E-Mail an den Hohen Repräsentanten in Bosnien-Herzegowina, Christian Schmidt

E-Mail an den Hohen Repräsentanten in Bosnien-Herzegowina, Christian Schmidt

Die nachfolgende E-Mail habe ich am 18. August 2022 an den Hohen Repräsentanten der Vereinten Nationen in Bosnien-Herzegowina, den ehemaligen Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), geschrieben. In dieser Funktion soll er die Umsetzung des Daytoner Friedensabkommens von 1995 sicherstelllen. Schmidt, der diese Position seit dem 1. August 2021 innehat war auf eine völlig berechtigte Frage einer Journalistin ausgerastet. Diese hatte ihn in einer Pressekonferenz gefragt, ob er bereit sei, eine Änderung des Wahlgesetzes durchzusetzen, da es keine politische Einigung gebe.

Schmidt reagierte mit den Worten „Rubbish! Full Rubbish!“ (engl.: „Müll! Volkommener Müll!“) und führte weiter aus: „Die Leute hier verdienen es, dass die Politiker, die sie gewählt haben, arbeiten und sich nicht nur beschweren.Das ist das Kernproblem.“ Während seines in unkontrolliert-aggressiven Redeschwalls zeigt er durch unmissverständliche Gesten immer wieder, wo ihm das alles stehe.

Beobachter sind sich inzwischen nahezu einig darin, dass die Position des Hohen Repräsentanten in Bosnien-Herzgowina keinen großen Sinn mehr macht und daher abgeschafft werden sollte. Und die Medien bescheinigten Schmidt beinahe einhellig, wie undiplomatisch sein Ausraster gewesen sei.


Guten Tag, Herr Schmidt,

Sie haben ja angeblich viel Zuspruch von Bürgern für Ihre Wutrede erhalten. Von mir bekommen Sie den nicht. Maximilian Popp vom SPIEGEL hat vollkommen recht, wenn er Ihnen das Verhalten eines Kolonialherren vorwirft und die Abschaffung des „anachronistischen“ OHR fordert. Im Übrigen war die Frage der Journalistin berechtigt. Sie beflecken mit solchem Verhalten zudem das Ansehen der deutschen Politik. 

Wer ist überhaupt auf den dummen Einfall gekommen, Sie in eine so hohe diplomatische Funktion einzusetzen? Ihr eigenmächtiges und absolut undiplomatisches Verhalten war schließlich ausreichend bekannt. Mit Ihrer Stimme für die Weiterzulassung von Glyphosat entgegen des Regierungsbeschlusses haben Sie sich leider am Krebstod vieler Menschen und übler Umweltverseuchung europaweit mitschuldig gemacht. Zahlreiche Studien, auch die der WHO, belegen, dass das Zeug kanzerogen ist. Ich verstehe bis heute nicht, warum die Kanzlerin Sie damals nicht umgehend nach Berlin zurückbeordert und dafür gesorgt hat, dass Sie noch am selben Tag unehrenhaft Ihre Entlassungsurkunde bekommen haben. Und Ihre CSU hätte dafür sorgen müssen, dass Sie unverzüglich Ihr Bundestagsmandat niederlegen. Da zu befürchten war, dass Sie als bekennender Querkopf das nicht tun, wäre Ihr Ausschluss aus der Fraktion angezeigt gewesen. Aber bei der Partei ist anzunehmen, dass sie auch noch stolz auf Ihr renitentes, nach meinem Dafürhalten beinahe kriminelles Verhalten war.

Suchen Sie sich einen Job außerhalb der Politik, denn für diese sind Sie von Ihrer Persönlichkeitsstruktur her nicht geeignet.

In diesem Sinne,

Jürgen Streich


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