ganzen Redaktionen durch die Installation von sogenannten Staatstrojanern und auf anderen Wegen durch Sicherheitsbehörden zu ermöglichen. Dies wäre eine schwere und kaum wiedergutzumachende Beschädigung des hohen Gutes der Pressefreiheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie weit ein Überwachungsstaat heute schon führen kann, lässt sich in China beobachten. Und bereits über 40 Jahre zuvor berichtete in der wundervollen Kaninchen-Fabel „Unten am Fluss“ – Originaltitel „Watership Down“ – aus der Feder von Richard Adams ein den Fängen eines gewalttätigen Unterdrückungsregimes entkommenes Kaninchen seinen Freunden: „Du kannst Dein Leben nicht dein eigen nennen und als Gegenleistung hast du Sicherheit – wenn sie sie wert ist bei solch einem Preis“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So läuft es in der Realität auch: Mit Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen werden immer mehr Einschränkungen von Freiheitsrechten begründet. „Big Brother is watching you.“ – Was soll´s, sagen viele. Sie hätten nichts zu verbergen. Welch fataler Irrtum. Jeder Mensch hat das, und zwar zu recht. Je gläserner die Menschen aber werden, desto überwachbarer wird all ihr Handeln, desto manipulierbarer, letztlich steuerbarer und unfreier werden sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unserer Ex-Kanzlerin – diesen Vorwurf kann ich Angela Merkel nicht ersparen – war dies alles im Zuge der NSA-Affäre vollkommen egal, die Bundesregierung blieb, ihren Amtseid verletzend, untätig. Der damalige Kanzleramtschef Ronald Pofalla belog die Bevölkerung sogar noch über angebliche Verhandlungserfolge in Washington. Eine Ungeheuerlichkeit, für die er noch mit einem hochdotierten Vorstandsposten bei der Deutschen Bahn belohnt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gründlich missverstanden haben auch zumindest die Bundespolitiker einer Partei, die die Freiheit im Namen und bei so gut wie jeder durchgeboxten oder verhinderten Entscheidung vor sich herträgt, die Bedeutung des Begriffs und wo die Grenzen der Freiheit liegen. Zu glauben, es wäre Bewahrung von Freiheit, eine längst überfällige Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Straßen weiterhin zu verhindern, ist ein fataler Fehler. Schließlich würde ein Tempolimit auch zur Verringerung des CO<sub>2</sub>-Ausstoßes im Verkehr beitragen. Dass aber die Gesellschaft in einer sich immer weiter aufheizenden Welt ziemlich autoritär und restriktiv regiert und verwaltet würde – also alles andere als freiheitlich – steht außer Frage. Außerdem führt jeder Stundenkilometer, der auf den Straßen mehr gefahren wird, nachweislich zu mehr Unfalltoten und Schwerverletzten. Des einen Freiheit wird da schnell zum Grab des anderen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der bereits genannte Journalist und Kommunikationswissenschaftler Christian Stöcker beschrieb die Freidemokratischen Partei Deutschlands in seiner Kolumne vom 24. Oktober 2022 mit dem Titel „Verweigerungspartei FDP &#8211; Nichtstun first. Bedenken Second“ in SPIEGEL.de so: „Rückwärtsgewandt, veränderungs- und innovationsunwillig, besitzstandswahrend und ohne jede politische Vision jenseits von: Wer viel Geld hat, muss genauso weiterleben können wie bisher.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klar ist, dass solche Politik nicht nur nichts mit der Gesaltung einer freiheitlichen Gesellschaft für alle zu tun hat, sondern diese oftmals sogar konterkariert. Freiheit immer nur für das besser situierte eigene Klientel anzustreben geht nahezu immer mit Freiheitseinschränkungen anderswo einher – und wenn auch noch so indirekt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei ist die Freiheit der Gedanken, des Wortes und der Meinung sowie der Presse den Mächtigen auch anderer Coleur zumindest tendenziell suspekt. Und die Freiheit der Wissenschaft mögen sie auch nur, wenn sie ihren militärischen oder wirtschaftlichen Interessen nützt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch dies ist die Freiheit, die ich meine. Die Freiheit der Gedanken zuvorderst, und die, diese zu äußern und zu verbreiten. Denn nur in einem Wettstreit der Ideen und mit freiem Austausch der Gedanken wird die Menschheit eine Zukunftschance haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lassen Sie mich mit einem Spruch des Graphikers und Plakatkünstlers Klaus Staeck enden. Er formulierte das Hinweisschild „Ausfahrt freihalten“ treffend so um: „Freiheit aushalten!“</p>
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		<title>Quo vadis Woelki? &#8211; Hirte ohne Herde</title>
