Schüsse verletzen slowakischen Premierminister Fico lebensgefährlich

Schüsse verletzen slowakischen Premierminister Fico lebensgefährlich

71-jähriger Schriftsteller vermutlich der Täter

Drei Schüsse, von denen einer den Bauch und zwei eine Hand trafen, verletzten den slowakischen Premierminister Robert Fico lebensgefährlich. Nachdem der 59-jährige Politiker mit einem Hubschrauber in die Klinik in Banská Bystrica geflogen und fünf Stunden lang operiert worden war, befand er sich auch am Tag darauf auf der Intensivstation. Eine Krankenhaussprecherin sagte, dass sein Gesundheitszustand immer noch „sehr ernst“ sei. Fico hatte gerade eine Regierungskonferenz im Haus der Kultur in der circa 150 Kilometer von der Hauptstadt Bratislava entfernten Stadt Handlova verlassen und wollte sich noch einigen Fans präsentieren, als ihn die Schüsse aus nächster Nähe trafen. Ein Tatverdächtiger wurde von Sicherheitskräften niedergerungen und verhaftet.

Bei dem mutmaßlichen Schützen soll es sich um einen 71-jährigen Schriftsteller aus der 150 Kilometer östlich der Hauptstadt gelegenen Stadt Levice handeln, der dort einen Literaturklub gegründet haben soll, was dieser via Facebook bestätigte. Sollte sich der Mann tatsächlich als Täter herausstellen, werde man sich selbstverständlich von dieser „abscheulichen Person“ trennen, hieß es dort. Laut dem Nachrichtenportal aktuality.sk habe sein Sohn betont, dass sein Vater die Schusswaffe als ehemaliger Wachmann legal besessen habe.

Ein Reporter eines öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders, der sich bei der Festnahme in der Nähe befand, sagte, dass der Mann desorientiert gewirkt habe. Innenminister Matus Sutaj Estok sprach von einem „einsamen radikalisierten Wolf“. Laut spiegel.de sei er mit den Plänen der Regierung, die öffentlich-rechtlichen Medien aufzulösen, nicht einverstanden gewesen. Bereits vor acht Jahren soll er in einem Online-Medium beklagt haben, dass die Welt „voller Gewalt und Waffen“ sei und „die Menschen verrückt zu werden“ schienen. Aufgrund des zunehmenden Extremismus’ habe er eine Bewegung gegen Hass und Gewalt gegründet. Die Regierung arbeite mit Eingriffen in die Kultur und Medien am Umbau des Staates.

Der Vizepräsident des slowakischen Parlamentes, Peter Ziga, bedauerte die Teilung der Gesellschaft in zwei Lager. So stehen sich die Regierungspartei Smer und die liberale Opposition seit dem Mord an dem Investigativjournalisten Jan Kuciak im Jahr 2018 nahezu verfeindet gegenüber. Kuciak hatte die Verbindung von Politik und Wirtschaft mit der Halbwelt offengelegt. Im Zuge des Prozesses stellte sich heraus, dass die Mafiagröße Marien Kornett den Mord in Auftrag gegeben hatte. Jahrelang hatte er Tür an Tür mit dem Premierminister Fico gelebt. Zwar war Robert Fico einst ein Linker und seine Partei Smer gehört noch immer der Sozialistischen Internationalen an, doch Orban-Freund Fico vollzog einen radikalen Schwenk nach rechts.

Politiker aus aller Welt bezeichneten das Attentat als Angriff auf die Demokratie. Bundeskanzler Olaf Scholz sprach von einem feigen Attentat, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nannte dieses einen abscheulichen Angriff. Die slowakische Präsidentin Zuzana Caputová, die sich aufgrund der Streitigkeiten zwischen Regierung und Opposition nicht wiederwählen lassen will, beklagte ebenfalls die Spaltung der Gesellschaft.

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