Salman Rushdie bei Messerattentat schwer verletzt

Salman Rushdie bei Messerattentat schwer verletzt

(Aktualisiert am 17. 8. 2022 um 22.14 Uhr) Der weltberühmte Schriftsteller Salman Rushdie ist auf einer Veranstaltung in Chautauqua im US-Staat New York schwer am Hals und Bauch verletzt worden. Seinem Literaturagenten Andrew Wylie zufolge befand er sich während einer stundenlangen Notoperation in einem Krankenhaus in Erie (Pennsylvania), in das er mit einem Hubschrauber gebracht worden war, zunächst in Lebensgefahr. Mittlerweile ist er bereits mehrfach operiert worden, sein Zustand war sehr kritisch, aber laut New York Times wird er nicht mehr künstlich beatmet und kann wieder ein paar Sätze sprechen.

Der Autor Salman Rushdie wurde bei einer Messerattacke schwer verletzt, ist aber außer Lebensgefahr.

Laut Wylie trug Rushdie außer der schweren Halsverletzung weitere Verletzungen davon. So ist seine Leber durchstochen und in einem Arm sind die Nervenstränge durchtrennt. Möglicherweise wird er ein Auge verlieren. Gleichwohl twitterte sein Sohn Zafar Rushdie: „Trotz seiner schwerwiegenden und lebensverändernden Verletzungen bleibt sein üblicher kämpferischer und aufsässiger Sinn für Humor intakt.“

Während Rushdies Vorstellung sprang der 24jährige Hady M., ein Sohn libanesischer Einwanderer, der in Fairview in New Jersey lebt und eine Eintrittskarte besaß, auf und stach den Autoren nieder. Sofort waren Sicherheitsleute und Helfer aus dem Publikum zur Stelle und schützten Rushdie. Ein Polizist aus new York überwältigten den Täter, dessen Motiv noch unklar ist, während eine Ärztin aus dem Publikum die Erstversorgung Rushdies übernahm. Hady M. soll ersten Erkenntnissen zufolge keine Komplizen gehabt haben. Laut dem Fernsehsender NBC soll er „Sympathien für schiitischen Extremismus“ pflegen. Inzwischen ist er vom Staatsanwalt des Bezirks Chautauqua County wegen Mordversuchs angeklagt und in U-Haft genommen worden. Sein vom Gericht bestellter Anwalt teilte mit, das Hady M. auf „nicht schuldig“ plädiere.

Die Mutter des Attentäters sagte der New York Times, dass sie ihm keinen Beistand leisten werde und ihm auch nichts zu sagen habe. Grundsätzlich wolle sie nichts mehr mit ihm z tun haben. Sie sagte den Jorunalisten des Blattes, dass ihr Sohn von einer Nahostreise wesensverändert zurückgekommen sei.

Henry Reese, der Moderator der Veranstaltung, auf der Rushdie einen Vortrag unter dem Titel „Die USA als Asyl für Autoren im Exil und als Heimat für kreative Freiheit“ halten und anschließend an einer Podiumsdiskussion teilnehmen wollte, wurde leicht im Gesicht verletzt. Reese ist Präsident der Hilfsorganisation „City of Asylum“, die sich für verbannte und verfolgte Schriftsteller einsetzt.

Die mit 2.500 Besuchern ausverkaufte Veranstaltung stand unter dem Motto „More than Shelter?“ (dt.: „Mehr als ein Bunker?) und sollte sich mit der Frage befassen, ob die USA ein sicherer Zufluchtsort für Schriftsteller im Exil sind. Eingeladen hatte die Chautauqua Institution, die regelmäßig Schriftsteller, Musiker, Maler und Pädagogen Lesungen und Vorträgen mit Diskussionen auf dem Podium und mit dem Publikum veranstaltet.

Im Jahr 1988 hatte Salman Rushdie sein Buch „Die satanischen Verse“ veröffentlicht. Der iranische Revolutionsführer Ayatollah Khomeini verhängte daraufhin 1989 eine sogenannte Fatwa, ein Todesurteil gegen den Schriftsteller. Khomeini befand, dass der Inhalt der „Satanischen Versen“ Blasphemie sei und setzte für denjenigen, der Rushdie töten würde, ein Kopfgeld in Höhe von über drei Millionen US-Dollar aus. 1992 wurde der japanische Übersetzer des Buches ermordet.

Der iranisch-deutsche FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai twitterte: „Für diesen feigen Anschlag trägt das iranische Mullah-Regime auch Verantwortung. Das sollte jeder wissen, der normale Beziehungen mit diesem Regime will. Für diesen feigen Anschlag trägt das iranische Mullah-Regime auch Verantwortung. Das sollte jeder wissen, der normale Beziehungen mit diesem Regime will.“

Der 1947 im indischen Mumbai (zuvor Bombay) geborene Salman Rushdie tauchte nach der Fatwa zunächst unter und lebte unter einem Decknamen stark bewacht an wechselnden Orten, 1993 u. a. bei dem Kölner Enthüllungsautor Günter Wallraff. Seit nunmehr 16 Jahren verzichtet der zwischenzeitliche Präsident von PEN America auf einen Sicherheitdienst, weil er sein Leben leben wolle, und lebt inmitten von Manhattan. Er sei „den düsteren Wolken des Mordaufrufs entkommen“, betonte er. In jüngster Zeit arbeitete er u. a. als Dozent an der New York University, wo er ein Seminar über „Journalismus als Literatur“ leitete. Er betonte: „Ein Roman kann keine Kugel stoppen… Ein Roman kann keine Bombe entschärfen… Aber wir sind nicht hilflos… Wir können die Wahrheit singen und die Lügner benennen.“ Folglich engagierte sich der ehemalige Präsident von PEN America gegen Trumpisten und Coronaleugner.

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