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		<pubDate>Wed, 24 Aug 2022 20:41:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kommentare / Hintergründe]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein kommentierender Bericht über das Gebaren des Erzbischofs von Köln Von Dr. Michael Schäfers Die unsägliche Politik des Erzbistums Köln im Umgang mit den zahlreichen Fällen sexualisierter Gewalt, insbesondere das Versagen von Kardinal Rainer Maria Woelki, erhitzt weiterhin die katholischen Gemüter – und das nicht nur in Köln. In historischer Reminiszenz auf die ersten „Kölner &#8230; <p class="read-more"><a class="readmore-btn" href="https://aussichten-online.de/kommentare-hintergruende/quo-vadis-woelki-hirte-ohne-herde/">+<span class="screen-reader-text">  Read More</span></a></p>]]></description>
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<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Ein kommentierender Bericht über das Gebaren des Erzbischofs von Köln</strong></p>



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<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Von Dr. Michael Schäfers</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die unsägliche Politik des Erzbistums Köln im Umgang mit den zahlreichen Fällen sexualisierter Gewalt, insbesondere das Versagen von Kardinal Rainer Maria Woelki, erhitzt weiterhin die katholischen Gemüter – und das nicht nur in Köln. In historischer Reminiszenz auf die ersten „Kölner Wirren“ von 1837 haben wir es mit den zweiten „Kölner Wirren“ zu tun, die ebenfalls einen tiefen geschichtlichen Einschnitt für die katholische Kirche insgesamt markieren. Kurz zur Erinnerung: In der sogenannten „Mischehenfrage“ beharrte der damalige erzkonservative, antiaufklärerische Kölner Erzbischof, Clemens August Droste zu Vischering, darauf, dass bei konfessionsverschiedenen Ehen alle Kinder katholisch zu taufen und zu erziehen seien. Der preußische Ministerrat sah das anders und entschied daraufhin, den uneinsichtigen und halsstarrigen Erzbischof (mit seinem Sekretär) auf der Festung Minden in Beugehaft zu nehmen. Das katholische Deutschland schäumte gegen Preußen. Rom hielt dem Kölner Potentaten die Treue und verurteilte das Vorgehen der preußischen Regierung auf das Schärfste. Anders das Kölner Domkapitel. In einer Note an die römische Kurie erhoben die der katholischen Aufklärung und dem Rationalismus verbundenen Domkapitulare schwere Vorwürfe gegen ihren eigenen Oberhirten. Friedrich Wilhelm IV. beendete schließlich 1839 die Haft, um das neue Bündnis von Thron und Altar zu schmieden. Das preußische Militär erhielt fortan auch den katholischen Segen. Nach Köln kam Droste zu Vischering allerdings nicht zurück. Fortan lebte er bis zu einem Tode 1845 im Exil auf dem Familienbesitz im Münsterland als ein Hirte ohne Herde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"> </p>



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<p class="wp-block-paragraph">In den zweiten „Kölner Wirren“ nimmt wiederum ein erzkonservativer, an einer von Opus-Dei geführten päpstlichen Universität promovierter Kardinal eine Schlüsselstellung ein. Hat Woelki als Erzbischof von Berlin durchaus eine progressive Pastoral und zeitgemäße Aufbrüche initiiert, sich vehement für Flüchtlinge und Arme eingesetzt, scheint die Kölner Luft eine Kehrtwende bewirkt zu haben. Wie bei zahlreichen Erzbischöfen und Kardinälen vor ihm, hat das Amt des Kölner Oberhirten tiefgreifende persönlichkeitsverändernde Struktureinbrüche zur Folge, insbesondere einen anamnetischen Realitätsverlust und Starrsinn.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Schon in der Auseinandersetzung mit den kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Berlin hatte sich diese „harte Seite“ Woelkis offenbart, die er angesichts Kölner Pannengeschichten nun nahtlos fortzusetzen versucht. Aber die Herde ist im Aufstand gegen den Hirten. Massenhaft verlassen die Schafe die katholische Kirche, kündigen den Hirten die Loyalität auf – nicht nur in Köln. Die, die bleiben, entdecken ihren Glauben in der Revolte gegen die Hirten neu und setzen gleichzeitig die Täterorganisation „Kirche“ auf die Anklagebank. Sie verlangen tiefgreifende strukturelle Reformen. Die widerlichen Missbrauchstaten und die Praxis der Vertuschung durch die Hirten bringen die Gläubigen auf die Barrikaden. Und ein Ende ist nicht abzusehen. So schnell wird es keine Ruhe mehr geben, auch für Woelki nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn die katholische Kirche erlebt derzeit nicht nur einen Imageschaden ohnegleichen. Sie befindet sich im freien Fall. Statt den Opfern sexualisierter Gewalt zur Seite zu stehen und sie zu schützen, deckten und decken toxische Männerbünde der Kirchenoberen die Täter. Bischöfe, Generalvikare, hohe Geistliche und Kirchenfunktionäre leisteten systematisch Widerstand gegen die Aufklärung und Verfolgung klerikaler Missbrauchsfälle. Das priesterliche Gespräch, die „Ermahnung im Glauben“, das Bekenntnis der eigenen Schuld und die Versetzung in eine andere Gemeinde wurden als ausreichend zur Läuterung erachtet statt die Täter durch die Justiz dingfest machen zu lassen, ihnen das Priesteramt zu entziehen und sie in die Wüste zu schicken. Ignoranz und Blindheit gegenüber den Opfern, Nachsicht und Verständnis für die Täter – dieses Muster stellen alle bisher erstellten Gutachten fest. Köln war und ist da keine Ausnahme. Im Gegenteil. Woelkis Vorgänger, Erzbischof Meisner, führte einen geheimen Aktenordner mit dem bezeichnenden Titel: „Brüder im Nebel“. Die Täter blieben Brüder…</p>



<p class="wp-block-paragraph">Welche Rolle Woelki selbst in einigen Fällen sexuellen Missbrauchs gespielt hat, ist umstritten. Das zweite Gutachten des Strafrechtlers Björn Gercke stellte keine Pflichtverletzungen des amtierenden Oberhirten fest. Woelki nahm sich eine Auszeit, nachdem Papst Franziskus erklärt hatte, ihn im Amt zu belassen. Als Apostolischer Administrator leitete Weihbischof Rolf Steinhäuser das Erzbistum. Eine Zeit des Aufatmens, des Aufeinanderzugehens, des Zuhörens und der Verständigung… Ausgerechnet am Aschermittwoch dieses Jahres kehrte Woelki dann reuig in sein Amt zurück. Sofort wurden erneut Rücktrittsforderungen laut, um den dringend notwendigen personellen Neuanfang zu schaffen. Woelki sitzt diese weiter aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 15. August 2022 hielt Woelki zum Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel in der Wallfahrtskirche Ziemetshausen in Bayern die heilige Messe. Die Wallfahrtsdirektion kündigte ihn als „treukatholischen Bischof“ an, der durch die Medien verfolgt werde. Ziel der „innerkirchlichen modernistischen Kräfte“, die die Medienkampagne im Hintergrund initiierten, sei es, einen rechtschaffenden Kardinal aus dem Amt zu drängen. So erinnern die Vorgänge doch irgendwie an die ersten „Kölner Wirren“: Ein uneinsichtiger Kardinal, halsstarrig und unter Realitätsverlust leidend, unterstützt von erzkatholischen und ultramontanen Kräften, stilisiert zum Verfolgten, zum Opfer dunkler und antikirchlicher Machenschaften… Es wird Woelki gefallen und darin bestärkt haben, im Amt zu bleiben. Aber einen Neuanfang zwischen den Hirten und der Herde wird es mit Woelki im Erzbistum Köln nicht mehr geben. Quo vadis Woelki? Vielleicht wäre auch für ihn persönlich das Exil ein guter Weg. Für die Herde in jedem Fall!</p>



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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Der Autor</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:16px">Michael Schäfers, Dr. phil., geb. 1962 in Paderborn. Studium der Katholischen Theologie, Soziologie, Politologie und Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Paderborn, Bielefeld und Münster. Referent für Politik und Strategie beim Bundesvorstand der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung in Köln. Zahlreiche Veröffentlichungen zu kirchenpolitischen Themen. Zuletzt als Buch erschienen: Wie Papst Franziskus Politik macht. Zur Sozialenzyklika „Laudato si“, Köln 2017. Im Erscheinen: Der Vorrang der Arbeit – eingelöst oder nicht? &#8211; Die katholische Soziallehre und ihr Spannungsverhältnis zur Praxis der Kirche als Arbeitgeberin. Der Autor lebt mit seiner Familie in Frechen-Königsdorf.</p>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="730" height="1024" src="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/Michael_Schäfers-730x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-2581" srcset="https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/Michael_Schäfers-730x1024.jpeg 730w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/Michael_Schäfers-214x300.jpeg 214w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/Michael_Schäfers-768x1077.jpeg 768w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/Michael_Schäfers-193x270.jpeg 193w, https://aussichten-online.de/wp-content/uploads/2022/08/Michael_Schäfers.jpeg 913w" sizes="auto, (max-width: 730px) 100vw, 730px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:14px">Michael Schäfers leitet das Grundsatz-Referat der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB).</p>
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